Diese Arbeit beschäftigt sich in ihrer empirischen Analyse mit dem Libanon, welcher von „Freedom House“ als teils frei bewertet wird. Der libanesische Staat ist jedoch seit 1943 eine Republik und somit wird deutlich, dass zu einer vollkommen freien Volksherrschaft mehr dazugehört. Der Politikwissenschaftler Wolfgang Merkel hat diesen Punkt aufgefasst und ein Demokratiemodell entwickelt, in dem dargestellt wird, welche Faktoren entscheidend sind, damit eine Demokratie bestehen kann und durch welche Einflüsse diese auch zu einer defekten Demokratie, oder gar zu einem autoritären Regime, konvertieren könnte.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Hauptteil
2.1 Embedded Democracy
2.1.1 Interne Einbettung
2.1.2 Externe Einbettung
2.2 Vom französischen Mandatsgebiet zur Zweiten Republik Libanon
2.3 Defekte Demokratie?
3 Fazit
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die Arbeit analysiert auf Basis des Modells der "Embedded Democracy" von Wolfgang Merkel, ob der libanesische Staat als defekte Demokratie einzustufen ist. Dabei wird der historische Kontext der Staatsgründung mit der gegenwärtigen politischen Praxis in Verbindung gesetzt, um strukturelle Defizite in den Teilregimen des Landes aufzuzeigen.
- Anwendung des Modells der "Embedded Democracy" auf den Libanon.
- Historische Genese und Auswirkungen des konfessionellen Proporzsystems.
- Einfluss externer Faktoren wie syrischer Besatzung und regionaler Konflikte.
- Empirische Untersuchung der Teilregime (Wahlregime, Freiheitsrechte, Gewaltenkontrolle).
- Einfluss nicht-staatlicher Akteure, insbesondere der Hisbollah, auf die Regierungsfähigkeit.
Auszug aus dem Buch
2.1.1 Interne Einbettung
Die Embedded Democracy basiert auf der Idee, dass eine moderne Demokratie ein komplexes System ist. Dabei folgt man dem Grundgedanken von Robert Alan Dahl, welcher den Begriff der Polyarchie einführte.1
Demokratie wird als ein Gesamtgefüge verstanden, dass aus Teilregimen besteht und der Begriff Eingebettet beschreibt die interne-, sowie externe Einbettung der einzelnen Teilregime. Es besteht eine Interdependenz zwischen den Regimen und diese muss garantiert werden um ein erfolgreiches Regieren zu ermöglichen. Diese wechselseitige Einbettung der Teilregime in das Gesamtregime macht die Demokratie erst funktionsfähig, da die Eigenlogik eines Teilregimes nicht aufgehoben wird und bei demokratieschädlichen Handlungen durch die anderen Regime eingebettet und somit kontrolliert ist. Anders als bei Robert A. Dahl existiert bei der Embedded Democracy neben der vertikalen Dimension auch noch eine horizontale Dimension der gegenseitigen Kontrolle.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Einführung in die Demokratiedefinition und Vorstellung der zentralen Fragestellung, ob der Libanon als defekte Demokratie zu bezeichnen ist.
2 Hauptteil: Systematische Untersuchung des politischen Systems des Libanon anhand des Modells der Embedded Democracy, unterteilt in interne sowie externe Einbettung, historische Hintergründe und die Analyse der Teilregime.
2.1 Embedded Democracy: Theoretische Herleitung des Demokratie-Konzepts von Merkel inklusive der Definition der internen und externen Einbettung.
2.1.1 Interne Einbettung: Erläuterung der fünf demokratischen Teilregime, die zur internen Sicherung der Demokratie beitragen.
2.1.2 Externe Einbettung: Analyse der sozialen, ökonomischen und kulturellen Rahmenbedingungen, die eine stabile Demokratie voraussetzen.
2.2 Vom französischen Mandatsgebiet zur Zweiten Republik Libanon: Historischer Abriss der libanesischen Staatsentwicklung von der Mandatszeit bis zum Abkommen von Taif und dessen Folgen.
2.3 Defekte Demokratie?: Anwendung der theoretischen Kriterien für defekte Demokratien (exklusive, illiberale, delegative Demokratie und Enklavendemokratie) auf den konkreten Fall Libanon.
3 Fazit: Zusammenfassende Bewertung der Ergebnisse, welche bestätigt, dass der Libanon trotz punktueller Verbesserungen als illiberale, defekte Demokratie einzustufen ist.
Schlüsselwörter
Libanon, Embedded Democracy, Demokratie, Wolfgang Merkel, defekte Demokratie, Hisbollah, politische Teilhabe, Konfessionalismus, Bürgerkrieg, Rechtsstaat, interne Einbettung, externe Einbettung, Regierungsfähigkeit, Naher Osten, Transformation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das politische System des Libanon unter Anwendung politikwissenschaftlicher Demokratiemodelle, um dessen demokratische Qualität zu bewerten.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der internen und externen Einbettung von Demokratien, der historischen Entwicklung des Libanon und der Rolle von Konfessionalismus und nicht-staatlichen Akteuren.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die zentrale Forschungsfrage lautet: Ist der Libanon eine defekte Demokratie?
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt das Konzept der "Embedded Democracy" nach Wolfgang Merkel als analytisches Modell, um das politische System empirisch zu prüfen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Basis des Modells, die historische Genese der libanesischen Republik und eine systematische Analyse der fünf Teilregime.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind insbesondere Embedded Democracy, Libanon, defekte Demokratie, Konfessionalismus und Hisbollah.
Welche Rolle spielt die Hisbollah im untersuchten System?
Die Hisbollah wird als eine interne Vetomacht identifiziert, die durch ihre militärische Präsenz und politischen Blockaden die effektive Regierungsgewalt im Libanon maßgeblich einschränkt.
Warum wird der Libanon als "illiberale Demokratie" eingeordnet?
Aufgrund der Beeinträchtigung der bürgerlichen Freiheitsrechte und der Funktionsstörungen innerhalb der demokratischen Teilregime, die das liberale Grundverständnis einschränken, kommt der Autor zu dieser Einstufung.
Welchen Einfluss hatte der syrische Bürgerkrieg auf die aktuelle Situation?
Der Konflikt hat zu einer erneuten Destabilisierung geführt, indem er Flüchtlingsströme auslöste und die ohnehin gespaltene libanesische Bevölkerung zwischen den Lagern pro und contra Assad polarisierte.
- Arbeit zitieren
- Peter Manzei (Autor:in), 2013, Libanon. Defekte Demokratie?, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/272968