Diese Seminararbeit aus dem Bachelor-Seminar des Fachbereiches Deutsch als Zweitsprache mit dem Titel „Zweisprachigkeit und Bildung“ beschäftigt sich mit der Thematik der Muttersprache und damit einhergehende Problematiken im österreichischen Bildungssystem. Genauer erfolgt eine Untersuchung zu Zusammenhängen zwischen Muttersprache, Spracherwerb und Schulabbrüchen. Während der Auseinandersetzung mit der Forschungsliteratur des Seminars, formulierte sich folgende Forschungsfrage, die in dieser Seminararbeit nun behandelt werden soll:
In wie weit hängt das Konzept von „Sprache ist/und Macht“ mit dem Spracherwerb in der Migration bzw. der Bedeutung von Muttersprache zusammen und lässt sich daraus eine Parallele zu muttersprachlichen Unterricht im österreichischen Schulsystem und in diesem Zusammenhang stehende School-Drop-Out-Raten ziehen?
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Macht der Muttersprachen
2.1 Sprache als Macht
2.2 Die Bedeutung der Muttersprache
2.3 Muttersprachliche Förderung in Österreich
3. Statistische Erhebungen
3.1 Förderbedarf
3.2 SchülerInnen mit anderen Erstsprachen als Deutsch
3.3 Muttersprachlicher Unterricht
3.4 Drop-Out-Raten
3.5 Resultat
4. Verhinderung frühzeitigen Bildungsabbruchs
5. Conclusio
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Wechselwirkungen zwischen dem Konzept "Sprache als Macht", dem Spracherwerb im Kontext von Migration und der Bedeutung der Muttersprache, um deren Einfluss auf die Schulabbruchsquoten (Drop-outs) im österreichischen Bildungssystem zu analysieren.
- Zusammenhang zwischen Sprachkompetenz und gesellschaftlicher Machtpositionierung.
- Die fundamentale Rolle der Muttersprache als Basis für erfolgreichen Zweitspracherwerb.
- Analyse statistischer Daten zur Erstsprachenverteilung und zum Förderbedarf in österreichischen Schulen.
- Evaluation des Angebots an muttersprachlichem Unterricht und dessen Korrelation mit Schulabbruchsraten.
- Kritische Betrachtung bildungspolitischer Maßnahmen zur Verhinderung von Bildungsabbrüchen.
Auszug aus dem Buch
2.1 Sprache als Macht
Sprache und Macht sowie Sprache als Macht ist in gewisser Weise als das Selber zu betrachten. Jemand der in ein Land emigriert, mit einer anderen Sprache, wird gewissermaßen dazu gedrängt sich seiner Muttersprache zu entledigen und fortan die Sprache der „aufnehmenden“ Gesellschaft, sprich dem neuen Kollektiv, zu übernehmen. Dies ist der aktuelle politische Diskurs (Mecheril, Quehl 2006: S. 355), aber auch die generelle Einstellung des Kollektivs. Der politische Diskurs ergibt sich ebenfalls aus der Annahme, der gängigen Assimilationspolitik. Sprich Migranten sollen durch Sprache möglichst schnell in das vorhandene Kollektiv integriert werden, eben auch sprachlich. Der Vorteil einer Bi- oder gar Multilingualen Gesellschaft wird kaum Beachtung geschenkt, wobei die Mehrsprachigkeit an sich, auch im Sinne von mehreren Fremdsprachen, die man beherrscht im beruflichen und wirtschaftlichen Sinn als förderlich erachtet. Dieser Aspekt geht bei der oft eingeschränkten Sichtweise der Assimilationspolitik verloren.
MECHERIL und QUEHL verweisen auf drei Aspekte der Verhältnisse von Sprache und Macht: Sprache ermächtigt, sie ermächtigt in unterschiedlicher Weise und das Vermögen der Sprachen. Sprache und Sprechen stehen dabei eng beieinander, wenn es um Macht oder auch Machtverhältnissen geht. Ein etwas aus dem Kontext gerissenes Beispiel wäre in der Geschichte zu finden: Es gab bisher noch keinen Führer, Diktator oder Despoten, der sich sprachlich nicht auszudrücken gewusst hätte, im Gegenteil, solche Menschen hatten einen hohen Grad an rhetorischen Fähigkeiten und ein feines Gespür für Sprachgebrauch. Auch wenn dies aus dem Kontext gerissen ist, so ermächtigt Sprache dazu sozial zu handeln, sich zu artikulieren, sich zu präsentieren aber auch sich zu verändern. Ohne dieses Vermögen wird die eigene Handlungsfähigkeit in Frage gestellt, wenn nicht überhaupt bedroht oder verunsichert.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Problematik des österreichischen Bildungssystems bezüglich Schulerfolg bei Kindern mit Migrationshintergrund ein und definiert die zentrale Forschungsfrage.
2. Die Macht der Muttersprachen: Dieses Kapitel erläutert theoretisch das Konzept "Sprache als Macht" und untermauert die essenzielle Bedeutung der Muttersprache für den Erwerb von Zweitsprachen und den Bildungserfolg.
3. Statistische Erhebungen: Hier werden statistische Daten zu Sprachförderbedarf, Herkunftssprachen, verfügbarem muttersprachlichem Unterricht und Schulabbruchsquoten in Österreich analysiert.
4. Verhinderung frühzeitigen Bildungsabbruchs: Es werden die offiziellen bildungspolitischen Strategien und Maßnahmen der österreichischen Regierung zur Reduzierung von Bildungsabbrüchen kritisch dargelegt.
5. Conclusio: Das Fazit führt Theorie und Empirie zusammen und beantwortet die Forschungsfrage durch den Nachweis einer Korrelation zwischen mangelnder Förderung und erhöhten Abbruchraten.
Schlüsselwörter
Muttersprache, Zweitsprache, Bildungssystem, Migration, Sprache als Macht, Schulerfolg, Drop-out, Sprachförderung, Mehrsprachigkeit, Assimilationspolitik, Bildungsabbruch, Erstsprache, österreichisches Bildungssystem, Integration, Kompetenzorientierung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Bachelorarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Zusammenhänge zwischen Muttersprache, Spracherwerb und dem Phänomen des frühzeitigen Schulabbruchs bei Schülern mit Migrationsgeschichte im österreichischen Bildungssystem.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die Arbeit behandelt die soziologische Dimension von Sprache als Macht, die lernpsychologische Notwendigkeit einer starken Erstsprache sowie die aktuelle statistische Lage zur Sprachförderung in Österreich.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die Forschungsfrage lautet: In wie weit hängt das Konzept von "Sprache ist/und Macht" mit dem Spracherwerb in der Migration zusammen und lässt sich daraus eine Parallele zum muttersprachlichen Unterricht und den School-Drop-Out-Raten ziehen?
Welche wissenschaftliche Methode verwendet die Autorin?
Die Methode basiert auf der Aufarbeitung und Diskursanalyse von relevanter Forschungsliteratur in Kombination mit der Auswertung empirischer Daten (Statistiken) zur Bildungssituation in Österreich.
Welche Aspekte stehen im Hauptteil im Fokus?
Im Hauptteil werden neben dem theoretischen Hintergrund zu Sprache und Macht, Statistiken zu Förderbedarfen und Drop-out-Raten sowie Best-Practice-Beispiele aus Schulen (z.B. Europäische Volksschule) vorgestellt.
Welche Schlüsselbegriffe definieren die Arbeit?
Zu den prägenden Begriffen gehören "Sprache als Macht", "Zweisprachigkeit", "Bildungsabbruch", "Migrationsgesellschaft" und "Muttersprachlicher Unterricht".
Warum wird die herkömmliche Assimilationspolitik in der Arbeit kritisiert?
Die Autorin argumentiert, dass die gängige Praxis, Migranten möglichst schnell auf Deutsch zu trimmen und die Muttersprache zu vernachlässigen, den Lernerfolg behindert, anstatt ihn zu fördern.
Welches Fazit zieht die Verfasserin bezüglich des muttersprachlichen Unterrichts?
Sie kommt zu dem Schluss, dass ein flächendeckender Ausbau des muttersprachlichen Unterrichts in Österreich dringend erforderlich ist, da dieser eine notwendige Voraussetzung für den Bildungserfolg und die Reduktion von Schulabbrüchen darstellt.
- Arbeit zitieren
- Daniela Ammann (Autor:in), 2014, Im Kollektiv ist Sprache Macht, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/273304