Die Geschichte Wilsnacks- ein Märchen voller Wahrheiten, Halbwahrheiten und Lügen- ist heute nahezu in Vergessenheit geraten, doch im späten Mittelalter war dieser bescheidene Ort das größte Wallfahrtsziel Nordeuropas. Ende des 14. bis zur Mitte des 16. Jahrhunderts hatten mehrere Hundertausendschaften an gläubigen Christen die Prignitz aufgesucht, um ein geschehenes Wunder anzubeten und sich so von Sünden freizusprechen. Wilsnack wurde im selben Atemzug mit Santiago, Rom und
Aachen genannt und zog Pilger aus allen Himmelsrichtungen an.
In der folgenden Ausführung werde ich zunächst mit der Legende der Entstehung dieser Pilgerstätte, sowie ihrer aufkeimenden Popularität beginnen. Anschließend daran beleuchte ich die Pilgerzeit und stelle dabei die Pilger selbst, den kirchlich stark betriebenen Ablasshandel und einige Mirakel und Legenden aus dem Pilgermund in den Mittelpunkt. Die sich langsam entwickelnden, reformatorischen Gegenstimmen zum Wilsnacker Wallfahrtsort und seine Fürsprecher bilden den nächsten Part der Arbeit. Die Hauptakteure des hier entstandenen Streites sind Heinrich Tocke und Matthias Döring. Deren und auch die Rolle von Jan Hus, der bereits gewisse Zeit vorher Zweifel am Wunderblut erhob, handele ich ab. Danach gehe ich zu dem abrupten Ende der Pilgerzeit in Wilsnack über, welches mit dem protestantischen Pfarrer Joachim Ellefeld und reformatorischen Umbrüchen einhergeht und stelle Martin Luthers Standpunkt zur Wilsnacker Wunderblutkirche heraus. Dieser ist zugleich das Ende meiner historischen Betrachtung und führt zum Blick auf die Fragen, welchen Einfluss die Vergangenheit noch heute auf das kleine Örtchen Bad Wilsnack und die Gegenwart hat, aber auch welche Art von Zeugnissen aus der Blütezeit der Wallfahrt überliefert und erhalten geblieben sind.
Inhaltsverzeichnis
- Einleitung
- Die Entstehung einer Pilgerstätte
- Die Vorgeschichte
- Der Wiederaufbau und Aufstieg zum Wallfahrtsort
- Die Pilgerzeit
- Die Pilger- Herkunft, Gefahren und Abzeichen
- Die Ablasspraxis in Wilsnack
- Die Mirakelbücher
- Fürsprecher und Widersacher
- Johannes Hus
- Der Streit in den Jahren 1443 bis 1453
- Der reformatorische Umbruch
- Das heutige Wilsnack
- Resümee
- Quellenverzeichnis
- Literaturverzeichnis
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Diese Arbeit befasst sich mit der Geschichte des Wilsnacker Wunderblutes, einer bedeutenden Pilgerstätte des Spätmittelalters in der Prignitz. Sie beleuchtet die Entstehung der Pilgerstätte, ihren Aufstieg zur wichtigsten Wallfahrtsstätte Nordeuropas, die Pilgerzeit, den Ablasshandel, Mirakel und Legenden, sowie die reformatorischen Gegenstimmen zum Wilsnacker Wallfahrtsort. Der Fokus liegt auf den Hauptstreitpunkten und den Schlüsselfiguren, die an der Debatte beteiligt waren, wie zum Beispiel Johannes Hus, Heinrich Tocke und Matthias Döring.
- Die Entstehung und Entwicklung des Wilsnacker Wunderblutes
- Die Pilgerzeit und ihre Bedeutung
- Der Ablasshandel und die Mirakel von Wilsnack
- Die Rezeption des Wilsnacker Wunderblutes durch die Reformation
- Das heutige Wilsnack und die Relikte aus der Wallfahrtszeit
Zusammenfassung der Kapitel
Die Einleitung führt in die Geschichte des Wilsnacker Wunderblutes ein und gibt einen Überblick über die Themen der Arbeit. Das zweite Kapitel befasst sich mit der Entstehung der Pilgerstätte und der Vorgeschichte des Wunders. Es beleuchtet die Rolle des Havelberger Bischofs Johannes Wöpelitz und den Bau der ersten Wallfahrtskirche. Das dritte Kapitel widmet sich der Pilgerzeit und schildert die Herkunft der Pilger, die Gefahren und Abzeichen der Pilgerreise, die Ablasspraxis und die Mirakelbücher. Im vierten Kapitel werden die Fürsprecher und Widersacher des Wilsnacker Wunderblutes beleuchtet, insbesondere die Rolle von Johannes Hus und der Streit in den Jahren 1443 bis 1453.
Schlüsselwörter
Wilsnacker Wunderblut, Pilgerstätte, Spätmittelalter, Ablasshandel, Reformation, Johannes Hus, Heinrich Tocke, Matthias Döring, Mirakel, Legenden, Kirchenpolitik, Wallfahrtsort, Geschichte.
Häufig gestellte Fragen
Warum war Bad Wilsnack im Mittelalter so bedeutend?
Wilsnack war das größte Wallfahrtsziel Nordeuropas und wurde in einem Atemzug mit Rom, Santiago und Aachen genannt, da dort das "Wunderblut" verehrt wurde.
Was ist die Legende des Wilsnacker Wunderblutes?
Die Legende besagt, dass nach einem Brand in der Kirche drei unversehrte Hostien mit Bluttropfen gefunden wurden, was als göttliches Wunder interpretiert wurde.
Wer waren die prominentesten Kritiker der Wallfahrt?
Zu den Gegnern zählten Jan Hus, Heinrich Tocke und später Martin Luther, die Zweifel an der Echtheit des Wunders äußerten.
Welche Rolle spielte der Ablasshandel in Wilsnack?
Die Kirche betrieb einen intensiven Ablasshandel, bei dem Pilger durch den Besuch der Stätte und Spenden die Vergebung ihrer Sünden erhofften.
Wie endete die Ära der Wunderblut-Wallfahrt?
Die Pilgerzeit endete abrupt durch die Reformation, insbesondere durch das Handeln des protestantischen Pfarrers Joachim Ellefeld, der die Reliquien vernichtete.
Gibt es heute noch Zeugnisse aus der Blütezeit der Wallfahrt?
Ja, die Arbeit untersucht, welche Relikte und Einflüsse aus der Vergangenheit im heutigen Bad Wilsnack noch sichtbar und erhalten geblieben sind.
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- Ken Krempler (Author), 2011, Das Wilsnacker Wunderblut. Pilger, Legenden und Gegner, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/272873