Die Adressaten der Jugendberufshilfe werden heute mit vielerlei Bezeichnungen tituliert. Am verbreitetsten und geläufigsten ist wohl der Terminus: „benachteiligte Jugendliche“. Trotzdem habe ich mich in dieser Arbeit für einen anderen Begriff entschieden: Diese Arbeit widmet sich der Situation von Jugendlichen mit besonderem Förderbedarf.
Das System der Jugendberufshilfe gerät angesichts des angespannten Ausbildungs- und Arbeitsmarktes heute zunehmend unter Druck. Es gilt Angebote zu schaffen, die Arbeitsmarktkapazitäten erschließen und mit den Arbeitspotenzialen der Jugendlichen mit besonderem Förderbedarf zusammenführen.
Diese Arbeit gibt einen Überblick über den "Benachteiligtenbegriff", die Schule als berufsvorbereitende Institution und den Begriff der Arbeit in der Postmoderne.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Begriffsbestimmung
2.1 Der Benachteiligtenbegriff
2.2 Der Begriff der Behinderung
2.3 Benachteiligte Jugendliche oder Jugendliche mit besonderem Förderbedarf?
2.4 Zielgruppe
3 Schule als berufsvorbereitende Instanz?
3.1 Das Konzept der Ganztagsschule
3.2 Zum Verhältnis von Schul- und Beschäftigungssystem
4 Entwicklungsaufgaben in der Jugend
5 Postmoderne und der Begriff der Arbeit
5.1 Postmoderne – Versuch einer Konkretisierung
5.1.1 Zeichen der Zeit
5.1.2 Individualisierung und Pluralisierung
5.1.3 Auswirkungen von Individualisierung und Pluralisierung für Jugendliche mit besonderem Förderbedarf
5.2 Der Begriff der Arbeit
5.2.1 Bedeutung von Erwerbsarbeit
5.2.2 Erwerbsarbeit im Wandel und die Folgen für Jugendliche mit besonderem Förderbedarf
5.3 Erwerbsarbeit aus der Sicht von Jugendlichen mit besonderem Förderbedarf
5.3.1 Arbeitsorientierung und Arbeitserfahrung
5.4 Belastende Erwerbssituationen und mögliche Bewältigungsstrategien
5.5 Jugendarbeitslosigkeit
5.5.1 Folgen von Erwerbslosigkeit für Jugendliche mit besonderem Förderbedarf
5.5.2 Kreislauf der Jugendarbeitslosigkeit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Problematik des Übergangs von Jugendlichen mit besonderem Förderbedarf von der Schule in das Erwerbsleben. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, wie sich die strukturellen Veränderungen des Arbeitsmarktes in der Postmoderne auf diese spezifische Gruppe auswirken und welche Chancen und Risiken sich für ihren Einstieg in die Arbeitswelt ergeben.
- Übergang von der Schule in das Erwerbsleben
- Strukturwandel der Arbeit in der postmodernen Gesellschaft
- Herausforderungen durch Individualisierung und Pluralisierung
- Analyse von Jugendarbeitslosigkeit und Bewältigungsstrategien
- Rolle der Jugendberufshilfe bei der beruflichen Integration
Auszug aus dem Buch
5.1.1 Zeichen der Zeit
Die Dynamik der Modernisierung löst langsam aber sicher die bestehenden Strukturen der Industriegesellschaft auf. Lebens- und Arbeitsformen verändern sich. Das lange Zeit klare Bild einer normalen Erwerbs- und Lebensbiografie verschwimmt Zusehens vor dem Hintergrund „postmoderner“ Wandlungsprozesse. Auch die Norm als allgemein geltende Vorschrift für das menschliche Handeln steht in Frage. Scheinbar verkommen zur Worthülse bietet sie sich allen erdenklichen, vermeidlich sinnstiftenden Denk-, Glaubens- und Lebensrichtungen zur Übernahme an. Gesellschaft, Religion, Familie, und Kultur haben an ihrer Orientierungsfunktion eingebüßt. Vielmehr existieren sie heute neben einer Vielzahl von „ […] anderen möglichen Mustern der Realitätsdefinition mit den damit verbundenen Normen, Sitten und Gebräuchen“.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die schwierige Position Jugendlicher mit besonderem Förderbedarf beim Übergang in das Arbeitsleben und die Notwendigkeit unterstützender Angebote.
2 Begriffsbestimmung: Dieses Kapitel nähert sich der Zielgruppe durch eine kritische Auseinandersetzung mit den Begriffen Benachteiligung und Behinderung an.
3 Schule als berufsvorbereitende Instanz?: Es wird das Verhältnis von Schule zum Beschäftigungssystem analysiert und die Rolle der Ganztagsschule als möglicher Faktor für berufliche Orientierung diskutiert.
4 Entwicklungsaufgaben in der Jugend: Dieses Kapitel betrachtet die psychologische Perspektive, insbesondere die Bedeutung von Identitätsbildung und Selbstwirksamkeit für Jugendliche.
5 Postmoderne und der Begriff der Arbeit: Das Hauptkapitel analysiert gesellschaftliche Wandlungsprozesse, den Begriff der Arbeit und die spezifischen Folgen für Jugendliche mit besonderem Förderbedarf angesichts von Arbeitslosigkeit und prekären Beschäftigungsverhältnissen.
Schlüsselwörter
Jugendliche mit besonderem Förderbedarf, Jugendberufshilfe, Arbeitsmarkt, Erwerbsarbeit, Postmoderne, Benachteiligung, Übergang Schule-Beruf, Jugendarbeitslosigkeit, Identität, Selbstwirksamkeit, Individualisierung, Pluralisierung, Arbeitsorientierung, Langzeitarbeitslosigkeit, Beschäftigungssystem.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit den Chancen und Herausforderungen für Jugendliche mit besonderem Förderbedarf beim schwierigen Übergang von der Schule in den Arbeitsmarkt.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den zentralen Themen gehören die Bedeutung von Arbeit in der Postmoderne, der Strukturwandel des Arbeitsmarktes und die Lebenswelt sowie die Bewältigungsstrategien betroffener Jugendlicher.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, die gesellschaftliche Bedingtheit von Arbeitslosigkeit bei dieser Zielgruppe aufzuzeigen und die Herausforderungen für die Jugendberufshilfe zu formulieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Auseinandersetzung mit soziologischen und pädagogischen Fachdiskursen sowie einer Analyse vorliegender Daten und Studien zur Situation Jugendlicher.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil behandelt die Auswirkungen von Individualisierung, den Wandel der Erwerbsarbeit, die Sicht der Jugendlichen auf Arbeit sowie die Folgen und den Kreislauf von Jugendarbeitslosigkeit.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Jugendberufshilfe, Benachteiligung, Erwerbsarbeit, Postmoderne, Arbeitsorientierung und Selbstwirksamkeit.
Warum wird der Begriff "Jugendliche mit besonderem Förderbedarf" dem Begriff "benachteiligte Jugendliche" vorgezogen?
Der Autor wählt diesen Begriff, um eine defizitorientierte Sichtweise zu vermeiden und die strukturelle gesellschaftliche Mitverantwortung stärker in den Fokus zu rücken.
Welche Rolle spielt die Schule für diese Jugendlichen?
Die Schule wird als Ausgangspunkt für den beruflichen Übergang gesehen, steht jedoch vor dem Problem, dass ihr Bildungsauftrag zunehmend durch notwendige, aber oft überfordernde Erziehungsarbeit eingeschränkt wird.
Wie bewerten die Jugendlichen ihre Arbeitssituation?
Viele Jugendliche zeigen eine starke Identifikation mit Arbeit, bewerten jedoch künstliche Maßnahmen oft als sinnlos, während sie Erfahrungen unter realen Bedingungen als lehrreich empfinden.
Was beschreibt der "Teufelskreis der Jugendarbeitslosigkeit"?
Der Teufelskreis verdeutlicht, dass soziale Benachteiligung und Arbeitslosigkeit sich gegenseitig bedingen und verstärken, wodurch ein Ausstieg für die Betroffenen massiv erschwert wird.
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- MA Kay Ullrich (Author), 2006, Jugendliche mit besonderem Förderbedarf und ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/283512