Die folgende Arbeit soll das Problem des Wohnungsmangels in der Deutschen Demokratischen Republik rundum darstellen. Zum einen die Visionen der SED, wie die Wohnverhältnisse der Bürger aussehen sollten, die Unzufriedenheit der Bürger mit den tatsächlichen Wohnverhältnissen und die Platte als angebliche Lösung des Problems.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Ideale der SED
3. Wohnungsmangel
4. Unzufriedenheit der Bürger
5. Wohnverhältnisse
6. Die Platte als Lösung
7. Altbau vs. Plattenbau
8. Wohnungstausch
9. Schluss
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht die Diskrepanz zwischen den staatlichen Visionen der SED zur Wohnraumbereitstellung und der tatsächlichen Wohnsituation in der DDR. Ziel ist es, aufzuzeigen, wie der Wohnungsmangel, die staatliche Verwaltung und der Bau von Plattenbausiedlungen die Lebensqualität und Zufriedenheit der Bürger beeinflussten.
- Die Ideologie der SED in Bezug auf Wohnungsbau und soziale Gemeinschaft
- Die Auswirkungen des Wohnungsmangels auf die Unzufriedenheit der Bevölkerung
- Der bauliche und soziale Vergleich zwischen Altbauten und Plattenbausiedlungen
- Die Praxis des Wohnungstauschs als Reaktion auf die staatliche Mangelwirtschaft
- Der Einfluss staatlicher Fremdbestimmung auf das Bedürfnis nach individueller Lebensgestaltung
Auszug aus dem Buch
6. Die Platte als Lösung
„Erhöhung des materiellen und kulturellen Lebensniveaus“. Das war die Hauptaufgabe, die die SED auf ihrem VIII. Parteitag forderte. Ein besonders wichtiger Punkt, um dieses Ziel zu erreichen war das Wohnungsbauprogramm.25
Angetrieben durch den Wohnungsmangel „[…] konzentrierte man sich hauptsächlich auf die Errichtung neuer und relativ billiger, speziell gebauter Wohnblocks in Städten oder auf die Errichtung völlig neuer Wohnbezirke außerhalb der Städte[…]“26 Dies schien die perfekte Lösung zu sein, um dem Wohnungsmangel entgegenzuwirken. Besonders Ulbricht war daran interessiert, neue Satellitenstädte zu schaffen und die Bauplanungen für Stadtzentren wie in Berlin, Dresden oder Halle anzutreiben. Während seiner Amtszeit wurden durchschnittlich jedes Jahr 60.000 bis 70.000 neue Wohnungen gebaut. Für Honecker hingegen galt die Errichtung neuer Wohnblocks als höchste Priorität. Deswegen stiegen die Zahlen der gebauten Wohnungen während seiner Amtszeit deutlich an. Nun wurden jedes Jahr ungefähr 100.000 neue Wohnungen gebaut.27 Die neu errichteten Wohnblocks sollten Wohnungen enthalten, die funktional, wohnlich und modern waren.28
Um diese Plattenbauten errichten zu können benötigte man „[…]16 Meter hohe Kräne mit denen vierstöckige Gebäude, in fünf eilabschnitten oder dreistöckige Gebäude in sechs bis sieben Abschnitten bauen konnte; vorgefertigte Platten für die Wände sogenannter Plattenbauten oder Hochhäuser aus Fertigteilen; für das Dach nicht die herkömmlichen Ziegel, sondern solche aus billigem Asbestzement. Da der Kran einen Radius schuf, um den die Gebäude platziert werden konnten, waren die Wohnblocks schließlich um etwas trostlose freie Flächen herum angeordnet.“29 Die Gebäudegrundrisse waren standarisiert und deswegen wichen die Plattenbauten kaum voneinander ab. Des Weiteren waren die Plattenbauten auch gut für Zwecke der Propaganda einsetzbar. Denn es lebten Vertreter aller Schichten nebeneinander und realisierten damit das Ideal einer sozialistischen Gemeinschaft.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung erläutert die Problematik des Wohnungsmangels in der DDR und führt in die zentralen Quellen sowie das Ziel der Untersuchung ein.
2. Ideale der SED: Dieses Kapitel beschreibt die hohen sozialen Ansprüche der SED an den Wohnungsbau und die staatliche Verantwortung für die Wohnungszuteilung.
3. Wohnungsmangel: Hier wird der historische Kontext des durch Kriegszerstörungen und Vernachlässigung entstandenen Wohnraummangels beleuchtet.
4. Unzufriedenheit der Bürger: Das Kapitel thematisiert die Folgen des Wohnungsmangels, wie sie sich in Eingaben und Umfragen der DDR-Bürger widerspiegelten.
5. Wohnverhältnisse: Es erfolgt eine Analyse der qualitativen Defizite in Altbauten im Vergleich zum bundesdeutschen Standard sowie der geringen Verfügbarkeit von Ausstattungsmerkmalen.
6. Die Platte als Lösung: Darstellung des Wohnungsbauprogramms und des industriellen Bauens als staatliche Strategie zur Behebung der Wohnungsnot.
7. Altbau vs. Plattenbau: Kontrastierung der Bewohnerzufriedenheit in modernen Plattenbauten gegenüber dem Zustand in den oft vernachlässigten Altbauten.
8. Wohnungstausch: Analyse der informellen Tauschmärkte als notwendiges Instrument der Bürger zur Verbesserung ihrer individuellen Wohnsituation.
9. Schluss: Fazit über die Ambivalenz der Plattenbauten zwischen Komfortgewinn und staatlicher Fremdbestimmung sowie Verlust an Individualität.
Schlüsselwörter
DDR, SED, Plattenbau, Wohnungsmangel, Wohnungsbauprogramm, Wohnsituation, Altbau, staatliche Verwaltung, Individualität, Wohnungstausch, Sozialismus, DDR-Alltag, Wohnverhältnisse, soziale Infrastruktur, Fremdbestimmung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die staatlich gelenkte Wohnraumpolitik in der DDR und deren Auswirkungen auf den Alltag der Bürger zwischen 1971 und 1989.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die Schwerpunkte liegen auf dem Spannungsfeld zwischen den wohnungspolitischen Idealen der SED, der Realität des Wohnungsmangels und dem Versuch, durch Plattenbauten eine Lösung herbeizuführen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie die staatliche Verantwortung für die Wohnungsbeschaffung zu einer Unzufriedenheit führte, die sich durch den Mangel an Individualität und die Fremdbestimmung des Wohnens begründete.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine historische Analyse, die auf der Auswertung relevanter Fachliteratur (wie von Mary Fulbrook und Stefan Wolle) sowie der Interpretation statistischer Daten und zeitgenössischer Dokumente basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Ursachen des Wohnungsmangels, die SED-Ideale, die bauliche Entwicklung von Plattenbauten, die Lebensumstände in Altbauten und die Praxis des Wohnungstauschs.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
DDR, Wohnungsbauprogramm, Plattenbau, staatliche Fremdbestimmung, Wohnungstausch und Lebensstandard.
Warum war der Wohnungstausch in der DDR so relevant?
Da Wohnraum staatlich verwaltet und durch Mangel gekennzeichnet war, blieb der Wohnungstausch für viele Bürger oft der einzige Weg, die eigene prekäre Wohnsituation eigenständig zu verbessern.
Inwiefern beeinflusste die staatliche Kontrolle die Wohnkultur?
Die Zentralisierung der Wohnungsbeschaffung und die Standardisierung der Grundrisse schränkten die individuelle Gestaltungsmöglichkeiten der Bürger stark ein, was oft zu einer empfundenen Entfremdung und staatlicher Kritik führte.
- Arbeit zitieren
- Anonym (Autor:in), 2013, Die Platte als Lösung. Die Vorstellungen der SED, Entwicklung und Realität der Wohnsituation in der DDR., München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/278042