Kinder psychisch kranker Eltern stellen in der Bundesrepublik Deutschland keine Randgruppe dar. Hochrechnungen zufolge wachsen in Deutschland etwa drei Millionen Kinder mit einem psychisch erkrankten Elternteil auf. Da sich die psychische Erkrankung nicht nur auf den betroffenen Elternteil, sondern auch auf das komplette Familiensystem und somit auch auf die Kinder auswirkt, sind diese in vielfältiger Hinsicht von der elterlichen Erkrankung betroffen. In dieser Arbeit soll betrachtet werden, ob und in welchem Ausmaß die elterliche Erkrankung ein Risiko für die Entwicklung betroffener Kinder darstellt.
Kapitel 2 befasst sich mit dem Thema: Leben mit psychisch kranken Eltern. Dabei werden zunächst die familiären Rahmenbedingungen, wie Alter der Kinder, Geschlecht der Eltern, ökonomische Bedingungen und die Art der Erkrankung, beleuchtet. Im Anschluss werden die Auswirkungen der elterlichen Erkrankung auf Bindung, Beziehung und Interaktion sowie die Auswirkungen auf die Gestaltung des Lebensalltags behandelt. Danach wird im dritten Kapitel ein Überblick über die Forschungen zu Kindern psychisch kranker Eltern gegeben. Dabei sollen sowohl Einblicke in die Risikoforschung als auch in die Vulnerabilitäts- und Resilienzforschung gegeben werden. Das darauffolgende Kapitel setzt sich speziell mit den Entwicklungsrisiken betroffener Kinder auseinander und betrachtet dabei nicht nur die Risiken der Ausbildung allgemeiner Entwicklungsauffälligkeiten, sondern auch das Risiko, selbst psychisch zu erkranken. In Kapitel 5 sollen Hilfsmöglichkeiten dargelegt werden, wobei sich der Unterpunkt 5.1 mit den Präventionsangeboten in Deutschland beschäftigt und der Unterpunkt 5.2 näher auf die Leistungen der Jugendhilfe eingeht. Abschließend soll ein Einblick in die Spannungsfelder zwischen Jugendhilfe und Erwachsenenpsychiatrie gegeben werden. In einem kurzen Fazit wird die Fragestellung „Psychisch kranke Eltern – Entwicklungsrisiko für betroffene Kinder?“ anhand der vorangegangenen Kapitel erörtert.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Leben mit psychisch kranken Eltern
2.1 Familiäre Rahmenbedingungen
2.1.1 Art der Erkrankung
2.1.2 Geschlecht des erkrankten Elternteils
2.1.3 Alter der Kinder und Geschlechtsspezifität
2.1.4 Wohnverhältnisse
2.1.5 Ökonomische Bedingungen
2.2 Auswirkungen der elterlichen Erkrankung auf Bindung, Beziehung und Interaktion
2.2.1 Bindungsverhalten
2.2.2 Eltern-Kind-Beziehung
2.2.3 Interaktionsverhalten
2.3 Auswirkungen auf die Gestaltung des Lebensalltags
2.3.1 Unmittelbare Probleme
2.3.2 Folgeprobleme
3 Forschungsüberblick
3.1 Risikoforschung
3.2 Resilienz- und Bewältigungsforschung
3.3 Vulnerabilitätsforschung
4 Entwicklungsrisiken von Kindern psychisch kranker Eltern
4.1 Elterliche Erkrankung und Entwicklungsverlauf von Kindern
4.2 Risiken allgemeiner Entwicklungsauffälligkeiten bei Kindern psychisch kranker Eltern
4.2.1 Risiken allgemeiner Entwicklungssauffälligkeiten nach dem Alter der Kinder
4.2.2 Weitere Auffälligkeiten
4.3 Risiko der Ausbildung einer psychischen Erkrankung bei den Kindern
4.3.1 Risiko- und Belastungsfaktoren
4.3.2 Resilienz
4.3.3 Coping
5 Hilfemöglichkeiten für betroffene Kinder und ihre Eltern
5.1 Präventionsangebote für Kinder mit einem psychisch erkrankten Elternteil
5.2 Leistungen der Jugendhilfe für Familien mit einem psychisch kranken Elternteil
6 Spannung zwischen Jugendhilfe und Psychiatrie
7 Fazit
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Diese Arbeit untersucht, in welchem Ausmaß die psychische Erkrankung eines Elternteils ein Entwicklungsrisiko für das Kind darstellt, welche Bewältigungsmechanismen existieren und wie Hilfssysteme wie die Jugendhilfe darauf reagieren.
- Stigmatisierung und Lebensrealität psychisch kranker Eltern
- Auswirkungen elterlicher Erkrankungen auf Bindung und kindliche Entwicklung
- Risiko- und Resilienzfaktoren in der Kindesentwicklung
- Formen der Bewältigung (Coping) bei betroffenen Kindern
- Präventionsmöglichkeiten und Leistungen der Jugendhilfe
- Spannungsfelder in der Kooperation zwischen Jugendhilfe und Psychiatrie
Auszug aus dem Buch
Schizophrenie
„Zuerst verspürst du nur gewisse körperliche Symptome, dann hast du plötzlich neue Erkenntnisse über die Welt und deine Lebenssituation. Von einer Minute auf die andere bist du Mittelpunkt einer geheimen Konspiration der Weltmächte. Du wirst von Spezialagenten bei der Seiten verfolgt, überwacht und zu einem ungewissen Ziel geführt. Natürlich stehst du auf der guten Seite und hast eine Mission. Aber welche? Auf dich sind Satelliten angesetzt und eine Gehirnabtastmaschine. Die gegnerische Seite will dich verrückt machen. Alle Fernsehprogramme werden extra für dich gemacht. Du willst Mut und Tapferkeit beweisen. Du isst nichts mehr und machst Ausdauerstehen. Nach einer Narkose glaubst du, das Weltall hätte sich in deinem Kopf umgestülpt und die Weiterexistenz des Universums hinge von einer Instabilität in deinem Kopf ab. Du glaubst, nicht mehr klar denken zu dürfen. Deshalb überwachen die Wissenschaftler der Erde deinen Kopf!“
Ungefähr 1% der Menschheit erkrankt im Laufe des Lebens an Schizophrenie. Rund um den Globus sind ca. 50 Millionen Menschen von dieser Erkrankung betroffen. Dabei gibt es zwar keine Unterschiede in der Geschlechtsspezifität, jedoch tritt die Erkrankung – die meistens nach der Pubertät bis zum 30. Lebensjahr in Erscheinung tritt – bei Männern früher auf als bei Frauen. Die Schizophrenie wird als eine der schwersten psychischen Erkrankungen angesehen. Es kommt zu Störungen des Wahrnehmens, des Denkens und des Fühlens. „Die wichtigsten Symptome schizophrener Psychosen (vgl. z. B. Klassifikationssystem DSM-IV, 1994) sind die folgenden: Wahn, Halluzinationen, eingeschränkte Affektivität, desorganisiertes Handeln und Sprechen sowie soziale oder berufliche Leistungseinbußen.“ Hierbei wird zwischen positiven Symptomen, bei welchen der Realität etwas hinzugefügt wird, wie es beispielsweise bei Halluzinationen der Fall ist, und negativen Symptomen, zu welchen unter anderem Lustlosigkeit und Spracharmut sowie Ungeselligkeit zählen, unterschieden. Der Verlauf der Erkrankung kann verschiedenartig sein. So kann sie nicht nur in unterschiedlicher Schwere, sondern auch einmalig, in Abständen oder dauerhaft auftreten.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Hinführung zur Thematik der betroffenen Kinder als keine Randgruppe und Erläuterung des Aufbaus der Arbeit.
2 Leben mit psychisch kranken Eltern: Analyse der Stigmatisierung, der familiären Rahmenbedingungen und der Auswirkungen auf Bindung, Interaktion und den Lebensalltag.
3 Forschungsüberblick: Darstellung zentraler wissenschaftlicher Ansätze aus der Risikoforschung sowie der Resilienz- und Vulnerabilitätsforschung.
4 Entwicklungsrisiken von Kindern psychisch kranker Eltern: Untersuchung spezifischer Risiken für den Entwicklungsverlauf, allgemeiner Auffälligkeiten sowie des Risikos eigener psychischer Erkrankungen.
5 Hilfemöglichkeiten für betroffene Kinder und ihre Eltern: Aufzeigen von Präventionsangeboten und Leistungen der Jugendhilfe.
6 Spannung zwischen Jugendhilfe und Psychiatrie: Erörterung der strukturellen und inhaltlichen Kooperationsprobleme zwischen den beiden Unterstützungssystemen.
7 Fazit: Zusammenfassende Betrachtung der Belastungsfaktoren und Schutzfaktoren sowie der Bedeutung resilienter Entwicklung.
Schlüsselwörter
Psychisch erkrankte Eltern, Entwicklungsrisiko, Kinder, Bindungsverhalten, Resilienz, Risikoforschung, Vulnerabilität, Jugendhilfe, Psychiatrie, Stigmatisierung, Parentifizierung, Prävention, Belastungsfaktoren, Schutzfaktoren, Coping.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Entwicklungsrisiko für Kinder, die mit mindestens einem psychisch erkrankten Elternteil aufwachsen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Themenfelder umfassen familiäre Lebensbedingungen, Auswirkungen auf die Bindung, Risikofaktoren für die kindliche Entwicklung und existierende Unterstützungssysteme.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, zu analysieren, ob und in welchem Ausmaß die elterliche Erkrankung ein Risiko für die Entwicklung des Kindes darstellt und wie dieser Herausforderung professionell begegnet werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine Literaturanalyse, die verschiedene Forschungsansätze wie die Risikoforschung, Resilienzforschung und Vulnerabilitätsforschung zusammenführt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der Lebenssituation mit kranken Eltern, einen Forschungsüberblick, die Untersuchung von Entwicklungsrisiken sowie die Darstellung von Präventions- und Hilfsmöglichkeiten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind neben der psychischen Erkrankung der Eltern insbesondere Resilienz, Bindung, Stigmatisierung, Prävention und das Spannungsfeld zwischen Jugendhilfe und Psychiatrie.
Was bedeutet Parentifizierung in diesem Kontext?
Parentifizierung beschreibt einen Rollentausch, bei dem das Kind Aufgaben übernimmt, die eigentlich den Eltern zukommen würden, was die kindliche Entwicklung sowohl adaptiv als auch destruktiv beeinflussen kann.
Warum gibt es ein Spannungsfeld zwischen Jugendhilfe und Psychiatrie?
Das Spannungsfeld entsteht durch unterschiedliche gesetzliche Aufträge, Zielsetzungen (Kindeswohl versus Elternwohl) sowie divergierende Qualifizierungen und Finanzierungsgrundlagen.
- Arbeit zitieren
- Jacqueline Sprey (Autor:in), 2014, „Psychisch erkrankte Eltern“. Entwicklungsrisiko für betroffene Kinder?, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/275492