Lernt man eine Fremdsprache, ist man neben Grammatikbüchern auch auf Wörterbücher angewiesen, um neue Vokabeln schnell nachschlagen und in verschiedenen Kontexten verstehen zu können. Doch leider fällt des Öfteren auf, dass nicht alle Wörterbücher für Fremdsprachenlerner, ebenso aber auch für Muttersprachler, sinnvoll aufgebaut und verständlich konzipiert sind. Dies führt dazu, dass, dem Lerner unbekannte Wörter oft durch das reine Nachschlagen in einem Wörterbuch falsch verstanden und somit auch in falschen Kontexten verwendet werden, was manchmal zu erheblichen Missverständnissen führt.
Da man als Laie oft nicht kritisch genug mit den angebotenen Wörterbüchern und deren Artikel umgeht, so liegt es an den Lexikographen, einen Wörterbuchartikel so verständlich und einfach wie möglich zu gestalten. Was hierbei alles beachtet werden muss, wird nun in vorliegender Arbeit versucht anhand einer Analyse zweier Wörter darzustellen.
Vor allem bei Synonymen entstehen oft Missverständnisse, da oft der Anschein erweckt wird, das eine Wort sei eins-zu-eins durch das im Wörterbuch angegebene Synonym austauschbar. So auch zum Beispiel bei den beiden, im Folgenden diskutierten Wörtern Stabilität und Sicherheit. Hierbei handelt es sich aber nur um eine sogenannte nahe Synonymie. Im Gegensatz dazu gibt es noch absolute und propositionelle Synonyme, wobei absolute Synonymie nach Cruse eigentlich nicht existiert (vgl. Marková 2011, S. 25 f.).
Synonymie kann außerdem auch als semantisch nah betrachtet werden. Nahe Synonymie bezeichnet zum Beispiel das semantisch nahe Verhältnis von lächeln und grinsen oder kalt und kühl.
Im Folgenden wird nun kurz die Zielsetzung der vorliegenden Arbeit und die Methodologie mit welcher diese verfolgt wurde dargestellt, bevor die Analyse der Korpusrecherche durchgeführt wird.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Zielsetzung
3. Methodologie
4. Analyse der Korpusrecherche von Stabilität und Sicherheit
4.1 Gegenüberstelleung der Related Collocation Profiles
4.2 Interpretation der SOM – Karten
4.3 Contrasting Near Synonyms
4.4 Kookkurrenzanalyse
5. Diskussion der Wörterbuchvorschläge aus Langenscheidts Großwörterbuch Deutsch als Fremdsprache und dem online-Duden
5.1 Sicherheit
5.2 Stabilität
6. Synthese
7. Zusammenfassung: Fazit und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die semantischen Unterschiede und Anwendungsdiskurse der nahen Synonyme "Stabilität" und "Sicherheit" mittels korpuslinguistischer Methoden, um die Qualität und Eignung von Wörterbuchartikeln für Fremdsprachenlerner zu evaluieren und Verbesserungsvorschläge zu formulieren.
- Korpuslinguistische Analyse mittels DeReKo und CCDB
- Vergleichende Untersuchung der Related Collocation Profiles (RCP)
- Interpretation von Self-Organizing Lexical Future Maps (SOM-Karten)
- Kookkurrenzanalyse zur Identifikation relevanter Kollokationen
- Evaluation von Wörterbucheinträgen (Langenscheidt vs. Duden-online)
Auszug aus dem Buch
4.2 Interpretation der SOM – Karten
Eine, meiner Meinung nach, der wichtigsten Verfahren zur Erstellung von Wörterbuchartikeln ist die Interpretation der sogenannten SOM-Karten (Self-Organizing Lexical Future Maps). Da hier auf Grundlage logischer Gedankenverknüpfungen, wie es auch beim Erlernen von fremdsprachlichen oder unbekannten Vokabeln der Fall ist, die Kookkurrenzen der Substantive bildlich dargestellt werden, ähnlich wie beim mentalen Lexikon.
Bei SOM-Karten werden diejenigen Kookkurrenzprofile, welche dem gesuchten Kookkurrenzprofil, in diesem Falle denen von Stabilität und Sicherheit besonders ähnlich sind, äußerst gut visualisiert, was deren globale Kontexte enthüllt (vgl. Belica 2011, S. 155 f.). Außerdem ähneln sich die Kookkurrenzprofile der Wörter, welche sich in einem Cluster oder in der Nähe befinden ebenfalls.
Bevor man mit der Interpretation der SOM-Karten beginnt, sollten diese mehrmals aktualisiert werden, da jedes Mal eine etwas anders aufgebaute Karte, bezüglich der ähnlichen Lexeme erscheint. Hierbei ist es wichtig die stabilen Bestandteile, die in jedem zweidimensionalen Raster auftauchen, zu verfolgen. Bei der Interpretation soll nun nach zwei Schritten vorgegangen werden.
Zuerst müssen sogenannte supersigns aufgrund mentaler Assoziationen ohne lexikalische Erwartungen identifiziert werden. Anschließend sollen diese Oberbegriffe oder Diskurse interpretiert werden (vgl. Vachková/Belica 2009, S. 227-234).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Schwierigkeiten von Fremdsprachenlernern bei der Verwendung von Synonymen und begründet die Notwendigkeit einer kritischen Auseinandersetzung mit der Qualität von Wörterbuchartikeln.
2. Zielsetzung: Dieses Kapitel definiert die Untersuchungsziele, insbesondere die Analyse, wie "Stabilität" und "Sicherheit" in Wörterbüchern beschrieben werden und ob dies den tatsächlichen Diskursen im Korpus entspricht.
3. Methodologie: Hier wird der Einsatz der Kookkurrenzdatenbank CCDB als korpuslinguistische Methode sowie die Auswahl der untersuchten Wörterbücher vorgestellt.
4. Analyse der Korpusrecherche von Stabilität und Sicherheit: Das Kapitel bietet eine tiefgehende Untersuchung mittels RCP-Vergleich, SOM-Karten-Interpretation, Contrasting Near Synonyms und einer detaillierten Kookkurrenzanalyse.
5. Diskussion der Wörterbuchvorschläge aus Langenscheidts Großwörterbuch Deutsch als Fremdsprache und dem online-Duden: Die Wörterbucheinträge werden kritisch analysiert und auf Grundlage der zuvor ermittelten Korpusdaten auf Mängel und Verbesserungsmöglichkeiten hin untersucht.
6. Synthese: Die Ergebnisse werden zusammengeführt, wobei die Unterschiede in der Nutzung der Synonyme und die konzeptionelle Eignung der Wörterbuchartikel reflektiert werden.
7. Zusammenfassung: Fazit und Ausblick: Das Fazit unterstreicht die Bedeutung korpusbasierter Arbeit für Lexikographen und empfiehlt die stärkere Nutzung moderner Kookkurrenzdatenbanken zur Verbesserung der Lernqualität.
Schlüsselwörter
Lexikographie, Korpuslinguistik, Sicherheit, Stabilität, nahe Synonymie, Kookkurrenzanalyse, Deutsch als Fremdsprache, Wörterbucharbeit, DeReKo, CCDB, Kollokationen, semantische Nähe, mentale Lexika, Diskursanalyse, Sprachgebrauch.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der korpuslinguistischen Analyse der nahen Synonyme "Stabilität" und "Sicherheit" und vergleicht, wie diese Wörter in gängigen Wörterbüchern für den DaF-Bereich (Deutsch als Fremdsprache) abgebildet werden.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die Schwerpunkte liegen auf der Erstellung von Wörterbuchartikeln, der semantischen Nähe von Wörtern, der Kollokationsforschung und der praktischen Anwendung von Korpusdaten für die Lexikographie.
Welches primäre Ziel verfolgt die Autorin?
Ziel ist es, Schwachstellen in aktuellen Wörterbüchern aufzuzeigen, indem die lexikographischen Darstellungen mit tatsächlichen Diskursen aus dem Deutschen Referenzkorpus (DeReKo) abgeglichen werden.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es wird eine korpuslinguistische Methodik verwendet, insbesondere die Kookkurrenzdatenbank CCDB, um Related Collocation Profiles (RCP), SOM-Karten und die Signifikanz von Wortverbindungen (LLR) zu untersuchen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Analyse der Korpusdaten sowie eine anschließende kritische Diskussion der Wörterbucheinträge von Langenscheidt und Duden-online.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Lexikographie, Korpuslinguistik, Kookkurrenzanalyse, Synonymie und die spezifischen Zielvokabeln Sicherheit und Stabilität definiert.
Wie unterscheidet sich die semantische Verwendung von "Stabilität" im Vergleich zu "Sicherheit"?
Die Analyse zeigt, dass "Stabilität" häufiger in negativen oder krisenhaften Kontexten (wie "Bedrohung") gebraucht wird, während "Sicherheit" stärker mit positiven oder präventiven Diskursen (wie "Versorgung/Schutz") assoziiert ist.
Welche konkrete Verbesserung schlägt die Autorin für die Wörterbuchartikel vor?
Es wird angeregt, wichtige Kollokationen wie "für Stabilität sorgen" oder diskursrelevante Begriffe aus dem Bereich Verkehr (bei "Sicherheit") in zukünftige Auflagen aufzunehmen, da diese im Korpus eine hohe Signifikanz aufweisen.
- Quote paper
- Johanna Eierstock (Author), 2014, Stabilität und Sicherheit – eine korpuslinguistische Analyse, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/273479