In den Untersuchungen zur nationalsozialistischen Frontpropaganda werden neben deren Organisation und den Inhalten immer auch die Verteilungsmittel der Flugblattpropaganda thematisiert. Dabei finden sich zwar immer wieder Verweise auf das Deutsche Propaganda-Atelier (DPA), dessen Geschichte, Aufbau und genaue Funktion werden allerdings nirgends weiter erläutert. Daher widmet sich der Aufsatz der Geschichte dieser wenig bekannten deutschen Propagandainstitution und wirft damit auch einen Blick auf die Organisation der deutschen Frontpropaganda im Zweiten Weltkrieg. Insbesondere die Entwicklung von neuen Verbreitungsmitteln für die Flugschriften durch das DPA und die Probleme und Widerstände, die sich der deutschen Aktivpropaganda gegen den Feind entgegenstellten werden am Beispiel des DPA erläutert.
Inhaltsverzeichnis
Die NS-Frontpropaganda
Das Deutsche Propaganda-Atelier
Deutsche Propaganda gegen die alliierten Invasionstruppen
Resümee
Zielsetzung & Themen
Das Ziel der Arbeit ist es, die Entwicklung, Organisation und operative Durchführung der nationalsozialistischen Feindpropaganda im Zweiten Weltkrieg zu untersuchen, mit besonderem Fokus auf die Rolle des Deutschen Propaganda-Ateliers (DPA) als technische Entwicklungsstelle.
- Historische Einordnung der NS-Propaganda im Kontext der "Dolchstoßlegende".
- Struktureller Aufbau und Kompetenzstreitigkeiten innerhalb des deutschen Propagandaapparates.
- Technische Herausforderungen und Innovationen bei der Entwicklung von Propagandamitteln wie Flugblättern und Propaganda-Bomben.
- Operative Umsetzung und Wirksamkeit der Zersetzungspropaganda, insbesondere gegenüber alliierten Truppen.
Auszug aus dem Buch
Das Deutsche Propaganda-Atelier
Mit der Herstellung und Weiterentwicklung dieser Abwurfgeräte und anderer Mittel der Frontpropaganda war das Deutsche Propaganda-Atelier beauftragt. Das DPA war vom Reichspropagandaministerium am 11. Mai 1936 in Form einer GmbH mit Sitz auf der Kamillenstraße 4 in Berlin Lichterfelde gegründet worden. Die Gesellschaft hatte ein Stammkapital von 20.000 Reichsmark und befand sich zu 100% im Besitz des RMVP. Gegenstand der Unternehmung war „die praktische Durchführung propagandistisch-künstlerischer Aufgaben im Sinne der vom Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda verfolgten Grundsätze“. Nach dem Ausbruch des Krieges waren zusätzlich „Entwicklungsarbeiten an Kriegspropagandageräten sowie deren Fabrikation in eigener Versuchsanstalt dazugekommen“. Diese Versuchsanstalt war in Rüdersdorf bei Berlin angesiedelt und in Schildau (Sachsen) gab es eine weitere Zweigstelle des DPA. Gemäß ihres Gesellschaftsvertrags trug das DPA den Charakter der Gemeinnützigkeit, nach einer Liquidation der Gesellschaft sollte das Stammkapital dem Deutschen Reich für Propagandazwecke zur Verfügung gestellt werden.
Zusammenfassung der Kapitel
Die NS-Frontpropaganda: Dieses Kapitel erläutert die ideologischen Wurzeln der nationalsozialistischen Feindpropaganda, die stark von den Erfahrungen und Deutungen der Kriegsniederlage im Ersten Weltkrieg und der Dolchstoßlegende geprägt waren.
Das Deutsche Propaganda-Atelier: Der Abschnitt analysiert die Gründung, Struktur und Arbeitsweise des DPA, beleuchtet interne Konflikte sowie die technischen Herausforderungen bei der Entwicklung innovativer Propagandamittel wie der Propaganda-Bombe F.
Deutsche Propaganda gegen die alliierten Invasionstruppen: Dieses Kapitel untersucht die spezifischen Bemühungen der deutschen Führung, durch gezielte Zersetzungspropaganda die alliierten Invasionspläne in der Normandie zu stören, und bewertet die oft utopischen Planungen in Anbetracht der militärischen Realität.
Resümee: Hier werden die Ergebnisse zusammengefasst, wobei betont wird, dass die deutsche Führung die Wirksamkeit ihrer Propaganda als Kriegswaffe maßlos überschätzte und technische Innovationen oft durch bürokratische Hürden behindert wurden.
Schlüsselwörter
Nationalsozialismus, Propaganda, Feindpropaganda, Deutsches Propaganda-Atelier, Wehrmacht, Zweiter Weltkrieg, Flugblattpropaganda, Zersetzungspropaganda, Dringlichkeitsstufe, Reichspropagandaministerium, Rüdersdorf, Propaganda-Bombe, Frontpropaganda, Dolchstoßlegende, Kriegführung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Strukturen und die technische Umsetzung der nationalsozialistischen Feindpropaganda im Zweiten Weltkrieg sowie deren Erfolgsaussichten.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Im Mittelpunkt stehen die Organisation der Propagandaabteilungen, die technischen Entwicklungen durch das DPA und die operative Anwendung von Propagandamitteln an verschiedenen Frontabschnitten.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?
Ziel ist es, den Aufbau und die Arbeit des Deutschen Propaganda-Ateliers sowie die Diskrepanz zwischen dem Glauben an die Macht der Propaganda und deren tatsächlicher militärischer Wirksamkeit zu beleuchten.
Welche wissenschaftliche Methode wurde für diese Arbeit verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer tiefgehenden Analyse bisher unbeachteter Akten aus dem Bundesarchiv, die durch Fachliteratur ergänzt werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit der bürokratischen Organisation, den technischen Problemen bei der Flugblattverteilung, der Entwicklung neuer Propagandabomben und den gescheiterten Versuchen der Zersetzungspropaganda gegen Invasionstruppen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?
Zu den zentralen Begriffen zählen Nationalsozialismus, Feindpropaganda, Deutsches Propaganda-Atelier, Wehrmacht und Zersetzungspropaganda.
Welche Rolle spielte das Deutsche Propaganda-Atelier bei der technischen Entwicklung?
Das DPA fungierte als zentrale Entwicklungsstelle des RMVP für Propagandageräte und war maßgeblich für die Konstruktion von Abwurfmechanismen und neuen Bombentypen verantwortlich.
Warum scheiterte die Zersetzungspropaganda gegenüber den alliierten Invasionstruppen 1944?
Die Propaganda kam oft zu spät, war technologisch durch bürokratische Einstufungen behindert und unterschätzte die militärische Übermacht der Alliierten massiv.
- Arbeit zitieren
- M.A. Christian Koch (Autor:in), 2013, Das Deutsche Propaganda-Atelier und die NS-Feindpropaganda im Zweiten Weltkrieg, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/276414