Die nationalsozialistische Propaganda ist nach Jahren der Propagandaforschung nach wie vor von einem Mythos der Unwiderstehlichkeit und Allmacht umgeben, der an die Vorstellung von einer Fremd- oder Außensteuerung des Menschen geknüpft ist. So werden Adolf Hitler und Joseph Goebbels teilweise als "Meister der Propaganda" bezeichnet, die das Publikum durch den Einsatz verschiedener Propagandainstrumente "verführen" konnten (Hoffmann 1991: 79). Eines
dieser Propagandainstrumente war die Deutsche Wochenschau, die den Untersuchungsgegenstand der vorliegenden Arbeit darstellt.
Während des Krieges avancierte die Wochenschau zum wichtigsten Propagandainstrument des NS-Regimes (Bartels 2004: 518). Regelmäßig wurde in der Wochen-
schau über den Krieg berichtet. Allerdings ging es dabei nicht um eine Darstellung des tatsächlichen Kriegsverlaufs und der damit zusammenhängenden Kriegsereignisse, sondern eher um die Verherrlichung des Kampfes und der Siege sowie um die Glorifizierung der deutschen Soldaten (Bartels 2004: 136f). Mit dieser Kriegsberichterstattung sollte im Rahmen der Propaganda im Kriege u.a. die Aufopferungsbereitschaft und Wehrwilligkeit des eigenen Volkes erhöht werden. In der Wochenschau wurden jedoch auch die Feinde des NS-Regimes dargestellt bzw. Feindbilder vermittelt, um das eigene Volk vom Krieg z.B. gegen Russland zu über-
zeugen.Der Krieg gegen Russland erfolgte überfallartig und "löste keinerlei Begeisterung bei der deutsche Bevölkerung aus", zumal Deutschland unmittelbar vor Kriegsbeginn mit Russland verbündet war. Insofern stellt sich die Frage, wie das NS-Regime den russischen Gegner, der zuvor ein Verbündeter war, in der Deutschen Wochenschau dargestellt hat, damit der Krieg gegen Russland von der Bevölkerung als "notwendig" erachtet werden konnte. Außerdem ist danach zu fragen, wie der Feind im weiteren Verlauf des Krieges dargestellt wurde, nachdem die Erfolgserwartungen des NS-Regimes hinsichtlich des Kriegsausgangs enttäuscht wurden und die Bevölkerung im Zusammenhang mit den Maßnahmen des totalen Krieges oder der Bildung des Volkssturms mehr (Kriegs-)Opfer als zuvor erbringen musste. Aus diesen Teilfragen Der sowjetische Soldat in der Deutschen Wochenschau ergibt sich die zentrale Fragestellung der vorliegenden Arbeit: Wie wurde der sowjetische Soldat in der Deutschen Wochenschau dargestellt?
Die Beantwortung dieser Fragestellung soll durch eine filmanalytische Untersuchung der Wochenschau-Ausgaben erfolgen.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Theoretische Grundlagen
1.1. Propaganda und Propagandakrieg im Dritten Reich
1.2. Die Deutsche Wochenschau im Propagandakrieg
1.3. Russlandbilder im Propagandakrieg
2. Empirischer Teil
2.1. Methode und Vorgehensweise
2.2. Beschreibung der Datenbasis
2.3. Analyse der Datenbasis
2.3.1. Analyse der Wochenschau-Ausgabe vom 08.10.1941
2.3.2. Analyse der Wochenschau-Ausgabe vom 29.07.1942
2.3.3. Analyse der Wochenschau-Ausgabe vom 21.07.1943
2.3.4. Analyse der Wochenschau-Ausgabe vom 02.11.1944
2.3.5. Analyse der Wochenschau-Ausgabe vom 22.03.1945
2.4. Interpretation der Analyseergebnisse
2.4.1. Interpretation der Wochenschau-Ausgabe vom 08.10.1941
2.4.2. Interpretation der Wochenschau-Ausgabe vom 29.07.1942
2.4.3. Interpretation der Wochenschau-Ausgabe vom 21.07.1943
2.4.4. Interpretation der Wochenschau-Ausgabe vom 02.11.1944
2.4.5. Interpretation der Wochenschau-Ausgabe vom 22.03.1945
2.5. Bewertung der Analyseergebnisse
Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht, wie der sowjetische Soldat in der Deutschen Wochenschau während des Zweiten Weltkriegs dargestellt wurde, um die propagandistische Strategie und deren Wandel im Kriegsverlauf zu analysieren.
- Rolle der Deutschen Wochenschau als nationalsozialistisches Propagandainstrument
- Konstruktion von Feindbildern im Propagandakrieg gegen Russland
- Filmanalytische Untersuchung von fünf ausgewählten Wochenschau-Ausgaben (1941-1945)
- Wandel der Soldatendarstellung in Abhängigkeit zum Kriegsverlauf
- Wirkungsabsichten der nationalsozialistischen Propaganda auf das heimische Publikum
Auszug aus dem Buch
2.3.1. Analyse der Wochenschau-Ausgabe vom 08.10.1941
Bei der Wochenschau-Ausgabe vom 08.10.1941 wird das Personenwissen über den sowjetischen Soldaten sowohl direkt durch Filmaufnahmen als auch indirekt durch den Kommentar der Wochenschau vermittelt. Durch Beobachtung der Filmaufnahmen erfährt der Zuschauer vom sowjetischen Soldaten, dass sich dieser im Kampf gegen die deutschen Soldaten geschlagen und freiwillig mit erhobenen Händen in Gefangenschaft begibt. In Gefangenschaft befolgt der sowjetische Soldat die Anweisungen der deutschen Soldaten ohne Widerstand zu leisten, weil er z.B. deren Fragen beantwortet. Dabei schaut er auf den Boden, bewegt sich sehr langsam sowie steif und vermeidet Augenkontakt. Ersichtlich wird auch, dass sich die sowjetische Armee aus sehr unterschiedlichen Soldaten zusammensetzt. Zu sehen sind verschiedene sowjetische Soldaten mit unterschiedlicher Herkunft und physischer Konstitution. Darüber hinaus trägt der sowjetische Soldat keine einheitliche Uniform, sondern verschiedene Jacken, Mäntel und Kopfbedeckungen, die teilweise nicht passen, weil die Kleidungsstücke zu groß sind.
Durch den Kommentar erfährt der Zuschauer, dass der sowjetische Soldat, der entweder als Bolschewik oder Sowjet bezeichnet wird, erbittert kämpft, seine stärksten Kräfte zum Widerstand einsetzt und mit den britischen Alliierten kooperiert. Außerdem setzt der Soldat moderne Kriegsmittel, wie z.B. Minen mit Fernzündung ein und ist imstande Gefahren sowie Bedrohungen zu erkennen. Darüber hinaus nimmt der Soldat keine Rücksicht auf die Zivilbevölkerung, weil er bspw. deren Häuser absichtlich niederbrennt und zerstört oder die Bevölkerung ermordet. Des Weiteren erfährt der Zuschauer durch den Kommentar, dass der sowjetische (Budjonny-)Soldat ein unzivilisierter sowie stumpfsinniger Analphabet ist, der in Nestern haust und in Horden über Europa herfallen will.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Theoretische Grundlagen: Dieses Kapitel definiert Propaganda, erläutert den Propagandakrieg im Dritten Reich sowie die Rolle der Wochenschau und analysiert die verschiedenen Russlandbilder, die in der nationalsozialistischen Propaganda genutzt wurden.
2. Empirischer Teil: Hier wird die Methodik der Filmanalyse nach Lothar Mikos dargelegt, die Auswahl der Datenbasis begründet und die konkrete Untersuchung der fünf Wochenschau-Ausgaben sowie die Interpretation und Bewertung der Ergebnisse durchgeführt.
Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse der filmanalytischen Untersuchung zusammen und beantwortet die zentrale Forschungsfrage nach der Darstellung des sowjetischen Soldaten in Abhängigkeit vom Kriegsverlauf.
Schlüsselwörter
Deutsche Wochenschau, sowjetische Soldaten, nationalsozialistische Propaganda, Propagandakrieg, Feindbild, Filmanalyse, Zweiter Weltkrieg, Russlandbilder, NS-Regime, Kriegsberichterstattung, Propagandaanalyse, Kriegspropaganda, Ideologie, Unterlegenheit, Bedrohung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die filmische Darstellung des sowjetischen Soldaten in der "Deutschen Wochenschau" zwischen 1941 und 1945.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen umfassen die NS-Propaganda, die Konstruktion von Feindbildern und die audiovisuelle Vermittlung militärischer und menschlicher Überlegenheit gegenüber dem Gegner.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es zu analysieren, wie der sowjetische Soldat dargestellt wurde und wie sich diese Darstellung im Kontext des Kriegsverlaufs und der wechselnden politisch-taktischen Erfordernisse des NS-Regimes veränderte.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt die Methode der Filmanalyse nach Lothar Mikos, wobei der Fokus auf der Analyse von Figuren und Akteuren liegt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen und einen umfangreichen empirischen Teil, in dem fünf ausgewählte Wochenschau-Ausgaben methodisch analysiert, interpretiert und kritisch bewertet werden.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Schlüsselwörter sind Deutsche Wochenschau, sowjetische Soldaten, Propaganda, Feindbild und Filmanalyse.
Welche Bedeutung kommt der "Wochenschaumüdigkeit" zu?
Die Wochenschaumüdigkeit beschreibt den Prozess des Vertrauensverlusts in die Wochenschau, da ihre Inhalte zunehmend von der Realität abwichen und sich durch repetitive Darstellungen entwerteten.
Warum wurde die Untersuchung auf fünf Ausgaben begrenzt?
Die Begrenzung auf eine Stichprobe von fünf Ausgaben pro Kriegsjahr wurde aus forschungsökonomischen Gründen vorgenommen.
Inwieweit spielt die Rassenideologie eine Rolle?
Die Rassenideologie dient als ideologischer Hintergrund, um den Soldaten als „Untermenschen“ oder „Bestie“ darzustellen und den Krieg als Vernichtungskrieg zu legitimieren.
- Quote paper
- Andreas Filko (Author), 2013, Der sowjetische Soldat in der Deutschen Wochenschau, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/272538