Der Peloponnesische Krieg war für Thukydides größer als jeder andere Krieg, der in der Vergangenheit stattgefunden hatte. So ist Thukydides auch der antike Autor, durch den wir die besten Kenntnisse über diesen Krieg besitzen, wobei er nicht nur den Krieg selbst, sondern auch die Umstände, die den Ausbruch erst möglich machten, detailliert beschrieb. Thukydides macht bei seiner Beurteilung der Gründe des Peloponnesischen Krieges die Unterscheidung zwischen Anlässen und Ursachen. Er sieht in der wachsenden Macht Athens die eigentliche Ursache des Krieges, jedoch waren die in der Öffentlichkeit vertretenen Gründe andere. Diese Umstände, die Konflikte im Vorfeld des Peloponnesischen Krieges, werden in dieser Arbeit behandelt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Quellen
3. Die Anlässe des Peloponnesischen Krieges
3.1 Der Konflikt zwischen Kerkyra und Korinth um Epidamnos
3.2 Der Konflikt zwischen Athen und Korinth um Poteidaia
3.3 Das Megarische Psephisma
4. Die Entscheidung für den Krieg
5. Die Frage nach der Kriegsschuld
6. Fazit
7. Literaturverzeichnis
7.1 Quellen
7.2 Forschungsliteratur
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Konflikte im Vorfeld des Peloponnesischen Krieges (435–431 v. Chr.) und analysiert kritisch die Frage der Kriegsschuld anhand antiker Quellen und moderner Forschungsliteratur. Ziel ist es, die Verantwortung für das Scheitern der friedlichen Koexistenz zwischen Athen und Sparta zu klären.
- Die Eskalation der Konflikte um Epidamnos, Poteidaia und Megara.
- Die Rolle der verschiedenen Akteure, insbesondere Athens, Spartas und Korinths.
- Die Bedeutung der Reden der Kontrahenten für die Entscheidungsfindung zum Krieg.
- Die Interpretation der "Kriegsschuldfrage" in der modernen Geschichtswissenschaft.
- Die Rolle des Perikles und seiner Politik in der Eskalationsphase.
Auszug aus dem Buch
3.1 Der Konflikt zwischen Kerkyra und Korinth um Epidamnos
435 v. Chr. waren während eines Bürgerkrieges zwischen Demokraten und Aristokraten die letzteren aus Epidamnos an der illyrischen Küste vertrieben worden. Diese verbündeten sich mit den umwohnenden illyrischen Barbaren und griffen die Polis an. Angesichts dieser Situation ersuchten die in Epidamnos eingeschlossenen Demokraten um Hilfe bei Kerkyra, der Mutterstadt Epidamnos'. Die Kerkyräer jedoch verweigerten aus, nach Thukydides, nicht ersichtlichen Gründen die erbetene Hilfe, wobei Kagan als Grund die bisher erfolgreiche Isolationspolitik Kerkyras als Grund nennt. Die Epidamnier wandten sich nun an Korinth, wiederum Mutterstadt Kerkyras. Sie machten den Korinthern das Angebot, bei Unterstützung Epidamnos' dieses zu einer korinthischen Kolonie zu machen. Kerkyra und Korinth lieferten sich schon seit Jahrzehnten Kämpfe um verschiedene Kolonien, die beide Poleis für sich beanspruchten und Korinth glaubte auf Epidamnos ebenso Anpruch zu haben wie Kerkyra. Korinth nahm das Angebot der Epidamnier an. Thukydides nennt als Gründe vor allem den Hass der Korinther für die Kerkyräer, da sich Korinth als Mutterstadt nicht respektvoll genug behandelt sah und Kerkyra wirtschaftlich und militärisch überlegen war.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die Thematik der Kriegsursachen und Vorstellung der zentralen Forschungsfrage zur Schuld am Peloponnesischen Krieg.
2. Quellen: Vorstellung der verwendeten Primärquellen, insbesondere Thukydides, Diodor und Plutarch, sowie deren Bedeutung für die Untersuchung.
3. Die Anlässe des Peloponnesischen Krieges: Detaillierte Analyse der eskalierenden Konflikte zwischen Athen, Korinth und deren Verbündeten vor Kriegsausbruch.
4. Die Entscheidung für den Krieg: Untersuchung der diplomatischen Versammlungen und der Argumentationsmuster der Kontrahenten, die letztlich zur Entscheidung für den Krieg führten.
5. Die Frage nach der Kriegsschuld: Darlegung und kritische Diskussion der verschiedenen wissenschaftlichen Standpunkte zur Verantwortlichkeit für den Kriegsausbruch.
6. Fazit: Synthese der Argumente mit dem Ergebnis, dass die Spartaner und ihre Verbündeten, insbesondere Korinth, die Hauptverantwortung trugen.
7. Literaturverzeichnis: Auflistung der verwendeten antiken Quellen sowie der relevanten Forschungsliteratur.
Schlüsselwörter
Peloponnesischer Krieg, Thukydides, Kriegsschuld, Athen, Sparta, Korinth, Perikles, Epidamnos, Poteidaia, Megarisches Psephisma, Friedensvertrag, Machtpolitik, antike Geschichte, Kriegsanlässe, Bündnispolitik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert die unmittelbaren politischen und militärischen Konflikte im Vorfeld des Peloponnesischen Krieges sowie die kontroverse Frage, welche Partei die Verantwortung für den Ausbruch dieses Konfliktes trug.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf den drei Auslösern (Epidamnos, Poteidaia, Megara), der Rolle des Friedensvertrages von 446/45 v. Chr. und der Interpretation der antiken Quellen durch die moderne Forschung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die Beantwortung der Frage, ob der Krieg durch das Handeln Athens provoziert wurde oder ob die Schuld bei Sparta und dessen Verbündeten, namentlich Korinth, lag.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine historische Quellenanalyse, die primär auf den Schriften des Thukydides basiert und diese mit modernen Interpretationen von Historikern wie Kagan, De Ste. Croix und Salmon kontrastiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der konkreten Anlässe, die diplomatischen Entscheidungsprozesse in Sparta und die wissenschaftliche Diskussion der verschiedenen Schuldzuweisungen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Peloponnesischer Krieg, Machtpolitik, Friedensvertrag und die spezifischen Konflikte der Regionen definiert.
Welche Rolle spielte Perikles bei den Verhandlungen mit Sparta?
Laut der Arbeit agierte Perikles als treibende Kraft in Athen, der eine harte Haltung gegenüber spartanischen Forderungen vertrat, um die athenischen Interessen zu wahren, ohne jedoch aktiv den Krieg als Ziel anzustreben.
Wie bewertet die Arbeit die Rolle Korinths?
Der Autor kommt zu dem Schluss, dass Korinth eine aggressive Rolle spielte und durch Druck auf Sparta maßgeblich dazu beitrug, den Krieg auszulösen, obwohl Teile der spartanischen Führung anfangs zögerten.
Was unterscheidet die "Anlässe" von den "Ursachen" in dieser Arbeit?
In Anlehnung an Thukydides unterscheidet die Arbeit zwischen dem (tief liegenden) Wachsen der Macht Athens als Ursache und den (öffentlichen) Streitpunkten wie dem Megarischen Psephisma als Anlässe für den Krieg.
- Arbeit zitieren
- M.A. Philip Wagenführ (Autor:in), 2008, Der Peloponnesische Krieg. Konflikte im Vorfeld und Kriegsschuldfrage, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/274141