Befasst man sich mit der Heiligen Schrift der Christen, insbesondere der des Alten Testaments, so kann schnell der Eindruck entstehen, das Frauen den Männern gegenüber benachteiligt werden, dass soll heißen, dass Männer über den Frauen stehen. Dieser Gedanke spiegelt sich in der Geschichte der Christen wieder, in der Frauen, auch immer noch, um eine gleichwertige Stellung in der Gesellschaft, sei es im Beruf oder aber auch in der familiären Hierarchie, kämpfen müssen. Insbesondere im Mittelalter Europas wird der scheinbare Zusammenhang zwischen der „Nicht-Gleichberechtigung“ der beiden Gattungen und der Bibel deutlich, da hier die Männer mit dieser argumentiert haben.
So stellt sich heute aber die Fragen, und nicht nur in den feministischen Reihen, ob man behaupten kann, dass die Bibel tatsächlich ein patriarchales Buch sei und inwiefern die Argumentation der damaligen Kirchenväter, mit dem heutigen Wissen tragbar ist.
Um sich dieser Fragestellung anzunähern, werde Ich im folgenden Textverlauf den Schwerpunkt auf Phyllis Trible „Depatriachalizing in Biblical Interpretation“ setzen, insbesondere auf den zweiten Schöpfungsbericht des Alten Testaments. Vorab will ich kurz die Person Phyllis Trible und den historischen Hintergrund skizzieren.
Inhaltsverzeichnis
1. Methoden und Probleme der kritischen Studie kulturellen Kanons: Bibelwissenschaft und Gender Studies
2. Ist die Bibel ein patriarchales Buch?
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die kritische Forschungsfrage, ob die Bibel als grundlegend patriarchales Werk zu betrachten ist oder ob diese Zuschreibung durch eine spezifische, geschlechtsneutrale Interpretation revidiert werden kann. Im Zentrum steht dabei die Analyse von Phyllis Tribles hermeneutischem Ansatz, um die Gleichwertigkeit der Geschlechter in biblischen Urtexten aufzuzeigen.
- Feministische Exegese und Hermeneutik
- Kritische Analyse der Schöpfungsberichte (Genesis 2-3)
- Dekonstruktion patriarchaler Lesarten der Bibel
- Die Rolle der Frau als gleichwertiges Gegenüber in biblischen Texten
- Bedeutung der Originalsprache für geschlechtergerechte Interpretationen
Auszug aus dem Buch
Die Erschaffung der Frau und das „Eins-Sein“
Weiterhin schlüsselt Phyllis hermeneutisch auf, dass es sich bei Adam vorerst um den „Erdling“ (genommen/gebaut aus dem Mutterbode, adhama), ein androgynes Wesen handelt und nicht etwa um den Mann. Erst durch die Erschaffung des zweiten „Wesens“ - der Frau - versteht sich Adam als Mann und gleichzeitig sein Gegenüber als Frau. Die Erschaffung der Frau durch die Rippe (Seite) von Adam (hier noch der androgyne Erdling) führt also erst zur Vollendung, d.h. aus Einem werden Zwei. Beide Geschlechter entstehen miteinander/ aneinander und haben gerade deswegen eine gleichberechtigtes „Eins-Sein“ in sich.
Weiter stellt Trible fest, dass Adam ein passives, nicht dominantes oder aggressives Wesen (von der Identität her) ist. Erst durch die Erschaffung der Frau wird der Mann aktiv und erkennt sich als Mann. Die weiterführende Frage, warum es nicht „nur“ bei den androgynen „Erdling“ geblieben ist, liegt auf der Hand. So hat er, der Erdling, vorerst seine von Gott ihm zugedachte Rolle (die Benennung der Tiere, das behüten des Gartens, Helfer Gottes) erfüllt.
Zusammenfassung der Kapitel
Methoden und Probleme der kritischen Studie kulturellen Kanons: Bibelwissenschaft und Gender Studies: Dieses Kapitel führt in die Thematik ein und begründet die Relevanz einer feministischen Auseinandersetzung mit biblischen Texten.
Ist die Bibel ein patriarchales Buch?: Hier erfolgt die detaillierte Untersuchung der Schöpfungsberichte mittels Phyllis Tribles Ansatz, um die Widerlegung eines pauschalen Patriarchatsvorwurfes durch eine neugewonnene Sicht auf die Gleichwertigkeit von Mann und Frau zu belegen.
Schlüsselwörter
Phyllis Trible, Feministische Theologie, Bibelwissenschaft, Genesis, Patriarchat, Hermeneutik, Geschlechtergerechtigkeit, Exegese, Schöpfungsgeschichte, Adam und Eva, Depatriarchalisierung, Gender Studies, Biblische Hermeneutik, Sündenfall
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der kritischen Untersuchung, inwieweit die Bibel tatsächlich ein patriarchales Buch ist oder ob herkömmliche patriarchale Interpretationen auf fehlerhaften Übersetzungen und einseitigen Auslegungen beruhen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Arbeit behandelt die Schnittstelle zwischen Bibelwissenschaft und den Gender Studies, wobei ein besonderer Fokus auf der feministischen Hermeneutik nach Phyllis Trible liegt.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, durch eine wissenschaftliche Analyse der Urtexte aufzuzeigen, dass die Bibel ursprünglich nicht als patriarchales, unterdrückendes Werk konzipiert war, sondern die Gleichwertigkeit der Geschlechter betont.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird die Methode der literarischen und rhetorischen Bibelkritik angewandt, die intensiv mit den Originalsprachen der biblischen Texte arbeitet, um verdeckte Bedeutungen freizulegen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert primär die Genesis-Texte (2-3), das Verhältnis von Adam und Eva als androgynes Wesen sowie die Rolle der Frau als gleichwertige „Helferin“ anstelle einer Untergebenen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Phyllis Trible, feministische Hermeneutik, Depatriarchalisierung, Genesis und die Dekonstruktion traditioneller Rollenbilder in der Theologie.
Wie unterscheidet Trible die verschiedenen Helferrollen in der Genesis?
Trible differenziert zwischen Gott als dem übergeordneten Helfer, den Tieren als den untergeordneten Helfern und der Frau, die als gleichwertige Helferin des Mannes definiert wird.
Warum spielt das hebräische Wort für „Helfer“ eine entscheidende Rolle?
Das Wort „'ezer“ wird in der Bibel auch verwendet, um Gott selbst zu beschreiben, was die negative Konnotation als bloß „unterwürfige Hilfe“ widerlegt und die Stärke der Position der Frau unterstreicht.
Welche Bedeutung kommt dem „Sündenfall“ in dieser Interpretation zu?
Der Sündenfall wird nicht primär als Strafe, sondern als ein notwendiger Schritt zur Selbsterkenntnis und zum Erlangen moralischen Bewusstseins verstanden, der für die Entwicklung menschlicher Identität essenziell ist.
Was ist das Fazit der Autorin bezüglich der Rolle der Frau?
Die Autorin kommt zu dem Schluss, dass nicht Gott Frauen vergessen oder untergeordnet hat, sondern dass historische patriarchale Strukturen die biblischen Texte für ihre Zwecke instrumentalisiert haben.
- Arbeit zitieren
- Ludmila Lang (Autor:in), 2011, Ist die Bibel ein patriarchales Buch?, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/277668