Das Internet und vor allem das Web 2.0 haben in unserer heutigen Gesellschaft im letzten Jahrzehnt einen außerordentlich hohen Status erreicht. Kaum ein Unternehmen und kaum eine Person der modernen Industrienationen kann darauf mittlerweile noch verzichten. Viele Bereiche des Lebens spielen sich in diesem Medium ab: Kaufen- und Verkaufen, Kommunikation zwischen Individuen oder Kollektiven, Bewerbungen um berufliche Positionen, das Ansammeln von Informationen und - um einen der wichtigsten Gebiete zu nennen - die Generierung und Verbreitung von Humor bzw. Komik.
Sprach der berühmte polnische Science-Fiction-Autor Stanislaw Lem im Jahre 1998 noch vom "Phänomen Internet", spricht man heutzutage von sogenannten "Internetphänomenen", die sich z.B. durch witzige Videos, Bilder oder Geschichten im Internet manifestieren. Da sich diese Gegebenheiten durch die vielen Funktionen des Internets und durch die Masse an Usern rasant weiterentwickelt haben, herrscht in der Forschungslandschaft Ratlosigkeit, wie man all dies unter einen Hut bringen, sinnvoll beschreiben und analysieren kann. Gerade im Hinblick auf die neu aufkommende Form der "Memes" gibt es im deutschen Sprachraum kaum wissenschaftliche Literatur, die sich mit diesem Thema eingehend auseinandersetzt. Und das obwohl die Prinzipien der sogenannten Memetik schon lange vor der Internet-Ära durch Richard Dawkins und durch die auf ihm aufbauen-den Arbeiten Susan Blackmores Berühmtheit erlangte. Interessant dabei ist: das allgemeine Volk - die User - adaptierten diesen begrifflich schwer zu fassenden Ansatz und übertrug ihn auf die Masse an Internet-Phänomenen, die es quasi überschwemmen. LOLCats und Advice Dogs, Gangnam Style und Harlem Shake, Rick Rollin' und Rebecca Black - all diese Beispiele werden von der Internetgemeinschaft selbst als Memes bezeichnet und es wird versucht, eine einheitliche Kategorienbildung zu entwerfen (siehe Kapitel 3). Das Problematische dabei ist und bleibt jedoch die exakte Typologie. Durch die Eigenheiten des Web 2.0 (siehe Kapitel 3.2.1.) kann jeder Inhalte herstellen und jeder kann sie verbreiten, sodass eine unüberschaubare Masse an verschiedenen Arten und Formen von Internet-Memes entstehen. Ein der wohl wichtigsten Internet-Memes stellen die Image Macros dar - einfache Bilder mit einem überlappenden Text-Fragment und humoristischem Inhalt, deren Anzahl zum jetzigen Zeitpunkt nicht feststellbar ist.
Inhaltsverzeichnis
1 EINLEITUNG
2 STAND DER FORSCHUNG
3 WAS SIND INTERNET-MEMES?
3.1 Allgemeine Definition von Meme außerhalb des
World Wide Web
3.2 Digitale Internet-Memes und das Web 2.0
3.2.1 Das Web 2.0: Eine neue Möglichkeiten für Meme
3.2.2 Digitale Memes und die Definition der Internetgemeinschaft
3.2.3 Internet-Memes im akademischen Diskurs
4 IMAGE MACROS ALS MEMES
4.1 Definition Image Macros
4.2 Typologie der Image Macros
4.2.1 LOLCat
4.2.2 Stock Character Macro
4.3 Sind Image Macros Memes?
5 IMAGE MACROS UND KOMIK – EINE ERSTE ANNÄHERUNG
5.1 Grundlagen von Humor und Komik
5.1.1 Begriffliches Fundament
5.1.2 Die Charakteristik des Komischen
5.1.3 Generelle Theorien über die Entstehung von Komik
5.2 Die erfolgreichste Form der Komik: Der Witz
5.2.1 Der Aufbau und die Herstellung des Komischen im Witz
5.2.2 Typologie
5.3.3 Der Bildwitz
6 SCHLUSSBETRACHTUNG: WARUM SIND IMAGE MACROS WITZIG?
6.1 Charakteristik
6.2 Komiktheorien: Überlegenheit und Inkongruenz
6.3 Aufbau: Exposition und Pointe
6.4 Typologie
7 FAZIT
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht, ob "Image Macros" als moderne Form von Witzen betrachtet werden können und mit welchen spezifischen Techniken sie Komik generieren. Ziel ist die Entwicklung einer Theorie zur Erklärung dieser besonderen Form von Internet-Komik.
- Grundlagen der Memetik und Internet-Memes im Web 2.0
- Klassifizierung und Typologie von Image Macros
- Theorien zu Humor, Komik und Witz in der Wissenschaft
- Strukturanalyse von Image Macros mittels Exposition und Pointe
Auszug aus dem Buch
4.1 Definition Image Macros
Der Begriff setzt sich aus dem englischen Wort für Bild, "Image", und einem aus der Informatik stammenden Ausdruck zusammen, "Makro". In der Computersprache bedeutet ein "Makrobefehl" eine zu "einer Einheit zusammengefasste Folge von Befehlen". Die einzige Website, die die Begriffsherkunft ausführlich erklärt, ist das Imageboard Something Awful, jedoch ist der Zugang zu dieser Plattform im europäischen Raum begrenzt.
Auf der englischen Wikipediaseite zu Image Macros wird allerdings darauf verwiesen - in Bezug auf Something Awful -, dass der Begriff darauf zurückzuführen sei, dass Makros "a short bit of text a user could enter that the forum software would automatically parse and expand into the code for a pre-defined image" seien und somit von den Usern einfach zu generieren sind. Funnyjunk stellt auf deren Website die typische Form eines Image Macros dar, wie an Abbildung 1 zu erkennen ist. Des Weiteren versteht funnyjunk ein Image Macro als ein "picture with overlaid text, often pointing out characteristics of the depicted character oder ideal displayed in the picture". Im Internet findet man zahllose Beispiele, die genau diesem Format folgen oder minimal davon abweichen, wie etwa auf Abbildung 2.
Verschafft man sich einen Überblick über die Masse an Image Macros, die im Internet kursieren, fällt vor allem eines auf: in fast allen Image Macros wird vorrangig die Schriftart "Impact" von Microsoft Windows verwendet. Auch KnowYourMeme weist auf diese Tatsache hin: "Impact is one of the Core fonts for the Web distributed with Microsoft Windows; (...) it is commonly used in image macros". Image Macros werden von Usern für User geschaffen und die Regeln für die Herstellung untersteht keinen Richtlinien. Daher kann daraus geschlossen werden, dass es ein unausgesprochener Konsens in der Internetgemeinschaft darüber herrscht, welches Format ein Image Macro aufweisen muss, um als solches zu gelten.
Zusammenfassung der Kapitel
1 EINLEITUNG: Die Einleitung beleuchtet den Stellenwert des Internet-Humors und formuliert die Forschungsfrage, ob Image Macros als moderne Form von Witzen zu verstehen sind.
2 STAND DER FORSCHUNG: Dieses Kapitel gibt einen Überblick über die memetische Forschung sowie die theoretischen Ansätze zu Humor und Witz in der akademischen Literatur.
3 WAS SIND INTERNET-MEMES?: Es wird die theoretische Herkunft des Mem-Konzepts nach Dawkins und Blackmore erläutert und dessen Adaption im Web 2.0 diskutiert.
4 IMAGE MACROS ALS MEMES: Hier werden Image Macros definiert, typisiert und in den memetischen Kontext eingeordnet.
5 IMAGE MACROS UND KOMIK – EINE ERSTE ANNÄHERUNG: Das Kapitel verknüpft klassische Komiktheorien mit den spezifischen Eigenschaften von Internet-Phänomenen.
6 SCHLUSSBETRACHTUNG: WARUM SIND IMAGE MACROS WITZIG?: Die Ergebnisse der theoretischen Analyse werden zusammengeführt, um die Komik von Image Macros mittels Strukturanalysen zu erklären.
7 FAZIT: Das Fazit bestätigt die Forschungsarbeit vorläufig und regt eine interdisziplinäre Weiterführung der Untersuchung an.
Schlüsselwörter
Internet-Memes, Image Macros, Humor, Komik, Memetik, Web 2.0, Witz, Pointe, Exposition, Bildwitz, Internetgemeinschaft, digitale Kommunikation, Anthropomorphismus, Inkongruenztheorie, Überlegenheitstheorie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Erforschung von Internet-Memes, insbesondere der Kategorie der "Image Macros", und untersucht deren humoristische Funktionsweise.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Memetik, die Typologie digitaler Bildinhalte im Web 2.0 sowie klassische Theorien zur Komik und zum Witz.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das primäre Ziel ist die Entwicklung einer Theorie, die erklärt, durch welche Techniken Image Macros ihre spezifische Komik generieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin kombiniert die Memetik nach Dawkins und Blackmore mit literaturwissenschaftlichen und medienpsychologischen Witztheorien, um eine analytische Struktur für digitale Bildinhalte zu schaffen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Definition von Internet-Memes, die Typisierung von Image Macros (wie LOLCats oder Stock Character Macros) und deren Analyse nach Aufbauprinzipien wie Exposition und Pointe.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Image Macros, Humor, Komik, Memetik, Web 2.0, Witz sowie Bildwitz.
Wie unterscheidet die Autorin zwischen Humor und Komik bei Image Macros?
Die Autorin stützt sich auf Peter L. Berger: Humor wird als subjektive Wahrnehmungsfähigkeit definiert, während Komik als das "objektive Korrelat" gesehen wird, das historisch und gesellschaftlich variiert.
Warum wird der Begriff "Stock Character Macros" bevorzugt?
Dieser Begriff wird verwendet, da er umfassender ist als die umgangssprachliche Bezeichnung "Advice Animals", da er neben tierischen auch menschliche Charaktere einschließt.
Was ist das Ergebnis der Analyse der "Stupid Nerdy Girl"-Beispiele?
Die Analyse verdeutlicht, dass diese Image Macros sowohl die Überlegenheitstheorie (Lachen über Fehler anderer) als auch die Inkongruenztheorie bedienen, indem sie globale Klischees aufgreifen.
Inwiefern beeinflusst das Web 2.0 die Komik von Bildwitzen?
Im Gegensatz zum isolierten Konsum klassischer Bildwitze in Zeitungen ermöglicht das Web 2.0 eine schnelle, interaktive Verbreitung und Diskussion, wodurch Image Macros zu gesellschaftsfähigen Objekten werden.
- Quote paper
- Nicole Friedrich (Author), 2014, Image Macros. Eine neue Form des Witzes, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/277439