Ende der 90 er Jahre, ich muss so um die 14 gewesen sein und mit meinem Vater unterwegs in Avignon oder einer anderen südfranzösischen Stadt, so genau erinnere ich mich nicht mehr. Genau erinnern kann ich mich aber noch diesen Schuhladen, in einem typisch südfranzösischem kleinen Haus aus grauem Stein, mit kleinen Schaufenstern und damals sehr angesagten Gola-Schuhen (unifarbene Sneakers mit weißem oder andersfarbigen typischen Golazacken drauf)darin und an die Musik, die einen in den Laden lockte. Jedenfalls, von diesem Schuhladen wurde ich wie magisch angezogen und ich weiß nicht mehr was mich mehr faszinierte, die Schuhe oder die Musik in dem Laden, aber wahrscheinlich beides zusammen, weil diese coole Mischung aus Funk Hip Hop und Jazz passte einfach so gut zu den Schuhen. Mein Vater, der ein großer Jazzliebhaber ist und mich regelmäßig zu den Jazzabenden in der alten Paketpost in unserer kleinen Stadt mitnahm, war auch hin und weg und so ist dieser Aufenthalt in diesem französischen Schuhladen eine meiner Haupterinnernungen an diesen Urlaub und gleichzeitig wohl meine erste, oder zumindest erste bewusste Begegnung mit Acid Jazz.
Schuhe hab ich leider keine bekommen damals, obwohl sie auch meinem Vater gut gefielen, aber diese Musik musste ich unbedingt haben und so veranstalteten wir sobald ich wieder zuhause war ein großes Essen bei meiner Freundin mit coolen älteren Jungs aus der Stadtkapelle und noch viel coolerer Musik von St.Germain. Irgendwie spürte ich dass da was Neues im Gange war mit dieser Musik und es traf genau meinen Nerv. Wie eben Acid Jazz schon Ende der 80er Jahren bei vielen Jugendlichen zunächst in London genau den Nerv getroffen hat. Aber alles der Reihe nach. Zunächst wird erst mal der Versuch einer Definition des Begriffs Acid Jazz unternommen, auch in Bezug auf die Definition des Jazz-Begriffs. Dann werden anhand von Interviews aus einem alten Video (1990) die Anfänge des Acid Jazz nachvollzogen. Abschließend möchte ich die Vielfalt des Acid Jazz durch drei Musikbeispiele verdeutlichen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Acid Jazz- Begriffserläuterung und Definition
2.1 Definition und Merkmale von Jazz
2.2 Woher stammt der Begriff Acid?
2.3 Acid Jazz- Definition
3. Die Anfänge des Acid Jazz
4. Musikbeispiele Acid Jazz
4.1 St. Germain – rose rouge (Electro, Jazz)
4.2 Jamiroquai – When you gonna learn? (Funk, Worldmusic)
4.3 Dream Warrios – my definition of a boombastic jazz style (hip hop, Jazz)
4.4 Mother Earth – Jesse (Rock, Jazz)
4.5 Nuyorican Soul – I am the black gold of the sun (Soul, Dancefloor, Rhythm’n’Blues, Jazz)
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Phänomen Acid Jazz, um dessen Entstehung, Definitionsschwierigkeiten und musikalische Vielfalt zu beleuchten. Die zentrale Forschungsfrage befasst sich damit, wie der Acid Jazz als Sammelbegriff für verschiedene Crossover-Stile fungiert und inwiefern er den Jazz durch die Öffnung zu elektronischer Musik und anderen Genres transformiert hat.
- Historische Herleitung des Begriffs Acid Jazz
- Definition des klassischen Jazz und seine Charakteristika
- Analyse der Anfänge des Acid Jazz anhand von Zeitzeugenaussagen
- Vergleich unterschiedlicher Musikbeispiele zur Darstellung der stilistischen Bandbreite
- Untersuchung der Bedeutung von Acid Jazz als musikalischer Retrowelle und Vermarktungsbegriff
Auszug aus dem Buch
Die Anfänge des Acid Jazz
Pauli B. hat vor 23 Jahren ein Video gedreht über die Anfänge des Acid Jazz in Dingwalls, zu sehen auf Vimeo unter dem Titel „Acid Jazz with Gilles Peterson. feat. Brand New Heavies – Mark „Snowboy“ Cotgrove – Steve Williamson and Bukky Leo at Dingwalls“.
Die Interviews gewähren einen guten Einblick in die Stimmung während der Anfangszeit des Acid Jazz. 1988 war „dancemusic“ total angesagt. Musik musste tanzbar sein, was liegt da näher als Jazz und tanzbare Rhythmen zu verbinden?
Eddie Pillar (Gründer des Labels „Acid Jazz“): Die „Dancemusic“ ist total verbreitet, schaut man sich die Kids an der Bushaltestelle an, alle mit ihren Kopfhörern auf und auf und abwippend. Auch die Charts sind dominiert von „Dancemusic“.
Snowboy ( a.k.a.Mark Cotgrove, Percussionist, Bandleader, DJ): Acid Jazz ist also genau zur richtigen Zeit am richtigen Ort mit seinen tanzbaren Rhythmen und seinen „shuffling Drums“. Es ist nicht purer Jazz, damit könnte man wahrscheinlich keinen Erfolg haben, es ist gemischt mit Funk und sogar Poprhythmen. Da kann man so viel machen, wie James z.B. mit seiner Hammondorgel. Die ersten Mixversuche waren eher zum Spaß, aber den Leuten hat’s gefallen und so haben wir weitergemacht. Jetzt ist sogar die erste Tour mit dem James Taylor Quartet nach Amerika geplant.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Der Autor schildert seine persönliche Erstbegegnung mit Acid Jazz in einem französischen Schuhladen und leitet daraus die Themenstellung der Arbeit ab.
2. Acid Jazz- Begriffserläuterung und Definition: Dieses Kapitel definiert den Jazz sowie den Begriff Acid und erarbeitet eine allgemeine Definition für das Genre Acid Jazz.
3. Die Anfänge des Acid Jazz: Anhand von Video-Interviews wird die Entstehungsgeschichte der Acid Jazz-Bewegung im London der späten 1980er Jahre nachvollzogen.
4. Musikbeispiele Acid Jazz: Anhand von fünf ausgewählten Titeln wird die enorme musikalische Bandbreite und die stilistische Vermischung des Genres veranschaulicht.
5. Fazit: Das Kapitel fasst die globale Verbreitung und das kreative Potenzial von Acid Jazz zusammen und betont den fortwährenden Innovationscharakter des Genres.
Schlüsselwörter
Acid Jazz, Jazz, Dancemusic, Musikgeschichte, Crossover, Gilles Peterson, Funk, Soul, Elektro, Hip Hop, Tanzbarkeit, Musikproduktion, Stilistik, Retrowelle, Musiklabel
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Stilrichtung Acid Jazz, ihrer Entstehung Ende der 1980er Jahre und ihrer künstlerischen sowie kulturellen Einordnung im Spannungsfeld zwischen traditionellem Jazz und modernen Tanzmusikstilen.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die zentralen Themenfelder umfassen die Begriffsdefinition (Jazz vs. Acid), die historische Entwicklung in London sowie die Analyse spezifischer Musikbeispiele, die die Vielfalt des Genres verdeutlichen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, das oft schwammig definierte Genre Acid Jazz einzugrenzen und aufzuzeigen, wie durch die Vermischung von Jazz mit anderen Musikrichtungen neue kreative Impulse entstanden sind.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor nutzt eine Kombination aus Literaturrecherche, Analyse von Begriffsdefinitionen sowie die qualitative Auswertung von Interviewinhalten aus einem Zeitzeugenvideo von 1990.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden die theoretischen Grundlagen des Jazz, der Ursprung des Namens "Acid" sowie eine detaillierte Auseinandersetzung mit der Bewegung anhand von Zeitzeugenberichten und konkreten Fallbeispielen präsentiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Acid Jazz, Tanzbarkeit, Crossover, Musiklabel-Kultur und die stilistische Vielfalt zwischen Elektro, Funk und Jazz geprägt.
Warum wird der Acid Jazz im Text als "schwammig" bezeichnet?
Der Begriff ist weit gefasst, da er weniger eine homogene Musikrichtung als vielmehr ein Sammelbecken für verschiedene Crossover-Projekte darstellt, die oft unter dem Einfluss von Labels wie "Acid Jazz" zusammengefasst wurden.
Welche Rolle spielt das Plattenlabel "Acid Jazz" für das Genre?
Das Label diente laut Eddie Pillar primär als Plattform, um verschiedenste Musikrichtungen von Soul bis Hip Hop zu vermarkten und Jazz für ein jüngeres, tanzorientiertes Publikum wieder populär zu machen.
Wie unterscheidet sich St. Germain musikalisch von Jamiroquai im Kontext des Acid Jazz?
Während St. Germain stark elektronisch geprägt ist und mit Samples arbeitet, zeigt das Beispiel Jamiroquai einen deutlicheren Fokus auf Funk-Elemente und eine klassische Bandstruktur mit Gesang.
- Arbeit zitieren
- Klara Schmitzer (Autor:in), 2014, Acid Jazz. Grundlagen und Musikbeispiele, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/276336