Neurofeedback, auch EEG-Biofeedback genannt, bezeichnet die visuelle oder akustische Rückmeldung bestimmter Signale des Körpers, genauer der Hirnstromaktivität, die der Mensch unter normalen Bedingungen nicht wahrnehmen kann. Durch die Bewusstmachung der im Körper ablaufenden Prozesse soll es möglich werden, auf die eigenen cerebralen Erregungszustände Einfluss zu nehmen und diese dauerhaft zu verändern. Verschiedenen Krankheitssymptomen, die mit einer Störung der Regulation cortikaler und subcortikaler Strukturen einhergehen, soll auf diese Weise begegnet werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Ziele und Funktionsweise des Neurofeedback
2. Einsatzbereiche des Neurofeedback
3. Ein kurzer historischer Abriss
4. Neurophysiologische Parameter der Gehirnaktivität
4.1. Die Frequenzbänder der Grundaktivität im Spontan-EEG
4.2. Ereigniskorrelierte Potentiale
5. Neurofeedback in der Behandlung von Aufmerksamkeitsdefiziten und Hyperaktivität
5.1. Die Leitsymptome einer Aufmerksamkeitsdefizit- und Hyperaktivitätsstörung
5.2. Besonderheiten der Hirnstromaktivität bei Aufmerksamkeitsstörungen
5.3. Empirische Studien und Behandlungseffekte
6. Resümee
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die Möglichkeiten und Wirksamkeit von Neurofeedback als therapeutische Interventionsmethode bei AD(H)S. Das primäre Ziel ist es, den aktuellen wissenschaftlichen Kenntnisstand über die neurophysiologischen Grundlagen dieser Methode sowie deren klinische Anwendung und die Ergebnisse empirischer Studien zur Reduktion von AD(H)S-Symptomen darzustellen.
- Grundlagen der Funktionsweise von Neurofeedback-Training
- Neurophysiologische Parameter (EEG-Frequenzbänder und Potentiale)
- Leitsymptome der Aufmerksamkeitsdefizit- und Hyperaktivitätsstörung
- Vergleichende Analyse empirischer Studien zur Behandlung von AD(H)S
- Diskussion von Neurofeedback als Alternative zur medikamentösen Therapie
Auszug aus dem Buch
1. Ziele und Funktionsweise des Neurofeedback
Neurofeedback, auch EEG-Biofeedback genannt, bezeichnet die visuelle oder akustische Rückmeldung ("feedback") bestimmter Signale des Körpers ("Bio"), genauer der Hirnstromaktivität, die der Mensch unter normalen Bedingungen nicht wahrnehmen kann. Durch die Bewusstmachung der im Körper ablaufenden Prozesse soll es möglich werden, auf die eigenen cerebralen Erregungszustände Einfluss zu nehmen und diese dauerhaft zu verändern. Verschiedenen Krankheitssymptomen, die mit einer Störung der Regulation cortikaler und subcortikaler Strukturen einhergehen, soll auf diese Weise begegnet werden (vgl. u.a. Karch et al., 2007, S.3). Neuronale Fehlregulationen äußern sich in der Überstimulation (overarousal), Unterstimulation (underarousal), mangelnder Hemmung (Disinhibition) oder Instabilität der Erregungsbänder verschiedener Gehirnareale (vgl. u. a. Strehl et al., 2004, S.181).
Um beispielsweise zu besserer Konzentrationsfähigkeit und effektiverem Lern- und Leistungsverhalten zu gelangen, werden die Hirnströme mittels mehrerer Elektroden direkt von der Kopfhaut abgeleitet, verstärkt und auf einen Computer übertragen. Die unterschiedlichen Erregungszustände erscheinen dann auf dem Bildschirm in Form eines Bildes bzw. einer spielerischen Animation, deren Inhalte beweglich sind. Ziel beim Neurofeedback-Training ist es nun, mit Hilfe der eigenen Gedanken diese Bilder in eine bestimmte Richtung zu verändern, etwa eine welke Blume zum Blühen zu bringen oder einen Ball nach oben oder unten in ein Tor zu schießen. Dies geschieht über die wechselweise bewusste Aktivierung oder Deaktivierung ausgewählter Gehirnbereiche. Zunächst über Versuch und Irrtum lernt der Betroffene im Laufe eines Neurofeedback-Trainings, mittels persönlicher Strategien die gewünschten Effekte auszulösen. So könnte man sich beispielsweise vorstellen, entspannt am Strand zu liegen, um über das dadurch erzeugte neuronale Erregungsmuster den auf dem Monitor dargestellten Ball in das untere Tor zu schießen. Soll der Ball hingegen in das obere Tor befördert werden, versetzt man sich gedanklich in das Szenario eines aufregenden Wettkampfes oder einer Achterbahnfahrt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Ziele und Funktionsweise des Neurofeedback: Dieses Kapitel definiert Neurofeedback als Verfahren zur bewussten Steuerung cerebralen Erregungszustände durch visuelle oder akustische Rückmeldung von Hirnstromaktivitäten.
2. Einsatzbereiche des Neurofeedback: Hier wird das Anwendungsspektrum von Neurofeedback beleuchtet, das von klinischen Störungsbildern wie Epilepsie oder ADHS bis hin zur Leistungssteigerung im Sport reicht.
3. Ein kurzer historischer Abriss: Dieser Abschnitt beschreibt die Entwicklung des Neurofeedbacks, ausgehend von der operanten Konditionierung und Stermanns Entdeckung des sensomotorischen Rhythmus bei Katzen.
4. Neurophysiologische Parameter der Gehirnaktivität: Hier werden die medizinischen Grundlagen, insbesondere die verschiedenen EEG-Frequenzbänder und ereigniskorrelierte Potentiale, für das Verständnis des Trainings erläutert.
5. Neurofeedback in der Behandlung von Aufmerksamkeitsdefiziten und Hyperaktivität: Dieses Kapitel analysiert ADHS-Symptome, spezifische Hirnstromauffälligkeiten bei Betroffenen und diskutiert die Ergebnisse verschiedener empirischer Studien zur Behandlungseffektivität.
6. Resümee: Die Arbeit schließt mit einer zusammenfassenden Bewertung von Neurofeedback als ernstzunehmende, nebenwirkungsarme Therapiealternative im Rahmen interdisziplinärer Ansätze.
Schlüsselwörter
Neurofeedback, EEG-Biofeedback, ADHS, Aufmerksamkeitsdefizit, Hyperaktivität, Hirnstromaktivität, Theta-Aktivität, Beta-Aktivität, SMR-Training, Selbstregulation, Gehirnwellen, Impulsivität, Therapie, empirische Studien, Verhaltensänderung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die Möglichkeiten und Grenzen des Neurofeedback-Trainings als therapeutisches Verfahren bei Kindern mit AD(H)S.
Welche zentralen Themenfelder werden abgedeckt?
Zu den Schwerpunkten zählen die neurophysiologischen Grundlagen des EEGs, die Symptomatik von AD(H)S sowie die Wirksamkeit und Spezifität von Neurofeedback-Interventionen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist die Darstellung des aktuellen Wissensstandes zur Wirksamkeit von Neurofeedback bei der Reduktion von AD(H)S-Symptomen und die Evaluation der Methode als Therapiealternative.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine Theoriearbeit, die aktuelle fachwissenschaftliche Literatur und empirische Studien zur Neurofeedback-Therapie analysiert und vergleicht.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil erläutert die technischen Grundlagen (EEG-Parameter), beschreibt das Störungsbild AD(H)S auf neuronaler Ebene und diskutiert Ergebnisse klinischer Studien.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Neurofeedback, ADHS, Selbstregulation, Hirnstromaktivität und therapeutische Wirksamkeit beschreiben.
Wie wirkt Neurofeedback auf die Gehirnaktivität von ADHS-Patienten?
Ziel des Trainings ist es oft, eine erhöhte Theta-Aktivität zu reduzieren und Beta- oder SMR-Aktivitäten zu verstärken, um die Konzentrationsfähigkeit und Impulskontrolle zu verbessern.
Können mit Neurofeedback tatsächlich dauerhafte Veränderungen erzielt werden?
Die Studienlage deutet auf eine Reduktion der Symptomatik hin; die endgültige Abklärung der Stabilität der Effekte bleibt jedoch Gegenstand laufender Forschung.
Ist Neurofeedback eine Alternative zu Medikamenten wie Methylphenidat?
Ja, die Arbeit identifiziert Neurofeedback als ernstzunehmende Alternative, besonders für Patienten, die keine Medikamente einnehmen können oder wollen.
Was unterscheidet das P300-Potential von den Langsamen Cortikalen Potentialen (SCPs)?
P300 ist ein ereigniskorreliertes Potential, das spezifisch mit Aufmerksamkeitsprozessen verknüpft ist, während SCPs die generelle neuronale Erregungsbereitschaft (z.B. Bereitschaftspotential) widerspiegeln.
- Arbeit zitieren
- Diplom-Psychologin, Integrative Lerntherapie (M.A.) Sabine Köhler (Autor:in), 2010, Möglichkeiten des Neurofeedbacks in der Therapie von AD(H)S, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/275992