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Die Seelenlehre der Stoa unter besonderer Berücksichtigung der stoischen Lehre von der Unsterblichkeit der menschlichen Seele

Titel: Die Seelenlehre der Stoa unter besonderer Berücksichtigung der stoischen Lehre von der Unsterblichkeit der menschlichen Seele

Magisterarbeit , 2001 , 88 Seiten , Note: gut

Autor:in: Roger Künkel (Autor:in)

Philosophie - Philosophie der Antike

Leseprobe & Details   Blick ins Buch
Zusammenfassung Leseprobe Details

Ziel dieser Arbeit ist es, die Seelenlehre der Stoa die gesamte Zeit des realen Bestehens dieser Schule hindurch darzustellen, und dies unter besonderer Berücksichtigung der stoischen Unsterblichkeitslehre, wenn man von einer solchen überhaupt sprechen kann.
Insofern hat sich die Stoa intensive Gedanken über die Seele, ihr Wesen und ihre Zuständlichkeiten gemacht, als diese Überlegungen der panpsychischen Natur ihrer Physik bzw. der Affektenlehre ihrer Ethik entsprangen. Ob ihre Psychologie weiter entwickelt war, ist zu vermuten, auch wenn sie platonisch-metaphysische Spekulationen über sie - und damit auch über ihr Nachleben nach dem Tode – als für das tugendhafte Irdenleben irrelevant abgelehnt hat.
These dieser Arbeit soll nun sein, daß die Stoiker auf Grund ihrer konsequenten Tugendlehre gar nicht anders konnten, als den Dualismus von Materie und Geist eines Platon oder Aristoteles völlig aufzuheben, die Materie in panpsychischer Leistung zu absorbieren und somit zu überwinden, und damit alles zum Geist zu machen!

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

I. Einführung

II. Prolog

III. Vorgänger der Stoa

1. Vorsokratiker

2. Sokrates/ Platon

3. Aristoteles

IV. Ältere Stoa

1. Zenon

2. Kleanthes

3. Chrysippos

4. Übergang

V. Mittlere Stoa

1. Panaitios

2. Poseidonios

Parenthese Cicero

3. Übergang

VI. Späte Stoa

1. Rom

2. Seneca

3. Epiktet

4. Marc Aurel

VII. Epilog

Zielsetzung & Themen

Diese Arbeit zielt darauf ab, die Seelenlehre der Stoa über den gesamten Zeitraum ihres Bestehens zu untersuchen, wobei der Schwerpunkt insbesondere auf der Frage nach der Unsterblichkeit der menschlichen Seele liegt. Es wird analysiert, wie stoische Denker ihre Psychologie aus der panpsychischen Physik und der Affektenlehre ihrer Ethik herleiteten und inwieweit sie dabei platonisch-metaphysische Konzepte rezipierten oder ablehnten.

  • Entwicklung und Wandel der Seelenlehre von der älteren bis zur späten Stoa
  • Logische und konzeptionelle Einbettung der stoischen Seele in das Gesamtsystem
  • Das Verhältnis von Materie und Geist im stoischen Monismus
  • Die Bewertung von Affekten und Leidenschaften als pathologische Fehlurteile der Vernunft
  • Die Rolle von Unsterblichkeitsvorstellungen in einer dezidiert diesseitigen Philosophie

Auszug aus dem Buch

a) Seele

Die Seele ist bei der Geburt des Menschen ursprünglich eine leere Tafel (49), die dadurch erfüllt wird, daß die Dinge sich in ihr abdrücken. Ein Körper wirkt auf einen anderen Körper, ein physikalischer Akt! Ein solcher Abdruck (50), der die Seele verändert, ist Vorstellung (phantasia). Mit anderen Worten ist die Vorstellung eine Veränderung, hervorgebracht von einem Gegenstand in der Seele. Dann ergreift der führende Teil der Seele den Gegenstand der Vorstellung und gelangt zur Wahrnehmung (katalepsis), indem die Wahrnehmung durch das in den Sinnesorganen zirkulierende Pneuma dem führenden Zentralorgan der Seele, dem hegemonikon, mittels Pneumaströmungen übermittelt wird. Erst durch Wahrnehmung wird ein Inhalt in die Seele eingetragen. Bei Zenon gibt es eine deutliche Unterscheidung zwischen Gegenstand und Bild in der Seele.

Allgemeine Begriffe lassen sich erst durch Abstraktion aus den Wahrnehmungen gewinnen. Die Wahrnehmung ist die einzige ursprüngliche Quelle der Erkenntnis. Aus der Wahrnehmung entsteht die Erinnerung, aus vielen gleichartigen Erinnerungen die Erfahrung. Damit aus Wahrnehmung Wissen wird, muß die Verstandestätigkeit hinzutreten. Diese Verstandes- bzw. Denktätigkeit besteht auch in einer materiellen Veränderung des Seelenkörpers. Wahrheit wird somit zur Beschaffenheit der wissenden Seele. Voraussetzung unserer gesamten geistigen Existenz ist also die Vernunftanlage unserer Seele! Die menschliche Seele ist reine Vernunft!

Im Gegensatz zu Platon und Pythagoras nimmt Zenon ein einheitliches Leben von Seele und Körper an. Die ersten beiden sahen ein Leben der Seele für sich und ein Leben der Seele zusammen mit dem Körper. Nach Ansicht von Zenon ist nun die Seele mit dem Körper in totalem Mischungsverhältnis (krasis), der Seelenkörper ist dem physischen Körper beigemischt und durchdringt ihn; die Vermögen der Seele sind in ihrer Wirkung mit den Organen des Körpers verbunden. Daher kann die Seele auch nicht lokalisiert werden, sie durchdringt den ganzen Körper!

Zusammenfassung der Kapitel

I. Einführung: Darstellung der Zielsetzung, die stoische Seelenlehre in ihrer Gesamtheit und unter Berücksichtigung der Unsterblichkeitsfrage zu erfassen, trotz der Schwierigkeit der fragmentarischen Quellenlage.

II. Prolog: Einleitung in den historischen Kontext des Hellenismus und die Grundzüge des stoischen Systems als organisches, panpsychisches und von Gott durchdrungenes Ganzes.

III. Vorgänger der Stoa: Untersuchung vorsokratischer sowie platonischer und aristotelischer Konzepte zur Seele, die für das stoische Verständnis als Vorstufen oder Reibungspunkte dienten.

IV. Ältere Stoa: Ausführliche Analyse der Seelenlehren von Zenon, Kleanthes und Chrysippos, die den Kern der stoischen Psychologie und die systematische Einordnung des Pneuma-Begriffes bilden.

V. Mittlere Stoa: Betrachtung der Wende durch Panaitios und Poseidonios, die zu einer stärkeren Platonisierung und psychologischen Differenzierung innerhalb der Stoa führten.

VI. Späte Stoa: Erörterung der Ethik-zentrierten Philosophie von Seneca, Epiktet und Marc Aurel, die den Fokus auf das Seelenheil und die Auseinandersetzung mit der Endlichkeit legt.

VII. Epilog: Zusammenfassende Einordnung der Bedeutung des stoischen Körper- und Geistbegriffs sowie der Auffassung von Unvergänglichkeit als substantielle Einheit mit dem göttlichen Ganzen.

Schlüsselwörter

Stoa, Seelenlehre, Pneuma, Logos, Unsterblichkeit, Hegemonikon, Panpsychismus, Affekte, Tugend, Materie, Geist, Zenon, Chrysippos, Poseidonios, Tonos.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit beschäftigt sich mit der stoischen Seelenlehre vom 3. Jahrhundert v. Chr. bis zum 3. Jahrhundert n. Chr. und untersucht, wie diese Denker das Wesen der Seele, ihre psychologischen Funktionen und die Möglichkeit eines Fortlebens nach dem Tode interpretierten.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentrale Themen sind die materialistische und doch dynamische Auffassung der Seele als Pneuma, die Rolle des hegemonikon (des führenden Seelenteils), die stoische Affektenlehre und der Umgang mit dem platonisch-aristotelischen Dualismus.

Was ist das primäre Ziel der Forschungsfrage?

Das primäre Ziel ist es, aufzuzeigen, ob und inwiefern in der stoischen Philosophie überhaupt von einer Unsterblichkeit der Seele gesprochen werden kann und wie sich dieses Verständnis innerhalb der verschiedenen Schulen entwickelt hat.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Der Autor wählt einen historischen Ansatz, der die einzelnen Philosophen der verschiedenen Stoa-Perioden (ältere, mittlere, späte Stoa) individuell betrachtet, um die persönliche Vielfalt innerhalb der Schule zu verdeutlichen, anstatt sie nur als monolithischen Block zu präsentieren.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der Vorgänger (Vorsokratiker, Platon, Aristoteles), die detaillierte Darstellung der älteren Stoa (Zenon, Kleanthes, Chrysippos), der mittleren Stoa (Panaitios, Poseidonios) und der späten Stoa (Seneca, Epiktet, Marc Aurel).

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird durch Begriffe wie Pneuma, Logos, Hegemonikon, Panpsychismus und die spezifische stoische Tugendlehre geprägt.

Inwiefern unterscheidet sich die Auffassung von Chrysippos von der seines Lehrers Zenon?

Chrysippos führt eine strengere monistische und intellektualistische Psychologie ein. Während Zenon noch an einer Acht-Teilung der Seele festhielt, interpretiert Chrysippos diese Einteilung als rein funktionale Ausdrücke desselben hegemonikon und betont die Einheit der vernünftigen Seele schärfer.

Welche Rolle spielt Poseidonios für die Entwicklung der stoischen Psychologie?

Poseidonios bricht mit dem strengen Monismus der älteren Stoa. Er führt einen psychologischen Dualismus ein, indem er dem hegemonikon einen unvernünftigen, den Affekten zugänglichen Bereich zuschreibt, was eine deutliche Annäherung an platonische Konzepte darstellt.

Wie verändert sich die Sicht auf die Seele in der späten Stoa bei Seneca oder Marc Aurel?

Die späte Stoa betont zunehmend die ethische Heilung der Seele und zeigt eine noch stärkere Tendenz zur Trennung von Geist und Materie, wobei Marc Aurel sogar explizit den Geist (nous) gegenüber dem Körper isoliert, um dessen gottähnliche Bestimmung zu betonen.

Ende der Leseprobe aus 88 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Die Seelenlehre der Stoa unter besonderer Berücksichtigung der stoischen Lehre von der Unsterblichkeit der menschlichen Seele
Hochschule
Freie Universität Berlin  (Institut für Philosophie)
Note
gut
Autor
Roger Künkel (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2001
Seiten
88
Katalognummer
V272350
ISBN (Buch)
9783656636809
ISBN (eBook)
9783656636816
Sprache
Deutsch
Schlagworte
seelenlehre stoa berücksichtigung lehre unsterblichkeit seele
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Roger Künkel (Autor:in), 2001, Die Seelenlehre der Stoa unter besonderer Berücksichtigung der stoischen Lehre von der Unsterblichkeit der menschlichen Seele, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/272350
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Leseprobe aus  88  Seiten
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