Die vorliegende Bachelorarbeit, eingereicht in der Hispanistik, beschäftigt sich mit der Thematik Gewalt als lebensweltliches Phänomen aus soziologischer Sicht und wirft dabei inbesondere einen Blick auf die strukturelle und sexuelle Gewalt gegen Frauen, wobei die spanische Gesellschaft im Vordergrund der Betrachtung steht. Exemplarisch dafür wurde der Film "Volver" (2006) vom bekannten spanischen Regisseur Pedro Almodóvar gewählt, der sich in seinem Werk immer wieder Themen wie Gewalt, Transgression, Gender und Frauenbildern nähert und dies nicht selten mit einer erstaunlichen Mischung aus Ernst und Humor vollbringt. Und genau um diese besondere (Nicht-)Darstellung der Gewalt im Film soll es mithilfe der film- und literaturwissenschaftlichen Analyse einiger filmästhetischer Mittel gehen, um die Filmsprache zu dekodieren und schließlich aus kultur- und literaturwissenschaftlicher Sicht zu interpretieren um ein tieferes Verständnis der Problematik zu gewinnen und zu sehen inwieweit Film einen gesellschaftlichen Diskurs über sexuelle Gewalt gegen Frauen und Kinder anregen kann, ohne abzuschrecken und dabei noch kommerziell erfolgreich zu sein. Im Zentrum der Analyse stehen Farbsymbolik, der künstlerische Raum (Vogelperspektive), Symbol, Index und Metonymie, Monolog, Close-up und tragische Elemente sowie Wasser- und Feuermetaphorik und die kreisförmige Narration der Geschichte.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Gewalt als lebensweltliches Phänomen
2.1 Gewaltdiskurse des 20. Jahrhunderts
2.2 Allgemeine Definition des Begriffs „violencia“ im Spanischen
2.3 Gewaltarten – Sexuelle Gewalt – Gewalt und Macht der Männer in der patriarchalen Gesellschaft
3. Die Darstellung von Gewalt in Pedro Almodóvars Film Volver am Beispiel einiger künstlerischer und filmästhetischer Gestaltungsmittel
3.1 Über Regisseur und Werk im historischen und kulturellen Kontext
3.2 Analyse und Interpretation der Gestaltungsmittel zur Gewaltdarstellung in Volver
3.2.1 Zur Theorie der Filmsprache
3.2.1.1 Die explizite Darstellung struktureller sexueller Gewalt sowie implizite Darstellung dieser durch rote Farbsymbolik
3.2.1.2 Die Funktion der Vogelperspektive und des kodierten künstlerischen Raums zur impliziten Darstellung psychischer Gewalt
3.2.1.3 Symbol, Index und Metonymie zur impliziten Darstellung der Gegengewalt
3.2.1.4 Monolog, Nahaufnahme und Elemente der Tragödie zur Thematisierung sexueller Gewalt
3.2.1.5 Wasser- und Feuermetaphorik und die kreisförmige Narration zur Darstellung der Katharsis der Figuren
4. Zusammenfassung und Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit analysiert die Darstellung von psychischer und physischer sexueller Gewalt im Film "Volver" von Pedro Almodóvar und untersucht, wie diese durch künstlerische und filmästhetische Mittel, insbesondere Farbsymbolik und Kameraperspektiven, vermittelt wird. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, auf welche Weise der Regisseur diese tabuisierten Themen ohne explizite Visualisierung der Taten für das Publikum erfahrbar macht und wie sich die Protagonistinnen innerhalb patriarchaler Strukturen emanzipieren.
- Gewalt als lebensweltliches Phänomen und strukturelle sexuelle Gewalt im Patriarchat.
- Die ästhetische Inszenierung von Gewalt durch Farbe, Kameraführung und Raumsymbolik.
- Die Rolle der "reinigenden" Frau und die Katharsis in Almodóvars filmischer Erzählweise.
- Kontextualisierung des Werks im nachfranquistischen Spanien und der "movida madrileña".
Auszug aus dem Buch
3.2.1.1 Die explizite Darstellung struktureller sexueller Gewalt sowie implizite Darstellung dieser durch rote Farbsymbolik
Bei der Analyse der Gewalt gegenüber Paula und Raimunda und des daraus resultierenden Totschlags Pacos, der im Gegensatz zu Mord als ungeplant und im Affekt zu klassifizieren ist (cf. Dinkelacker / Moser 1996: A21), soll der Symbolcharakter der Farbe Rot vor allem auf Grundlage der Forschungen von Eva Heller (cf. 122004: 51-64) untersucht werden. Diese Farbe dominiert in Volver, aber auch in fast allen anderen Filmen Almodóvars (cf. Schmidt-Glenewinkel 2007: 59). Sei es, weil er es liebt, mit ihr Akzente zu setzen, da sie wie Heller (cf. 122004: 62) festhält, Aufmerksamkeit erregt oder sei es wegen ihrer reichen kulturell geprägten Symbolik, die Rudolf Gross (cf. 1981: 11) anspricht. Die Farbe kann deswegen nach den Regeln der Filmsprache Monacos (cf. 1997: 165) als Zeichen betrachtet werden, welches eine Referenz zu den zentralen Thematiken des Films herstellt. Sexualität, Gewalt, Blut, Leidenschaft, Feuer, das Verbotene, Freiheit und Liebe werden nach Heller (cf. 122004: 51-63) mit Rot assoziiert. Die Farbe ist zweifelsohne eines der typischsten Merkmale der Ästhetik Almodóvars und passt analog dazu zur extremen Leidenschaft und dem extremen Leiden der ProtagonistInnen, die nach Schmidt-Glenewinkel (cf. 2007: 38) typische Themen seiner Filme darstellen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung legt das Forschungsinteresse fest, Gewalt von Männern gegen Frauen in Pedro Almodóvars "Volver" mittels soziologischer und filmwissenschaftlicher Theorien zu analysieren.
2. Gewalt als lebensweltliches Phänomen: Dieses Kapitel definiert den Gewaltbegriff soziologisch und feministisch und untersucht die Ursachen von Gewalt innerhalb asymmetrischer, patriarchaler Machtstrukturen.
3. Die Darstellung von Gewalt in Pedro Almodóvars Film Volver am Beispiel einiger künstlerischer und filmästhetischer Gestaltungsmittel: Der Hauptteil analysiert Almodóvars künstlerische Mittel zur Gewaltdarstellung im Film, beginnend mit dem historischen Kontext, gefolgt von der spezifischen filmischen Analyse von Farbsymbolik, Perspektive und Montage.
4. Zusammenfassung und Schlussbetrachtung: Das abschließende Kapitel resümiert, dass Almodóvar Gewalt nicht explizit visualisiert, sondern sie durch ästhetische Codes, Symbolik und die reinigende Katharsis der Figuren in den Kontext einer Befreiung von patriarchalen Strukturen setzt.
Schlüsselwörter
Pedro Almodóvar, Volver, sexuelle Gewalt, Patriarchat, Farbsymbolik, Filmsprache, Katharsis, strukturelle Gewalt, Emanzipation, Filmanalyse, Körperlichkeit, Rollenbilder, Gewaltprävention, spanischer Film, Geschlechterrollen
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Darstellung von psychischer und physischer sexueller Gewalt im Film "Volver" von Pedro Almodóvar.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Felder sind die filmästhetische Umsetzung von Gewalt, die patriarchale Gesellschaftsstruktur und die Emanzipation der weiblichen Protagonistinnen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es zu zeigen, wie Almodóvar Gewalt durch künstlerische Mittel wie Farbsymbolik und Kameratechnik für das Publikum implizit erfahrbar macht, ohne die Taten explizit zu zeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine film- und literaturwissenschaftliche Filmanalyse angewandt, die durch soziologische und feministische Theorien unterstützt wird.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert zunächst den historischen Kontext von Regisseur und Werk, gefolgt von einer detaillierten Analyse filmischer Gestaltungsmittel wie die Bedeutung der Farbe Rot oder die Funktion der Vogelperspektive.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Schlüsselwörter umfassen Almodóvar, Gewalt, Patriarchat, Symbolik, Filmanalyse, Katharsis und Emanzipation.
Wie trägt die Farbe Rot zur Filmbotschaft bei?
Rot fungiert als Symbol für Leidenschaft, Blut, Gefahr und Tod, aber auch als Indikator für das Leid der Frauen und ihre Verbindung zu unterdrückenden Machtverhältnissen.
Welche Rolle spielt die "Küche" in der Analyse?
Die Küche wird als "künstlerischer Raum" interpretiert, der die traditionelle Rolle der Hausfrau kodiert, aber im Film zum Ort der Befreiung und der Reinigung von patriarchaler Unterdrückung wird.
- Arbeit zitieren
- Sarah Fritzsche (Autor:in), 2011, Die Darstellung der Gewalt in Pedro Almodóvars Film "Volver", München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/278117