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Narrative Identität. Gouvernementale Selbsttechnologie oder queere Widerstandsmöglichkeit?

Titel: Narrative Identität. Gouvernementale Selbsttechnologie oder queere Widerstandsmöglichkeit?

Hausarbeit (Hauptseminar) , 2012 , 35 Seiten , Note: 1,0

Autor:in: B.A. Lea Schneider (Autor:in)

Soziologie - Individuum, Gruppe, Gesellschaft

Leseprobe & Details   Blick ins Buch
Zusammenfassung Leseprobe Details

Eine Identität zu haben, Subjekt zu sein: Das scheint so selbstverständlich wie lebensnotwendig zu sein. Tatsächlich scheint es aber in der spätmodernen Gesellschaft immer schwieriger zu werden, "man wenigen Jahrzehnten noch existierten, wurden abgebaut. Glücklich sein, ein erfülltes Leben leben heißt in dieser Gesellschaft vor allem: Frei sein. Ihr Gründungsversprechen verheißt, jede*r könne seine*ihre eigene Identität autonom und aus einem eigenen inneren Wunsch heraus ausbilden: Dass man genau der*die sein könne, die man auch ist, und sich nicht verstellen muss. Anstatt zu einem Zustand des Glücks scheint dieses Freiheitsversprechen aber direkt in ein Gefühl der Entfremdung zu führen (Jaeggi 2005, Schmid 2006, Seel 1999). Aus der (scheinbar) totalen Freiheit resultiert eine Situation der Orientierungs- und Hilflosigkeit.

Liegt das vielleicht daran, dass es die konstitutive Freiheit der Moderne gar nicht gibt? Dass wir das Gefühl haben, wir könnten alles erreichen, und wenn wir es nicht schaffen, sind wir selbst daran schuld – in Wahrheit aber gar nicht alles erreichen können? Und ist damit aus der Freiheit zur eigenen Identität vielleicht längst eine Forderung geworden? Sei individuell und einzigartig – sonst bist du nichts wert!

Eine Möglichkeit, diese individuelle Einzigartigkeit herzustellen, liegt in der Selbsterzählung, im ständigen Arbeit an der eigenen Autobiographie. Diese "narrative Identität" wird in der Regel als ein coping mechanism für das Problem der erschwerten Identitätsbildung in einer (scheinbar) normfreien, postmodernen Welt verstanden, der ‚sinnvolle‘ Identitätsbildung und persönliche Kohärenz wieder möglich macht.

Sie wird hier in Anlehnung an Foucault kritisch als Technologie einer neoliberalen Gouvernementalität analysiert. Wem nützt diese ‚Überwindung‘ des Entfremdungsproblems? Ist sie möglicherweise nicht (nur) Hilfe und Trost für das Individuum, sondern vielmehr eine Wieder-Nutzbarmachung des entfremdeten Subjekts für einen neoliberalen Staat? Werden mit ihr nur die Symptome (das Gefühl von Entfremdung) und nicht ihre tatsächlichen Ursachen (das moderne Paradigma der individuellen Freiheit und Verantwortung) bekämpft?

Kann diese Technik zuletzt vielleicht auch von der Gegenseite für subversive Taktiken genutzt werden? Anhand von queeren Ansätzen aus den identity politics und anti-identitären Strategien dekonstruktivistischer Autor*innen werden die Chancen und Risiken narrativer Identität ausgewertet.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung: Zur Relevanz des Identitätsbegriffs für eine moderne Gesellschaftskritik

2 Hauptteil: Narrative Identität zwischen gouvernementaler Selbsttechnologie und queerer Widerstandsmöglichkeit

2.1 Theorien & Konzepte

2.1.1 (Post)moderne Identität & Entfremdung

2.1.2 Narrative Identität

2.1.3 Gouvernementalität & Selbsttechnologien

2.2 Narrative Identität als gouvernementale Selbsttechnologie

2.3 Queere Identitäten: Ein Widerstandsprojekt?

2.3.1 Queere Identitäts-/Subjektkritik

2.3.2 Identity Politics: Andere Identitäten erzählbar machen

2.3.3 „Deconstructing Identity“: Anti-identitäre Ansätze und Liquid Identities

2.3.4 Kritik am „Projekt Queer“

3 Schluss: Für eine integrative queere Strategie

3. 1 Zusammenfassung der Ergebnisse

3.2 Ausblick: Die Notwendigkeit einer integrativen Formulierung von Queer

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht, ob das Konzept der narrativen Identität eine Möglichkeit zur Überwindung von Entfremdung darstellt oder vielmehr eine gouvernementale Selbsttechnologie innerhalb eines neoliberalen Systems ist, die Individuen normiert. Dabei wird analysiert, wie queere Strategien dieses Konzept als Widerstandsmittel einsetzen oder kritisieren.

  • Kritik des modernen Identitätsbegriffs und dessen Zusammenhang mit Entfremdung.
  • Analyse narrativer Identität als Instrument der gouvernementalen Selbststeuerung.
  • Untersuchung queerer Widerstandsstrategien (Identity Politics vs. Dekonstruktion).
  • Herausarbeitung der materiellen und sozialen Voraussetzungen für Identitätsarbeit.
  • Plädoyer für einen integrativen, bündnispolitischen Ansatz innerhalb queerer Theorie.

Auszug aus dem Buch

2.1.2 Narrative Identität

Mit dem Konzept der narrativen Identität, das ursprünglich aus der Hermeneutik stammt und dort von Paul Ricœur erarbeitet wurde, wird in der Psychologie eine mögliche Antwort auf den Komplex problematisch gewordener Identitätsbildung in der Postmoderne bezeichnet. Die wichtigsten Merkmale des psychologischen Paradigmas finden sich bereits bei Ricœur ausformuliert. Er versteht Identität „als eine Kategorie der Praxis“ (Ricœur und Knop op. 1991, S. 395) und macht diese Praxis im Erzählen der eigenen Lebensgeschichte aus; ein Vorgang, durch den die erzählende Identität dann gleichzeitig erst konstituiert wird: „Die erzählte Geschichte gibt das wer der Handlung an. Die Identität des wer ist also selber bloß eine narrative Identität“ (Ricœur und Knop op. 1991, S. 396). Eine Identität, die in einem narrativen Prozess entsteht, kann logischerweise auch rekonfiguriert und verändert werden, solange dieser Prozess möglich ist – also in der Regel das ganze Leben lang. Damit ist narrative Identität immer auch eine brüchige, instabile Form von Identität; das eigene Leben kann je nach Situation und Zuhörer*in ganz unterschiedlich erzählt und damit auch ganz unterschiedlich bewertet werden (Ricœur und Knop op. 1991, S. 398).

Diese Erzählung findet – auch bei Ricœur schon – nicht einfach in einem leeren Raum statt, sondern greift zurück auf bereits bestehende Erzählungen, Stilmittel und Archetypen, die jeweils kulturspezifisch und unterschiedlich gut verfügbar bzw. naheliegend sind. Das bedeutet auch, dass nicht jede Identitätsnarration in jedem kulturellen Kontext intelligibel ist – ein Punkt, der in psychologischen und philosophischen Untersuchungen nicht immer, aber häufig ausgeblendet und an dem später die queere Identitätskritik ansetzen wird (vgl. hierzu Kapitel 2.3).

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Zur Relevanz des Identitätsbegriffs für eine moderne Gesellschaftskritik: Diese Einleitung verknüpft den Begriff der Entfremdung mit dem modernen Ideal der freien Identitätswahl und identifiziert narrative Identität als potenzielle Bewältigungsstrategie.

2 Hauptteil: Narrative Identität zwischen gouvernementaler Selbsttechnologie und queerer Widerstandsmöglichkeit: Das Kapitel bietet einen theoretischen Rahmen, analysiert narrative Identität als gouvernementale Technologie und untersucht queere Ansätze als mögliche Gegenentwürfe.

3 Schluss: Für eine integrative queere Strategie: Das abschließende Kapitel fasst die Ergebnisse zusammen und fordert einen integrativen, materiell fundierten Ansatz innerhalb queerer Theorie zur Bekämpfung von Ungerechtigkeiten.

Schlüsselwörter

Narrative Identität, Entfremdung, Gouvernementalität, Selbsttechnologien, Queer Theory, Identitätspolitik, Dekonstruktion, Machtverhältnisse, Neoliberalismus, Subjektivierung, Kohärenz, Biopolitik, Anerkennung, soziale Ungleichheit, Bündnispolitik.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht das Konzept der narrativen Identität und hinterfragt, inwiefern es ein Werkzeug zur Selbstverwirklichung oder ein Instrument zur Disziplinierung von Individuen im neoliberalen Kontext ist.

Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?

Die Arbeit verknüpft sozialphilosophische Konzepte der Entfremdung und Identität mit Foucaults Machttheorien sowie mit Strategien der Queer Theory.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Ziel ist es zu analysieren, wem die narrative Konstruktion einer kohärenten Identität nützt und wie queere Theorie politisch wirksam gegen Machtstrukturen eingesetzt werden kann, ohne in exklusive akademische Diskurse zu verfallen.

Welche wissenschaftliche Methode wird angewendet?

Die Arbeit folgt einer theoretisch-analytischen Methode, die diskurskritische Ansätze nutzt, um soziale Konstruktionen von Identität und die damit verbundenen Machteffekte freizulegen.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Im Hauptteil werden zunächst die Konzepte (Post)moderne Identität, narrative Identität und Gouvernementalität definiert. Anschließend werden unterschiedliche queere Strategien, wie Identity Politics und dekonstruktive Ansätze, auf ihr Widerstandspotenzial hin geprüft.

Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?

Die zentralen Charakteristika sind die Analyse der Gouvernementalität, der Konstruktivismus, die Kritik an Normalisierungsprozessen und der Fokus auf das Spannungsfeld zwischen Kultur und materiellen Bedingungen.

Warum wird die narrative Identität als „Selbsttechnologie“ bezeichnet?

In Anlehnung an Foucault wird narrative Identität als eine Technik verstanden, mittels derer Individuen aktiv an ihrer Subjektivität arbeiten, um eine gewünschte Kohärenz zu erreichen, die jedoch innerhalb neoliberaler Strukturen zur Verwertbarkeit des Subjekts beiträgt.

Wie bewertet die Autorin queere Widerstandsstrategien?

Die Autorin sieht in queeren Strategien wichtige Ansätze, kritisiert jedoch, dass diese oft exklusiv sind und materielle Ressourcen voraussetzen, weshalb sie für eine integrative, bündnispolitische Strategie plädiert.

Ende der Leseprobe aus 35 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Narrative Identität. Gouvernementale Selbsttechnologie oder queere Widerstandsmöglichkeit?
Hochschule
Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder)  (Kulturwissenschaften)
Veranstaltung
Entfremdung oder Nicht-Entfremdung – Zur Kritik moderner Sozialbeziehungen
Note
1,0
Autor
B.A. Lea Schneider (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2012
Seiten
35
Katalognummer
V274562
ISBN (eBook)
9783656672555
ISBN (Buch)
9783656694021
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Subjekt Subjekttheorie Entfremdung Moderne Spätmoderne Postmoderne Identität Foucault Jaeggi Queer Dekonstruktion Ehrenberg anti-identitär Identitätspolitik identity politics narrative Identität Narration liquid identity Gouvernementalität Widerstand Neoliberalismus Selbsttechnologie
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
B.A. Lea Schneider (Autor:in), 2012, Narrative Identität. Gouvernementale Selbsttechnologie oder queere Widerstandsmöglichkeit?, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/274562
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Leseprobe aus  35  Seiten
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