Im Mittelpunkt dieser Hausarbeit steht die Frage, ob ein gesellschaftlicher Umbruch gelingen kann, wenn er gewaltsam herbeigeführt wird. Da diese Fragestellung sehr universell ist, wird der Versuch gewagt, diese durch die Bewertung des Vorgehens der ersten Generation der RAF nach moralischen Gesichtspunkten zu beantworten. Als Maßstab dessen, wie sich eine Gesellschaft friedlich und moralisch vertretbar verändern kann, dient Kants kategorischer Imperativ.
Inhaltsverzeichnis
1 Einführung
2 Revolution im Gegensatz zur Reform: Eine definitorische Annäherung
3 Die Studentenbewegung der 1960er-Jahre
3.1 Hauptziele der Studentenbewegung
3.2 Die aus der Studentenbewegung hervorgegangene erste Generation der RAF
4 Die Vorstellungen der RAF von einer idealen Gesellschaft und wie diese zu erreichen sei
4.1 Selbstverständnis
4.2 Motive, Ziele und mögliche Mittel zur Zielerreichung am Beispiel der Brandanschläge auf zwei Kaufhäuser 1968
5 Kants Vorstellungen von einer idealen Gesellschaft und wie diese zu erreichen sei
5.1 Aufklärung und Personalität
5.2 Kategorischer Imperativ
6 Kann ein gesellschaftlicher Umbruch gelingen, wenn er gewaltsam herbeigeführt wird?: Eine Stellungnahme
Zielsetzung und Themen
Diese Hausarbeit untersucht die grundsätzliche Frage, ob ein gesellschaftlicher Umbruch durch Gewaltanwendung moralisch legitimiert werden kann. Dabei wird das Handeln der ersten Generation der Rote Armee Fraktion (RAF) unter Einbeziehung des kantschen kategorischen Imperativs einer kritischen Analyse unterzogen.
- Analyse des Begriffs der Revolution im Kontrast zur Reform
- Hintergründe und Ziele der 68er-Studentenbewegung
- Ideologische Grundlagen und Selbstverständnis der RAF
- Moralische Bewertung terroristischer Akte mittels Kants Philosophie
Auszug aus dem Buch
4.1 Selbstverständnis
Die RAF bekannte sich zu ihrer Entstehung aus der Studentenbewegung, „die den Marxismus-Leninismus als Waffe im Klassenkampf rekonstruiert und den internationalen Kontext für den revolutionären Kampf in den Metropolen hergestellt hat“ (Daase 2011: S. 2).
Sie selbst verstand sich „als Fraktion, d. h. als Teil eines weltweiten Aufstandes gegen Imperialismus und Kapitalismus, und als Avantgarde, nämlich eine Gruppe, die durch entschlossenes Handeln an einem konkreten Ort eine Revolution zu entfachen vermochte“ (ders.: S. 1).
Konkret bedeutet dies, dass die Avantgarde nicht durch Eigendefinition entsteht, sondern durch die revolutionären Massen, die die RAF als Pioniere auf dem Weg zu einer veränderten Gesellschaft betrachten (Fremddefinition). Die Avantgarde übernimmt die Führung der Revolution und stellt somit ein zentrales revolutionäres Moment dar. Diese Vorstellung orientiert sich am Konzept der Stadtguerilla Lateinamerikas (Vgl. ebd.).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einführung: Diese Einleitung stellt die Fragestellung zur moralischen Legitimität von Gewalt bei gesellschaftlichen Umbrüchen vor und erläutert den methodischen Ansatz, die RAF-Ideologie mit Kants Philosophie zu kontrastieren.
2 Revolution im Gegensatz zur Reform: Eine definitorische Annäherung: Hier werden die Begriffe Revolution und Reform inhaltlich bestimmt, um das Spannungsfeld zwischen radikalem Umbruch und schrittweiser Veränderung zu klären.
3 Die Studentenbewegung der 1960er-Jahre: Das Kapitel beleuchtet die Entstehung, die Ziele und die Radikalisierung der 68er-Bewegung als historische Grundlage für die spätere Entstehung der RAF.
4 Die Vorstellungen der RAF von einer idealen Gesellschaft und wie diese zu erreichen sei: Dieses Kapitel analysiert das Selbstverständnis der ersten RAF-Generation sowie ihre Motive und gewaltsamen Methoden anhand der Brandanschläge von 1968.
5 Kants Vorstellungen von einer idealen Gesellschaft und wie diese zu erreichen sei: Es werden die zentralen philosophischen Konzepte Kants, insbesondere Aufklärung, Personalität und der kategorische Imperativ, als ethischer Maßstab dargestellt.
6 Kann ein gesellschaftlicher Umbruch gelingen, wenn er gewaltsam herbeigeführt wird?: Eine Stellungnahme: Im abschließenden Kapitel werden die Positionen der RAF und Kants gegenübergestellt, um zu beurteilen, ob Gewalt als Mittel zur gesellschaftlichen Veränderung moralisch vertretbar ist.
Schlüsselwörter
RAF, Rote Armee Fraktion, 68er-Bewegung, gesellschaftlicher Umbruch, Revolution, Reform, Immanuel Kant, kategorischer Imperativ, Gewaltanwendung, Moral, Terrorismus, Ethik, Mündigkeit, Avantgarde, Stadtguerilla
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der moralischen Bewertung von Gewalt als Mittel für gesellschaftliche Veränderungen durch den Vergleich der Ideologie der ersten RAF-Generation mit der Moralphilosophie Immanuel Kants.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die Definition von Revolution und Reform, die Historie der 68er-Studentenbewegung, das ideologische Selbstbild der RAF sowie die ethischen Forderungen Kants an das Individuum.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die Beantwortung der Frage, ob ein gesellschaftlicher Umbruch gelingen kann, wenn er gewaltsam herbeigeführt wird, wobei der kategorische Imperativ als normativer Maßstab dient.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine geisteswissenschaftliche Analyse, die historische Kontexte mit philosophischen Theorien verknüpft, um eine kritische Stellungnahme zur RAF-Ideologie zu formulieren.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden die historischen Hintergründe der Studentenbewegung, die Ziele und das Selbstverständnis der RAF sowie die philosophischen Grundprinzipien Kants detailliert dargestellt.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind RAF, 68er-Bewegung, kategorischer Imperativ, Revolution, Gewaltanwendung, Moral und Mündigkeit.
Wie bewertet die Arbeit die Rolle der RAF als „Avantgarde“?
Die Arbeit arbeitet heraus, dass sich die RAF selbst als Avantgarde verstand, um die revolutionären Massen zu führen, ordnet dieses Konzept jedoch als realitätsfern und totalitär ein.
Warum wird der kategorische Imperativ als Gegenpol genutzt?
Der kategorische Imperativ wird genutzt, da er den Fokus auf das Individuum, die Verantwortung und das friedliche Zusammenleben legt, was im diametralen Gegensatz zur Gewaltlogik der RAF steht.
- Quote paper
- Sebastian Nothing (Author), 2011, Umbruch durch Gewalt? Die Ideologie der ersten RAF-Generation aus der Sicht von Kants Kategorischem Imperativ, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/276277