In dieser Abschlussarbeit des Studiengangs B.A. Bildungswissenschaft soll der Frage nachgegangen werden, wie die Gesellschaft und ihr Subsystem Schule in Baden-Württemberg im Hinblick auf die Aufnahme des Themas der sexuellen Vielfalt in den Bildungsplan reagieren und ob die für 2015 geplante Bildungsplanreform damit einen Beitrag zum Abbau von homophoben Strömungen in der Gesellschaft leisten kann.
Zunächst soll ein Blick auf die im Verlauf der weiteren Ausführungen wichtigen Begriffe wie sexuelle Vielfalt, Homosexualität und Homophobie geworfen wer- den. Des Weiteren werden die Begriffe Heteronormativität und Lehrplan bzw. Bildungsplan definiert. Nach den notwendigen Begriffsbestimmungen folgt eine Darstellung des Verlaufs der Kontroverse über die geplante Neugestaltung des baden-württembergischen Bildungsplans ab dem Jahr 2015 und die daraus resultierenden gesellschaftlichen Reaktionen in Baden-Württemberg und der gesamten Bundesrepublik Deutschland. Im vierten Kapitel dieser Bachelorarbeit soll der Begriff der Homosexualität aus diversen Dimensionen heraus untersucht werden. Diese biologischen und biomedizinischen, psychologisch-medizinischen, soziologischen und christlich-theologischen Perspektiven und Theorien werden jeweils dargestellt und anschließend an den Bildungsplan rückgebunden sowie Bezüge zur Kontroverse hergestellt. Im darauffolgenden fünften Kapitel wird das gesellschaftliche Subsystem Schule und ihr Verhältnis zur Gesellschaft beleuchtet. Schule erfüllt diverse Funktionen des Bildungswesens, dies ist Gegenstand der dortigen Ausführungen. Die Schule fungiert als institutioneller Akteur der Menschenbildung, was ebenfalls in diesem Kapitel betrachtet und mit Gehalt gefüllt wird. Das Zusammenwirken und die Wechselwirkungen zwischen Bildungssystem und politischem System sollen hier ebenfalls Beachtung finden, als auch das Verhältnis von Schule und Herrschaft. Im letzten Teil dieses Kapitels soll auf das gesellschaftliche Phänomen der Homophobie und in der Diskussion der geplanten Bildungsplanreform in Baden-Württemberg eingegangen werden. Schließlich endet die Bachelorarbeit mit einer Schlussfolgerung und einem Ausblick.
1. Einleitung in die Thematik
2. Definitionen
2.1. Homosexualität
2.2. Homophobie
2.3. Heteronormativität
2.4. Lehrplan – Bildungsplan
3. Verlauf der Kontroverse über die geplante Neugestaltung des baden-württembergischen Bildungsplans ab dem Jahre 2015 und resultierende gesellschaftliche Reaktionen in …
3.1. … Baden-Württemberg
3.2. … der Bundesrepublik Deutschland
4. Homosexualität und ihre …
4.1. … biologische und biomedizinische Dimension: Die Entdeckung des „Schwulen-Gens“ und die Theorie Daniel Hamers
4.1.1. Darstellung der Theorie
4.1.2. Rückbindung an den Bildungsplan und Bezug zur Kontroverse
4.2. … psychologisch-medizinische Dimension nach der Theorie F. Stegers
4.2.1. Darstellung der Theorie
4.2.2. Rückbindung an den Bildungsplan und Bezug zur Kontroverse
4.3. … soziologische Dimension: Gesellschaftliche Normalisierungsdiskurse und ihre Auswirkungen auf die Schule (M. Foucault)
4.3.1. Darstellung der Theorie
4.3.2. Rückbindung an den Bildungsplan und Bezug zur Kontroverse
4.4. … christlich-theologische Dimension: Aspekte im Hinblick auf Homosexualität und ihr Beitrag zur Meinungsbildung in der Gesellschaft
4.4.1. Protestantische Argumentation
4.4.2. Römisch-katholische Argumentation
4.4.3. Rückbindung an den Bildungsplan und Bezug zur Kontroverse
5. Schule und Gesellschaft
5.1. Schule als Subsystem der Gesellschaft
5.2. Die Funktionen des Bildungswesens in der modernen Gesellschaft
5.3. Schule als institutioneller Akteur der Menschenbildung
5.4. Bildungssystem und politisches System – Schule und Herrschaft
5.5. Gesellschaftliches Phänomen der Homophobie und in der Diskussion der geplanten Bildungsplanreform in Baden-Württemberg
6. Fazit: Schule und der Bildungsplan: Eine Möglichkeit zum Abbau und zur Prävention von Homophobie?
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, wie das gesellschaftliche Subsystem Schule in Baden-Württemberg auf die Aufnahme des Themas "sexuelle Vielfalt" in den geplanten Bildungsplan 2015 reagiert und inwiefern diese Reform einen Beitrag zur Reduktion homophober Strömungen leisten kann.
- Analyse der Kontroverse um die Bildungsplanreform in Baden-Württemberg
- Theoretische Betrachtung von Homosexualität aus biologischer, medizinischer, soziologischer und theologischer Sicht
- Untersuchung des Verhältnisses von Schule, Gesellschaft und politischem System
- Bewertung der Rolle von Schule als Präventionsinstanz gegen Homophobie
Auszug aus dem Buch
4.1.2. Rückbindung an den Bildungsplan und Bezug zur Kontroverse
Geht man nun davon aus, dass eine genetische Komponente für die Existenz von Homosexualität verantwortlich ist, so wie es Hamer in seinen Untersuchungen zeigen konnte, so kann festgehalten werden, dass ein Mensch keinen Einfluss auf seine Homosexualität und homosexuelle Identität ausüben kann. Demnach wäre sie eine natürliche Erscheinungsform menschlich-sexuellen Verhaltens und des menschlichen Seins generell genauso wie es auch für die Heterosexualität zu gelten hat. Eine ungleichwertige Behandlung und Bewertung von Homosexuellen als Gruppe wäre demnach nicht gerechtfertigt. Gegenläufige und in der Petition Stängles vorkommende Argumentationen sind, frei nach Heitmeyer, als homophob und Elemente Gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit zu bewerten.
Auf den Bildungsplan, der ja in Baden-Württemberg neu gestaltet werden und sich vermehrt auf die Akzeptanz von sexueller Vielfalt beziehen soll, angewendet, bedeutet dies nun, dass die von Stängle in seiner Petitionsbegründung gemachten ablehnenden Aussagen zur sexuellen Vielfalt und sexuellen Identitäten wie Homosexualität sei eine von der LSBTTIQ-Lobby (lesbisch, schwul, bisexuell, transsexuell, transgender, intersexuell, queer) propagierte „neue Normalität“ oder eine homosexuelle Lebensweise wäre „gleich erstrebenswert“ argumentativ nicht zu halten sind, denn aufgrund des genetischen Einflusses auf das Sexualverhalten ist die ungleiche und unnormale Charakterisierung homosexuellen Verhaltens ad absurdum geführt worden. Homosexualität ist keine „neue Normalität“, sondern sie ist ganz einfach Normalität. Ebenfalls ist das Argument sexuelle Identitäten seien eine Ausdrucksform gesellschaftlich „gewollter“ Sexualität aus den eben angeführten Sachverhalten nicht nachzuvollziehen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung in die Thematik: Einführung in die aktuelle Debatte um die Bildungsplanreform in Baden-Württemberg und deren Zielsetzung.
2. Definitionen: Begriffliche Klärung zentraler Termini wie Homosexualität, Homophobie, Heteronormativität sowie Lehr- und Bildungspläne.
3. Verlauf der Kontroverse über die geplante Neugestaltung des baden-württembergischen Bildungsplans ab dem Jahre 2015 und resultierende gesellschaftliche Reaktionen in …: Darstellung der Proteste und gesellschaftlichen Reaktionen auf die Bildungsplanreform, unterteilt in die Situation in Baden-Württemberg und auf Bundesebene.
4. Homosexualität und ihre …: Wissenschaftliche Untersuchung von Homosexualität aus vier verschiedenen Dimensionen (biologisch, medizinisch, soziologisch, theologisch) und deren Rückbindung an die Kontroverse.
5. Schule und Gesellschaft: Theoretische Beleuchtung des Schulsystems als Subsystem der Gesellschaft und dessen Funktionen sowie Analyse des Phänomens der Homophobie.
6. Fazit: Schule und der Bildungsplan: Eine Möglichkeit zum Abbau und zur Prävention von Homophobie?: Zusammenfassende Stellungnahme zur Rolle der Schule bei der Prävention von Homophobie und Diskriminierung.
Schlüsselwörter
Bildungsplan, Baden-Württemberg, Homosexualität, Homophobie, sexuelle Vielfalt, Heteronormativität, Schule, Gesellschaft, Diskriminierung, Prävention, LSBTTIQ, Bildungsplanreform, Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit, Toleranz, Akzeptanz.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der bildungspolitischen Kontroverse um die Aufnahme des Themas "sexuelle Vielfalt" in den baden-württembergischen Bildungsplan ab 2015.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder umfassen die Definition sexueller Identitäten, die Analyse gesellschaftlicher Widerstände, die wissenschaftliche Einordnung von Homosexualität sowie die Funktionen von Schule in der modernen Gesellschaft.
Was ist das primäre Ziel der Bachelorarbeit?
Das Ziel ist es zu untersuchen, wie Gesellschaft und Schule in Baden-Württemberg auf die Bildungsplanreform reagieren und ob diese einen Beitrag zum Abbau homophober Strömungen leisten kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine theoretisch-analytische Herangehensweise, indem sie verschiedene fachwissenschaftliche Dimensionen (biologisch, medizinisch, soziologisch, theologisch) auf die politische Kontroverse anwendet.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden der Verlauf der Debatte nachgezeichnet, Homosexualität aus interdisziplinärer Sicht beleuchtet und die systemtheoretische Rolle der Schule bei der Wertevermittlung analysiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Bildungsplanreform, Homophobie, Heteronormativität, sexuelle Vielfalt, Diskriminierung und Prävention charakterisiert.
Welche Rolle spielt die Petition von Gabriel Stängle in der Arbeit?
Die Petition dient als zentrales Beispiel für den gesellschaftlichen Widerstand gegen die Bildungsplanreform und wird kritisch im Kontext der "Gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit" analysiert.
Wie bewertet die Arbeit die Rolle der Kirchen?
Die Arbeit beleuchtet die ambivalente Haltung der großen christlichen Konfessionen und deren Einfluss auf die Meinungsbildung innerhalb der Bildungsplandebatte.
- Arbeit zitieren
- Tobias Vonderlehr (Autor:in), 2014, Kontroverse bezüglich der Bildungsplanreform in Baden-Württemberg, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/282940