Dieser Text befasst sich mit der Frage, inwieweit das Konzept des Sozialstaats in das Konzept der embedded democracy vom Wolfgang Merkel (2010) integrierbar ist. Dabei wird nach Vorteilen des Sozialstaats gesucht, die das Konzept von Merkel sinnvoll ergänzen könnten. Dafür gibt der erste Abschnitt einen Überblick über das embedded democracy-Konzept von Wolfgang Merkel und erläutert die verschiedenen Teilregime, sowie das Prinzip der internen und externen Einbettung. Der zweite Abschnitt erläutert das Konzept und die Grundstruktur eines Sozialstaates anhand der Definition von Thomas Meyer (2011). Im dritten Abschnitt werden die Kritikpunkte an Merkels Konzept und die Möglichkeit einer Integration des Elements „Sozialstaat“ konkretisiert.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
Das Konzept der embedded democracy
Das Konzept des Sozialstaats
Universalistische (sozialdemokratische) Sozialstaaten skandinavischen Typs
Das kontinentale konservative Sozialstaatsregime
Das angelsächsische liberale Sozialstaatsregime
Der Sozialstaat im Konzept der embedded democracy
Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht, inwieweit das Konzept des Sozialstaates in das Modell der embedded democracy von Wolfgang Merkel integriert werden kann, um eine stabilere demokratische Grundstruktur zu fördern.
- Analyse der fünf Teilregime des Konzepts der embedded democracy.
- Untersuchung der Struktur und der Idealtypen von Sozialstaaten nach Esping-Andersen und Meyer.
- Bewertung der Wechselwirkung zwischen sozialstaatlichen Sicherungsleistungen und politischen Teilhaberechten.
- Diskussion über die Notwendigkeit sozialer Gerechtigkeit als Voraussetzung für funktionierende demokratische Prozesse.
Auszug aus dem Buch
Das Konzept der embedded democracy
Wolfgang Merkel beschreibt in seinem Lehrbuch „Systemtransformation - Eine Einführung in die Theorie und Empirie der Transformationsforschung“ von 2010 das theoretische Konzept einer stabilen und funktionierenden Demokratie, basierend auf fünf verschiedenen Teilregimen mit interner und externer Einbettung. Dieses Konzept der embedded democracy, bzw. eingebetteten Demokratie, geht dabei über das Polyarchieverständnis von Downs, Huntington, Przeworski und Dahls hinaus und bezieht sich auf eine rein institutionelle Architektur (vgl. Merkel 2010: 30). Die fünf Teilregime, aus der eine embedded democracy im Kern besteht, sind folgende: Wahlregime, politische Freiheiten, bürgerliche Rechte, horizontale Verantwortlichkeit und effektive Regierungsgewalt.
Merkel unterteilt diese Teilregime in verschiedene Dimension. Das Wahlregime sichert den Zugang zu zentralen staatlichen Machtpositionen, sowie den offenen Wettbewerb um diese Posten (vgl. Merkel 2010: 31). Das Wahlregime nimmt in dem Konzept der embedded democracy den zentralen Platz ein, da „Wahlen der sichtbarste Ausdruck der Volkssouveränität sind“ (Merkel 2010: 32). Tragende Elemente eines (demokratischen) Wahlregimes sind daher das universelle aktive Wahlrecht, das universelle passive Wahlrecht, freie und faire Wahlen sowie die gewählten Mandatsträger (vgl. Merkel 2010: 32). Das zweite Teilregime im Konzept von Merkel bilden die politischen Partizipationsrechte. Diese umfassen Meinungs- und Redefreiheit, Assoziationsrecht, Petitionsrecht, periodische Kontrolle des Systems durch Volkswahlen sowie stetige Kontrolle durch die informierte Öffentlichkeit (vgl. Merkel 2010: 32). Diese beiden Teilregime bilden die vertikale Dimension der Herrschaftslegitimation und -kontrolle (vgl. Merkel 2010: 34).
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Der Abschnitt führt in die Fragestellung ein, ob und wie der Sozialstaat in das Modell der embedded democracy von Wolfgang Merkel integriert werden kann.
Das Konzept der embedded democracy: Es werden die fünf zentralen Teilregime sowie die Bedeutung der internen und externen Einbettung für eine stabile Demokratie erläutert.
Das Konzept des Sozialstaats: Dieses Kapitel definiert den Sozialstaat als Handlungsstrategie innerhalb der sozialen Demokratie und stellt drei Idealtypen nach Gøsta Esping-Andersen vor.
Der Sozialstaat im Konzept der embedded democracy: Die Untersuchung beleuchtet die Rolle des Sozialstaats als notwendige Voraussetzung für die Wahrnehmung politischer Rechte und als Stützpfeiler der Demokratie.
Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass der Sozialstaat als Kernelement zur Absicherung der von Merkel beschriebenen bürgerlichen Partizipationsrechte fungieren sollte.
Schlüsselwörter
embedded democracy, Sozialstaat, Systemtransformation, Wolfgang Merkel, soziale Gerechtigkeit, Wahlregime, politische Partizipationsrechte, soziale Sicherung, Risiko-Kompensation, liberale Demokratie, Transformation, ökonomischer Kontext, Teilregime, demokratische Stabilität.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Demokratiekonzept der „embedded democracy“ nach Wolfgang Merkel und analysiert, ob eine stärkere Integration des Sozialstaates notwendig ist, um die Stabilität und Funktionstüchtigkeit dieses Modells zu gewährleisten.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die zentralen Themen umfassen die theoretischen Grundlagen der Transformationsforschung, die Struktur von Sozialstaatsregimen nach Esping-Andersen sowie die Wechselbeziehung zwischen marktwirtschaftlicher Ordnung und demokratischen Grundrechten.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Hauptziel besteht darin zu hinterfragen, ob der Sozialstaat als ergänzendes Element in Merkels „embedded democracy“ integriert werden sollte, um soziale Ungleichheiten abzufedern, die andernfalls die Ausübung politischer Rechte gefährden könnten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Analyse und dem Vergleich primärer politikwissenschaftlicher Literatur, insbesondere der Werke von Wolfgang Merkel (2010) und Thomas Meyer (2011).
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Vorstellung der fünf Teilregime Merkels, die Klassifizierung von Sozialstaatsmodellen und die argumentativ-kritische Verknüpfung beider Ansätze.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie embedded democracy, Sozialstaat, politische Teilhabe, Risiko-Absicherung und Systemtransformation geprägt.
Warum betrachtet Merkel den Sozialstaat als zweitrangig?
Merkel sieht den Sozialstaat eher als „wünschenswertes Politikergebnis“ denn als konstitutives Element der Demokratie, da sein Modell auf eine marktliberale institutionelle Architektur fokussiert ist.
Welche Rolle spielt die „interne Einbettung“ für den Sozialstaat?
Die interne Einbettung beschreibt wechselseitige Abhängigkeiten (Zulieferdienste). Die Arbeit argumentiert, dass der Sozialstaat diese Einbettung stärkt, indem er die Voraussetzungen für die Ausübung politischer Teilhaberechte überhaupt erst schafft.
- Arbeit zitieren
- Louis Schiemann (Autor:in), 2014, Der Sozialstaat im Konzept der "embedded democracy", München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/283556