In den letzten 20 Jahren ist das Interesse am Thema der Übersetzungsstrategien deutlich gewachsen. Die vorliegende Arbeit konzentriert sich auf die Untersuchung der translatorischen Strategien und Entscheidungen einer bestimmten Übersetzerin beim Übersetzen des kanadischen Romans The Rebel Angels ins Deutsche. In einem literarischen Text sind die Textelemente (wie z.B. Titel, Überschriften der Kapitel, Textkörper und darin enthaltene Inhalte) nicht streng konventionalisiert – und gerade deshalb ist es interessant herauszufinden, ob Literaturübersetzer bei ihrer Arbeit bestimmten Strategien folgen.
Hierzu beschäftigt sich zunächst das erste Kapitel mit dem theoretischen Hintergrund zum Thema Übersetzungsstrategie und versucht, es in Verbindung zur Textsortentheorie zu setzen. Anschließend liegt der Fokus stärker auf der Textsorte Roman und es wird eine erweiterte autorengerechte Übersetzungsstrategie für literarische Prosatexte vorgeschlagen. Diese Strategie umfasst die Berücksichtigung sowohl der textexternen, als auch der textinternen Faktoren und wird als Raster für die Untersuchung des deutschen Zieltextes im zweiten Kapitel verwendet. Da es beim Literaturübersetzen nicht nur auf den Autor sondern auch ausschlaggebend auf den Leser ankommt, wurde ein Teil des ersten Kapitels (1.3.) der Empfängerpragmatik, bzw. dem Verhältnis der Übersetzung zum potentiellen Leser gewidmet.
Das zweite Kapitel der Arbeit macht es sich zur Aufgabe, im Anschluss an die ausgearbeitete Theoriegrundlage, die Beispielstellen aus dem kanadischen Roman The Rebel Angels zu analysieren und zu beschreiben. Dabei werden die wichtigsten Schritte erläutert, die auch die Übersetzerin bei ihrer Tätigkeit gehen musste. So können ihre translatorischen Entscheidungen nachvollzogen, beschreiben und kommentiert werden. Zunächst wird die textexterne Dimension beleuchtet, darunter werden die Angaben zum Autor und der situativen Einbettung des Ausgangstextes zusammengestellt (2.1.1.), darauf folgen die Angaben zu der Übersetzerin und die Überlegungen zum Übersetzungsauftrag (2.1.2.). Die weitere textinterne Untersuchung (2.2.1.) wird stichprobenartig auf folgenden Textebenen durchgeführt: Formebene, lexikalisch-semantische Ebene und Syntax samt Interpunktion. Hierbei wird exemplarisch gezeigt, welche Überlegungen die Übersetzerin anstellen musste, bevor sie sich für ein bestimmtes Verfahren im Rahmen der erweiterten autorengerechten Übersetzungsstrategie entschied...
Inhaltsverzeichnis
Einführung
I. Theoretischer Hintergrund
1.1. Texttypen- und textsortengerechte Übersetzungsstrategien
1.2. Textsorte Roman und die erweiterte autorengerechte Übersetzungsstrategie
1.3. Verhältnis einer literarischen Übersetzung zum potentiellen Leser
II. Die erweiterte autorengerechte Übersetzungsstrategie in der Praxis
2.1. Textexterne Dimension
2.1.1. Der Autor und die situative Einbettung des Romans
2.1.2. Die Übersetzerin und der Übersetzungsauftrag
2.2. Textinterne Dimension
2.2.1. Translatorische Entscheidungen und Strategien der Übersetzerin
2.2.1.1. Formelemente
2.2.1.2. Semantik und Lexik
2.2.1.3. Syntax und Interpunktion
Schlussbemerkung: Die Funktionalität der erweiterten autorengerechten Übersetzungsstrategie
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Studie analysiert die translatorischen Strategien der Übersetzerin Stefanie Schaffer bei der Übertragung des kanadischen Romans "The Rebel Angels" von Robertson Davies ins Deutsche. Ziel der Arbeit ist es, zu untersuchen, ob Literaturübersetzer bei der Arbeit an komplexen literarischen Texten spezifischen Mustern folgen und wie die theoretische Konzeption einer "erweiterten autorengerechten Übersetzungsstrategie" in der praktischen Anwendung funktioniert.
- Entwicklung und Anwendung eines theoretischen Modells für literarische Übersetzungen.
- Untersuchung von textexternen Faktoren wie Autorenintention und Leserpragmatik.
- Analyse textinterner Ebenen, insbesondere Formelemente, Semantik, Lexik und Syntax.
- Evaluierung der Übersetzerentscheidungen im Kontext kultureller und sprachlicher Vermittlung.
- Überprüfung der Funktionalität autorengerechter Übersetzungsstrategien in der literarischen Praxis.
Auszug aus dem Buch
2.2.1.2. Semantik und Lexik
Die spannendsten Fälle lassen sich auf der semantisch-lexikalischen Ebene (B3) beobachten, weil gerade dort die Widergabe des semantischen Gehalts und gleichzeitig der Erhalt der Wirkungskraft der stilistischen Figuren in den Vordergrund rücken. Dazu gehört z.B. auch die Übersetzung von Eigennamen. Die Übersetzerin hat die englischen Namensformen der Figuren durchweg übernommen, doch der Leser wird bereits am Anfang des Romans feststellen, dass sie alle sprechende Eigennamen sind. Der semantische Gehalt des Namens der Hauptfigur, Maria Magdalena Theotoky und des Professors John Parlabane werden in Dialogen erläutert, es wäre von daher auch überflüssig, die Namen zu übersetzen und sie somit zu überexplizieren. Sie haben absichtlich einen nicht-englischsprachigen Ursprung, so z.B. verbirgt sich hinter dem Familiennamen Theotoky das griechische Wort „ (Theotókos)“, was im Deutschen so viel heißt wie Mutter Gottes oder Gottesgäbererin.
Es gehört zum eigenen Stil des Schriftstellers, dass er auf solchen Implikationen die Eigennamen und den ganzen Kontext aufbaut und somit gilt es, diese Implikationen im Zieltext beizubehalten, wie den Namen Parlabane beispielsweise auch, der einen hugenottischen bzw. französischen Ursprung hat: „parler“ + „bien“ = in etwa „redegewandt, eloquent, beredsam“.
Zusammenfassung der Kapitel
Einführung: Die Studie führt in das Thema der Übersetzungsstrategien ein und erläutert die Zielsetzung sowie die Methodik der Untersuchung von "The Rebel Angels".
I. Theoretischer Hintergrund: Dieses Kapitel behandelt die Grundlagen der Textsorten- und Übersetzungstheorie und leitet das Konzept der erweiterten autorengerechten Übersetzungsstrategie her.
II. Die erweiterte autorengerechte Übersetzungsstrategie in der Praxis: Der praktische Teil wendet das theoretische Modell auf den untersuchten Roman an, unterteilt in textexterne und textinterne Analysedimensionen.
Schlussbemerkung: Die Funktionalität der erweiterten autorengerechten Übersetzungsstrategie: Das Fazit bestätigt die Anwendbarkeit und den Nutzen des entwickelten Strategiemodells für die literarische Übersetzungspraxis.
Schlüsselwörter
Übersetzungsstrategie, literarische Übersetzung, Robertson Davies, autorengerechte Übersetzung, Textsorte Roman, Äquivalenz, Sprachliche Gestaltung, Literaturwissenschaft, Translatologie, Semantik, Syntax, Textexterne Faktoren, Textinterne Dimension, Stefanie Schaffer, Rebellische Engel.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die translatorischen Entscheidungen der Übersetzerin Stefanie Schaffer bei der Übertragung des kanadischen Romans "The Rebel Angels" ins Deutsche und prüft diese anhand eines theoretischen Modells.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die Entwicklung einer autorengerechten Übersetzungsstrategie, die Analyse von Übersetzungsproblemen in der Literatur und die Wahrung des individuellen Stils des Autors in der Zielsprache.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, nachzuweisen, dass Literaturübersetzer bewusst bestimmten Strategien folgen, um die ästhetische Wirkung und den Stil des Ausgangstextes auch im Zieltext identifizierbar zu machen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine systematische, stichprobenartige Textanalyse durchgeführt, die den Text in textexterne (pragmatische/situative) und textinterne (semantische/strukturelle) Dimensionen unterteilt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert konkret die Anwendung der Strategie auf Aspekte wie Formelemente, Semantik, Lexik sowie Syntax und Interpunktion im Roman "The Rebel Angels".
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Übersetzungsstrategie, autorengerechtes Übersetzen, literarische Textsorten und Äquivalenz beschreiben.
Warum ist die Analyse von Eigennamen in diesem Roman so bedeutend?
Da viele Namen im Roman "sprechend" sind oder auf kulturelle Kontexte anspielen, stellt deren Übertragung eine besondere Herausforderung dar, um die ursprünglichen Implikationen des Autors zu wahren.
Wie geht die Übersetzerin mit den auftretenden Sprachwitzen um?
Sie nutzt häufig zweisprachige Lösungen oder kreative Adaptation, um sowohl das Lokalkolorit als auch den semantischen Wert der Witze ohne den Einsatz störender Fußnoten zu erhalten.
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- Sergej Sajzew (Author), 2014, Eine praxisorientierte Analyse von Übersetzungsstrategien in einer literarischen Übersetzung, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/280362