Als Schriftsteller und Mediziner gelang es Georg Büchner in seiner Erzählung „Lenz“ beide beruflichen Passionen zu einem literarischen Kunstwerk zu vereinen. Diesbe-züglich ist es interessant, die Darstellung des Krankheitsbildes der Figur Lenz näher zu betrachten.
Büchner verfasste die Erzählung zwischen den Jahren 1835 und 1836. An dieser Stelle sei erwähnt, dass es sich hier nicht um ein vollendetes Werk handelt, sondern vielmehr um ein Fragment. Als Grundlage benutzte Büchner unter anderem den von Stoeber bearbeiteten Rechenschaftsbericht des Pfarrers Oberlin, der den Aufenthalt Lenzens dokumentierte. Seine Erzählung „wurde zur Fallstudie eines künstleri-schen, psychischen und damit auch sozialen Grenzgängers“ .
Im Rahmen dieser Hausarbeit soll untersucht werden, inwiefern die geistige Disposi-tion der Figur Lenz dem heutigen Krankheitsbild der Schizophrenie entspricht. Dazu sollen auch Büchners fiktionale Ergänzungen näher betrachtet und der Verlauf der Erkrankung berücksichtigt werden.
Zu Beginn meiner Ausarbeitung soll als erstes das Krankheitsbild der Schizophrenie und dessen Symptome aus der heutigen medizinischen Sicht dargestellt werden. Dies bietet die Grundlage, um danach die Krankheitserscheinungen der Figur Lenz näher betrachten zu können und zu untersuchen, inwiefern diese dem medizinischen Bild entsprechen. Darauf aufbauend sollen auch die äußeren Einflüsse auf Lenzens Geis-teszustand in der Analyse berücksichtigt werden. Büchners Abweichungen von der Vorlage bieten ebenfalls Anhaltspunkte zur Untersuchung und sollen näher beleuch-tet werden. Da im Rahmen dieser Hausarbeit nur begrenzt auf Büchners Darstel-lungsmethoden und Erzählstrategien eingegangen werden kann, wird dies nur am Rande behandelt. Abschließend soll eine Auswertung folgen und in einem Fazit zu-sammengefasst werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Hauptteil
2.1 Die Schizophrenie in der heutigen Medizin
2.2 Das Krankheitsbild der Figur Lenz
2.3 Der Verlauf der Erkrankung hinsichtlich der äußeren Einflüsse
2.4 Büchners Abweichungen von der Vorlage
3. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Übereinstimmung der geistigen Disposition der literarischen Figur Lenz in Georg Büchners gleichnamiger Erzählung mit dem klinischen Krankheitsbild der Schizophrenie. Dabei wird analysiert, inwieweit Büchners fiktionale Ausgestaltung und die Darstellung äußerer Einflüsse ein authentisches Krankheitsbild zeichnen.
- Medizinische Grundlagen der Schizophrenie
- Analyse der Krankheitssymptome der Figur Lenz
- Einfluss externer Faktoren auf den psychischen Zustand
- Büchners literarische Abweichungen von der historischen Vorlage
- Religionskritik im Kontext der Darstellung psychischer Erkrankungen
Auszug aus dem Buch
2.2 Das Krankheitsbild der Figur Lenz
Im folgenden Abschnitt soll untersucht werden, welche Krankheitssymptome die Figur Lenz in Büchners gleichnamiger Erzählung aufweist und ob die Symptome mit denen der heutigen Medizin übereinstimmen.
Bereits am Anfang der Erzählung wird die geistige Disposition Lenzens verdeutlicht. Es ist ihm unangenehm, dass „er nicht auf dem Kopf gehen konnte“ (L.137), dies lässt eine geistige Verwirrung vermuten. Auch im weiteren Verlauf lassen sich Symptome wie Wahrnehmungsstörungen und Halluzinationen erkennen. Die Beschreibung „Es war ihm alles so klein, so nahe, so naß“ (L.137) zeugt von einem veränderten Wahrnehmungsempfinden und das Drängen in seiner Brust (L.137) verdeutlicht Lenzens Rastlosigkeit und den, auf ihn einwirkenden Zwang etwas zu tun. Ebenso lassen sich sowohl akustische Halluzinationen: „wenn […] die Stimmen an den Felsen wach wurden“ (L.137), als auch visuelle Halluzinationen ausmachen: „die Wolken wie wilde wiehernde Rosse heransprengten“ (L.137). Auch die Verbindung von positiven und negativen Gefühlen ist erkennbar, indem von einer „Lust, die ihm wehe tat“ (L.137) berichtet wird. Die Figur Lenz scheint auch aus seinem Körper heraus zu treten: „dann zog es weit von ihm, die Erde wich unter ihm“ (L.138), und später nichts mehr davon zu wissen (L.138). Ein Gefühl der Einsamkeit breitet sich in ihm aus und er bekommt sowohl Angstzustände als auch Verfolgungswahn (L.138). Das Zucken um Augen und Mund (L.138) scheint auch auf seine Erkrankung zurück zu führen und lässt auf mimische Manierismen schließen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Fragestellung ein, ob die literarische Figur Lenz eine Schizophrenie-Erkrankung gemäß moderner medizinischer Kriterien aufweist und wie Büchner historische Quellen fiktional erweitert.
2. Hauptteil: Der Hauptteil gliedert sich in eine medizinische Definition der Schizophrenie, eine detaillierte Analyse der Symptome bei Lenz, eine Untersuchung der äußeren Einflussfaktoren auf seinen Zustand sowie eine kritische Betrachtung der erzählerischen Abweichungen Büchners von der historischen Vorlage.
3. Fazit: Das Fazit bestätigt, dass Büchner mit seiner Erzählung ein medizinisch authentisches Krankheitsbild der Schizophrenie darstellt und seine literarischen Ergänzungen als Mittel zur Religionskritik und zur Vertiefung der psychologischen Charakterisierung dienten.
Schlüsselwörter
Georg Büchner, Lenz, Schizophrenie, Literaturwissenschaft, Medizingeschichte, Psychiatrie, Krankheitsbild, Wahrnehmungsstörungen, Halluzinationen, Affektstörungen, Religionskritik, Fallstudie, literarische Analyse, Psychopathologie, psychische Erkrankung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert die Erzählung "Lenz" von Georg Büchner unter einer medizinischen Perspektive und prüft, inwiefern die Darstellung der psychischen Störungen der Hauptfigur mit heutigen Symptomen der Schizophrenie übereinstimmt.
Welche zentralen Themenfelder werden in der Untersuchung bearbeitet?
Zentrale Themen sind die Symptomatologie der Schizophrenie, die Auswirkung externer Einflüsse (wie soziale Zuwendung oder Einsamkeit) auf den Geisteszustand sowie die literarische Funktion von Büchners Ergänzungen gegenüber der historischen Vorlage.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?
Das primäre Ziel ist es festzustellen, ob Büchners Darstellung der geistigen Disposition von Lenz als eine realistische Abbildung der Schizophrenie verstanden werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Es wird eine literaturwissenschaftliche Analyse durchgeführt, die das literarische Werk mit medizinischen Fachbegriffen und Symptombeschreibungen aus der modernen Psychiatrie in Bezug setzt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit primär behandelt?
Der Hauptteil widmet sich der medizinischen Einordnung der Schizophrenie, der Identifikation dieser Symptome bei der literarischen Figur sowie der Analyse, wie äußere Lebensumstände den Krankheitsverlauf von Lenz beeinflussen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Georg Büchner, Schizophrenie, Wahrnehmungsstörungen, Religionskritik und psychologische Charakteranalyse charakterisieren.
Warum spielt die Religion in der Analyse der Erzählung eine so große Rolle?
Die Arbeit zeigt auf, dass Lenz sein Leiden durch Religion zu bewältigen versucht. Das Scheitern dieser Heilungsversuche dient Büchner dazu, Kritik an religiösen Praktiken zu üben und den Vertrauensverlust Lenzens in die Kirche darzustellen.
Inwieweit beeinflussen externe Faktoren den Gesundheitszustand von Lenz?
Die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass soziale Zuwendung durch Oberlin kurzzeitige Linderung verschafft, während Einsamkeit und Dunkelheit als negative Faktoren wirken, die den Wahn verstärken und den Realitätsverlust forcieren.
- Arbeit zitieren
- Stefanie Poschen (Autor:in), 2014, Das Krankheitsbild des Lenz in Büchners gleichnamiger Erzählung. Medizinische Symptome der Schizophrenie, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/272370