Antikenrezeption im Mittealter und der frühen Neuzeit, die Rezeption eines Werkes aus Ovids bekannten Metamorphosen; Pyramus und Thisbe, soll in der Folgenden Arbeitdas Thema sein.Genauer genommen eine Version des antiken Stoffes von einem anonymen Verfasser, welche vermutlich in der ersten Hälfte des 14 Jahrhunderts entstanden ist, das Märe von Pyramus und Thisbe.
DerEinfluss Ovids auf Kunst und Literatur des Mittelalters ist nicht zubestreiten und „kaum ein anderer Stoff spielt dabei eine solche Rolle wie Pyramus und Thisbe“, weshalb es zahlreiche Werke gibt, die sich mit der Geschichte der beiden Liebenden befassen. In dieser Arbeit wird versucht herauszufinden, was die Hauptmotive des Märe sind. Hierbei wird besonders die Darstellung derMinnegenauer betrachtet, da die Vermutung besteht, dass diese eine übergeordnete Rolle spielt. Es wird betrachtet, was textimmanent die beiden Protagonisten in ihren tragischen Tod getrieben hat,um auch hier wieder Schlüsse ziehen zu können, welche Rolle die Minnehandlung dabei einnimmt. Um einen ersten Einblick in das Märe zu gewähren, wird zuerst der Inhalt kurz zusammengefasst. Im Anschluss wird das Märe in Hinblick auf das oben genannte untersucht,um dann am Ende ein Fazit ziehen zu können.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1 Kurze Zusammenfassung der Märenhandlung
2 Das Motive der „huote“
3 „von der minne meisterschaft“
4 Das Motiv der „triuwe“ bzw. der Frauentreue
5 Selbstmord in der christlichen Theologie. Ein kurzer Überblick
6 Liebestod und Selbstmord in dem mittelhochdeutschen Märe
7 Die Exklusive Stellung/ Exklusivität der beiden Liebenden
8 Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht ein anonymes mittelhochdeutsches Märe über Pyramus und Thisbe, um die zentralen Motive des Werkes und insbesondere die Darstellung der Minne herauszuarbeiten. Dabei steht die Frage im Mittelpunkt, wie die antike Vorlage in den Kontext mittelalterlicher Normkonzepte transformiert wurde und welche Rolle die „minne meisterschaft“ bei der Herbeiführung des tragischen Endes der Protagonisten spielt.
- Rezeption antiker Stoffe in der mittelalterlichen Literatur
- Analyse der Minnekonzeption und ihrer zerstörerischen Kraft
- Bedeutung der „huote“ und der „triuwe“ im höfischen Kontext
- Theologische Einordnung von Liebestod und Selbstmord
- Exklusivität der Liebe als literarischer Topos
Auszug aus dem Buch
3 „von der minne meisterschaft“
Die unüberwindbare Macht und Kraft der Minne wird in dem Märe an vielen Stellen betont und beschrieben. Bevor die eigentliche Erzählung beginnt, wird vom Autor die Vollkommenheit der Liebe zwischen den Protagonisten betont. Es dauert ganze 24 Verse bis die wirkliche Handlung beginnt und in dieser Einleitung kündigt der Erzähler an, dass dies ein Märe „von der minne meisterschaft“ / der gewalt unde ir kraft sei. Doch auch an anderer Stelle, wenn der Erzähler (der hier vermutlich mit dem Verfasser gleichzusetzen ist?) zu Wort kommt, wird die Macht der Minne unterstrichen, indem er beschreibt, dass sich Pyramus und Thisbe in der „minne twanc“ befinden.
Die gewaltige Kraft der Minne wird weiterhin verdeutlicht, da sie Pyramus und Thisbe „verliebt machte“ bevor diese überhaupt in der Lage waren zu wissen was Liebe eigentlich ist. Auch leiden sie beide an Symptomen der Minnekrankheit, welche die „tyrannische Liebesmacht verursacht“ hat. es wechseln sie Hitze und Kälte, gleich an einigen Stellen des Märe, und auch das Symptom der Appetitlosigkeit und Unlust am Essen wird ihnen zugeschrieben.
In ihrem großen Schmerz über die Trennung sprechen sie die personifizierte Macht der Liebe, die Minne, direkt an und beklagen sich ihr für den Kummer und die Qual, die sie nun erleiden müssen. Diese Ansprache lässt Pyramus und Thisbe regelrecht passiv und der Macht der Minne unterlegen erscheinen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Vorstellung der Forschungsfrage bezüglich der Antikenrezeption und der Rolle der Minne in der gewählten Version des Stoffs.
1 Kurze Zusammenfassung der Märenhandlung: Ein Überblick über die Handlung von der Entstehung der verbotenen Liebe bis zum tragischen Ende der Protagonisten.
2 Das Motive der „huote“: Untersuchung der Funktion des Wächtermotivs, das hier eher als unspezifisches Hindernis und Auslöser für die Fluchtpläne fungiert.
3 „von der minne meisterschaft“: Analyse der Minne als tyrannische und überwältigende Macht, die das Handeln der Liebenden bestimmt.
4 Das Motiv der „triuwe“ bzw. der Frauentreue: Betrachtung der Charakterisierung der Protagonisten durch tugendhafte Eigenschaften und deren Treueverhältnis.
5 Selbstmord in der christlichen Theologie. Ein kurzer Überblick: Darstellung des theologischen Konflikts zwischen der Lehre des Suizidverbots und der literarischen Darstellung.
6 Liebestod und Selbstmord in dem mittelhochdeutschen Märe: Diskussion der moralischen Bewertung des Suizids im Kontext des Werkes.
7 Die Exklusive Stellung/ Exklusivität der beiden Liebenden: Herausarbeitung der Einzigartigkeit des Liebespaares, die eine Identifikation erschwert.
8 Fazit: Zusammenfassende Erkenntnis, dass das Märe die Macht der Minne demonstriert, ohne eine explizite christliche Moralität auf das Ende anzuwenden.
Schlüsselwörter
Pyramus und Thisbe, Mittelhochdeutsch, Märe, Minne, Antikenrezeption, Liebestod, Selbstmord, huote, triuwe, Literaturwissenschaft, Mittelalter, Minnekrankheit, Narration, Exklusivität, Metamorphosen
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Hausarbeit analysiert ein anonymes mittelhochdeutsches Märe über das antike Liebespaar Pyramus und Thisbe im Hinblick auf seine zentralen Motive.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die Untersuchung konzentriert sich auf die Darstellung der Minne, die Bedeutung höfischer Motive wie „huote“ und „triuwe“ sowie die Thematisierung von Liebestod und Suizid.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, herauszufinden, welche Rolle die „minne meisterschaft“ bei der Herbeiführung des tragischen Todes der Protagonisten spielt und wie der Autor den antiken Stoff transformiert.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine textimmanente Analyse, die den Inhalt des Märe mit literaturwissenschaftlichen Konzepten zum Mittelalter in Beziehung setzt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden die zentralen Motive, die Rolle der Minne als treibende Kraft, das Konzept der Treue und die christlich-theologische Sichtweise auf den Suizid untersucht.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Pyramus und Thisbe, Minne, Liebestod, Mittelhochdeutsches Märe und Antikenrezeption.
Wie bewertet der Autor den Suizid der Liebenden im Märe?
Der Autor stellt den Suizid als tragisches Ereignis dar, verzichtet jedoch auf eine moralische Verurteilung aus christlicher Perspektive, was den Rezipienten einen Interpretationsspielraum lässt.
Welche Bedeutung kommt der Exklusivität der Liebenden zu?
Die Exklusivität unterstreicht die Einzigartigkeit der Geschichte und wirkt der Gefahr entgegen, dass der Leser die Protagonisten als einfache Vorbilder für das eigene Leben missversteht.
- Arbeit zitieren
- Paula Kirschbaum (Autor:in), 2014, Die Macht der Minne in einem Märe von Pyramus und Thisbe, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/281617