In dieser Arbeit gebe ich einen Überblick über die Hauptaspekte und Forderungen des Empowerment-Konzeptes, innerhalb dessen die angestrebte Verwirklichung des Selbstbestimmungsgedankens sowohl auf persönlicher als auch auf struktureller Ebene eine wesentliche Rolle spielt.
Hierfür wird zuerst der Begriff „Empowerment“ näher bestimmt sowie auf seine Entstehungsgeschichte und auf die wichtigsten Aspekte näher eingegangen. Anschließend beschäftige ich mich mit den verschiedenen Ebenen und Bezugswerten des Empowerments und schließe diese Arbeit mit dem Verweis auf die aktuelle Diskussion um das Empowerment in der deutschen Heilpädagogik ab.
Der Begriff „Empowerment“ stammt aus den USA und kann wörtlich übersetzt werden mit Selbstbefähigung oder auch Selbstermächtigung. Damit bezeichnet werden Entwicklungsprozesse, in deren Verlauf Menschen ihre Ressourcen in einer Art und Weise aktivieren und nutzen können, um ein nach eigenen Maßstäben ´besseres` Leben führen zu können.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Das Empowerment-Konzept
2.1. Begriffsbestimmung
2.2. Historische Skizzen
2.3. Zentrale Aspekte
3. Ebenen und Bezugwerte
3.1. Individuelle Ebene - Autonomie und Selbstbestimmung
3.2. Gruppen- und Organisationsebene - Partizipation
3.3. Strukturebene – Verteilungsgerechtigkeit
4. Widersprüche, Handlungsparadoxien und Machtverhältnisse
5. Konsequenzen für professionelles Handeln in der Sozialen Arbeit
5.1. Werte, Einstellungen und Bereitschaft der Mitarbeiter
5.2. Zur Rolle der professionellen Helfer
6. Schluss
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit setzt sich kritisch mit Empowerment-Konzepten im Kontext der Arbeit mit Menschen mit geistiger Behinderung auseinander. Ziel ist es, einen Überblick über das theoretische Verständnis von Empowerment sowie dessen praktische Relevanz und Umsetzungsmöglichkeiten für die Heilpädagogik zu geben, wobei die Stärkung von Autonomie und Selbstbestimmung im Zentrum steht.
- Historische Ursprünge und theoretische Grundlagen von Empowerment.
- Die verschiedenen Ebenen (individuell, Gruppen-, Strukturebene) der Anwendung.
- Handlungsparadoxien und Machtstrukturen in sozialen Einrichtungen.
- Anforderungen an professionelle Helfer und ein neues Rollenverständnis.
- Die Bedeutung von Selbstbestimmung im Lebensalltag der Betroffenen.
Auszug aus dem Buch
2.1. Begriffsbestimmung
Der Begriff „Empowerment“ stammt aus den USA und kann wörtlich übersetzt werden mit Selbstbefähigung oder auch Selbstermächtigung. Damit bezeichnet werden Entwicklungsprozesse, in deren Verlauf Menschen ihre Ressourcen in einer Art und Weise aktivieren und nutzen können, um ein nach eigenen Maßstäben ´besseres` Leben führen zu können.
Eine bloße Übersetzung ist allerdings unzureichend. Es besteht die Gefahr, den Begriff mit der in der sozialen Arbeit verbreiteten „(Leer)-Formel“ (vgl. GALUSKE 2000, S.264) von der „Hilfe zur Selbsthilfe“ gleichzusetzen, die in der Praxis im Grunde auf die Wiederherstellung der Arbeitsfähigkeit als Grundlage einer eigenfinanzierten Lebensführung reduziert wird, gleichzusetzen und dadurch wesentliche Merkmale und Zusammenhänge des Empowerment-Konzeptes unberücksichtigt zu lassen. Zudem ist diese Begriffsübersetzung offen für widersprüchliche Interpretationen und ideologische Instrumentalisierungen. HERRIGER beschreibt den Empowerment-Begriff in diesem Zusammenhang als „Begriffsregal, das mit unterschiedlichen Grundüberzeugungen, Werthaltungen und moralischen Prämissen aufgefüllt werden kann.“ (HERRIGER 1997, S.11).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Der Autor erläutert seine Motivation für die Themenwahl, die auf persönlichen Erfahrungen in einem Ferienprojekt für Menschen mit geistiger Behinderung basiert.
2. Das Empowerment-Konzept: Dieses Kapitel definiert Empowerment als Prozess der Selbstbemächtigung und beleuchtet die historischen Wurzeln in der US-Bürgerrechts- und Independent-Living-Bewegung.
3. Ebenen und Bezugwerte: Die Arbeit differenziert Empowerment in die individuelle Ebene, die Gruppen- und Organisationsebene sowie die Strukturebene, um verschiedene Anwendungsfelder aufzuzeigen.
4. Widersprüche, Handlungsparadoxien und Machtverhältnisse: Hier werden die Spannungsfelder zwischen Idealen und praktischen ökonomischen sowie hierarchischen Zwängen in der Behindertenhilfe kritisch analysiert.
5. Konsequenzen für professionelles Handeln in der Sozialen Arbeit: Das Kapitel beschreibt, wie sich die Rolle der Fachkräfte vom Betreuer zum Assistenten wandeln muss, um Empowerment in der Praxis zu ermöglichen.
6. Schluss: Der Autor resümiert die Notwendigkeit einer neuen Haltung in der Arbeit mit Menschen mit geistiger Behinderung und betont die Bedeutung von Wahlmöglichkeiten und der Partizipation der Betroffenen.
Schlüsselwörter
Empowerment, Selbstbestimmung, geistige Behinderung, Behindertenhilfe, Partizipation, Autonomie, soziale Arbeit, Ressourcenorientierung, Selbstbemächtigung, Hilfesystem, Lebenswelt, Advocacy, Assistenz, Advocacy, Empowerment-Prozess.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Anwendung des Empowerment-Konzepts bei Menschen mit geistiger Behinderung und untersucht, wie dieses theoretische Modell praktisch in der heilpädagogischen Arbeit umgesetzt werden kann.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die historische Entstehung von Empowerment, seine verschiedenen Dimensionen auf individueller und struktureller Ebene, die Herausforderungen in der professionellen Praxis sowie die notwendige Neudefinition der Rolle helfender Fachkräfte.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel besteht darin, einen Überblick über das Empowerment-Konzept zu geben und aufzuzeigen, wie dieses Modell dazu beitragen kann, Selbstbestimmung und Autonomie für Menschen mit geistiger Behinderung in ihrem Lebensalltag zu fördern.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine theoretische Aufarbeitung der einschlägigen Fachliteratur und reflektiert diese anhand der beruflichen Erfahrungen des Autors in der Arbeit mit Menschen mit Behinderung.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Begriffsbestimmung, die Analyse von Ebenen und Bezugswerten sowie eine kritische Auseinandersetzung mit Widersprüchen und Machtverhältnissen in der täglichen Arbeitspraxis.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe umfassen Empowerment, Selbstbestimmung, Autonomie, Partizipation, Behindertenhilfe und Ressourcenorientierung.
Warum ist eine Unterscheidung zwischen "Hilfe zur Selbsthilfe" und Empowerment wichtig?
Der Autor argumentiert, dass eine reine "Hilfe zur Selbsthilfe" oft auf die Wiederherstellung der Arbeitsfähigkeit reduziert wird, während Empowerment einen weitergehenden Prozess der persönlichen Selbstbemächtigung und Teilhabe anstrebt.
Welche Rolle spielt die "Independent-Living-Bewegung" für das Konzept?
Diese Bewegung lieferte wichtige Impulse, indem sie forderte, die Bedürfnisse von Menschen mit Behinderung in den Mittelpunkt zu stellen und ihnen eine echte Auswahl an Dienstleistungen und eine Kontrolle über ihre Lebensumstände zu ermöglichen.
Wie sollte sich die Rolle eines "professionellen Helfers" nach dem Empowerment-Verständnis verändern?
Die professionelle Rolle sollte sich vom klassischen "Betreuer", der stellvertretend entscheidet, zum "Assistenten" wandeln, der Unterstützung anbietet, ohne sie aufzudrängen, und die Entscheidungsfreiheit der Betroffenen achtet.
- Arbeit zitieren
- Mark Ormerod (Autor:in), 2004, Empowerment-Konzepte bei Menschen mit geistiger Behinderung, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/284728