Die Bundesrepublik Deutschland ist eine Wohlstandsgesellschaft. Doch was sagt das eigentlich aus? Wohlstandsgesellschaft ist eine „in den 1960er-Jahren entstandene Bezeichnung für eine Gesellschaft, die dem überwiegenden Teil der Bevölkerung die Befriedigung materieller Bedürfnisse weit über dem Existenzminimum sowie umfassende Möglichkeiten des Konsums ermöglicht(…), während wirtschaftliche und soziale Probleme wie Arbeitslosigkeit oder Armut lediglich als Randgruppenphänomene in Erscheinung treten“. Trotz dieser Definition, die die Relevanz der Betrachtung des Armutsthemas in den Hintergrund stellt, leben laut einer UNICEF-Vergleichsstudie aus dem Jahr 2012 1,2 Millionen Kinder hierzulande in relativer Armut. Aus einer Statistik der Bundesagentur für Arbeit wurde entnommen, dass im September 2010 3,53 Mio. Bedarfsgemeinschaften Leistungen nach dem Zweiten Sozialgesetzbuch (SGB II) bezogen. In 30 Prozent dieser Bedarfsgemeinschaften lebten Kinder unter 15 Jahren, was 1,72 Mio. Kinder entspricht, die Leistungen nach dem SGB II erhielten. Infolgedessen ist es wichtig sich mit diesem Thema intensiv zu beschäftigen. Nicht nur in der Politik, sondern auch in den Medien werden immer häufiger Fälle von Kinderarmut aufgezeigt und diskutiert. Die „relative Armut“ bei Kindern und Jugendlichen in Deutschland ist weit verbreitet und hat enorme Folgen auf die Betroffenen. Im Allgemeinen leiden die Kinder eher an psychischen und sozialen Folgen des Armutsumstandes, als an der materiellen Armut an sich. Aus der Armut resultieren außerdem, neben Defiziten im psychischen Bereich, auch Defizite im Gesundheits- und Bildungsbereich. Ein weiterer Aspekt stellt die Ausgrenzung aufgrund sozialer Stellung dar. Diese soziale Folge ist neben der Stagnation keine Seltenheit bei den Armutsauswirkungen.
Die folgende Ausarbeitung beschäftigt sich zuerst mit einer genaueren Klärung des Begriffes Armut. Was genau ist Armut und wie misst man sie? Dies zu klären ist sinnvoll, da die Begriffe Kinderarmut und Armut nicht ohne weiteres voneinander getrennt werden können. Es werden Armutstypen beschrieben und die Dimensionen von Kinderarmut werden thematisiert. Im Anschluss folgt eine Darstellung der Kinderarmut in Deutschland, welche mit aktuellen Zahlen gestützt wird. Daraufhin zeigt der nächste Abschnitt die Folgen von Kinderarmut auf. Dafür werden der Gesundheits-, der psychosoziale und der Bildungsbereich erläutert.
Inhaltsverzeichnis
1. Hinführung zum Thema
2. Definition von Armut und Kinderarmut
2.1. Armut
2.2. Formen der Armut
2.3. Kinderarmut
2.4. Dimensionen der Kinderarmut
3. Kinderarmut in Deutschland
4. Folgen der Kinderarmut
4.1. Psychosoziale Folgen
4.2. Gesundheitliche Folgen
4.3. Bildungsungleichheiten als Folge
4.4. Soziale Ausgrenzung
5. Handlungsmöglichkeiten der Sozialen Arbeit
6. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Phänomen Kinderarmut in Deutschland, beleuchtet deren vielfältige Dimensionen sowie die daraus resultierenden psychosozialen, gesundheitlichen und bildungsbezogenen Folgen und diskutiert Handlungsansätze der Sozialen Arbeit.
- Begriffsbestimmung von Armut und spezifischer Kinderarmut
- Mehrdimensionale Analyse der Lebenslagen von betroffenen Kindern
- Darstellung der Verbreitung von Kinderarmut in Deutschland
- Analyse der Folgen für die kindliche Entwicklung und Teilhabe
- Strategien und Handlungsperspektiven für die Soziale Arbeit
Auszug aus dem Buch
4.1. Psychosoziale Folgen
Die bei den Betroffenen auftretenden psychosozialen Folgen zu erkennen, ist besonders schwierig, da diese nicht messbar und meist nicht direkt sichtbar sind. Als die stärksten Belastungs- und Beeinträchtigungsfaktoren der Armut bei Kindern und Jugendlichen gelten hierbei die geringere Lebenszufriedenheit, Gefühle der Hilflosigkeit und der Einsamkeit, sowie ein geringeres Selbstvertrauen. Diese psychosozialen Beeinträchtigungen treten bei Kindern, welche aus ärmlichen Verhältnissen stammen, tendenziell häufiger auf. Dazu ist anzumerken, dass rund ein Viertel der in Deutschland lebenden Kinder, welche von Armut betroffen sind, ihre Lebenssituation als „nicht sehr glücklich“ beschreiben. Außerdem haben die psychosozialen Folgen eine solche Reichweite, dass auch Konsequenzen für ihre Sozialbeziehungen auftreten. Die Betroffenen zeigen Reaktionen wie Rückzug aus sozialen Kontakten und zunehmende Einsamkeit (vgl. Butterwegge 2005, S. 135f). Der Lebensstil hat gerade auf die Persönlichkeitsentwicklung der Kinder starken Einfluss, sodass die positive Entwicklung bei Kindern, die von Armut betroffen sind, gehemmt wird. (vgl. Mansel 2000, S. 191f).
Die Armut bei Kindern hat auch große Auswirkungen auf das Selbstwertgefühl. Das Selbstwertgefühl, welches in diesem Kontext als psychische Ressource betrachtet wird, ist vor allem im Jugendalter abhängig von den gesamtgesellschaftlichen Bedingungen und Prozessen, in denen sich der Jugendliche befindet. Die Beeinflussung dieser gesellschaftlichen Veränderungsprozesse wirken sich besonders dann auf das Selbstwertgefühl aus, wenn keine oder nur beschränkte, familiäre Ressourcen zur Verfügung stehen. So ist, für den gesamten Prozess der Identitätsfindung, die Einbindung in eine stützende und stabile, soziale Bezugsgruppe von höchster Bedeutung (vgl. Mansel 2000, S. 134f).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Hinführung zum Thema: Einleitung in die Thematik der Kinderarmut im Kontext einer deutschen Wohlstandsgesellschaft inklusive problematisierender Statistiken.
2. Definition von Armut und Kinderarmut: Theoretische Herleitung verschiedener Armutsbegriffe sowie die Darstellung der Mehrdimensionalität von Kinderarmut.
3. Kinderarmut in Deutschland: Empirische Einordnung der Situation von Kindern in Deutschland unter besonderer Berücksichtigung aktueller Studien.
4. Folgen der Kinderarmut: Detaillierte Analyse der Auswirkungen in den Bereichen Psychosoziales, Gesundheit, Bildung und soziale Teilhabe.
5. Handlungsmöglichkeiten der Sozialen Arbeit: Erörterung von Präventions- und Unterstützungsstrategien zur Bekämpfung von Kinderarmut und Exklusion.
6. Fazit: Zusammenfassende Reflexion der zentralen Erkenntnisse über Kinderarmut als strukturelles Problem und die Notwendigkeit politischer sowie sozialpädagogischer Interventionen.
Schlüsselwörter
Kinderarmut, Deutschland, Soziale Ungleichheit, relative Armut, Lebenslagenansatz, AWO-ISS-Studie, Bildungschancen, Exklusion, soziale Ausgrenzung, psychosoziale Folgen, Gesundheit, Armutsprävention, Jugendhilfe, materielle Grundversorgung, Teilhabe
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit behandelt die Problematik der Kinderarmut in Deutschland und untersucht, wie dieses Phänomen trotz des Wohlstands in der Bundesrepublik existiert.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind Definitionen von Armut, die Lebenslagen betroffener Kinder, die Folgen für Entwicklung und Teilhabe sowie Möglichkeiten für die Soziale Arbeit.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, das Ausmaß und die komplexen Auswirkungen von Kinderarmut aufzuzeigen und Strategien zu diskutieren, wie Soziale Arbeit darauf reagieren kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine Literatur- und Sekundärdatenanalyse basierend auf Fachpublikationen, Armutsberichten und Vergleichsstudien wie der AWO-ISS-Studie.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert verschiedene Armutsformen, die Dimensionen von Kinderarmut, die gesundheitlichen, psychosozialen und bildungsbezogenen Folgen sowie Ansätze zur Armutsbekämpfung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Kinderarmut, soziale Ausgrenzung, relative Armut, Bildungschancen und die Rolle der Sozialen Arbeit charakterisiert.
Was unterscheidet das Armutskonzept der AWO-ISS-Studie von traditionellen Ansätzen?
Es handelt sich um einen mehrdimensionalen Ansatz, der nicht nur das Familieneinkommen, sondern auch die konkrete Lebenssituation und Zukunftschancen der Kinder betrachtet.
Warum wird die „relative Armut“ als besonders relevant für Deutschland eingestuft?
Da in einer Wohlstandsgesellschaft wie Deutschland absolute Armut im klassischen Sinne kaum vorkommt, ist der relative Mangel an gesellschaftlicher Teilhabe das primäre Problem.
Welche Rolle spielt die Bildung im Kontext der Kinderarmut?
Bildung ist ein zentraler Faktor; arme Kinder haben häufig schlechtere Noten und geringere Aufstiegschancen, was zu einer generationsübergreifenden Verfestigung von Armut führt.
Was fordert die Arbeit bezüglich der Sozialen Arbeit?
Die Arbeit fordert eine Verknüpfung von materieller Hilfe mit sozialpädagogischen Beratungskonzepten, um die soziale Isolation und Diskriminierung betroffener Kinder aktiv zu bekämpfen.
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- Anonym (Author), 2013, Kinderarmut in Deutschland. Auswirkungen und Hilfsmöglichkeiten durch die Soziale Arbeit, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/283425