Die Prostitution gilt als sehr umstrittenes Thema in der Gesellschaft. Die seit 2002 liberale Prostitutionspolitik Deutschlands unterliegt auch einem sich stetig verändernden Blick der Gesellschaft auf das Thema Prostitution. In meiner Arbeit stelle ich die alten den neuen gesetzlichen Regelungen gegenüber und werfe einen kurzen Blick auf die Prostitutionspolitik in einigen Ländern Europas. Der Schwerpunkt meiner Arbeit liegt jedoch auf den Arbeits- und Lebensbedingungen der Prostituierten nach 2002 und den Hilfsangeboten. Jedoch gehe ich nur auf die Hilfsangebote ein, die im Landkreis XY bestehen, da dies der Arbeitsbereich meiner Praxisstelle ist und weitere vielfältige Angebote den Rahmen dieser Seminararbeit sprengen würden. Weiter beschäftige ich mich mit den Möglichkeiten und Grenzen Sozialer Arbeit im Bereich Prostitution und beziehe mich in der Arbeit bewusst auf die Seite der freiwilligen Prostituierten sowie auch der Zwangsprostitution. Am Ende werfe ich nochmals einen kritischen Blick auf das ProstG und schließe mit einem persönlichen Fazit.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Gegenüberstellung alter und neuer gesetzlicher Regelungen
2.1. Gesetzliche Regelungen bis 2001
2.2 Gesetzliche Neuregelungen ab 2002
2.2.1. ProstG
2.2.2. Strafgesetzbuch
3. Prostitution in Europa
4. Arbeitsbedingungen der Prostituierten
4.1. Arbeitssituation und sexuelle Selbstbestimmung
4.2. Auswirkungen auf freiwillige Prostituierte
4.2.1. Krankenversicherung
4.2.2. Rentenversicherung
4.2.3. Arbeitsverträge
4.2.4. Besteuerung der Prostituierten
4.3. Auswirkungen auf Zwangsprostitution
4.4. Auswirkungen auf Hygiene und Gesundheit
4.3.1. Pro und Contra der Pflichtuntersuchung
5. Minderjährigenprostitution
6. Hilfsangebote für Prostituierte
6.1. Angebot und Zielsetzung
6.2. Aufgaben der psychosozialen Prostituiertenberatung
7. Möglichkeiten und Grenzen Sozialer Arbeit
7.1. Möglichkeiten
7.1.1. Kooperationen
7.1.2. Ausstieg
7.2. Grenzen
8. Kritischer Blick auf die Auswirkungen des ProstG
9. Persönliches Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Auswirkungen des 2002 in Deutschland eingeführten Prostitutionsgesetzes (ProstG) auf die Lebens- und Arbeitsbedingungen von Prostituierten und analysiert, welche unterstützenden Rollen die Soziale Arbeit in diesem Kontext einnehmen kann.
- Vergleich der gesetzlichen Lage vor und nach der Einführung des ProstG 2002.
- Analyse der Arbeitsbedingungen in verschiedenen Prostitutionsformen und deren Auswirkung auf die sexuelle Selbstbestimmung.
- Untersuchung der Rolle der Sozialen Arbeit bei der Unterstützung freiwilliger Prostituierter sowie bei Ausstiegsprozessen.
- Kritische Reflexion der Auswirkungen des ProstG in Bezug auf Menschenhandel und Zwangsprostitution.
- Vorstellung von Hilfsangeboten am Beispiel des Gesundheitsamtes XY.
Auszug aus dem Buch
4.1. Arbeitssituation und sexuelle Selbstbestimmung
Bordelle und sogenannte Sauna-Clubs gehören zu den bekanntesten Prostitutionsbereichen. In diesem Bereich arbeiten die Prostituierten oft auf selbstständiger Basis und sowohl hauptberuflich als auch nebenberuflich. Die Freier werden hier auch als ‚Laufkundschaft‘ bezeichnet und können, wenn sie über 18 Jahre alt sind, das Etablissement besuchen und sich eine der dort arbeitenden Prostituierten aussuchen. Die Frauen mieten in den Räumlichkeiten für einen festgelegten Betrag ein Zimmer an und können das erwirtschaftete Geld, wenn sie keinen Zuhälter haben, behalten. Wohnungen sind dagegen nicht so offensichtlich wie z.B. Bordelle und haben auch keine große Außenwerbung. Die Frauen teilen sich oft eine Wohnung worin jede, wie in einem Bordell, ihr eigenes Zimmer hat. Dabei nehmen die „Vermieter“ den Frauen oft völlig überzogene Mietpreise ab, die dem Zustand der Wohnung nicht entsprechen. Termine mit Freiern kommen z.B. über eine Anzeige in der Zeitung und telefonische Kontakte zustande.
In beiden Prostitutionsbereichen werden den Frauen häufige Ortswechsel abverlangt, sodass viele nur wenige Tage an einem Ort bleiben. Bordelle, Clubs und „Vermieter“ üben entsprechenden Druck aus, um immer wieder neue Frauen „anbieten“ zu können. Somit haben die Frauen oft keine Möglichkeit, soziale Kontakte zu knüpfen oder dauerhafte Freundschaften aufzubauen. Dies hat zur Folge, dass sie mit einer Fülle seelischer Schwierigkeiten belastet und häufig sozial sehr isoliert sind. Weiter ist es abhängig vom einzelnen Bordell, Club oder Wohnung ob die dort arbeitenden Frauen einen unangenehmen Freier ablehnen können. Dies ist von der persönlichen Situation der Prostituierten abhängig. Hat die Frau große finanzielle Probleme ist es unwahrscheinlich, dass sie ihre sexuelle Selbstbestimmung über die finanzielle Absicherung stellt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in das Thema, Darstellung der Relevanz des ProstG im Policy-Cycle und Abgrenzung des Untersuchungsbereichs.
2. Gegenüberstellung alter und neuer gesetzlicher Regelungen: Analyse der rechtlichen Veränderungen von der Sittenwidrigkeit nach BGB hin zum ProstG und Änderungen im Strafgesetzbuch.
3. Prostitution in Europa: Kurzer Überblick über die verschiedenen Ansätze in den Niederlanden, Schweden und Österreich.
4. Arbeitsbedingungen der Prostituierten: Detaillierte Betrachtung verschiedener Arbeitskontexte sowie der sozialen und gesundheitlichen Folgen des ProstG für die Frauen.
5. Minderjährigenprostitution: Diskussion über das Schutzalter und die Herausforderungen bei der Prävention und Unterstützung minderjähriger Betroffener.
6. Hilfsangebote für Prostituierte: Beschreibung der Angebote, insbesondere im Gesundheitsamt, und Erläuterung der Aufgaben psychosozialer Beratung.
7. Möglichkeiten und Grenzen Sozialer Arbeit: Reflexion über die Beratungsarbeit, Kooperationen und die Hindernisse bei der Unterstützung von Prostituierten.
8. Kritischer Blick auf die Auswirkungen des ProstG: Zusammenfassende kritische Einordnung und Thesen zur notwendigen politischen Nachbesserung des Gesetzes.
9. Persönliches Fazit: Persönliche Einschätzung der Autorin hinsichtlich der Prostitution als gesellschaftliches Phänomen und der Kritik am liberalen Gesetzgebungsmodell.
Schlüsselwörter
Prostitutionsgesetz, ProstG, Soziale Arbeit, Arbeitsbedingungen, sexuelle Selbstbestimmung, Zwangsprostitution, Menschenhandel, psychosoziale Beratung, Gesundheitsamt, Prävention, Ausstieg, Freiwilligkeit, Rechtslage, Diskriminierung, Lebensbedingungen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit primär?
Die Arbeit analysiert die Auswirkungen des 2002 eingeführten Prostitutionsgesetzes auf die Arbeits- und Lebensbedingungen von Prostituierten in Deutschland.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Zu den zentralen Themen gehören die rechtliche Einordnung, der Vergleich zur alten Gesetzeslage, Arbeitsbedingungen in verschiedenen Milieus, Zwangsprostitution sowie die Rolle der Sozialen Arbeit.
Was ist das Hauptziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, zu evaluieren, inwieweit das ProstG die Situation von Prostituierten verbessert hat und welche Möglichkeiten der Unterstützung durch die Soziale Arbeit bestehen.
Welche wissenschaftliche Methode liegt der Arbeit zugrunde?
Die Autorin verwendet eine politikfeldanalytische Perspektive auf der Ebene des Policy-Cycles sowie eine praxisorientierte Analyse aus der Perspektive der Sozialen Arbeit.
Was wird im Hauptteil der Arbeit thematisiert?
Der Hauptteil befasst sich mit dem Rechtsvergleich, einer Differenzierung der Arbeitsumfelder (Bordell, Escort, Straßenstrich), dem Thema Zwangsprostitution und den praktischen Hilfsangeboten für Betroffene.
Welche Schlagworte charakterisieren diese Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Prostitutionsgesetz (ProstG), sexuelle Selbstbestimmung, Menschenhandel, psychosoziale Beratung und Ausstiegshilfen.
Wie wirkt sich das ProstG laut Autorin auf die Zwangsprostitution aus?
Die Autorin kritisiert, dass das ProstG primär auf freiwillige Prostitution ausgerichtet ist und der Zwangsprostitution bzw. dem Menschenhandel durch die Abschaffung der Pflichtuntersuchungen zu viel Spielraum lässt.
Warum fordert die Autorin ein Mindestalter von 21 Jahren?
Aufgrund der mangelnden Reife junger Frauen in diesem Kontext und in Anlehnung an das Jugendstrafrecht, das bis zum 21. Lebensjahr Anwendung finden kann, wird die Anhebung als notwendiger Schutz gefordert.
Welche Rolle spielt das Gesundheitsamt im Hilfssystem?
Das Gesundheitsamt dient als zentrale, niedrigschwellige Anlaufstelle für medizinische Untersuchungen, Beratung zu Infektionsschutz und als Brücke zur sozialen Unterstützung.
- Arbeit zitieren
- Franziska Schrade (Autor:in), 2013, Prostitutionspolitik in Deutschland. Die Auswirkungen des Prostitutionsgesetzes 2002 und Hilfsansätze der Sozialen Arbeit, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/284470