Die Pflegelehrerbildung blickt auf eine lange und kontroverse Entwicklung zurück
und kann bis zum heutigen Tage als nicht einheitlich definiert bezeichnet
werden. Zurückblickend auf ihre Verortung als Weiterbildungsmaßnahme für beruflich
Pflegende, wurde die Qualifizierung zum Pflegelehrer1 aufgrund des Pflegenotstandes
Mitte bis Ende der 1980er Jahre neu diskutiert. Im Zuge dieses Pflegenotstandes,
der gleichzeitig für die Pflege einen Bildungsnotstand darstellte,
wurde die Pflegelehrerbildung reformiert und fand ihren Einzug in den tertiären
Bildungsbereich. Diese Entwicklung vollzog sich allerdings in keiner Weise einheitlich
und wurde begleitet von den unterschiedlichsten Vorstellungen darüber,
wie die Hochschulausbildung des Pflegelehrers auszusehen habe. Um die Akademisierung
des Pflegelehrers entspannte sich ein Diskurs, welcher in seiner stärksten
Ausprägung mit Einführung der Studiengänge in der Pflegelehrerbildung geführt
wurde und bis zum heutigen Tag, mal mehr und mal weniger ausgeprägt anhält.
Der Diskurs teilt sich in zwei Ebenen auf und beinhaltet zum einen den Diskurs
über die Nähe des Pflegelehrers zur Pflege selbst und zum anderen die Verortung
der Pflegelehrerbildung innerhalb der Hochschullandschaft. So bildeten sich
mit Beginn der Studiengänge Qualifizierungsmöglichkeiten an Fachhochschulen
und Universitäten aus. Vielfach hängt die Nähe zur Pflege mit der Verortung der
Pflegelehrerbildung zusammen und wird daher je nachdem als notwendig oder als
hemmend beschrieben.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Zur Entstehung der Arbeit
1.1 Vorgehen
1.2 Literaturrecherche
2. Rückblick auf die Entwicklung der Krankenpflege
2.1 Die historische Entwicklung der Krankenpflege als Dienstleistung und ihre Auswirkungen auf die berufliche Ausbildung
2.2 Die Entstehung der Krankenpflege als vorwiegend karitative Tätigkeit
2.3 Der Beginn der Professionalisierung der Krankenpflege
2.4 Die Entwicklung der beruflichen Ausbildung der Krankenpflege und ihre gesetzliche Anerkennung als Beruf im historischen Kontext
3. Rückblick auf die Entwicklung der Pflegelehrerbildung
3.1 Die Sonderstellung der Krankenpflegeschulen und ihrer Lehrkräfte
3.2 Die Auswirkungen der gesetzlichen Vorgaben auf die Professionalisierung der Krankenpflege und die Qualifizierung der „Pflegelehrer“ durch Weiterbildung
3.3 Entwicklung der Akademisierung der Pflegelehrer im gesellschaftspolitischen Kontext
3.4 Von der Weiterbildung zur Akademisierung- Einrichtung von Studiengängen an Fachhochschulen und Universitäten
3.5 Akademisierung versus Weiterbildung
3.6 Die neuen Herausforderungen an die Pflegelehrer durch KrPflG von 2004
4. Ein erster Akademisierungsversuch: Der Modellstudiengang für Lehrer/innen für Kranken- und Kinderkrankenpflege an der Freien Universität Berlin
4.1 Zur Entstehung des Modellstudienganges
4.2 Die Zugangsvoraussetzungen
4.3 Ziele des Modellstudiengangs
4.4 Die Studieninhalte
4.5 Zur Berufsbezeichnung
4.6 Der Modellstudiengang als Auslaufmodell
5. Lehrerbildung in der Pflege nach „Bologna“
5.1 Unterschiedliche Vorgaben für die Pflegelehrerqualifikation in den einzelnen Bundesländern
6. Die Heterogenität der Pflegelehrerbildung
6.1 Die Studiensituation zu Beginn der Akademisierung
6.2 Zum Stand der Pflegelehrerbildung heute
6.4 Pflegelehrerbildung an der Technischen Universität Dresden
6.5 Pflegelehrerbildung an der Katholischen Hochschule NRW, Abteilung Köln
6.6 Abschließende Bemerkung zur Heterogenität in der Pflegelehrerbildung
7. Sozialwissenschaftliche Diskursanalyse als Methode zur Meinungsanalyse
7.1 Der Diskurs und seine Analyse - eine Begriffsklärung
7.2 Zur Herkunft der Diskursanalyse
7.3 Schritte der Diskursanalyse nach Siegfried Jäger
8. Der Diskurs um die Ausbildung des Pflegelehrers (nach JÄGER)
8.1 Der Diskurs um die Nähe zur Pflege
8.2 Der Diskurs um die Verortung der Pflegelehrerausbildung
8.2.1 Lernorientierung vor Bologna
8.2.2 Lernorientierung nach Bologna
9. Fazit
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Bachelorarbeit untersucht das Spannungsfeld der Pflegelehrerbildung in Deutschland, das durch uneinheitliche Qualifikationswege und eine heterogene Studienlandschaft geprägt ist. Ziel der Arbeit ist es, den historischen Werdegang des Pflegelehrerberufs sowie die gegenwärtigen akademischen Entwicklungen im Kontext der Bologna-Reform zu beleuchten und mittels einer sozialwissenschaftlichen Diskursanalyse kritisch aufzuarbeiten.
- Historische Entwicklung der Krankenpflege und Pflegelehrerbildung
- Akademisierungsprozesse und Modellstudiengänge
- Heterogenität der aktuellen Studienangebote an Universitäten und Fachhochschulen
- Methodik der sozialwissenschaftlichen Diskursanalyse nach Siegfried Jäger
- Spannungsfeld zwischen Praxisorientierung und wissenschaftlichem Anspruch
Auszug aus dem Buch
Die Sonderstellung der Krankenpflegeschulen und ihrer Lehrkräfte
Bis heute unterscheiden sich die Strukturen der Krankenpflegeschulen und die Grundvoraussetzungen für eine Lehrertätigkeit an einer Krankenpflegeschule erheblich von denen des berufsbildenden Schulwesens. Die Krankenpflegeausbildung ist eine schulische Ausbildung außerhalb des Berufsbildungsgesetzes. Der Krankenhausträger ist oftmals auch Träger der Krankenpflegeschule, womit die dort angestellten Pflegelehrer als Arbeitnehmer fungieren. Dieser Doppelstatus, gleichzeitig Lehrender an der Schule und in der Praxisbegleitung zu sein, führt erfahrungsgemäß immer wieder zu Spannungen zwischen den Lernorten.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Zur Entstehung der Arbeit: Einführung in das Forschungsinteresse und die methodische Vorgehensweise zur Literaturrecherche.
2. Rückblick auf die Entwicklung der Krankenpflege: Darstellung der historischen Wurzeln der Pflege vom karitativen Dienst hin zur professionellen Tätigkeit.
3. Rückblick auf die Entwicklung der Pflegelehrerbildung: Analyse der Professionalisierung und der Herausforderungen durch gesetzliche Anforderungen.
4. Ein erster Akademisierungsversuch: Der Modellstudiengang für Lehrer/innen für Kranken- und Kinderkrankenpflege an der Freien Universität Berlin: Detaillierte Untersuchung des ersten Modellversuchs zur akademischen Lehrerbildung.
5. Lehrerbildung in der Pflege nach „Bologna“: Erläuterung der Auswirkungen der Hochschulreform auf die Ausbildung von Pflegelehrern.
6. Die Heterogenität der Pflegelehrerbildung: Überblick über die diversen Studienwege und Ausbildungsstrukturen in Deutschland.
7. Sozialwissenschaftliche Diskursanalyse als Methode zur Meinungsanalyse: Methodologische Grundlegung der Diskursanalyse nach Siegfried Jäger.
8. Der Diskurs um die Ausbildung des Pflegelehrers (nach JÄGER): Anwendung der Diskursanalyse auf die Debatten zur Lehrerbildung.
9. Fazit: Zusammenfassende Bewertung der Ergebnisse und Ausblick auf die Notwendigkeit einer Vereinheitlichung.
Schlüsselwörter
Pflegelehrerbildung, Akademisierung, Krankenpflege, Bologna-Prozess, Diskursanalyse, Pflegepädagogik, Studienheterogenität, Berufliche Ausbildung, Fachhochschule, Universität, Lehrerqualifikation, Modellstudiengang, Gesundheitswesen, Professionalisierung, Ausbildungsstruktur
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Pflegelehrerbildung in Deutschland und der komplexen Problematik der unterschiedlichen Qualifikationswege und Anerkennungsformen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind der historische Wandel der Pflegeberufe, der Weg zur Akademisierung, die heterogene Bildungslandschaft und die politische Debatte um die Verortung der Lehrerbildung.
Was ist die Forschungsfrage der Arbeit?
Die Arbeit fragt nach den Spannungsfeldern der Pflegelehrerbildung und den Maßnahmen, die für eine notwendige Vereinheitlichung der Ausbildung in Deutschland erforderlich wären.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorinnen nutzen die sozialwissenschaftliche Diskursanalyse nach Siegfried Jäger, um Meinungsäußerungen und gesellschaftliche Diskurse zum Thema systematisch zu untersuchen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in einen historischen Rückblick auf die Pflegeausbildung, die Analyse der Akademisierung (u.a. durch den Modellstudiengang FU Berlin) und eine detaillierte Auseinandersetzung mit der aktuellen, uneinheitlichen Studienlandschaft.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Pflegelehrerbildung, Akademisierung, Bologna-Prozess, Diskursanalyse und Studienheterogenität geprägt.
Welche Rolle spielte der Modellstudiengang an der FU Berlin?
Er gilt als Pionierprojekt, das erstmals versuchte, die Ausbildung von Pflegelehrkräften wissenschaftlich an einer Universität zu etablieren, wobei das Modell auch als Kontrast zur traditionellen Weiterbildung fungierte.
Warum wird die Heterogenität der Bildungswege als problematisch angesehen?
Die Unübersichtlichkeit der verschiedenen Abschlüsse (Master of Arts, Master of Education, Zertifikate) führt zu rechtlicher und beruflicher Unsicherheit sowie einer ungleichen Durchlässigkeit in den höheren Staatsdienst.
- Arbeit zitieren
- Anna Sieren (Autor:in), Simone Schiel-Reiland (Autor:in), 2013, Pflegelehrerbildung im Spannungsfeld unterschiedlicher Qualifikationen, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/273371