Die vorliegende Arbeit widmet sich der Frage, inwieweit die Gotengeschichte des Jordanes Aussagekraft bezüglich der Historizität hat, und ob die Ursprungslegenden über die Goten mündlichen gotischen Überlieferungen entstammten, oder ob sie nicht vielleicht Erfindungen der Verfasser sind. Falls sie aus gotischen Quellen geschöpft wurden, stellt sich die Frage, ob sie vielleicht nicht nur Mythen sind, sondern auch von der geschichtlichen Wirklichkeit des
Gotenvolks zeugen. Dabei soll dieser Aufsatz das thematische Paradigma der Gotenherkunft aus sprachwissenschaftlicher bzw. sprachgeschichtlicher Sicht beleuchten.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Quelle und Autor
3. Die Urheimat der Goten
3.1. Die „Pferdegeschichte“
3.2. Scandza als Urheimat
4. Gauthigoth, Vagoth, Ostrogothae und Greotingi
4.1. Gauthigoth
4.2. Vagoth
4.3. Ostrogothae
4.4. Greotingi
5. Gaut
6. Schlusswort
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die historische Aussagekraft der "Getica" des Jordanes, insbesondere im Hinblick auf die Ursprungslegenden der Goten und deren Bezug zur sprachwissenschaftlichen Realität, um zu klären, ob es sich um mündliche Überlieferungen oder literarische Konstruktionen handelt.
- Historische Analyse der "Getica" und ihres Verfassers Jordanes.
- Überprüfung der Skandinavien-These (Scandza) als Urheimat der Goten.
- Etymologische Untersuchung gotischer Stammes- und Volksnamen.
- Vergleich gotischer und nordischer Sprachparallelen.
- Kritische Würdigung mythischer Ahnengeneralogien (z.B. Gaut/Gapt).
Auszug aus dem Buch
3.1. Die Pferdegeschichte
Bezüglich der „Pferdegeschichte“ vermutete Wolfram (ebenso wie Wagner und andere Sprachwissenschaflter), es könne sich dabei um eine Spottgeschichte auf die Goten handeln, wobei die Bedeutung ihres Namens ein Wortspiel erlaubt habe. Das ursprüngliche Wort Gote konnte nämlich zwei Bedeutungen gehabt haben: einerseits bezeichnete es das Volk der Goten, die *Gutans (-an-Stamm) bzw. *GutÞiuda (im „gotischen Kalender“ belegt), und andererseits könnte es auch „Pferd“ oder „Hengst“ bedeutet haben. Die Semantik des Worts hat sich nämlich im altnordischen Wort goti in der Dichtersprache erhalten. Möglicherweise wurde die Spottgeschichte von einem benachbarten Stamm der Goten, welches von ihnen besiegt bzw. vertrieben wurde, kreiert. Als Urheber kämen demnach Wandalen und Rugier in Frage, möglicherweise auch die Gepiden. Diesen hatten die Goten laut Jordanes selber den Spottnamen „die Trägen“ gegeben (Vgl. gotisch gepanta). Vorher wären diese auch als Goten bezeichnet worden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung formuliert die Forschungsfrage zur Historizität der Gotengeschichte des Jordanes und skizziert den methodischen Aufbau der Arbeit.
2. Quelle und Autor: Dieses Kapitel behandelt die Person Jordanes, seine Rolle als Epitomator und die kontroverse Frage nach seinem tatsächlichen kulturellen Hintergrund.
3. Die Urheimat der Goten: Hier werden die Ursprungslegenden (Britannien- und Skandinavien-These) sowie die sprachwissenschaftlichen Argumente für eine nordische Herkunft erörtert.
4. Gauthigoth, Vagoth, Ostrogothae und Greotingi: Das Kapitel analysiert vier spezifische Völkernamen aus Jordanes' Liste auf ihre etymologische Herkunft und ihren möglichen Bezug zu den Goten.
5. Gaut: Dieser Abschnitt widmet sich dem mythischen Stammvater der Amaler, Gaut (bzw. Gapt), und untersucht dessen Einordnung in die Genealogie und Sprache.
6. Schlusswort: Das Schlusswort resümiert, dass die Beweislage für eine Urheimat in Skandinavien zwar nicht sicher ist, aber eine hohe Wahrscheinlichkeit für die Theorie des Ursprungs in Scandza besteht.
Schlüsselwörter
Jordanes, Getica, Goten, Skandinavien, Scandza, Etymologie, Gauthigoth, Ostrogothae, Sprachwissenschaft, Gotengeschichte, Historizität, Genealogie, Gaut, Wanderungssage, Germanistik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die historische Glaubwürdigkeit und die mythischen Elemente in der "Getica" des Jordanes, einem grundlegenden Werk über die Geschichte der Goten.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Fokus stehen die Herkunft der Goten (insbesondere die These einer skandinavischen Urheimat), die linguistische Herleitung von Stammesnamen und die Zuverlässigkeit antiker Historiographie.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Es soll geklärt werden, ob Jordanes' Berichte über die Goten auf authentischer mündlicher Überlieferung basieren oder ob es sich um literarische Erfindungen handelt, um die Herkunft der Goten im römischen Kontext zu legitimieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich primär auf sprachwissenschaftliche und philologische Analysen von Eigennamen und Begriffen, ergänzt durch einen Vergleich mit historischen Quellen und Forschungsmeinungen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Untersuchung der Urheimat-Legenden, eine detaillierte Analyse spezifischer Völkernamen (Gauthigoth, Vagoth, Ostrogothae, Greotingi) sowie die Erörterung des mythischen Stammvaters Gaut.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Jordanes, Goten, Etymologie, Skandinavien (Scandza), Sprachwissenschaft und Historiographie definiert.
Wie bewertet der Autor die „Pferdegeschichte“?
Die Pferdegeschichte wird als eine mögliche Spottgeschichte interpretiert, die auf einem Wortspiel mit der doppelten Bedeutung von "Gote" als Volksname und "Pferd" beruhen könnte.
Welche Schlussfolgerung zieht der Autor zur Skandinavien-Theorie?
Der Autor kommt zu dem Ergebnis, dass die Vielzahl der sprachlichen und historischen Indizien sehr wahrscheinlich auf eine Urheimat der Goten in Skandinavien (Scandza) hinweist, auch wenn eine endgültige Beweisführung wissenschaftlich schwierig bleibt.
- Arbeit zitieren
- Marko Stevic (Autor:in), 2011, Die Getica und der Ursprung der Goten, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/273926