Die Alpen sind das höchste Gebirge Europas. Heute machen die Längs- und Quertäler sie zu einem der wegsamsten Gebirge der Erde. Wichtige Straßen führen über die Pässe und wirken als Magnet für den Fremdenverkehr.
1732 veröffentlichte der Berner Verlag Niklaus Emanuel Haller den schmalen Gedichtband "der Versuch Schweizerischer Gedichten" [sic!]. Dieser enthielt u.a. das Gedicht Die Alpen. Zu dieser Zeit waren die Alpen noch längst nicht so bequem zu passieren wie heute, wirkten auf den Betrachter mit ihren schroffen Gebirgsmassiven und tiefen Abgründen eher bedrohlich als anziehend und wurden „von den in den Süden Reisenden stets nur als zu überwindendes Schrecknis empfunden“ .
Albrecht von Haller, im 18. Jahrhundert von Goethe als „der unsterbliche Haller“ betitelt und neben Rousseau, Voltaire und Lambert als berühmtester Gelehrter des philosophischen Jahrhunderts gepriesen , war der Verfasser dieses Gedichtbandes, welchen er bis zu seinem Tod 1777 noch weitere elf Mal überarbeiten sollte. Besonders große sprachliche Veränderungen erfuhr der Band zwischen der zweiten und dritten Auflage, in der bis zu 470 Änderungen pro Ausgabe notiert wurden. Die Vermeidung von Helvetismen und die Annäherung an die Hochsprache waren dabei die Hauptanliegen des Verfassers. Spätere Überarbeitungen waren eher stilistischer, metrischer und inhaltlicher Natur.
Geschuldet wird die lebenslange Arbeit an diesem Gedichtband zum einen dem angeborenen Perfektionismus und Arbeitseifer Albrecht von Hallers und zum anderen der Kritik aus Leipzig. Anlass für diese Kritik waren die Eigentümlichkeiten seiner Dichtersprache, die er fortwährend einzugrenzen versuchte.
Inhaltsverzeichnis
1. Einführung
2. Lyrik als Lehrdichtung
3. Der Theodizee-Gedanke
4. Konklusion
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht das Lehrgedicht "Die Alpen" von Albrecht von Haller im Hinblick auf die Einbettung des Theodizee-Gedankens. Dabei wird analysiert, wie Haller die Gutheit Gottes und die menschliche Freiheit als Ursache des Bösen thematisiert und durch einen bewussten Kontrast zwischen einer idealisierten, naturverbundenen Lebensweise und einer moralisch verfallenen, von materiellen Werten geprägten Welt darstellt.
- Analyse der Theodizee-Problematik in der Dichtung des 18. Jahrhunderts
- Untersuchung der formalen Struktur des Lehrgedichts
- Gegenüberstellung von Naturideal und Zivilisationskritik
- Rolle der Didaktik in der Lyrik der Frühaufklärung
- Bedeutung der Alpen als räumlicher und metaphorischer Gegenentwurf
Auszug aus dem Buch
3. Der Theodizee-Gedanke
Ziel dieser Seminararbeit soll es sein, zu zeigen, dass Albrecht von Haller das Lehrgedicht Die Alpen angelehnt hat an die Tradition des Theodizee-Gedankens nach Leibniz über die Gutheit Gottes und die Freiheit des Menschen als Ursache des Bösen. Die Darstellung erfolgt anhand der Benennung und Beschreibung zweier Lebensbereiche, die konträr zueinander verlaufen. Einer ist vollkommen, erstrebenswert und ideal, der andere ist verkommen und wird durch materielle Leitsätze, Standesdünkel und menschliches Übel regiert.
Das Lehrgedicht Die Alpen besteht aus 49 Strophen zu zehn jambischen Alexandriner-Versen mit dem Reimschema ababcdcdee. Weibliche und männliche Versenden alternieren bis auf die letzten beiden Zeilen. Diese eigentümliche Form, die sich aus der Kombination von zwei Quartetten und dem schließenden Reimpaar mit alexandrinischem Langvers ergibt, war besonders im Spätbarock populär, „insbesondere für Begräbnisgedichte“. In einigen Strophen schließt ein Paarreim die Bewegung der Kreuzreime ab.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einführung: Das Kapitel bietet einen historischen Kontext zur Entstehung des Gedichts und beschreibt die Bedeutung Albrecht von Hallers als bedeutenden Gelehrten des 18. Jahrhunderts.
2. Lyrik als Lehrdichtung: Hier wird die Funktion der Lyrik in der Frühaufklärung beleuchtet, in der das Werk Hallers als Vermittler von moralischen Maximen und didaktischen Inhalten charakterisiert wird.
3. Der Theodizee-Gedanke: Dieses Kapitel analysiert die philosophische Fundierung des Gedichts und die Gegenüberstellung der reinen Naturwelt mit der verderbten, von materiellen Gütern bestimmten Gesellschaft.
4. Konklusion: Das Schlusskapitel reflektiert die heutige Relevanz der Alpenlandschaft und würdigt Hallers Beitrag zur Entwicklung der philosophischen Lyrik bis zur Klassik.
Schlüsselwörter
Albrecht von Haller, Die Alpen, Theodizee, Lehrdichtung, Frühaufklärung, Zivilisationskritik, Naturlyrik, Barock, Alexandriner, Moral, Ethik, Gottesbild, Gesellschaftskritik, Didaktik, Philologie
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit Albrecht von Hallers Lehrgedicht "Die Alpen" und dessen inhaltlicher Verbindung zum philosophischen Konzept der Theodizee.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Zu den Schwerpunkten zählen die Auseinandersetzung mit der Gutheit Gottes, die Kritik an zivilisatorischen Missständen sowie die moralische Erziehung durch Lyrik.
Welches primäre Ziel verfolgt die Forschungsarbeit?
Es soll aufgezeigt werden, wie Haller das Gedicht strukturell und inhaltlich nutzt, um die Tradition des Theodizee-Gedankens aufzugreifen und den Kontrast zwischen natürlicher Tugend und gesellschaftlichem Verfall zu verdeutlichen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche Analyse, die sowohl den formalen Aufbau des Gedichts als auch dessen geistesgeschichtliche Einordnung in die Aufklärung untersucht.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von Hallers Dichtungsverständnis, die formale und inhaltliche Analyse der Strophen sowie die Herausarbeitung der zentralen Motivik der Alpen als moralischer Gegenraum.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Theodizee, Lehrdichtung, Naturideal, Zivilisationskritik und Aufklärung.
Warum spielt die Form des Alexandriners für Haller eine Rolle?
Die Wahl des Metrums und das strenge Reimschema dienen Haller dazu, den Lehrinhalt didaktisch einprägsam zu gestalten und eine moralische Schlussfolgerung am Ende jeder Strophe zu betonen.
Wie unterscheidet Haller die zwei Lebensbereiche?
Haller kontrastiert eine idealisierte Welt, in der die Menschen im Einklang mit der Natur und ohne materielle Begierden leben, mit einer Welt, die durch Technik, Standesdünkel und menschliches Übel geprägt ist.
- Arbeit zitieren
- Seda Markhoff (Autor:in), 2008, Bedeutung des Theodizee-Gedankens in Albrecht von Hallers Lehrgedicht "Die Alpen", München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/275817