In der heutigen Welt gibt es zwei große Finanztheorien. Zum einem die Effizienzmarkthypothese, die davon handelt, dass der Mensch rational ohne Emotionen handelt und immer vollumfänglich informiert ist. Die andere Theorie, auch genannt Prospect Theory, behauptet das exakte Gegenteil, dass Anleger von Gefühlen bestimmt sind und einige Heuristiken, also Fehlverhalten, die Urteilsfindung täuschen.
Im Folgenden wird die Prospekt Theorie beleuchtet. Zu Beginn werden Charakteristika der Theorie, sowie die konkreten Unterschiede zur Effizienzmarkthypothese herausgearbeitet. Daraufhin wird auf die erforschten Heuristiken bei der Urteilsfindung eingegangen. Diese sollen belegen, dass der Mensch eben nicht ein Homo Oeco-nomicus, also ein rational denkendes Wesen ist, sondern ein von Gefühlen gesteuer-ter Mensch, genannt Homo Behavioral [...]
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Darstellung der Prospekt Theorie
2.1 Die Entwicklung der Prospekt Theorie
2.2 Prospekt Theorie im Vergleich zur Finanzmarkttheorie
2.2.1 Der Homo Oeconomicus
2.2.2 Der Homo Behavioral
2.3 Das mathematische Modell der Wertfunktion
2.3.1 Die Editing Phase
2.3.2 Die Evaluations Phase
2.3.3 Die Wertfunktion
2.4 Aktuelles zur Prospekt Theorie
2.4.1 Der Nobelpreis an Daniel Kahneman 2002
2.4.2 Der Nobelpreis an Robert Shiller und Eugene Fama 2013
3. Implikationen für das Anlegerverhalten
3.1 Heuristiken und ihre kognitiven Verzerrungen
3.1.1 Repräsentativität, Verfügbarkeit und Ankereffekt
3.1.2 Der Isolationseffekt, Sicherheitseffekt und Dispositionseffekt
3.1.3 Framing
4. Schlussbemerkung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Prospekt Theorie als Gegenentwurf zur klassischen Finanzmarkthypothese. Ziel ist es, aufzuzeigen, wie kognitive Verzerrungen und Heuristiken das menschliche Entscheidungsverhalten an den Finanzmärkten beeinflussen, um Anlegern ein besseres Verständnis für systematisches Fehlverhalten zu vermitteln.
- Vergleich zwischen rationalem Modell (Homo Oeconomicus) und realem Verhalten (Homo Behavioral).
- Analyse des mathematischen Modells der Wertfunktion von Kahneman und Tversky.
- Untersuchung kognitiver Heuristiken wie Repräsentativität, Verfügbarkeit und Ankereffekt.
- Diskussion psychologischer Phänomene wie Isolationseffekt, Sicherheitseffekt und Framing.
Auszug aus dem Buch
Die Repräsentativität:
Diese Heuristik wird von Menschen angewandt, wenn abgeschätzt werden soll, ob ein Ereignis A zum Prozess B gehört. Ein Beispiel aus der Praxis ist das Tippen des Berufs einer Person. Ist eine Person ruhig, zurückhaltend und in sich gekehrt, wird die Wahrscheinlichkeit, dass diese Person eher ein Bibliothekar statt ein Landwirt ist, als höher eingeschätzt. Dabei wird außer Acht gelassen, dass es statistisch mehr Landwirte als Bibliothekare gibt. Diese Grundhäufigkeit wird als a-priori beschrieben und wird bei der Repräsentativität stark vernachlässigt.
Unter die Repräsentativität fallen auch die falschen Zufallskonzepte. Bei einer Abfolge von Münzwürfen wird es in der Regel als wahrscheinlicher angenommen, dass die Folge K-Z-K-Z-Z-K erscheint, als die Abfolge K-K-K-K-K-Z, oder dass im Casino beim Roulette nach einer Reihe von schwarzen Kugeln eine Rote kommt.
Diese Aussagen sind nicht repräsentativ und bergen für eine Geldanlage fatale Fehler. Die Vorhersagbarkeit für den Kurs einer Aktie hängt oft von der Beschreibung des Unternehmens ab. Die Wirklichkeitstreue dieser Beschreibung, sowie der Grad des Ausmaßes der positiven Beschreibung lässt falsche Vorhersagen zu. Die kognitive Verzerrung, die sich hieraus ableiten lässt, ist die Regression zu Mittelwert. Es werden Zusammenhänge erkannt, wo es keine gibt. Es werden Korrelationen vermutet, die nicht bestehen und an diesen werden Anlageentscheidungen fest gemacht.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Problematik ein, dass das klassische Modell des rationalen Akteurs durch die Prospekt Theorie und deren Erkenntnisse über menschliche Fehlentscheidungen hinterfragt wird.
2. Darstellung der Prospekt Theorie: Dieses Kapitel erläutert die Grundlagen der Theorie, grenzt sie vom Homo Oeconomicus ab und beschreibt das mathematische Modell der Wertfunktion sowie aktuelle wissenschaftliche Entwicklungen durch Nobelpreis-würdige Forschungen.
3. Implikationen für das Anlegerverhalten: Der Schwerpunkt liegt auf der praktischen Anwendung, indem spezifische Heuristiken und psychologische Effekte analysiert werden, die zu systematischen Fehlentscheidungen bei der Geldanlage führen.
4. Schlussbemerkung: Das Fazit fasst zusammen, dass eine Kombination aus rationaler Finanzanalyse und dem Verständnis menschlicher psychologischer Schwächen notwendig ist, um Anlageergebnisse zu optimieren.
Schlüsselwörter
Prospekt Theorie, Behavioral Finance, Homo Oeconomicus, Homo Behavioral, Wertfunktion, Heuristiken, Repräsentativität, Verfügbarkeit, Ankereffekt, Isolationseffekt, Sicherheitseffekt, Dispositionseffekt, Framing, Finanzmarkttheorie, Anlegerverhalten.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, warum Anleger an Finanzmärkten oft nicht rational handeln und wie psychologische Faktoren ihre Entscheidungsfindung beeinflussen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Die zentralen Themen sind der Kontrast zwischen klassischer Finanzmarkttheorie und Prospekt Theorie sowie die Analyse kognitiver Verzerrungen.
Welches primäre Ziel verfolgt die Arbeit?
Ziel ist es, das Bewusstsein für typische psychologische Fehleinschätzungen zu schärfen, um Anlegern zu helfen, informiertere Entscheidungen zu treffen.
Welche wissenschaftliche Methode wird primär verwendet?
Es wird eine theoretische Analyse auf Basis bestehender Literatur zur Behavioral Finance und der Prospekt Theorie nach Kahneman und Tversky vorgenommen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Herleitung der Prospekt Theorie und die detaillierte Darstellung verschiedener Verhaltensheuristiken.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am stärksten?
Schlüsselbegriffe sind Prospekt Theorie, Heuristiken, Wertfunktion, Homo Behavioral und psychologische Verzerrungen.
Wie unterscheidet sich der Homo Behavioral vom Homo Oeconomicus?
Während der Homo Oeconomicus als rein rational und nutzenmaximierend agierend definiert wird, lässt sich der Homo Behavioral von Gefühlen und systematischen Denkfehlern leiten.
Warum ist das Verständnis der „Editing Phase“ wichtig?
Die Editing Phase beschreibt den Prozess, wie Anleger Informationen kodieren und Referenzpunkte setzen, was maßgeblich bestimmt, ob ein Ergebnis als Gewinn oder Verlust wahrgenommen wird.
Was besagt der Dispositionseffekt?
Er beschreibt das weit verbreitete Phänomen, dass Anleger dazu neigen, Verlustpositionen zu lange zu halten, während sie Gewinne vorschnell realisieren.
Welche Rolle spielt der Ankereffekt bei der Anlage?
Der Ankereffekt führt dazu, dass Anleger sich bei Einschätzungen an ersten verfügbaren Informationen orientieren, was eine objektive Neubewertung bei veränderten Marktbedingungen erschwert.
- Arbeit zitieren
- Stephanie Baumann (Autor:in), 2014, Prospect Theory. Darstellung und Implikationen für das Anlegerverhalten, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/275012