Die Bilanzierung nach internationalen Rechnungslegungsstandards (IFRS) gewinnen auch in Deutschland zunehmend an Bedeutung.
Künftig soll das Overriding Principle (IFRS) durch die EU Bilanzrichtlinie in das deutsche HGB übernommen werden.
Hintergründe, Aussichten und Probleme in Bezug auf die Umsetzung werden in der Arbeit näher erläutert.
Gliederung
1. Einleitung
2. Internationale Rahmenbedingungen in der Rechnungslegung
3. Das Overriding principle gem. IAS 1.19
4. Die EU - Bilanzrichtlinie 2013/34 EU
5. Nationale Rahmenbedingungen in der Rechnungslegung
5.1. Tatsächliche Verhältnisse gem. §264 II s.1 HGB
5.2. Korrektur unter besonderen Umständen gem. 264 II s.2 HGB
5.3. Generalnorm des §264 II HGB und Overriding Principle im Vergleich
6. Mögliche Umsetzung des Overriding Principles in nationales Recht
7. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit analysiert die theoretische Bedeutung und praktische Anwendung des „Overriding Principle“ gemäß IAS 1.19 im Kontext internationaler Rechnungslegungsstandards und untersucht kritisch, wie diese Grundsätze durch die neue EU-Bilanzrichtlinie 2013/34/EU in das deutsche Handelsrecht überführt werden können.
- Grundlagen internationaler Rechnungslegung nach IFRS
- Anwendungsbedingungen und Transparenzpflichten des Overriding Principle nach IAS 1.19
- Vergleich der EU-Bilanzrichtlinie mit der deutschen Generalnorm § 264 II HGB
- Kritische Würdigung der Übertragbarkeit auf nationale Rechtsprinzipien
- Harmonisierungspotenzial des europäischen Bilanzrechts
Auszug aus dem Buch
3. Das Overriding principle gem. IAS 1.19
IAS 1.19: “In den äußerst seltenen Fällen, in denen das Management zu dem Ergebnis gelangt, dass die Einhaltung einer in einem IFRS enthaltenen Anforderung so irreführend wäre, dass sie zu einem Konflikt mit dem im Rahmenkonzept dargestellten Zweck führen würde, hat ein Unternehmen von dieser Anforderung unter Beachtung der Vorgaben des Paragraphen 20 abzuweichen, sofern die geltenden gesetzlichen Rahmenbedingungen eine solche Abweichung erfordern oder ansonsten nicht untersagen.“
Das Overriding principle kann prinzipiell nur in äußerst seltenen Ausnahmefällen Anwendung finden. Dies ist bereits daraus ersichtlich, dass eine umfangreiche Menge an Normen zuvor negativ geprüft werden muss um überhaupt eine Anwendung des Overriding principles möglich zu machen.
Eines der wenigen möglichen Anwendungsbeispiele ist möglicherweise dann gegeben, wenn beispielsweise neue unbekannte Sachverhalte entstehen die von gängigen Rechnungslegungsnormen noch unberücksichtigt sind und nicht durch zusätzliche Angaben außerhalb von Bilanz und GuV gem. IAS 1.17c geheilt werden können. Wird das Overriding principle in einem derartigen Fall angewandt, sind dazu umfangreiche Angaben in den notes nach IAS 1.112 zu machen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Thematik der Rechnungslegung bei der Deutschen Post AG ein und erläutert die Relevanz des Overriding Principle anhand eines konkreten Bilanzierungsvorfalls.
2. Internationale Rahmenbedingungen in der Rechnungslegung: Das Kapitel erläutert den Aufbau der IFRS sowie deren Zweck als System, das auf eine "Fair Presentation" der wirtschaftlichen Lage abzielt.
3. Das Overriding principle gem. IAS 1.19: Hier wird die Ausnahmeklausel des IAS 1.19 detailliert beschrieben, die Abweichungen von IFRS-Vorschriften erlaubt, sofern diese irreführend wären.
4. Die EU - Bilanzrichtlinie 2013/34 EU: Dieses Kapitel stellt die neue EU-Richtlinie vor und analysiert deren Ziel der Harmonisierung sowie die Einführung einer entsprechenden Generalnorm.
5. Nationale Rahmenbedingungen in der Rechnungslegung: Es werden die Grundlagen des HGB, insbesondere § 264 II, untersucht und deren Ähnlichkeit zum Overriding Principle diskutiert.
5.1. Tatsächliche Verhältnisse gem. §264 II s.1 HGB: Dieses Unterkapitel definiert den unbestimmten Rechtsbegriff der "tatsächlichen Verhältnisse" im Rahmen der handelsrechtlichen Rechnungslegung.
5.2. Korrektur unter besonderen Umständen gem. 264 II s.2 HGB: Hier wird erläutert, wie bei einer Verzerrung der Unternehmenslage eine Korrektur durch Angaben im Anhang erfolgen kann.
5.3. Generalnorm des §264 II HGB und Overriding Principle im Vergleich: Es erfolgt ein direkter Vergleich zwischen dem deutschen Gläubigerschutzprinzip und dem Informationszweck des IFRS-Overriding-Prinzips.
6. Mögliche Umsetzung des Overriding Principles in nationales Recht: Das Kapitel diskutiert die Herausforderungen bei der Integration des Prinzips in das deutsche Recht und beleuchtet die Sorge vor missbräuchlicher Nutzung.
7. Fazit: Die abschließende Betrachtung bewertet die Harmonisierung des Bilanzrechts kritisch und stellt die Notwendigkeit einer wörtlichen Übernahme des Prinzips in das HGB in Frage.
Schlüsselwörter
Overriding Principle, IAS 1.19, Rechnungslegung, HGB, § 264 II, EU-Bilanzrichtlinie, Fair Presentation, Gläubigerschutz, Bilanzwahrheit, Harmonisierung, Jahresabschluss, IFRS, Bilanzierung, Finanzberichterstattung, Transparenz
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit dem sogenannten „Overriding Principle“ aus den internationalen Rechnungslegungsstandards (IFRS) und dessen möglicher Integration in das deutsche Handelsrecht infolge der EU-Bilanzrichtlinie 2013/34/EU.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Ausnahmeregelungen in der Rechnungslegung, der Vergleich zwischen IFRS und HGB, die Funktion des Jahresabschlusses (Informationsfunktion vs. Gläubigerschutz) sowie die Harmonisierung des europäischen Bilanzrechts.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, zu analysieren, ob die Übernahme des Overriding Principle in nationales Recht notwendig oder sinnvoll ist, insbesondere da das deutsche HGB bereits über ähnliche Generalnormen verfügt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine rechts- und rechnungslegungsorientierte Literatur- und Normenanalyse, die aktuelle Gesetzesvorgaben mit theoretischen Standards sowie konkreten Anwendungsfällen aus der Praxis kontrastiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung internationaler Standards (IAS/IFRS), die Analyse der neuen EU-Richtlinie, die Untersuchung der nationalen HGB-Vorgaben (§ 264 II) und die kritische Diskussion zur praktischen Umsetzung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie Overriding Principle, Fair Presentation, HGB-Generalnorm, Bilanzwahrheit, Gläubigerschutz und EU-Harmonisierung.
Warum wird der Fall der Deutschen Post AG als Einleitung gewählt?
Der Fall dient als praktisches Beispiel dafür, wie ein Unternehmen versuchte, unter Berufung auf das Overriding Principle von Bewertungsregeln abzuweichen, was letztlich von der Deutschen Prüfstelle für Rechnungslegung als inkorrekt abgelehnt wurde.
Welche Bedenken äußert der Autor gegenüber einer wörtlichen Übernahme des Prinzips?
Der Autor befürchtet eine missbräuchliche Nutzung durch Unternehmen, um opportunistische Bilanzpolitik zu betreiben, sowie einen Widerspruch zu fundamentalen deutschen Rechtsprinzipien wie dem Vorsichtsprinzip.
- Arbeit zitieren
- Daniel Riedel (Autor:in), 2014, Das Overriding Principle gemäß Art.4 der EU Bilanzrichtlinie und seine Umsetzung in Deutschland sowie die Auswirkungen, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/283568