Verschwindet die Religion? Von der Säkularisierung zur Pluralisierung. Strukturwandel der Religion. Der Islam und die Moderne. Der Einfluss dieser Entwicklungen auf den Religionsunterricht und Anforderungen an Lernende und Lehrkräfte. Der gesellschaftliche und schulische Wandel machen eine Neukonzeption des RU bzw. BRU notwendig. Wie kann im BRU der Fremdheit zwischen Religion, Kirche und Jugendlichen begegnet werden?
Die vorliegende Arbeit möchte auf die aktuellen Probleme des BRU aufmerksam machen auf der Grundlage praktischer Erfahrung an den Berufsbildenden Schulen im Bereich des Bistums Limburg und der EKHN.
Inhaltsverzeichnis
1. Einführung in die Untersuchung
1.1 Bedeutung von christlicher Erziehung in einer offenen Gesellschaft
1.2 Religionsunterricht unter Legitimationsdruck
1.3 Moderne Religionspädagogik
1.4 Religionsunterricht der Zukunft – Mitverantwortung der Kirchen
2. Eingrenzung des Untersuchungsgebiets und kurzer historischer Exkurs
3. Fragestellung und Ziel der Untersuchung
3.1 Derzeitige Situation in Deutschland
3.2 Auswirkungen individueller Glaubensvorstellungen Heranwachsender auf den BRU
3.3 Orientierungsbedürfnisse der Schülerinnen und Schüler
4. Der Islam
4.1 Wachsende Bedeutung des Islams in Deutschland
4.2 Der Islam – Politik und Glaube als Einheit
4.3 Lebenswelt der Muslime in Deutschland
5. Aufgabe der Religionen im zukünftigen Religionsunterricht
5.1 Die Gottesfrage
5.2 Lernen lernen: Kompetenz- und Methodenvermittlung im Religionsunterricht
6. Lebenswelten junger Menschen – Sinus-Milieustudie U 27
7. Eine multikulturelle und multireligiöse Gesellschaft
7.1 Aktuelle Situation in Deutschland
7.2 Aufgabe einer pluralitätsfähigen Religionspädagogik
8. Neue Lehrpläne für den katholischen und evangelischen Religionsunterricht
8.1 Bildungsstandards und die Schulgesetze
8.2 Aufgabe der Berufsbildenden Schulen
8.2.1 Wissensvermittlung und Erziehungsauftrag
8.2.2 Interreligiöser Dialog
8.2.3 Didaktik des Religionsunterrichts an Berufsbildenden Schulen
9. Vereinbarkeit des Lernfeldkonzepts mit dem Recht der Kirchen auf Erteilung des Religionsunterrichts nach ihren Grundsätzen
9.1 Angemessene Religionsdidaktik als Basis für religiöses Lernen
9.2 Beibehaltung des Konfessionalitätsprinzips
9.3 Erziehung zur Toleranz
9.4 Dialog mit anderen religiösen Gruppen, Religionen, Weltanschauungen
9.5 Kommunikation zwischen Lernenden und Lehrenden
9.5.1 Rolle des Fachs Religion
9.5.2 Lernzielorientierter BRU oder kompetenzorientiertes Lerngeschehen
9.5.3 Rollenkonflikt der Religionslehrer
9.5.4 Was ist guter Religionsunterricht?
9.5.5 Beitrag des Religionsunterrichts zur Moral- und Werteerziehung
10. (Christliche) Religion in Deutschland
10.1 Das Christentum – eine biblische Offenbarungsreligion
10.2 Das Verhältnis von Staat und Kirche in Deutschland
10.3 Ein Blick über die Grenze und Folgerungen für Deutschland
10.4 Die Rolle von Familie und Kirchengemeinden
10.5 Interesse der Öffentlichkeit an schulischer religiöser Bildung
10.6 Integrationsdebatte und Bildungspolitik
10.7 Christentum –Mehrheitsreligion in einer multireligiösen Gesellschaft
10.8 Rechtliche Grauzonen, organisatorische und personelle Probleme
10.9 Zukunftsfähigkeit des Religionsunterrichts an berufsbildenden Schulen
11. Zukünftige Entwicklung
11.1 Politische Situation
11.2 Der Religionsunterricht an berufsbildenden Schulen
11.2.1 Einfluss der beiden christlichen Kirchen auf den Unterrichtsinhalt
11.2.2 Religionsunterricht: Diakonische Aufgabe der Kirchen
11.2.3 Die Rolle des Staats
11.2.4 Missionierung, Schulpastoral und Schulseelsorge
11.2.5 Religionspädagogische Herausforderung durch den Pluralismus
11.2.6 Der Religionsunterrichts aus Sicht der Jugendlichen
11.3 Neue organisatorische Ansätze im Bildungsbereich
11.3.1 Einführung von Standards, Controlling und Qualitätsmanagement
11.3.2 Das Tuttlinger Seminarmodell
11.3.3 Das Esslinger Modell
11.3.4 Vergleich des Tuttlinger und des Esslinger Modells
11.4 Zunehmend mangelnde Ausbildungsreife der Schulabgänger
11.5 Die Säkularisierungsthese und die Glaubensvermittlung
11.5.1 Zukunft des Religionsunterrichts an staatlichen Schulen
11.5.2 Ökumenischer oder konfessionell kooperativer Religionsunterricht?
11.6 Bedürfnisse der Jugendlichen in einer schwierigen Lebensphase
11.7 Wandel der Lernkulturen
11.7.1 PISA-Studie, TIMSS-Untersuchung und IGLU-Studie
11.7.2 Religiöses Denken, Handeln und Fühlen als Grundlage von Identitätsbildung
12. Situation des Religionsunterrichts an den Schulen
12.1 Mangelnde Akzeptanz trotz rechtlicher Absicherung
12.2 Unterrichtsausfall
12.3 Religionsunterricht in staatlichen Schulen
12.3.1 Folgen der Auflösung des katholischen Milieus
12.3.2 Haltung der EKD
12.3.3 Mangelfach Religionsunterricht
12.3.4 Religionspädagogik im Pluralismus
12.3.5 Erwartungen junger Menschen an Kirche
13. Pluralität und Freiheitswillen
13.1 Folgerungen für die christlichen Kirchen und den Religionsunterricht
13.2 Gefahren für den Religionsunterricht durch Pluralisierung von Werten
13.3 Befragung der katholischen Religionslehrkräfte im Bistum Limburg
13.4 Die Zukunft des Religionsunterrichts im öffentlichen Schulwesen
13.4.1 Reform des Bildungskonzepts und Methodenkompetenz
13.4.2 Rollenänderung der Religionslehrkräfte
13.4.3 Kompetenzorientierung – ein neuer Weg
13.4.4 Aufgabe der christlichen Religion
13.4.5 Neustrukturierung des Religionsunterrichts und neue Lehrpläne
13.5 Neue Anforderungen an Unterricht und Lehrerausbildung und Folgen für den Religionsunterricht
14. Pluralismus und Individualisierung
14.1 Religionsfreiheit und Toleranz
14.2 Der Islam in Deutschland
14.2.1 Die Lebenswelt der Muslime
14.2.2 Muslimische Jugendliche im Religionsunterricht
14.2.3 Einführung islamischen Religionsunterrichts
14.3 Streit um die Wahrheit zwischen den Religionen
15. Exkurs: Pläne der hessischen Landesregierung
16. Religion und Religionsfreiheit
16.1 Die Bedeutung religiöser Bildung
16.2 Religionsfreiheit und Pluralismus
16.3 Grenzen der Religionsfreiheit
16.4 Trennung von Religion und Kultur
17. Religionsunterricht an Berufsbildenden Schulen
17.1 Religion im Gestaltwandel
17.2 Sicherung des Religionsunterrichts durch Bundesländer und Kirchen
17.3 Vorbilder
17.4 Alltagsbezug der Religionspädagogik
17.5 Wandel der multikulturellen zur multireligiösen Gesellschaft und zunehmende Gewaltbereitschaft
17.6 Einführung eines islamischen Religionsunterrichts
17.6.1 Wichtiger Beitrag zur Integration
17.6.2 Angebote und Planungen für islamischen Religionsunterricht in anderen Bundesländern
17.7 Religionsunterricht in staatlichen Schulen
17.7.1 In der Verfassung verankert
17.7.2 Religionsunterricht an Berufsbildenden Schulen
18. Politische Überlegungen
18.1 Motive der beiden christlichen Kirchen
18.2 Abwehr des zunehmenden Islamismus – Grenzen der Religionsfreiheit
18.3 Einrichtung von Islam-Studienzentren durch die Bundesregierung
18.4 Die aktuelle Integrationsdebatte
19. Lösungsansätze für einen zukunftsfähigen Berufsschulreligionsunterricht
19.1 Aktuelle pädagogische und fachdidaktische Diskussion
19.2 Religiöse Inhalte im Religionsunterricht
19.3 Die neuen Lehrpläne
19.3.1 Anforderungen an Religionslehrkräfte
19.3.2 Fehlende Bildungsstandards für Religionsunterricht
19.4 Religionsunterricht als Pilgerreise
19.5 Schulpastoral und Schulseelsorge
19.5.1 Handlungsorientierung
19.5.2 Spiritualität
19.5.3 Zunehmendes Interesse an Schulseelsorgeangeboten
19.5.4 Das Thema Kirche im Religionsunterricht
19.5.5 Stärkung des Unterrichtsfachs Religion
19.5.6 Bereitschaft der Kirchen zu Veränderungen
19.5.7 Bedeutung der Grundwerte für das Zusammenleben in einer humanen Gesellschaft
20. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Zukunftsfähigkeit des Religionsunterrichts (BRU) an berufsbildenden Schulen vor dem Hintergrund des gesellschaftlichen Wandels, der Pluralisierung und zunehmender Säkularisierung im Bereich des Bistums Limburg und der Evangelischen Kirche Hessen-Nassau (EKHN). Dabei wird die Forschungsfrage verfolgt, unter welchen Bedingungen das Fach weiterhin einen relevanten Beitrag zur Persönlichkeitsbildung und Werteorientierung leisten kann.
- Zukunftsperspektiven des Religionsunterrichts an berufsbildenden Schulen
- Einfluss der religiösen Pluralität und des Islams auf das Bildungssystem
- Herausforderungen der Wertevermittlung in einer individualisierten Gesellschaft
- Diskussion über Kompetenzorientierung und neue Lehrplankonzepte
- Bedeutung von Schulpastoral und Schulseelsorge
Auszug aus dem Buch
1.1 Bedeutung von christlicher Erziehung in einer offenen Gesellschaft
Der westlichen Zivilisation der Gegenwart wird oft genug und sicher nicht zu Unrecht nachgesagt, dass sie einem theoretischen wie praktischen Materialismus verfallen sei. Erziehung, insbesondere christliche Erziehung und Glaubensweitergabe, geschieht heute in einem weltanschaulich außerordentlich differenzierten Umfeld, einer offenen, pluralistischen Gesellschaft, die nur noch teilweise durch die christlich-abendländische Tradition geprägt ist.
Um gut gerüstet durch das Leben zu kommen, bedarf es eines Kanons an Grundwerten. Sie sind wichtig für die zwischenmenschlichen Beziehungen und sorgen dafür, dass man andere Menschen als wertvoll erachtet und so auch umgekehrt selbst Wertschätzung erfährt. Werte wie Aufrichtigkeit und Achtsamkeit, Zuversicht, Treue und Beständigkeit geben im Alltag Stabilität.
Werte werden in unserer Gesellschaft neu definiert und nicht mehr von den traditionellen Wertevermittlern wie Kirche, Schule, Philosophie und Politik angeboten. Wertbegriffe bewegen sich heute frei im Raum von Werbung und Marketing. Dabei handelt es sich nicht um verbindliche Wertorientierungen, denen eine Lebenshaltung entsprechen würde, sondern um postmoderne Werte-Zitate, die auch zunehmend Themen im BRU sind. Die vielen unverbindlichen Werte-Zitate sind nicht nur bei den Schülerinnen und Schülern an Berufsbildenden Schulen in aller Munde, Themen wie Solidarität, Menschenwürde, Individualität und Umwelt.
Nicht Kirchen, sondern Konsumtempel sind Orte moderner Religiosität. Wir leben in einem Polytheismus der Marken und Moden. Die Fetische des Konsums sind nicht nur Vehikel zur Transzendenz, sondern das Heilige selbst. Formelhaft kann gesagt werden, dass bewusst Gott gestrichen wird, um religiöse Gefühle besser bedienen zu können.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einführung in die Untersuchung: Diese Einleitung beleuchtet die aktuelle Legitimationsproblematik des Religionsunterrichts angesichts einer säkularisierten, pluralistischen Gesellschaft und betont die Bedeutung von Grundwerten.
2. Eingrenzung des Untersuchungsgebiets und kurzer historischer Exkurs: Dieses Kapitel erläutert die geografischen und geschichtlichen Rahmenbedingungen des Untersuchungsraums, spezifisch das Bistum Limburg und das Gebiet der EKHN.
3. Fragestellung und Ziel der Untersuchung: Hier werden die zentralen Forschungsfragen zur Situation des Religionsunterrichts, dem Einfluss religiöser Pluralität und den Bedürfnissen der Schülerinnen und Schüler definiert.
4. Der Islam: Dieses Kapitel behandelt die wachsende Bedeutung des Islams in Deutschland, sein politisches und kulturelles Selbstverständnis sowie die Lebenswelt muslimischer Jugendlicher.
5. Aufgabe der Religionen im zukünftigen Religionsunterricht: Das Kapitel analysiert die Gottesfrage und die Notwendigkeit von Kompetenz- und Methodenvermittlung, um Religion zukunftsfähig zu gestalten.
6. Lebenswelten junger Menschen – Sinus-Milieustudie U 27: Diese Analyse nutzt die Sinus-Milieustudie, um die unterschiedlichen Lebenswelten und Wertorientierungen junger Menschen an berufsbildenden Schulen zu verstehen.
7. Eine multikulturelle und multireligiöse Gesellschaft: Hier wird die multireligiöse Gesellschaft als Herausforderung diskutiert und die Rolle einer pluralitätsfähigen Religionspädagogik erörtert.
8. Neue Lehrpläne für den katholischen und evangelischen Religionsunterricht: Dieses Kapitel untersucht die Einführung kompetenzorientierter Lehrpläne und die spezifischen Anforderungen an berufsbildende Schulen.
Schlüsselwörter
Religionsunterricht, Berufsbildende Schulen, christliche Erziehung, Wertevermittlung, religiöse Pluralität, Islam in Deutschland, Kompetenzorientierung, Schulpastoral, Schulseelsorge, Säkularisierung, Identitätsbildung, multikulturelle Gesellschaft, Religionspädagogik, Lebenswelt, Bildungsstandards.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Zukunft und Zukunftsfähigkeit des Religionsunterrichts an berufsbildenden Schulen in einer zunehmend pluralistischen und säkularisierten Gesellschaft.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Die zentralen Themen umfassen die Rolle des Christentums, die wachsende Bedeutung des Islams, die veränderten Lebenswelten junger Menschen, die Bedeutung von Werten sowie moderne didaktische Ansätze wie Kompetenzorientierung.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das primäre Ziel ist es, Lösungsansätze für einen zukunftsfähigen Religionsunterricht zu entwickeln, der den aktuellen pädagogischen Anforderungen gerecht wird und gleichzeitig religiöse Bildung ermöglicht.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?
Der Autor stützt sich auf eine Analyse des gesellschaftlichen Wandels, soziologische Studien (wie die Sinus-Milieustudie), fachdidaktische Diskurse sowie auf seine eigene praktische Erfahrung als Religionslehrer.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert die aktuelle Situation, die Herausforderungen durch Pluralität und Islam, die Bedeutung der Gottesfrage, neue organisatorische Ansätze und die veränderte Rolle der Lehrkräfte.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren das Werk?
Schlüsselwörter sind Religionsunterricht, Berufsbildende Schulen, Kompetenzorientierung, religiöse Pluralität, Schulpastoral, Identitätsbildung und Werterziehung.
Wie bewertet der Autor die Rolle des Islams für den Religionsunterricht?
Der Autor sieht die Einführung eines islamischen Religionsunterrichts als notwendigen Beitrag zur Integration in einer multireligiösen Gesellschaft, betont jedoch die Notwendigkeit, dabei auch christliche Werte und das Grundgesetz zu berücksichtigen.
Welchen Stellenwert räumt der Autor der Schulseelsorge ein?
Die Schulseelsorge wird als integraler Bestandteil einer lebendigen Schulkultur betrachtet, die über den eigentlichen Unterricht hinausgeht und ergänzend zur Werteerziehung und Lebenshilfe wirkt.
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- Frank Speth (Author), 2014, Zukunft des Religionsunterrichts in einer immer vielgestaltiger werdenden Welt, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/278322