Die Aufgabenstellung dieser Klausur lautet: Beschreiben Sie die Auswirkungen einer schweren Spastik auf das Lernen!
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Spastik
3. Zerebrale Bewegungsstörungen
4. Ursachen zerebraler Bewegungsstörungen
4.1 Die infantile Zerebralparese (ICP): Folgezustände frühkindlicher Hirnschäden
4.2 Später erworbene Zerebralschäden:
5. Erscheinungsformen zerebraler Bewegungsstörungen
5.1 Topographischer Aspekt
5.2 Funktioneller Aspekt
5.2.1 Dyskinesen (extrapyramidales Syndrom): ca. 10 % aller Betroffenen
5.2.2 Ataxie (cerebellares Syndrom): ca. 15 % aller Betroffenen
5.2.3 Schwere Spastik
6. Auswirkungen und Begleiterscheinungen einer schweren Spastik
6.1 Motorik
6.2 Wahrnehmung
6.3 Sprache und Sprechleistungen
6.4 Sozial-emotionale Befindlichkeit
6.5 Kognitives Leistungsvermögen
7. Definition Lernen
8. Auswirkungen einer schw. S auf das Lernen
8.1 Motorik und Lernen
8.2 Wahrnehmung und Lernen
8.3 Sprache und Lernen
8.4 Sozial-emotionale Befindlichkeit / Verhalten und Lernen
8.5 Kognition und Lernen
9. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die komplexen Auswirkungen einer schweren Spastik auf die Lernfähigkeit von betroffenen Menschen. Ziel ist es, das Verständnis für die vielfältigen Barrieren in der motorischen, kognitiven und sozio-emotionalen Entwicklung zu schärfen und pädagogische Perspektiven im Rahmen des schulischen Lernens aufzuzeigen.
- Medizinische und pädagogische Grundlagen der Spastik
- Differenzierung zwischen verschiedenen Bewegungsstörungen
- Einfluss motorischer Einschränkungen auf den Wissenserwerb
- Die Rolle der Wahrnehmung und Kommunikation im Lernprozess
- Sozial-emotionale Faktoren und ihre Bedeutung für das Lernverhalten
Auszug aus dem Buch
8.2 Wahrnehmung und Lernen
Bei Menschen mit einer schw. S sind häufig auch weitere Behinderungen, vornehmlich sensorischer Art vorhanden, die nicht nur additiv hinzukommen, sondern sich gegenseitig verstärken und ihre Auswirkungen vervielfachen. Ist ein „Sinneskanal“ ausgeschaltet, führt dies zu einem noch größeren, ohnehin schon vorhandenen Erfahrungsmangel und das Lernen ist aufgrund der eingeschränkten Aufnahmemöglichkeiten und der zusätzlichen Kompensationsbemühungen ineffektiver. Beispiele der in Kapitel 6.2 erwähnten zentralen Wahrnehmungsstörungen, die besonders auch das schulische Lernen beeinträchtigen sind folgende:
Die Reizselektionsschwäche zeigt sich in der Schwierigkeit, die Aufmerksamkeit selektiv zu lenken. Menschen mit einer schw. S werden von Reizen überflutet und nehmen zu viel auf ohne auszuwählen.
Bei der Diskriminationsschwäche ist die Unterscheidung aufgenommener Reize beeinträchtigt. Dies führt z.B. dazu, dass Berührungen nicht genau lokalisiert, bestimmte Formen beim Abtasten nicht identifiziert oder ähnliche Laute verwechselt werden.
Die Durchgliederungsschwäche zeigt sich im fehlenden Zusammenfügen von Einzelreizen. Dies wird z.B. beim Betrachten einer Landkarte oder beim Zerlegen eines Wortes in Einzellaute deutlich.
Bei der Figur-Hintergrund-Differenzierungsschwäche fällt es Menschen mit einer schw. S besonders schwer, die irrelevanten Hintergrundreize auszuschalten. So wird z.B. eine Abbildung vor einem diffusen Hintergrund nicht herausgesehen oder die Stimme eines einzelnen unter dem übrigen Geräuschpegel nicht herausgehört. Probleme bereiten sowohl einfache sensomotorische Handlungen (z.B. Klatschen im Takt) als insbesondere auch etwas komplexere schulische Tätigkeiten (z.B. Aufsatz schreiben), die der intermodalen und serialen Integration bedürfen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Arbeit führt in die Thematik der Spastik ein und umreißt den geplanten Aufbau der Untersuchung vom medizinischen Verständnis bis hin zu den Auswirkungen auf das Lernen.
2. Spastik: Dieses Kapitel definiert den Begriff der Spastik als medizinische Schädigung des pyramidalen Systems und erläutert die daraus resultierenden motorischen Beeinträchtigungen.
3. Zerebrale Bewegungsstörungen: Hier wird der Sammelbegriff der zerebralen Bewegungsstörungen eingeführt und die Notwendigkeit einer medizinischen Kategorisierung begründet.
4. Ursachen zerebraler Bewegungsstörungen: Das Kapitel differenziert zwischen frühkindlichen Schädigungen und später erworbenen Zerebralschäden.
5. Erscheinungsformen zerebraler Bewegungsstörungen: Eine Klassifizierung der Störungsbilder erfolgt hier sowohl nach topographischen Gesichtspunkten als auch nach funktionellen Aspekten wie Athetose, Chorea und Ataxie.
6. Auswirkungen und Begleiterscheinungen einer schweren Spastik: Detaillierte Betrachtung der vielfältigen Auswirkungen auf Motorik, Wahrnehmung, Sprache, Sozio-Emotionalität und kognitive Fähigkeiten.
7. Definition Lernen: Definition des Lernbegriffs als Prozess der Verhaltensänderung durch Erfahrung unter Berücksichtigung expliziter und impliziter Lernformen.
8. Auswirkungen einer schw. S auf das Lernen: Zentrale Analyse, wie die in Kapitel 6 beschriebenen Beeinträchtigungen gezielt den Lernprozess im schulischen Kontext erschweren.
9. Fazit: Die Arbeit schließt mit der Feststellung, dass trotz schwerster Beeinträchtigungen eine Lernfähigkeit existiert und Bildung ein fundamentales Recht jedes Menschen bleibt.
Schlüsselwörter
Schwere Spastik, Zerebralparese, Bewegungsstörungen, motorische Entwicklung, Lernprozesse, Wahrnehmungsstörungen, Inklusion, Mehrfachbehinderung, Reizselektionsschwäche, Sprachstörung, kognitive Entwicklung, Lernbasis-Defizit, Sonderpädagogik, frühkindliche Hirnschädigung, Autonomie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Definition, den Ursachen und den spezifischen Auswirkungen einer schweren Spastik auf die Lernfähigkeit betroffener Menschen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Die zentralen Themen umfassen die medizinischen Hintergründe zerebraler Bewegungsstörungen, die verschiedenen Erscheinungsformen der Spastik sowie die daraus resultierenden Barrieren für das schulische und lebenslange Lernen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie motorische und sensorische Einschränkungen bei einer schweren Spastik Lernprozesse beeinflussen und welche Bedeutung pädagogische Begleitung für diese Zielgruppe hat.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Die Arbeit nutzt eine theoretische Aufarbeitung bestehender medizinischer und sonderpädagogischer Literatur, um ein strukturiertes Bild der komplexen Auswirkungen einer Mehrfachbehinderung zu zeichnen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine medizinische Ursachen- und Symptomanalyse sowie eine spezifische Untersuchung der verschiedenen Entwicklungsbereiche (Motorik, Wahrnehmung, Sprache, Kognition) im Kontext der Lernfähigkeit.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie "Schwere Spastik", "Mehrfachbehinderung", "Wahrnehmungsstörungen" und "Lernbasis-Defizit" geprägt.
Wie beeinflusst eine Reizselektionsschwäche das schulische Lernen?
Betroffene Kinder haben Schwierigkeiten, ihre Aufmerksamkeit selektiv zu lenken, was dazu führt, dass sie von Reizen überflutet werden und eine gezielte Informationsaufnahme im Unterricht erschwert wird.
Was versteht man unter dem in der Arbeit erwähnten Lernbasis-Defizit?
Das Lernbasis-Defizit beschreibt, dass das allgemeine Leistungsniveau und die Lernzuwachsrate bei Menschen mit Zerebralparese aufgrund neurologischer Schädigungen und eingeschränkter Erfahrungsmöglichkeiten systematisch niedriger ausfallen können.
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- Sonderpädagogin Anne Graefen (Author), 2006, Auswirkungen einer schweren Spastik auf das Lernen, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/278328