Kritisch-kursive Abhandlung der militärstrategischen Doktrin der NATO bis zu den 80er Jahren.
Die strategische Konzeption der NATO stand von Beginn an auf der Grundlage der Ost-West-Polarisierung. Von daher war das strategische Denken stets geprägt von Feindbildern. Dem potentiellen Gegner im Osten wurden die schlimmsten Absichten unterstellt zumindest von den ‚Falken‘ im Bündnis und das stets im Sinne des worst-case-Denkens. Dabei spielte das Prinzip der Abschreckung seit der Gründung der NATO eine fundamentale Rolle. So sollte der Gegner durch Androhung kaum mehr kalkulierbarer Verluste von einem Angriff abgehalten werden.
Für den Fall eines Versagens der Abschreckung zielten alle militärischen Konzepte immer schon darauf ab, den Gegner so weit östlich wie möglich aufzuhalten.
[...] Zweifellos stellt die Nixon-Doktrin eine realistische Antwort auf die veränderte geopolitische Situation zu Beginn der 70er Jahre dar.
Inhaltsverzeichnis
1. Die strategische Konzeption der NATO und das Prinzip der Abschreckung
2. Die Doktrin der massiven Vergeltung (massive retaliation)
3. Die Theorie der flexiblen Erwiderung (flexible response)
4. Entspannung/Nixon
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit analysiert die historische Entwicklung der militärstrategischen Konzepte der NATO im Kontext der amerikanischen Außenpolitik und untersucht deren Wechselwirkungen mit sicherheitspolitischen Doktrinen während des Kalten Krieges.
- Evolution von Abschreckungsstrategien
- Wechsel von "Massive Retaliation" zu "Flexible Response"
- Einfluss der amerikanischen Außenpolitik auf das NATO-Sicherheitskonzept
- Die Rolle der Entspannungspolitik und der Nixon-Doktrin
- Kritische Analyse des Rationalitäts- und Selbstvernichtungsdilemmas
Auszug aus dem Buch
Die Doktrin der massiven Vergeltung (massive retaliation)
Zum ersten Mal fußte das Abschreckungsprinzip in der amerikanischen Doktrin der massiven Vergeltung (massive retaliation) in erster Linie auf nuklearer Gewaltandrohung. Im Falle eines sowjetischen oder chinesischen Angriffs wurden in dieser Doktrin empfindliche nukleare Vergeltungsschläge im Hinterland des Gegners angedroht (vgl. Schneider, 1987, S.271).
In dieser etwas später zur ersten offiziellen NATO-Militärdoktrin erhobenen Strategie wurde versucht, den militärischen und politischen Gegebenheiten der frühen 50er Jahre zu entsprechen. Einmal trug diese militärstrategische Konzeption dem militärischen Kräfteverhältnis in Ost und West Rechnung. So war man auf amerikanischer Seite der Auffassung, der konventionellen Überlegenheit des Ostens durch eine klare nukleare Überlegenheit zu begegnen (vgl. Walpuski/ Wolf, 1979, S.20).
Darüber hinaus wurde diese Doktrin von einer großen Mehrheit der US Administration getragen und zwar unabhängig davon, ob man den alten Kurs des containment oder die roll-back-Linie vertrat (vgl. Pütz, 1974, S.151).
Dazu K.A. Pütz (ebd.): „Die Vereinigten Staaten sollten damit in die Lage versetzt werden, unmittelbar mit Mitteln und an Plätzen eigener Wahl zurückzuschlagen. Dulles erkannte zwar die Notwendigkeit ‘lokaler Verteidigung’, war jedoch davon überzeugt, dass es aber keine lokale Verteidigung gibt, die allein die mächtige Landmacht der kommunistischen Welt eindämmen kann. Die lokale Verteidigung muss durch die weitere Abschreckung einer massiven Vergeltungsmacht verstärkt werden.“
Zusammenfassung der Kapitel
1. Die strategische Konzeption der NATO und das Prinzip der Abschreckung: Das Kapitel erläutert die Grundlagen der NATO-Strategie, die von Beginn an auf der Ost-West-Polarisierung und dem Abschreckungsprinzip basierte.
2. Die Doktrin der massiven Vergeltung (massive retaliation): Dieses Kapitel beschreibt die US-amerikanische Nukleardoktrin der frühen 50er Jahre, die auf nuklearer Überlegenheit und der Drohung mit Vergeltungsschlägen aufbaute.
3. Die Theorie der flexiblen Erwiderung (flexible response): Hier wird der strategische Wandel in den 60er Jahren thematisiert, bei dem die massive Vergeltung durch eine flexiblere, konventionell und nuklear abgestufte Reaktionsfähigkeit abgelöst wurde.
4. Entspannung/Nixon: Dieses Kapitel analysiert die Neuausrichtung der amerikanischen Außenpolitik unter Nixon und die Etablierung der Entspannungspolitik als zweite Säule des NATO-Sicherheitskonzepts.
Schlüsselwörter
NATO, Abschreckung, massive Vergeltung, flexible response, Nixon-Doktrin, Kalter Krieg, Sicherheitspolitik, Nuklearstrategie, Containment, Roll-back, Entspannungspolitik, Ost-West-Konflikt, Sicherheitsdilemma, Gleichgewicht des Schreckens, Vorneverteidigung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Entwicklung der militärstrategischen Konzepte der NATO und deren enge Verknüpfung mit den wechselnden Doktrinen der amerikanischen Außenpolitik während des Kalten Krieges.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die Schwerpunkte liegen auf der Entwicklung der Abschreckungsstrategien, dem Übergang von der "Massiven Vergeltung" zur "Flexiblen Erwiderung" sowie den sicherheitspolitischen Anpassungen im Zuge der Entspannungspolitik.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, aufzuzeigen, wie militärische Strategien der NATO auf veränderte geopolitische Bedingungen und das jeweilige Selbstverständnis der US-Administration reagiert haben.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine systematische Analyse von sicherheitspolitischen Fachbeiträgen, historischen Dokumenten und strategischen Doktrinen, um die Entwicklung der NATO-Strategie nachzuvollziehen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden die zentralen Verteidigungs- und Abschreckungsstrategien chronologisch analysiert und kritisch hinsichtlich ihrer Glaubwürdigkeit und Stabilität hinterfragt.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem NATO-Strategie, Massive Retaliation, Flexible Response, Nixon-Doktrin, nukleare Abschreckung und Entspannungspolitik.
Warum wurde die Doktrin der massiven Vergeltung in den 60er Jahren abgelöst?
Die Doktrin wurde durch die zunehmende nukleare Parität des Gegners und die Erkenntnis unbezahlbarer Risiken der Selbstvernichtung bei begrenzten Konflikten als nicht mehr glaubwürdig erachtet.
Welchen Einfluss hatte die Nixon-Doktrin auf das Sicherheitskonzept der NATO?
Die Nixon-Doktrin führte zu einem veränderten Verständnis von Sicherheit, das stärker auf kooperativen Elementen und einer Lastenverteilung innerhalb des Bündnisses basierte.
- Arbeit zitieren
- Dr. Volker Brand (Autor:in), 1987, Die Entwicklung des militärstrategischen Konzepts der NATO und ihre Verflechtung mit Grundzügen der amerikanischen Außenpolitik, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/277840