Die vorliegende Bachelorarbeit konzentriert sich auf die Untersuchung der Sport- und
Körperthematik im Roman. Bei der Sportthematik greifen die Interpreten immer
wieder die Biographie von Marieluise Fleißer selbst auf, und zwar ihre Ehe mit dem
Ingolstädter Tabakwarenhändler und Schwimmsportler Bepp Heindl. Diesen
biographischen Aspekt möchte ich an dieser Stelle ausklammern und die
Aufmerksamkeit auf die Sportbegeisterung in der Zeit der Weimarer Republik lenken.
Die Gründung der Weimarer Republik 1918 geht mit Veränderungen der
gesellschaftspolitischen, wirtschaftlichen sowie sozialen und kulturellen Prozesse
einher. In diesen Modernisierungsprozessen nimmt die Sport- und Körperkultur in den
Zwanziger Jahren eine wichtige Stellung ein. Die Ausübung einer Sportart gehörte zu
einer der beliebtesten Freizeitbeschäftigungen. Verschiedene Sportarten, vor allem die,
die einen ausgeprägten Wettkampfcharakter besaßen, sorgten für massenhafte
Zuschauererlebnisse. Der große Aufschwung der Sportbewegung führte langsam zum
Massenphänomen. „Wir leben nicht nur in der Zeit der Mechanisierung, sondern auch
in der Versportlichung“. Darüber hinaus ist es bemerkenswert, dass der Frauenanteil im Sport zunahm.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Sport und Moderne
3. Der Sportsmann als „moderner Menschentyp“
4. Sport im Roman
4.1. Sport und Männlichkeit
4.2. Sport und Religion
4.3. Sport und Liebe
5. Die Neue Frau der Zwanziger Jahre
5.1. Die Mode der Neuen Frau
5.2. Die Neue Frau und die neue Sexualmoral
6. Frieda Geier als Neue Frau im Roman
6.1. Die Mehlreisende
6.2. „....und so fing die Liebe an“
7. Sportkritik oder Kritik am ‚Alten Mann‘
8. Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Diese Bachelorarbeit untersucht die Darstellung von Sport, Körperlichkeit und Geschlechterrollen in Marieluise Fleißers Roman „Eine Zierde für den Verein“. Dabei wird hinterfragt, inwiefern der Roman den Sportler als modernen Menschentypus entzaubert und als Kritik am Patriarchat sowie an zeitgenössischen Idealen der Weimarer Republik zu verstehen ist.
- Konstruktion von Männlichkeit durch Sport im Kontext der Weimarer Republik.
- Die Figur der „Neuen Frau“ und deren Konflikt mit traditionellen kleinstädtischen Normen.
- Wechselverhältnis von Sport, Körperinszenierung und gesellschaftlicher Macht.
- Die Entzauberung des Sportes als Utopie und soziale Erneuerungsform.
Auszug aus dem Buch
4. Sport im Roman
Im Roman ist der „bekannte Krauler“ und das „Schwimmphänomen“ Gustl Gillich der Stellvertreter der bürgerlichen Sportbewegung. Seine sportliche Tätigkeit macht ihn zum Star der kleinbürgerlichen Gesellschaft und sichert gleichzeitig seine soziale Existenz und seinen Status ab. „Sein Verein“ schickt ihn in „entfernte Städte. Neulich war wieder was in der Zeitung.“ (24).35 Man kennt ihn in der Stadt als „Schwimmgustl“. Außerdem ist er nicht nur Schwimmer, sondern auch als Rettungsschwimmer ausgebildet. „Der Mann hat bereits sechzehn Personen vom Ertrinken gerettet. Er ist ein Retter und Schwimmer.“ (23) Das verstärkt seine weitere Popularität und bringt ihm den Respekt der Stadtbewohner ein.
In diesem Zusammenhang verdient Gustls streng katholisch geprägte Heimatstadt besondere Beachtung. Die Ansiedlung des Romans in einer so kleinen Stadt, im kleinbürgerlichen Milieu weist darauf hin, dass Traditionen eine große Rolle spielen. Die kleine Stadt „hat neun Kirchen, ein Männer- und zwei Frauenklöster.“ (108) sie scheint in der Wirtschaftskrise „gedrosselt“ (110) zu sein. Die Arbeitslosigkeit ist ein Syndrom der Stadt geworden. Aber die Stadtbewohner wollen praktisch nichts unternehmen. Sie glauben nur an „den alten Familiengottvater“(111), was auf die mittelalterliche und tiefkatholische Mentalität deutet. Außerdem besitzt die Stadt zwei Sportvereine, in denen Gustl seine sportliche Tätigkeit ausübt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die Thematik der Sport- und Körperkultur im Werk Marieluise Fleißers sowie Darlegung der Forschungsfragen und der methodischen Herangehensweise.
2. Sport und Moderne: Analyse der Entwicklung des Sportes zum Massenphänomen und dessen Bedeutung für das neue Zeitgefühl in der Weimarer Republik.
3. Der Sportsmann als „moderner Menschentyp“: Untersuchung der zeitgenössischen Intellektuellendebatte um den Sportler und dessen Idealisierung in Literatur und Kunst.
4. Sport im Roman: Darstellung der Rolle von Gustl Gillich als Sportler und der Verflechtung von Sport, Männlichkeit, Religion und Liebe im kleinbürgerlichen Milieu.
5. Die Neue Frau der Zwanziger Jahre: Erläuterung des Frauenbildes der Neuen Frau hinsichtlich Mode, Berufstätigkeit und veränderter Sexualmoral.
6. Frieda Geier als Neue Frau im Roman: Analyse der Protagonistin Frieda Geier als Repräsentantin der Neuen Frau und ihrer spezifischen Lebenswirklichkeit als Handelsreisende.
7. Sportkritik oder Kritik am ‚Alten Mann‘: Zusammenführende Betrachtung der Romanhandlung als Patriarchatskritik und Entzauberung des Sportlerideals.
8. Zusammenfassung: Abschlussbetrachtung, die festhält, dass der Sport im Roman als Illusion entlarvt wird und Frieda Geier die eigentliche kämpferische Figur darstellt.
Schlüsselwörter
Marieluise Fleißer, Eine Zierde für den Verein, Weimarer Republik, Sport, Neue Frau, Männlichkeit, Patriarchat, Moderne, Sportlerkörper, Gustl Gillich, Frieda Geier, Körperkultur, Geschlechterrollen, Neue Sachlichkeit, Kapitalismuskritik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht, wie Marieluise Fleißer in ihrem Roman „Eine Zierde für den Verein“ die Sportbegeisterung der Weimarer Republik aufgreift, um Machtverhältnisse zwischen den Geschlechtern zu kritisieren.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die Arbeit beleuchtet das Spannungsfeld zwischen der modernen Sportkultur, dem Bild der „Neuen Frau“ und dem traditionellen, patriarchalisch geprägten Rollenverständnis in einer deutschen Kleinstadt.
Welches primäre Ziel verfolgt die Autorin mit dieser Analyse?
Das Ziel ist es aufzuzeigen, dass Fleißer den Sportler als angeblichen „modernen Menschen“ im Roman entzaubert und die Sportlichkeit als gescheitertes Erlösungsprinzip darstellt.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche Analyse, die den Roman im Kontext zeitgenössischer Essays, zeitgeschichtlicher Bedingungen der Weimarer Republik und theoretischer Diskurse zur Körperkultur interpretiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der Sportdiskurse der Zeit, die Charakterisierung der Romanfiguren Gustl und Frieda sowie die Untersuchung der Konflikte zwischen Tradition und Moderne.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?
Zu den zentralen Begriffen gehören unter anderem Marieluise Fleißer, Neue Frau, Sportkultur, Patriarchat, Männlichkeitskonstruktion und Neue Sachlichkeit.
Inwiefern ist die Sportbegeisterung im Roman mit Faschismus verknüpft?
Die Autorin zeichnet den Sportverein als eine in sich geschlossene Gemeinschaft, die durch Gewalt und Disziplinierung Parallelen zu paramilitärischen Strukturen und dem aufkeimenden Faschismus aufweist.
Warum scheitert die Beziehung zwischen Gustl und Frieda?
Die Beziehung scheitert an der Unvereinbarkeit von Friedas Streben nach Selbständigkeit und Gleichberechtigung sowie Gustls Beharren auf patriarchalischen Besitzansprüchen und seiner Unfähigkeit, intellektuell aus seiner Rolle auszubrechen.
- Arbeit zitieren
- Tamara Sikharulidze (Autor:in), 2011, Sportsmann trifft 'Neue Frau'. Sport und Körper in Marieluise Fleißers Roman "Eine Zierde für den Verein", München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/279946