Die Hausarbeit thematisiert aus kognitionslinguistischer Perspektive, wie Informationsselektion und -konfiguration in der Presseberichterstattung zur Ereignisdarstellung eingesetzt werden. Zentral ist in dieser Hinsicht der Aspekt der Persuasion von TextrezipientInnen. Es werden verschiedene informationsbetonte Zeitungsartikel zum Attentat auf den Boston-Marathon im April 2013 hinsichtlich der Informationsselektion und -strukturierung untersucht. Dabei erfolgt ein Vergleich der Presseberichterstattung von Qualitäts- und Boulevardjournalismus. Zudem wird die Berichterstattung zum Attentat auf den Boston Marathon im zeitlichen Verlauf betrachtet, um zu eruieren, welche Auffälligkeiten in den Artikeln zu Beginn und nach einigen Tagen des Ereignisses zu finden sind.
Inhaltsverzeichnis
0. Einleitung
0.1 Korpus
0.2 Fragestellungen und Thesen
1. Selektion, Konfiguration, persuasive Strategien
2. Korpusanalyse
2.1 Berichterstattung in der Boulevardpresse
2.2 Berichterstattung in der Qualitätspresse
3. Zusammenfassung und Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, wie durch gezielte Informationsselektion und -konfiguration in der Presseberichterstattung Perspektivierungen und Evaluierungen erzeugt werden, um den Leser zu beeinflussen oder zu überzeugen. Im Zentrum steht die linguistische Analyse, inwiefern Nachrichtentexte als persuasive Instrumente fungieren und welche Rolle dabei emotionsgeladene Sprache und spezifische Darstellungsstrategien spielen.
- Vergleich der Berichterstattung zwischen Qualitäts- und Boulevardjournalismus
- Analyse persuasiver Strategien (z.B. Augenzeugendarstellung, Expertenberufung)
- Untersuchung des zeitlichen Verlaufs der Ereignisdarstellung nach dem Boston-Attentat
- Rolle von Emotionspotenzial und wertender Lexik in der Nachrichtenberichterstattung
- Einfluss von Metaphern und Kontrastierungen auf die Wahrnehmung des Lesers
Auszug aus dem Buch
1. Selektion, Konfiguration, persuasive Strategien
In diesem Kapitel werden die Perspektivierungsmöglichkeiten und persuasiven Mittel erläutert, die für die Korpusanalyse in Kapitel 2 relevant sind.
In den Bereich der Informationsselektion fällt die Addition oder Reduktion von Informationen sowie das Auftreten von Antithesen und Spekulationen. Damit einhergehend wird auch betrachtet, welche Form der Ereignisdarstellung durch den Textproduzenten gewählt wird. Laut SCHWARZ-FRIESEL (2007: 224) und BUCHER (1992: 268) sind folgende Formen zu unterscheiden:
Augenzeugendarstellung: (1) „Die Schockwellen haben meinen ganzen Körper erfasst“ (spiegel.de, 16.04.2013)
Faktizierende Ereignisdarstellung ohne Kennzeichnung der Quellenperspektive: (2) Wer hinter den Anschlägen steht, ist bislang völlig unklar. In den ersten Stunden nach den Detonationen bekannte sich niemand zu den Attentaten.“ (spiegel.de, 15.04.2013)
Distanzierende Ereignisdarstellung mit Kennzeichnung der Quellenperspektive: (3) Auch in der John-F.-Kennedy-Bibliothek sei ein Sprengsatz hochgegangen, hieß es zunächst. Später wurde jedoch verbreitet, dass es sich dabei auch um ein Feuer gehandelt haben könne. (bild.de, 15.04.2013)
Zusammenfassung der Kapitel
0. Einleitung: Die Einleitung definiert die Aufgaben der Presseberichterstattung hinsichtlich Objektivität und Manipulation und stellt die Forschungsfrage zur Wirkung von Informationsselektion auf den Leser vor.
0.1 Korpus: Dieser Abschnitt beschreibt das für die Analyse verwendete Material aus verschiedenen deutschen Qualitäts- und Boulevardmedien im April 2013.
0.2 Fragestellungen und Thesen: Hier werden die Hypothesen formuliert, die einen Unterschied in der emotionalen Aufladung und Quellenkennzeichnung zwischen den Medientypen vermuten lassen.
1. Selektion, Konfiguration, persuasive Strategien: Das Kapitel erläutert linguistische Kategorien wie Augenzeugendarstellungen und persuasive Strategien, die als methodisches Werkzeug für die Analyse dienen.
2. Korpusanalyse: Der Hauptteil analysiert konkret die Art und Weise, wie Informationen selektiert und angeordnet werden, um eine spezifische Wirkung auf den Rezipienten zu erzielen.
2.1 Berichterstattung in der Boulevardpresse: Dieser Teil untersucht, wie Boulevardmedien durch hohe Emotionalisierung und Spekulationen eine bestimmte Leserbindung erzeugen.
2.2 Berichterstattung in der Qualitätspresse: Hier wird der Kontrast zur Boulevardpresse aufgezeigt, insbesondere durch die häufigere Nutzung von Quellenkennzeichnungen und distanzierteren Darstellungsformen.
3. Zusammenfassung und Fazit: Das Fazit stellt fest, dass sich beide Medientypen trotz Unterschieden in der Form bei der emotionalen Manipulation und Selektion von Informationen ähneln.
Schlüsselwörter
Informationsselektion, Konfiguration, Presseberichterstattung, Persuasion, Boulevardjournalismus, Qualitätspresse, Boston-Attentat, Emotionspotenzial, Textsemantik, Ereignisdarstellung, Sprachliche Manipulation, Medienanalyse, Quellenperspektive, Journalistische Strategien, Nachrichtenwert
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie Nachrichtentexte durch die Auswahl und Anordnung von Informationen gezielt den Leser beeinflussen und welche Rolle dabei persuasive sprachliche Strategien spielen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die linguistische Analyse von Nachrichten, der Vergleich von Boulevard- und Qualitätspresse sowie die Untersuchung, wie Emotionen in der Berichterstattung geweckt und gesteuert werden.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, nachzuweisen, dass auch informationsbetonte Pressetexte durch Techniken der Informationsselektion und -strukturierung meinungsbildend wirken können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine Korpusanalyse durchgeführt, bei der Artikel verschiedener deutscher Medien zum Boston-Attentat 2013 qualitativ auf ihre persuasive Struktur und ihre Ausdrucksmittel hin untersucht werden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Berichterstattung der untersuchten Zeitungen (u.a. Bild, FAZ, Süddeutsche Zeitung) und vergleicht, wie sie mit Fakten, Spekulationen und Quellen umgehen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Informationsselektion, Persuasion, Boulevardjournalismus, Emotionspotenzial und Ereignisdarstellung.
Gibt es wesentliche Unterschiede zwischen Boulevard- und Qualitätspresse?
Ja, die Qualitätspresse kennzeichnet Quellen häufiger und nutzt eine distanziertere Sprache, während die Boulevardpresse stärker auf direkte emotionale Anreize und Exklamativsätze setzt.
Welche Rolle spielen Spekulationen in der Berichterstattung?
Spekulationen dienen in beiden Medientypen dazu, das Interesse der Leser aufrechtzuerhalten und das Inferenzpotenzial der Texte zu erhöhen, auch wenn dies oft auf Kosten einer sachlichen Berichterstattung geschieht.
Wie verändert sich die Berichterstattung über den zeitlichen Verlauf?
Zu Beginn dominieren Trauer, Mitleid und erste Spekulationen. Mit der Zeit verschiebt sich der Fokus auf die Identifikation der Täter und die Analyse von Hintergründen, wobei Emotionen wie Wut oder Erleichterung ins Zentrum rücken.
Was ist das Fazit der Autorin hinsichtlich der "Boulevardisierung"?
Die Analyse zeigt, dass der Trend zur Boulevardisierung auch in Qualitätspresseformaten erkennbar ist, da auch dort oft einseitige Perspektivierungen statt einer allumfassenden Information gewählt werden.
- Arbeit zitieren
- Isabelle Köntopp (Autor:in), 2013, Informationsselektion und -konfiguration in der Presseberichterstattung, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/280040