Der vom Institut der Wirtschaftsprüfer (IDW) entwickelte Standard: Grundsätze zur Durchführung von Unternehmensbewertungen (IDW S 1) stellt das grundsätzliche Rahmenkonzept dar, nach dem Wirtschaftsprüfer Unternehmen bewerten. Da das IDW keine unternehmensgrößenabhängigen Unterschiede bei der Bewertung vor-sieht, kommt der IDW S 1 sowohl bei großen als auch bei kleinen Unternehmen zur Anwendung. Kleine und mittelständische Unternehmen (KMU) sind jedoch durch zahlreiche unternehmerische, finanzielle und organisatorische Besonderheiten ge-prägt. Wirtschaftsprüfer sind daher angehalten, geeignete Anpassungen bei der Be-wertung vorzunehmen. Der IDW S 1 behandelt bereits einige bewertungsrelevante Besonderheiten für KMU. Aufgrund der wachsenden Bedeutung von KMU in der Unternehmensbewertung hat zudem die IDW Arbeitsgruppe "Bewertung von KMU" mit Wirkung zum März 2012 einen Frage-Antwortkatalog speziell für die Bewertung von KMU erstellt. Insbesondere der Standort Deutschland ist durch viele "Hidden Champions" geprägt - hochspezialisierte KMU, die Weltmarktführer in Ihrem Be-reich sind. So werden gemäß den quantitativen Kriterien des Instituts für Mittel-standsforschung (IfM) insgesamt 99,6% aller in Deutschland registrierten Unterneh-men als KMU bezeichnet.8
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Grundlagen der Bewertung von KMU
2.1 Ausgewählte Grundsätze ordnungsmäßiger Unternehmensbewertung
2.2 Bewertungsrelevante Charakteristika von KMU
3 Analyse der Bewertung von KMU nach dem IDW S 1
3.1 Auswirkungen der KMU-Besonderheiten auf die Ermittlung der finanziellen Überschüsse
3.2 Würdigung vor dem Hintergrund der Grundsätze ordnungsmäßiger Unternehmensbewertung
4 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Seminararbeit verfolgt das Ziel, die Anwendbarkeit des IDW S 1 Standards auf die spezifischen Herausforderungen bei der Bewertung von kleinen und mittelständischen Unternehmen (KMU) kritisch zu untersuchen und mögliche Lösungsansätze aufzuzeigen.
- Analyse der unternehmerischen, finanziellen und organisatorischen Besonderheiten von KMU.
- Untersuchung der Auswirkungen des Personenbezugs auf die Ermittlung finanzieller Überschüsse.
- Kritische Würdigung des IDW S 1 Standards im Kontext der Bewertungspraxis von KMU.
- Diskussion von Lösungsansätzen für die Bewertungspraxis, wie die Einführung von Ausprägungsskalen.
- Betrachtung der Spannungsfelder zwischen Ermittlungsaufwand und Honorierung bei der Bewertung.
Auszug aus dem Buch
3.1 Auswirkungen der KMU-Besonderheiten auf die Ermittlung der finanziellen Überschüsse
Zur Erfüllung der Äquivalenzkriterien kann eine Anpassung des Zählers, des Nenners oder eine pauschale Anpassung des resultierenden Unternehmenswertes vorgenommen werden. Bei KMU sollte sich der Bewerter vorrangig auf die Anpassung der Zählergröße fokussieren. Eine Anpassung des Kapitalisierungszinssatzes sollte sekundär sein, weil sich das IDW generell gegen - meist modelltheoretisch unerklärbare - Anpassungen der Nennergröße ausspricht. Daher wird im Folgenden ausschließlich eine Analyse der finanziellen Überschüsse vorgenommen.
Da KMU wegen des Personenbezugs häufig keine klare Trennung von privater und betrieblicher Sphäre aufweisen, ist zunächst die Abgrenzung des Bewertungsobjekts von besonderer Bedeutung. Häufig befinden sich einige vom Betrieb genutzte Vermögensgegenstände im Privatvermögen des Eigentümers - z.B. nicht bilanzierte, aber betriebsnotwendige Immobilien. Zur Abgrenzung von Betriebs- und Privatvermögen sollte der Bewerter die steuerlichen Sonderbilanzen untersuchen, um die Vermögensgegenstände ggf. dem Betriebsvermögen hinzuzurechnen, bzw. anderweitig - z.B. durch Mietzahlungen - in der Aufwandsplanung zu berücksichtigen. Bei der Abgrenzung des Betriebsvermögens kann sich durch die mangelnde Trennung von betrieblichem und privatem Kapital möglicherweise auch herausstellen, dass das Unternehmen nach betriebswirtschaftlicher Betrachtung über nicht genug Eigenkapital verfügt. Diese Tatsache sollte durch Anpassungen der Planungsrechnung in Form von Verringerungen der zukünftigen Ausschüttungsquoten, bzw. Thesaurierungen, berücksichtigt werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Dieses Kapitel führt in die Relevanz von KMU für die deutsche Wirtschaft ein und definiert das Ziel der Arbeit, die Anwendbarkeit des IDW S 1 für diese Unternehmensgruppe zu prüfen.
2 Grundlagen der Bewertung von KMU: Hier werden die methodischen Grundlagen der Unternehmensbewertung nach IDW S 1 erläutert und die spezifischen Charakteristika von KMU, insbesondere deren Rechtsformen und Informationslage, dargestellt.
3 Analyse der Bewertung von KMU nach dem IDW S 1: Dieses Kapitel analysiert die konkreten Auswirkungen der KMU-Besonderheiten auf die Ermittlung finanzieller Überschüsse und würdigt diese Prozesse unter dem Grundsatz der Nachvollziehbarkeit.
4 Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und schlägt eine Weiterentwicklung des Standards vor, etwa durch Ausprägungsskalen, um die Bewertung von KMU praktikabler zu gestalten.
Schlüsselwörter
KMU, Unternehmensbewertung, IDW S 1, Personenbezug, Betriebsvermögen, Zukunftserfolgswert, Kapitalisierungszinssatz, Bewertungsanlass, Unternehmenswert, Nachvollziehbarkeit, Mittelstand, Finanzplanung, Wirtschaftsprüfer, Unternehmensanalyse, Standardisierung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Bewertung von kleinen und mittelständischen Unternehmen (KMU) im Rahmen des Standards des Instituts der Wirtschaftsprüfer (IDW S 1).
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die Besonderheiten von KMU, wie der Personenbezug oder die limitierte Informationsbasis, und deren Herausforderungen für die Anwendung eines standardisierten Bewertungsverfahrens.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, zu prüfen, ob der IDW S 1 Standard für KMU anwendbar ist und welche Anpassungen in der Bewertungspraxis notwendig sind, um objektive Ergebnisse zu erzielen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Analyse unter Einbeziehung des IDW S 1, relevanter Fachliteratur sowie der Besonderheiten der KMU-Definition des IfM Bonn.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert, wie sich KMU-spezifische Faktoren auf die Ermittlung der finanziellen Überschüsse auswirken und wie diese Ergebnisse intersubjektiv nachvollziehbar dokumentiert werden können.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist durch Begriffe wie KMU, Unternehmensbewertung, IDW S 1, Personenbezug und Zukunftserfolgswertverfahren charakterisiert.
Warum ist der "Personenbezug" bei KMU so kritisch für die Bewertung?
Da in vielen KMU der Eigentümer die Schlüsselperson ist, lässt sich der Unternehmenserfolg oft schwer von der Person trennen. Dies erfordert Korrekturen wie die Fiktion eines Fremdgeschäftsführers.
Welcher Lösungsvorschlag wird im Fazit für die Zukunft unterbreitet?
Der Autor schlägt vor, den bestehenden Standard um Ausprägungsskalen oder Merkmalslisten zu erweitern, um Zu- oder Abschläge bei der Bewertung systematischer und nachvollziehbarer zu gestalten.
- Quote paper
- Milan Beer (Author), 2013, Grundlagen und Analyse der Bewertung von KMU, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/275229