Die Balanced Scorecard wurde Anfang der neunziger Jahre an der Harvard Business School von Robert S. Kaplan und David P. Norton (1997, S VII-X) entwickelt. Anlass der Entwicklung war, dass sich die meisten Unternehmen einzig und allein auf die Finanzperspektive, die lediglich vergangene Ereignisse reflektiert, fokussierten und sich kaum mit anderen, nicht finanziellen Maßstäben auseinander setzten. Die Balanced Scorecard wurde dementsprechend aus einer ähnlichen Problematik heraus entwickelt, wie sie momentan im deutschen Gesundheitswesen zu finden ist.
Das wesentliche Ziel der Balanced Scorecard ist es, Strategien so zu definieren, dass sie im operativen Handeln des Unternehmens umgesetzt werden können. Anhand der Mission, Vision und Strategie eines Unternehmens werden Ziele entwickelt, die den einzelnen Perspektiven der Scorecard (Finanz-, Kunden-, Prozess- und Entwicklungsperspektive) zugeordnet werden. Die Mission, das Leitbild eines Unternehmens, formuliert, wie das Unternehmen in der Öffentlichkeit wahrgenommen werden möchte. Die Vision ist dabei das Leitziel eines Unternehmens, das heißt, die Vision klärt die Frage, was das Unternehmen in den nächsten Jahren erreichen will und dient dazu den Mitarbeitern die lang- und mittelfristigen Ziele eines Unternehmens zu verdeutlichen. Die Strategie hingegen beschreibt, mit welchen Aufwand und Mitteln diese Ziele erreicht werden sollen. Um die Überwachung und Planung der strategischen Ziele zu gewährleisten, werden ihnen innerhalb der einzelnen Perspektiven finanzielle und nicht finanzielle Kennzahlen zugeordnet, die zur Überprüfung der festgesetzten Zielwerte dienen. So wird gewährleistet, dass der Erfolg der Strategie messbar und kontrollierbar ist.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1 Definition der Balanced Scorecard
2 Konzeption der Balanced Scorecard
3 Die vier klassischen Perspektiven der Balanced Scorecard
3.1 Die finanzwirtschaftliche Perspektive
3.2 Die Kundenperspektive
3.3 Die interne Prozessperspektive
3.4 Die Lern- und Entwicklungsperspektive
4 Ursache-Wirkungsbeziehungen
5 Messgrößen, Zielwerte und Maßnahmen
6 Umsetzung der Unternehmensstrategie – Der Implementierungsprozess einer Balanced Scorecard
6.1 Phase 1: Organisatorischen Rahmen für die Implementierung schaffen
6.2 Phase 2: Strategische Grundlagen klären
6.3 Phase 3: Balanced Scorecard entwickeln
6.4 Phase 4: Roll out managen
6.5 Phase 5: Kontinuierlichen Einsatz der Balanced Scorecard sicherstellen
7 Die Balanced Scorecard in Non- Profit Organisationen
8 Verbreitung der Balanced Scorecard im Gesundheitswesen
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht die Eignung der Balanced Scorecard als strategisches Managementinstrument für Einrichtungen im Gesundheitswesen. Ziel ist es, aufzuzeigen, wie dieses System trotz spezifischer Herausforderungen in Non-Profit-Organisationen zur erfolgreichen Strategieumsetzung und Leistungsmessung eingesetzt werden kann.
- Grundlagen und Konzeption der Balanced Scorecard
- Analyse der vier klassischen Perspektiven
- Strukturierung des Implementierungsprozesses nach dem Top-Down-Prinzip
- Besonderheiten und Anpassungsnotwendigkeiten für Non-Profit-Organisationen
- Status quo der Verbreitung im deutschen Gesundheitswesen
Auszug aus dem Buch
3 Die vier klassischen Perspektiven der Balanced Scorecard
Die Balanced Scorecard besteht, wie vorgenannt, aus vier klassischen Perspektiven (vgl. Abb. 2). Diese vier Perspektiven sind jedoch nur als eine Art Schablone zu verstehen und nicht als starres Raster. Für einige Unternehmen kann es sinnvoll sein, zusätzliche Perspektiven hinzuzufügen, bestimmte Perspektiven abzuwandeln oder gänzlich auszulassen.
Es sollte jedoch beachtet werden, dass das Zufügen neuer Perspektiven nur sinnvoll ist, wenn sie zum Erfolg der Geschäftsstrategien beitragen (vgl. Kaplan & Norton, 1997, S.34). Den vier Perspektiven wird in der Scorecard die Aufgabe zugeteilt, ein ausgewogenes Verhältnis zwischen allen relevanten Aspekten herzustellen, die zum Unternehmenserfolg beitragen. Die konkrete Auseinandersetzung mit den einzelnen Perspektiven bei der Ableitung von strategischen Zielen, Messgrößen und Zielwerten und strategischen Aktionen soll verhindern, dass bei der Ableitung und Verfolgung der Ziele zu einseitig gedacht wird (Horváth & Partner, 2001, S.26).
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Die Einleitung beleuchtet den steigenden Kostendruck und Konkurrenzdruck im Gesundheitswesen sowie die Notwendigkeit moderner Managementinstrumente wie der Balanced Scorecard.
1 Definition der Balanced Scorecard: Dieses Kapitel erläutert, dass die Balanced Scorecard als Managementsystem Ziele und Messgrößen aus unterschiedlichen Perspektiven bündelt, um die Unternehmensstrategie messbar zu machen.
2 Konzeption der Balanced Scorecard: Hier wird der Ursprung der BSC erläutert und dargestellt, wie durch eine Top-Down-Herleitung Vision und Strategie in konkrete operative Maßnahmen übersetzt werden.
3 Die vier klassischen Perspektiven der Balanced Scorecard: Dieses Kapitel definiert die Finanz-, Kunden-, Prozess- sowie Lern- und Entwicklungsperspektive als flexible Schablone für strategische Ziele.
4 Ursache-Wirkungsbeziehungen: Es wird dargelegt, wie die verschiedenen Perspektiven durch Ursache-Wirkungsketten verknüpft werden müssen, um ein funktionsübergreifendes Strategieverständnis zu fördern.
5 Messgrößen, Zielwerte und Maßnahmen: Das Kapitel beschreibt, wie aus einer Mischung von Früh- und Spätindikatoren steuerbare Kennzahlen abgeleitet und mit Zielwerten versehen werden.
6 Umsetzung der Unternehmensstrategie – Der Implementierungsprozess einer Balanced Scorecard: Hier wird der fünfphasige Implementierungsprozess detailliert beschrieben, der von der organisatorischen Vorbereitung bis zur kontinuierlichen Sicherung reicht.
7 Die Balanced Scorecard in Non- Profit Organisationen: Es wird analysiert, wie NPOs das BSC-Modell anpassen können, da hier Sachziele statt Gewinnmaximierung im Vordergrund stehen.
8 Verbreitung der Balanced Scorecard im Gesundheitswesen: Dieses Kapitel gibt einen Überblick über den aktuellen Einsatz der BSC im Gesundheitssektor basierend auf der vorhandenen Fachliteratur.
Schlüsselwörter
Balanced Scorecard, Gesundheitswesen, Strategieumsetzung, Managementinstrument, Non-Profit-Organisation, Leistungsmessung, Kennzahlensystem, Finanzperspektive, Kundenperspektive, Prozessperspektive, Lern- und Entwicklungsperspektive, Implementierung, Krankenhäuser, Qualitätsmanagement, Unternehmensstrategie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der theoretischen Konzeption und praktischen Anwendbarkeit der Balanced Scorecard als Instrument für die strategische Steuerung von Einrichtungen im Gesundheitswesen.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Zentrale Themen sind die methodischen Grundlagen der Balanced Scorecard, ihr Implementierungsprozess, die Anpassung an Non-Profit-Organisationen und der aktuelle Verbreitungsgrad in medizinischen Einrichtungen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel besteht darin, zu evaluieren, inwieweit das ursprünglich für die Privatwirtschaft entwickelte Instrument der BSC geeignet ist, um die speziellen Anforderungen und Ziele von Einrichtungen im Gesundheitswesen zu unterstützen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturanalyse und einer deskriptiven Darstellung von Implementierungsmodellen sowie einer Einschätzung der aktuellen Verbreitung auf Basis publizierter Studien.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung der vier Perspektiven, die Erläuterung der Ursache-Wirkungszusammenhänge und eine detaillierte Anleitung für den Implementierungsprozess in fünf Phasen.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Balanced Scorecard, Strategieumsetzung, Non-Profit-Organisationen, Kennzahlen, Leistungsmessung und Gesundheitswesen.
Warum ist die Unterscheidung zwischen Profit- und Non-Profit-Organisationen für die BSC wichtig?
Da die ursprüngliche BSC auf Gewinnmaximierung ausgerichtete Finanzziele fokussiert, müssen NPOs ihre Perspektiven anpassen, da hier meist Sachziele und ein öffentlicher Versorgungsauftrag dominieren.
Gibt es empirische Daten zur Nutzung der BSC in diesem Bereich?
Die Autorin stellt fest, dass es kaum repräsentative Daten gibt; sie stützt sich daher primär auf eine erwähnte Untersuchung für Krankenhäuser in NRW, welche eine noch geringe Verbreitung aufzeigt.
- Arbeit zitieren
- Eva-Maria Schmidt (Autor:in), 2008, Konzeption, Implementierung und Verbreitung der Balanced Scorecard, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/280839