Die Arbeit mit Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen hat sich seit den 1960iger Jahren gewandelt. Aus einem neuen Verständnis von Krankheit aber auch dem gesellschaftlichen Umgang hiermit, haben sich neue Formen der Unterstützung entwickelt. Das Konzept der gemeindenahen Psychiatrie resultiert aus einer Entwicklung weg von institutionenorientierte Hilfe hin zu personenzentrierten Ansätzen. Diese Entwicklung soll im
ersten Teil der Arbeit dargestellt werden. Folgend wenden wir uns dem Ansatz des Case Management zu. Dieser entwickelte sich in
den USA u. a. aus der Deinstitutionalisierung von Unterstützungsangeboten in der Arbeit mit Menschen mit psychischen Erkrankungen. In einem ersten Schritt möchten wir die Entwicklungsgeschichte des Case Management vorstellen, anschließend soll die methodische Vorgehensweise kurz dargestellt werden. Über einen exemplarischen Fallverlauf aus der Gemeindenahen Psychiatrie möchten wir versuchen, eine Brücke vom Arbeitsfeld der Gemeindenahe Psychiatrie zu dem Hilfsansatz des Case Managements zu schlagen. Klienten in der Gemeindenahen Psychiatrie haben meist multifaktoriellen Problemlagen und können von einem methodischen Vorgehen nach dem Case Management profitieren. Zudem soll überprüft werden, inwieweit sich dieser
Ansatz im Arbeitsfeld der Gemeindenahen Psychiatrie wieder findet und welche Schwierigkeiten hiermit eventuell auch verbunden sein können.
Zum Abschluss möchten wir den Barrieren kommen, die sich bei einer methodischen Vorgehensweise nach dem Case Management-Konzept ergeben. Woraus resultieren diese und wie wirkt sich dies auf der Ebene der konkreten Arbeit mit dem Klienten aus.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Gemeindenahe Psychiatrie – was ist das?
3. Entstehung und Entwicklung des Case Management-Ansatzes
4. Phasen des Case Managements
4.1. Intake, Klärungshilfe, Erstberatung
4.2. Assessment – Analyse, Einschätzung, Prognose
4.3. Hilfebedarf und Entwurf der Unterstützungsleistungen
4.4. Hilfeplanung
4.5. Unterstützungsprozess in Gang setzen, beobachten, steuern
4.6. Beendigung der Unterstützung, Evaluation
5. Verbindung von Case Management und gemeindenaher Psychiatrie
6. Barrieren des Case Management
7. Resümee
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, inwieweit das methodische Konzept des Case Managements geeignet ist, um die komplexen, multifaktoriellen Problemlagen von Klienten in der gemeindenahen Psychiatrie effektiv zu adressieren, und welche institutionellen oder systemischen Barrieren einer erfolgreichen Implementierung in Deutschland entgegenstehen.
- Grundlagen und historische Entwicklung der gemeindenahen Psychiatrie
- Methodische Standards und Phasenmodell des Case Managements
- Anwendung des Case Managements anhand eines exemplarsichen Fallverlaufs
- Analyse von strukturellen und systemischen Barrieren im deutschen Sozialwesen
- Diskussion über die Übertragbarkeit angloamerikanischer Konzepte in das deutsche Hilfesystem
Auszug aus dem Buch
4. Phasen des Case Management
Ein Case Management-Prozess gestaltet sich in der Arbeit mit den Klienten als Regelkreis. und ist in verschiedene Phasen unterteilt. Ziel dieser Vorgehensweise ist es, die komplexen Problemlagen der Klienten planvoll und strukturiert zu erfassen, und die effektive und effiziente Hilfe herauszuarbeiten.
Wenngleich Case Management Prozess in aufeinander aufbauende Phasen unterteilt ist, kann es im Prozess immer wieder notwendig sein, auf eine vorherige Phase zurückzugreifen. Dies resultiert auch daraus, dass im Verlauf der Hilfe neue Erkenntnisse gewonnen werden bzw. die Lebenssituation der Klienten verändert. D. h. die Erkenntnisse oder Pläne, welche aus den verschiedenen Phasen resultieren werden nicht als statisch sondern vielmehr immer als vorläufig, veränderbar oder ergänzbar angesehen (vgl. Neuffer 2009:63).
In den verschiedenen Konzepten des Case Managements werden zum Teil unterschiedliche Begrifflichkeiten verwendet. Wir orientieren uns bei der Beschreibung der Phasen an den Begrifflichkeiten, die Neuffer verwendet (vgl. ebd.: 63 ff.)
4.1. Intake, Klärungshilfe, Erstberatung
Spezialisierungen der sozialen Dienstleitungen sowie komplexe, multifaktorielle Problemlagen machen es erforderlich vor einer Hilfeerbringung/Unterstützung die Situation des Adressaten zu eruieren, um passende Hilfeleistungen anbieten zu können. Wichtig hierbei ist es, die Klienten als Experten seiner Situation anzuerkennen, um so auch selbstreflexiven Erkenntnisprozess über den Hilfebedarf anzuregen (vgl. Neuffer 2009: 65).
Die Phase des Intake kann inhaltlich unterschiedlich gefüllt werden. Wendt formuliert folgende zwei Ziele dieser Phase (vgl. Wendt 2010: 135):
- der Adressat wird über die Vorgehensweise und das Mandat informiert
- der Adressat wird dabei unterstützt, komplexe Problemlagen zu ordnen, um so die Entscheidung für eine Leistungserbringung/Unterstützung treffen zu können.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Darstellung der Entwicklung von institutionellen hin zu personenzentrierten Hilfen sowie Einführung in die Zielsetzung, den Fallverlauf und die Fragestellung der Arbeit.
2. Gemeindenahe Psychiatrie – was ist das?: Erläuterung der Psychiatriereformbewegung und der zentralen Anforderungen an eine bedarfsgerechte psychiatrische Versorgung in der Kommune.
3. Entstehung und Entwicklung des Case Management-Ansatzes: Historischer Überblick über die Entstehung des Konzepts in den USA und dessen Verbreitung sowie Adaptation in Europa.
4. Phasen des Case Managements: Detaillierte Beschreibung des methodischen Regelkreises von der ersten Klärung über das Assessment bis hin zur Evaluation und Beendigung der Hilfe.
5. Verbindung von Case Management und gemeindenaher Psychiatrie: Verknüpfung der theoretischen Ansätze mit der Praxis anhand eines Fallbeispiels zur Verdeutlichung der Komplexität der Hilfsbedarfe.
6. Barrieren des Case Management: Kritische Auseinandersetzung mit systemischen und institutionellen Hemmnissen, die einer Umsetzung des Case Managements im deutschen Hilfesystem entgegenstehen.
7. Resümee: Fazit zur Anwendbarkeit des Konzepts und Forderung nach strukturellen Veränderungen zur Förderung differenzierter Unterstützungsangebote.
Schlüsselwörter
Case Management, Gemeindenahe Psychiatrie, Sozialpsychiatrie, Soziale Arbeit, Hilfebedarf, Assessment, Hilfeplanung, Empowerment, Vernetzung, Systemsteuerung, Deinstitutionalisierung, Multifaktorielle Problemlagen, Qualitätsmanagement, Subsidiaritätsprinzip, Leistungserbringung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Handlungskonzept des Case Managements und dessen Anwendbarkeit in der gemeindenahen Psychiatrie zur Bewältigung komplexer Problemlagen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Fokus stehen die psychiatrische Versorgungslandschaft, die methodischen Standards des Case Managements und die strukturellen Rahmenbedingungen des deutschen Sozialwesens.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Arbeit prüft, ob Case Management eine hilfreiche Methode für Klienten in der gemeindenahen Psychiatrie ist und welche Hürden einer Implementierung entgegenstehen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autoren nutzen eine Literaturanalyse zur theoretischen Fundierung sowie eine exemplarische Fallstudie aus der Praxis zur Illustration der Anwendbarkeit.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der Grundlagen, das Phasenmodell des Case Managements, die praktische Anwendung am Fallbeispiel und eine kritische Analyse institutioneller Barrieren.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den zentralen Begriffen zählen Case Management, gemeindenahe Psychiatrie, Hilfebedarf, Vernetzung, Systemsteuerung und Empowerment.
Welche Rolle spielt das Jugendamt im beschriebenen Fallbeispiel?
Das Jugendamt wird als Akteur dargestellt, der primär auf Fremdplatzierung setzt, während die Arbeit durch Case Management Elemente eine alternative, stärkere Einbindung und Unterstützung der Mutter anstrebt.
Warum ist eine vollständige Implementierung des Case Managements in Deutschland schwierig?
Aufgrund der historisch gewachsenen, angebotsorientierten Strukturen und des Subsidiaritätsprinzips fehlt es an Ressourcenverantwortung an der Basis und Flexibilität bei den Kostenträgern.
- Quote paper
- Frank Klein (Author), Martina Lusch (Author), 2013, Case-Management in der Gemeindenahen Psychiatrie. Hilfreiche Methode in multifaktoriellen Problemlagen?, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/277953