Betrachtet man den deutschen Automobilmarkt unter dem Gesichtspunkt „Entwicklung des Distributionssystems“ so muß zuallererst der Markt an sich in Segmente unterteilt werden. Stark geprägt vom Käuferverhalten werden ständig Modelle ent-worfen, die mit ihrem Erscheinen ein neues Segment bilden. Innerhalb dieser Segmente wiederum wird häufig auch horizontal diversifiziert. Zum Beispiel werden auf einer Plattform, dem sogenannten Chassis, mehrere Karosserievarianten angeboten. Ein Beispiel dafür ist der Renault Mégane auf dessen Bodengruppe der Renault Mégane Scénic hergestellt wird oder der Opel Zafira, der auf dem Chassis des Opel Astra basiert. Die Segmente des Automobilmarktes sehen folgendermaßen aus: Die Kleinstwagen, wie z.B. der Smart
Die Mikrowagen, bekanntester Vertreter dieser Klasse ist der VW Lupo Die Minivans, wie z.B. der Opel Agila Die Kleinwagen, wie z.B. der Opel Corsa
Die untere Mittelklasse, wie z.B. der VW Golf (wegen des starken Absatzes auch Golf-Klasse genannt)
Die Mittelklasse mit Modellen wie die BMW 3-er Reihe oder dem VW Passat Die obere Mittelklasse wie die BMW-5-er Reihe
Die Oberklasse, die sich bewegt von Modellen wie der S-Klasse von Mercedes Benz bis hin zum Audi A8 oder der BMW 7-er Reihe
Neben dieser Einteilung gibt es natürlich noch eine Reihe von Nischenfahrzeugen, deren Segmentausbau auch immer mehr an Bedeutung gewinnt. So zum Beispiel die ständig wachsende Sparte der Familienvans wie dem VW Sharan oder dem Renault Espace als Vorreiter in dieser Sparte in Europa.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Das Distributionssystem - Strukturen
2.1 Definitionen
2.2 Stufen im Distributionssystem
3. Das Distributionssystem - Entwicklungstendenzen
3.1 Die strategische Bedeutung des Gebrauchtwagenhandels
3.2 Händlerkonzentration im Kfz-Gewerbe
3.3 Erlebniswelt Autokauf
3.4 Tertiärisierung in der Automobilbranche
3.5 Der selektive Vertrieb
3.5.1 Vorteil des Verbrauchers vs. Nachteil für kleinere Händler
3.5.2 Erhaltung des selektiven Vertriebssystems
3.6 Problematik der Reform des Gewährleistungsrechts
3.7 Neue Vertriebsformen
3.7.1 Zahlen, Fakten, Trends
3.7.2 Kategorisierung des E-Commerce im Autohandel
3.7.3 Akzeptanz und Käuferverhalten
3.7.4 Kritische Betrachtung der Rechtsgrundlagen des E-Commerce
4. Das Vertriebssystem am Beispiel der Opel AG
4.1 Das Market Area Concept
5. Fazit
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht die aktuelle Entwicklung des Distributionssystems in der Automobilindustrie, das unter dem wachsenden Druck von Globalisierung und intensiviertem Wettbewerb steht. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, wie sich traditionelle Vertriebsstrukturen durch neue Herausforderungen und technologische Trends verändern müssen, um langfristig wettbewerbsfähig zu bleiben.
- Strukturwandel und Konsolidierung im Kfz-Händlernetz
- Die Bedeutung von Dienstleistungen und Kundenerlebnissen (Tertiärisierung)
- Strategische Relevanz des Gebrauchtwagenhandels als Einstiegssegment
- Herausforderungen und Rahmenbedingungen für E-Commerce in der Branche
- Praxisbeispiel der Vertriebsstrategie der Adam Opel AG
Auszug aus dem Buch
3.2 Händlerkonzentration im Kfz-Gewerbe
Die Zahl der Kfz-Betriebe schrumpft drastisch, insbesondere die kleinen Autohäuser erwirtschaften kaum noch Ertrag, nach Zahlen der IG-Metall werden mittelfristig 56.000 Arbeitsplätze in der Automobilbranche in Gefahr sein. Dies wären mehr als 10% der insgesamt 530.000 Beschäftigten im Autogewerbe wie die Süddeutsche Zeitung in ihrer Ausgabe vom 6.9.2000 sehr treffend formuliert „ist Autohändler zu sein zurzeit kein Vergnügen“.
Hier einige Zahlen der einzelnen Autohersteller zur Händlerthematik:
Die Adam OPEL AG hat bekanntgegeben, 200 Vertragshändlern die Verträge zum nächstmöglichen Zeitpunkt zu kündigen. Man will sich nur noch auf die 500 Kernhändler in seiner Vertriebsstrategie stützen.(vgl. Kapitel 4)
Volkswagen hat die Zahl seiner sogenannten Vertriebsstützpunkte von einst 3.600 auf 2.750 reduziert.
DaimlerChrysler arbeitet heute nur noch mit 100 statt bisher 270 selbständigen Mercedes-Benz Händlern zusammen. Das macht eine Reduktion um fast 70 Prozent aus! (Süddeutsche Zeitung Nr.205 , S.25).
Die Gründe für das „Händlersterben“ liegen auf der Hand.
Zum einen Besteht die Problematik der Rentabilität der Händler. Viele Werkstätten arbeiten heutzutage mit einer Umsatzrentabilität von annähernd einem Prozent. Nicht wenige machen sogar Verlust (Süddeutsche Zeitung, 6.9.2000, S.25).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Darstellung der Segmentierung des Automobilmarktes und der Notwendigkeit, das Distributionssystem in einem sich ständig wandelnden Marktumfeld zu betrachten.
2. Das Distributionssystem - Strukturen: Definition der zentralen Begriffe wie Absatzmittler und Distributionskanal sowie Erläuterung der verschiedenen Stufen innerhalb eines Distributionssystems.
3. Das Distributionssystem - Entwicklungstendenzen: Analyse der aktuellen Trends, wie Gebrauchtwagenhandel, Händlerkonzentration, Erlebnismarketing und der Einfluss des E-Commerce auf die Vertriebslandschaft.
4. Das Vertriebssystem am Beispiel der Opel AG: Untersuchung einer praktischen Fallstudie, die den Umstrukturierungsprozess und das „Market Area Concept“ der Opel AG detailliert beleuchtet.
5. Fazit: Zusammenfassende Bewertung der zukünftigen Herausforderungen und der Bedeutung des klassischen Handels bei gleichzeitiger Integration neuer digitaler Vertriebsmodelle.
Schlüsselwörter
Automobilindustrie, Distributionssystem, Vertriebsstrategie, selektiver Vertrieb, Kfz-Handel, Händlerkonzentration, E-Commerce, Tertiärisierung, Marktanteile, Opel AG, Market Area Concept, Gebrauchtwagenhandel, Kundenservice, Kundenbindung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Strukturen und aktuellen Wandlungsprozesse der Distributionssysteme in der Automobilbranche unter dem Druck von Verdrängungswettbewerb und Globalisierung.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Fokus stehen die Konsolidierung des Händlernetzes, die rechtlichen Aspekte des selektiven Vertriebs, die Tertiärisierung durch Serviceangebote sowie die Chancen und Risiken des Online-Autohandels.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das primäre Ziel ist es, die notwendigen Anpassungsstrategien der Hersteller im Vertrieb aufzuzeigen, um trotz sinkender Margen und veränderter Kundenanforderungen wettbewerbsfähig zu bleiben.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturrecherche, der Analyse aktueller Branchenberichte und statistischer Marktdaten sowie einer praxisnahen Fallstudie zur Umstrukturierung bei der Adam Opel AG.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung der Vertriebsstrukturen und eine detaillierte Auseinandersetzung mit den aktuellen Entwicklungstendenzen, inklusive einer Analyse der E-Commerce-Thematik und der Opel-Vertriebsstrategie.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen gehören Distributionssystem, Automobilindustrie, selektiver Vertrieb, Händlerkonzentration, E-Commerce und Market Area Concept.
Wie begründet der Autor die Notwendigkeit der Händlerkonzentration?
Die Konzentration wird durch die niedrige Umsatzrentabilität der Händler, hohe Fixkosten und den Bedarf an größeren Handelszentren erklärt, um dem modernen Kunden ein breiteres Leistungsspektrum bieten zu können.
Warum ist der E-Commerce im deutschen Neuwagenmarkt laut der Arbeit noch unterentwickelt?
Der Autor führt dies auf das hohe Informationsbedürfnis beim Autokauf, den Wunsch nach physischer Begutachtung des Produkts sowie auf ungeklärte rechtliche Rahmenbedingungen, insbesondere bezüglich des Widerrufsrechts, zurück.
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- Kai Hunzelmann (Author), 2000, Die Automobilindustrie zwischen Verdrängungswettbewerb und Globalisierung - Das Distributionssystem, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/27429