Auslandsentsendungen zählen mittlerweile zum Standardinstrumentarium der Personalarbeit multinationaler Unternehmen. Die verstärkte Internationalisierung fordert vom Personal eine höhere Mobilität. In der Literatur lassen sich bereits zahlreiche Artikel und Studien zum Thema Expatriate Management finden, denn die Entsendung in eine andere Kultur stellt sowohl den Mitarbeiter1 als auch die Personalabteilung vor eine große Herausforderung. Viele Unternehmen sind dafür sensibilisiert und bereiten den zu Entsendenden durch diverse Maßnahmen, wie beispielsweise interkulturelle Seminare, auf den Aufenthalt vor. Die Rückkehr ins Mutterunternehmen nach einem längeren Auslandsaufenthalt dagegen wird von vielen Unternehmen nur bagatellisiert oder gar nicht thematisiert. Dennoch nimmt die Rückkehr von Expatriates einen hohen, immer noch unterschätzten Stellenwert im Erfolg einer Entsendung ein. Dieser Erfolg ist u.a. abhängig von der Gestaltung der Reintegration des Entsandten, aber viele Unternehmen sind auf diese Problematik immer noch nicht strategisch vorbereitet (vgl. Ladwig/Losse 2000: 355). In einer Studie des GMAC (2002) gaben 39% der befragten MNUs an, deren Expatriate-Fluktuationsraten überhaupt nicht zu kennen (vgl. Dowling et al. 2008: 187f.), was die Problematik der Unterbewertung der Reintegration verdeutlicht. Auslandsentsendungen gelten oft als abgeschlossen, sobald der Expatriate ins Mutterunternehmen zurückgekehrt ist. Schwierigkeiten bei der Reintegration werden geringfügig Beachtung geschenkt, denn laut Alltagsverständnis dürfte den Entsandten die Rückkehr ins Heimatland und somit in eine gewohnte Umgebung keine Probleme bereiten (vgl. Pawlik 2000: 117).
Inhaltsverzeichnis
1 Einführung
2 Der Rückkehrprozess aus Sicht der Forschungsliteratur
2.1 Einordnung in den Gesamtzusammenhang: Grundlagen des Expatriate-Managements
2.1.1 Begriffsbestimmung
2.1.2 Bedeutung der Entsendung und Reintegration
2.1.3 Entsendungsformen
2.2 Ablauf des Rückkehrprozesses
2.2.1 Einordnung der Rückkehr als Prozess
2.2.2 Theoretische Modelle der Reintegration zur Durchdringung der Rückkehrproblematik
2.2.3 Zu bewältigende Probleme innerhalb der Reintegration
2.2.3.1 Berufliche Reintegrationsprobleme
2.2.3.2 Organisationale Reintegrationsprobleme
2.2.3.3 Soziale Reintegrationsprobleme
2.2.3.4 Soziokulturelle Reintegrationsprobleme
2.3 Möglichkeiten zur erfolgreichen Gestaltung der Reintegration
2.3.1 Ansätze zur Umgehung der Reintegrationsproblematik
2.3.2 Ansätze zur Lösung der Reintegrationsproblematik
2.4 Zwischenfazit der Literaturergebnisse
3 Empirische Untersuchung: Der Rückkehrprozess aus Sicht von Repatriates
3.1 Methodik
3.2 Vorstellung der Befragten und deren individuelle Rückkehrerfahrung
3.3 Zwischenfazit der empirischen Untersuchungsergebnisse
4 Gegenüberstellung der Ergebnisse aus Literatur und Praxis
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht den Rückkehrprozess von Expatriates in deutschen Großunternehmen, um zu verstehen, ob und mit welchen beruflichen, persönlichen und soziokulturellen Reintegrationsproblemen Rückkehrer konfrontiert werden und wie Unternehmen diesen Prozess strategisch begleiten können.
- Analyse theoretischer Modelle zur Reintegration von Expatriates
- Identifikation zentraler Herausforderungen bei der Rückkehr ins Mutterunternehmen
- Untersuchung von Unternehmensmaßnahmen zur Unterstützung der Reintegration
- Empirische Fallstudien durch Leitfaden- und narrative Interviews mit vier Repatriates
- Gegenüberstellung von wissenschaftlicher Theorie und gelebter Unternehmenspraxis
Auszug aus dem Buch
2.2.3.1 Berufliche Reintegrationsprobleme
Ein oft genannter Grund ins Ausland zu gehen ist die Hoffnung auf einen Karrieresprung (vgl. Adler 1997: 245). Dennoch versprechen Unternehmen keine explizite Position für die Zeit nach dem Auslandsaufenthalt und garantieren damit auch keinen Karrieresprung. In der GMAC Umfrage von 2004 gaben 68% der befragten Unternehmen an, überhaupt kein Rückkehrpositionsversprechen abzugeben (vgl. Dowling et al. 2008: 188).
Daher besteht vor der Rückreise die Angst, keine der Auslandsposition angemessene Stelle zu finden (vgl. Fritz 1984: 121). Schließlich sind viele Repatriates unzufrieden mit der Position, die ihnen nach dem Auslandseinsatz zugeteilt wird. Diese Schwierigkeiten nehmen zu, je höher der Rückkehrer in der Hierarchie steht. Letztlich finden sich viele Repatriates in einer Warteschleifenposition wieder oder in einer Position mit deutlich weniger Autorität als im Ausland (vgl. Suutari/Brewster 2003: 1133).
Als Ursache für diese kurzfristige Personalplanung lässt sich an der dynamischeren geworden Umwelt der Unternehmen festmachen. Die Stellenplanung für Entsandte beginnt demnach erst kurz vor der Rückkehr. Durch organisatorische Veränderungen wie Downsizing, Outsourcing oder Fusionen, die viele Unternehmen durchleben, stehen immer weniger attraktive Rückkehrpositionen zur Verfügung (vgl. Kühlmann 2004: 95). Zudem sind die Kompetenzen des Entsandten, die er im Ausland erworben hat, schwer einzuschätzen, falls kein regelmäßiger Kontakt mit der Zentrale bestand.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einführung: Die Einleitung beleuchtet die strategische Relevanz der Entsendung und kritisiert die oft vernachlässigte, jedoch risikoreiche Phase der Reintegration in deutschen Unternehmen.
2 Der Rückkehrprozess aus Sicht der Forschungsliteratur: Dieses Kapitel definiert Grundlagen des Expatriate-Managements, erläutert Reintegrationsmodelle und analysiert spezifische berufliche, soziale sowie soziokulturelle Problemfelder bei der Rückkehr.
3 Empirische Untersuchung: Der Rückkehrprozess aus Sicht von Repatriates: Hier werden vier qualitative Interviews mit zurückgekehrten Führungskräften analysiert, um deren individuelle Erfahrungen und die Unterstützung durch ihre Unternehmen darzustellen.
4 Gegenüberstellung der Ergebnisse aus Literatur und Praxis: Das abschließende Kapitel gleicht die theoretischen Erkenntnisse mit den empirischen Daten ab und stellt fest, dass in der Praxis oft kein strategischer Prozess für die Reintegration existiert.
Schlüsselwörter
Expatriates, Reintegration, Repatriierung, Wiedereingliederung, Rückkehrschock, Personalmanagement, Auslandseinsatz, Unternehmenskultur, Karrieremanagement, Wissenstransfer, Erfahrungssicherung, Expatriate-Management, Mentorenprogramm, Rückkehrgarantie
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Bachelorarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit dem Reintegrationsprozess von Expatriates, die nach einem längerfristigen Auslandseinsatz in ihre deutschen Mutterunternehmen zurückkehren.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Zentrale Themen sind die Herausforderungen bei der beruflichen und privaten Wiedereingliederung, die Bedeutung von Erwartungsmanagement sowie die Rolle strategischer Unternehmensbegleitung.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?
Ziel ist es zu erfassen, mit welchen Problemen Rückkehrer konfrontiert werden und inwiefern theoretische Lösungsansätze tatsächlich Anwendung in der Praxis deutscher Großunternehmen finden.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Arbeit nutzt eine umfassende Literaturanalyse zur theoretischen Fundierung sowie eine empirische Untersuchung in Form von vier Leitfaden- und narrativen Interviews mit Repatriates.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Durchdringung der Rückkehrproblematik (u.a. Phasenmodelle) und eine empirische Erhebung, die individuelle Rückkehrerfahrungen und die Rolle von Personalentwicklungsmaßnahmen untersucht.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Reintegration, Repatriierung, Expatriate-Management, Rückkehrschock und Wissenstransfer.
Wie bewerten die befragten Repatriates die Unterstützung durch ihre Arbeitgeber?
Die Unterstützung wird oft als rein administrativ und logistisch (z.B. Umzug) beschrieben, während eine strategische Karriereplanung oder systematischer Wissenstransfer in den meisten Fällen fehlen.
Welche Rolle spielt die Eigeninitiative der Rückkehrer?
Die Interviews zeigen, dass ein erfolgreicher Rückkehrprozess häufig stark von der Eigeninitiative des Expatriates abhängt, etwa bei der frühzeitigen Suche nach einer Anschlussstelle.
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- Anja Kollmann (Author), 2014, Reintegration von Expatriates, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/273226