Rund 800 Jahre ist es her, als der Dichter Petrus de Ebulo den Liber ad honorem Augusti verschriftlichte. In der Burgerbibliothek Bern wird unter der Signatur 120 II diese einzigartige Text - Bilderchronik aufbewahrt. In 1600 Versen werden die Ereignisse bei der Machtübernahme des Stauferkaisers Heinrich VI. in von den Normannen beherrschten Königreich Sizilien beschrieben.
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung
II. Die Geburt Friedrich II. Bild – Beschreibung
II.I. Bild – Analyse
III. Die Geburt Friedrich II. Text – Beschreibung
III.I. Text – Analyse
IV. Resümee
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht das Verhältnis zwischen Text- und Bildkomposition im mittelalterlichen "Liber ad honorem Augusti" von Petrus de Ebulo, mit einem spezifischen Fokus auf die Darstellung der Geburt Friedrichs II. Es wird analysiert, inwieweit eine inhaltliche Korrelation, gegenseitige Abhängigkeit oder divergierende Gewichtungen zwischen der bildlichen Darstellung und der literarischen Beschreibung bestehen.
- Analyse der bildlichen Komposition und ihrer byzantinischen Einflüsse
- Untersuchung der literarischen Verweise auf antike Vorbilder wie Statius und Vergil
- Erforschung der symbolischen Bedeutung der "Palma" als Verbindungselement
- Kodikologische Einordnung der Entstehungsgeschichte von Bild und Text
- Darstellung der staufischen Herrschaftslegitimation durch bildliche und textliche Analogien
Auszug aus dem Buch
II.I. Bild – Analyse
Bei dem Abbild wird deutlich, dass die Analogien ein geschichtliches Ereignis darstellen. Illustriert wurde die Kaiserin Konstanze, die sich auf dem Weg nach Bari begibt, wo an Ostern 1195 ein großer Hoftag stattfindet. Das eingewickelte Kind, welches kein geringerer als Friedrich II. ist, vertraute sie der Gattin Konrads von Urslingen an. Dieser schwäbische Adlige bewährte sich einst im Dienste Barbarossa in Italien und wurde 1176 oder 1177 zum Grafen von Spoleto erhoben. Die Quelle über seine Frau, der Gräfin von Spoleto, in deren Händen nun die Verantwortung über Friedrich II. lag, gibt so gut wie nichts über sie preis. Nicht einmal ihr Name ist bekannt, doch es ist sicher, dass sie engste Vertraute Heinrichs VI. waren.
Die Kleidung und die Kopftücher der Frauen weisen nicht nur farblich auf Gemeinsamkeiten hin, sondern geben auch Hinweise darüber, dass byzantinische Vorbilder den Illustrator in seinem Werk beeinflussten. Nachdem diese bereits in der ersten und zweiten Handschrift als Inspiration dienten, wird erkenntlich, dass es verschiedene Vorbilder zwischen Text und Bildgestaltung innerhalb des dritten Werkes gab. Da bereits die enge Zusammenarbeit zwischen dem Illustrator und dem Autor durch kodikologische Untersuchungen bestätigt wurde, lässt sich daraus schließen, dass der Maler möglicherweise Vorbilder für seine Darstellung der Kaiserin Konstanze in dem Werk Ebulos fand, die Kaiserin selbst aber nach byzantinischen Vorbildern gestaltete. Auch die Zusammengehörigkeit lässt sich anhand der Kleidung ableiten, da die Farbgebung zwischen der Kleidung der Kaiserin und der Gräfin und der Schilder der Ritter einheitlich ist.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einleitung: Dieses Kapitel führt in das Werk "Liber ad honorem Augusti" ein, umreißt die historische Bedeutung der Handschrift und definiert die Forschungsfrage bezüglich der Beziehung zwischen Bild- und Textkomposition.
II. Die Geburt Friedrich II. Bild – Beschreibung: Der Abschnitt widmet sich der detaillierten visuellen Analyse der Darstellung der Kaiserin Konstanze und der Geburt ihres Sohnes auf fol. 138.
II.I. Bild – Analyse: Hier erfolgt die Interpretation der bildlichen Analogien, wobei insbesondere byzantinische Einflüsse und die Darstellung von Macht und Zentralität der Kaiserin beleuchtet werden.
III. Die Geburt Friedrich II. Text – Beschreibung: Dieses Kapitel befasst sich mit der materiellen und formalen Gestaltung der Handschrift, inklusive der verwendeten Schriftart und des Linierungsschemas.
III.I. Text – Analyse: Der Autor untersucht die literarischen Bezüge zu antiken Autoren wie Statius und Vergil und deren Bedeutung für die Einbettung der Geburt Friedrichs II. in einen göttlichen und kaiserlichen Kontext.
IV. Resümee: Hier werden die Ergebnisse der Bild- und Textanalyse zusammengeführt, wobei die gegenseitige Abhängigkeit und die konzeptionelle Einheit des Werkes hervorgehoben werden.
Schlüsselwörter
Liber ad honorem Augusti, Petrus de Ebulo, Friedrich II., Konstanze von Sizilien, Buchmalerei, Staufer, Text-Bild-Beziehung, mittelalterliche Handschrift, ikonographische Analyse, byzantinische Vorbilder, Palmensymbolik, Herrschaftslegitimation, höfische Dichtung, Kodikologie, Epochenwende.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit analysiert die intermediale Beziehung zwischen Text und Illustration in der "Liber ad honorem Augusti" anhand der Darstellung der Geburt Friedrichs II.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die zentralen Themen sind die kunsthistorische Bildbeschreibung, die literarische Analyse antiker Versbezüge und die Untersuchung der staufischen Herrschaftspropaganda.
Welches ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist zu ermitteln, ob eine inhaltliche Abhängigkeit oder ein ergänzendes Zusammenspiel zwischen den bildlichen Darstellungen und den dazugehörigen Textpassagen besteht.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden angewandt?
Die Arbeit nutzt die kunsthistorische Bildanalyse, philologische Textinterpretation sowie kodikologische Erkenntnisse über die Handschriftenherstellung.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die detaillierte Beschreibung und Analyse von Bild und Text sowie deren Verknüpfung durch gemeinsame Symboliken wie die "Palma".
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind insbesondere der Liber ad honorem Augusti, Petrus de Ebulo, die staufische Herrschaftstheologie und die Analyse von Text-Bild-Kompositionen.
Welche Rolle spielt die "Palma" in der Argumentation der Autorin?
Die "Palma" dient als zentrales Verbindungselement zwischen Bild und Text, da ihre mehrfache Deutung als Palmenfrucht, -baum und -zweig sowohl christliche als auch antike Triumph-Signa vereint.
Warum wird die Darstellung der Kaiserin Konstanze mit der Flucht nach Ägypten verglichen?
Der Vergleich dient dazu, die biblische Charakterisierung und die damit verbundene göttliche Aura der Kaiserin als selbstständige Herrscherin innerhalb der Illustration zu verdeutlichen.
- Arbeit zitieren
- Sophie Matulla (Autor:in), 2014, Das "Liber ad honorem Augusti". Die Beziehung zwischen Bild- und Textkomposition, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/280987