Die aktuelle Staatsschuldenkrise im Euro-Raum stellt sich als eine ernstzunehmende
Herausforderung für die Europäische Union dar. Die Haushaltskrisen einzelner Mitgliedsstaaten
belasten die gesamte Union und gefährden das europäische Einigungswerk.
Während auf europäischer Ebene die Wirtschafts- und Währungsunion im
Zentrum der europäischen Rettungsarchitektur stehen, werden auf nationaler Ebene
die europäischen Rettungsmaßnahmen – wie die institutionellen Änderungen an der
WWU oder die Finanzhilfen durch die nationalen Legislativen – ratifiziert. Gerade
die finanziellen Hilfspakete in Form von Krediten belasten die nationalen Haushalte
und setzen damit politische Akteure in den nationalen Entscheidungsprozessen gegenüber
der nationalen Öffentlichkeit unter besonderen Rechtfertigungsdruck. Dies
führt zur Vermutung, dass die in hohem Maße europäisch orientierten politischen
Akteure statt auf europäische Identifikationsbezüge auf nationale Identifikationsbezüge
zurückgreifen. Vor diesem Hintergrund fragt sich die vorliegende Arbeit:
Identifizieren sich Bundestagsabgeordnete während der europäischen Staatsschuldenkrise
in den parlamentarischen Entscheidungsprozessen um die Rettungsmaßnahmen
für Griechenland eher als Europäer (europäische Identität) oder eher als
Deutsche (nationale Identität) und wie haben sich diese beiden Identifikationsorientierungen
im Zuge der europäischen Staatsschuldenkrise verändert?
Inhaltsverzeichnis
1 Einführung
1.1 Einleitung
1.2 Formulierung von Thesen und Hypothesen
1.3 Kontext: Nationale Entscheidungsprozesse in der europäischen Staatschuldenkrise
2 Kollektive Identität als Konzept zur Kategorienbildung: Europäische und nationale Identität
2.1 Kollektive Identität als theoretisches Konzept
2.2 Inhaltsanalytische Kategorienbildung anhand nationaler und europäischer Identität sowie ihrer Operationalisierung
3 Forschungsdesign und methodische Vorgehensweise
3.1 Inhaltsanalyse als empirische Methode zur Datenerhebung und zur Datenauswertung
3.2 Forschungsdesign: Anwendung der qualitativen Inhaltsanalyse auf die Forschungsfrage
4 Auswertung der Inhaltsanalyse: Thesen und Hypothesen
5 Resümee und Beantwortung der Forschungsfrage
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht, ob sich Bundestagsabgeordnete während der europäischen Staatschuldenkrise in den parlamentarischen Entscheidungsprozessen zur Griechenland-Rettung primär mit einer europäischen oder nationalen Identität identifizieren. Dabei wird analysiert, wie sich diese Identifikationsorientierungen im Zeitverlauf verändert haben und welche Rolle die jeweilige Fraktionszugehörigkeit dabei spielt.
- Qualitative Inhaltsanalyse von Plenarprotokollen des Deutschen Bundestages.
- Konzeptionelle Erarbeitung von kollektiver europäischer und nationaler Identität.
- Untersuchung der Identifikationsbezüge im Kontext nationaler Entscheidungsprozesse.
- Ableitung und Überprüfung von Thesen und Hypothesen zur Identitätsorientierung.
- Interpretation der Ergebnisse hinsichtlich der Europäisierung nationaler Parlamente.
Auszug aus dem Buch
1.1 Einleitung
Die aktuelle Staatsschuldenkrise im Euro-Raum stellt sich als eine ernstzunehmende Herausforderung für die Europäische Union dar. Die Haushaltskrisen einzelner Mitgliedstaaten belasten die gesamte Union und gefährden das europäische Einigungswerk. Während auf europäischer Ebene die Wirtschafts- und Währungsunion im Zentrum der europäischen Rettungsarchitektur stehen, werden auf nationaler Ebene die europäischen Rettungsmaßnahmen – wie die institutionellen Änderungen an der WWU oder die Finanzhilfen durch die nationalen Legislativen – ratifiziert. Gerade die finanziellen Hilfspakete in Form von Krediten belasten die nationalen Haushalte und setzen damit politische Akteure in den nationalen Entscheidungsprozessen gegenüber der nationalen Öffentlichkeit unter besonderen Rechtfertigungsdruck. Dies führt zur Vermutung, dass die in hohem Maße europäisch orientierten politischen Akteure statt auf europäische Identifikationsbezüge auf nationale Identifikationsbezüge zurückgreifen. Vor diesem Hintergrund fragt die vorliegende Arbeit:
Identifizieren sich Bundestagsabgeordnete während der europäischen Staatsschuldenkrise in den parlamentarischen Entscheidungsprozessen um die Rettungsmaßnahmen für Griechenland eher als Europäer (europäische Identität) oder eher als Deutsche (nationale Identität) und wie haben sich diese beiden Identifikationsorientierungen im Zuge der europäischen Staatsschuldenkrise verändert?
Diese Fragestellung soll mithilfe einer Plenarprotokollanalyse untersucht werden, für die sich die Forschungsmethode der qualitativen Inhaltsanalyse nach Philipp Mayring (2010) anbietet. Bei dieser Methode werden die einzelnen Aussagen in den Redebeiträgen der Abgeordneten zu einem inhaltlichen Kern zusammengefasst, wenn sie auf einen Identifikationsbezug schließen lassen. Die gewonnenen paraphrasierten Kernaussagen lassen sich sodann einer europäischen oder nationalen Identität zuordnen. Im Wesentlichen handelt es sich um eine Quantifizierung der codierten Aussagen aus den Redebeiträgen unter Beibehaltung des konkreten Inhalts der Aussage (Häufigkeitsanalyse als Dateninterpretation). Der zu untersuchende Zeitraum erstreckt sich vom Anfang des Jahres 2010 (Beschluss des ersten Griechenland-Rettungspakets) bis Mitte 2012 (Einführung der Gesetze zur Einrichtung des Europäischen Stabilitätsmechanismus und des Fiskalvertrags).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einführung: Hinführung zur Thematik der Staatsschuldenkrise, Formulierung der Forschungsfrage sowie kurzer Überblick über den Aufbau der Arbeit.
2 Kollektive Identität als Konzept zur Kategorienbildung: Europäische und nationale Identität: Theoretische Herleitung und konzeptionelle Definition von Identität sowie Entwicklung des Kategoriensystems zur empirischen Messung.
3 Forschungsdesign und methodische Vorgehensweise: Darstellung der qualitativen Inhaltsanalyse nach Mayring als methodisches Instrumentarium und Erläuterung des Forschungsdesigns.
4 Auswertung der Inhaltsanalyse: Thesen und Hypothesen: Präsentation der empirischen Ergebnisse aus den analysierten Plenarprotokollen und Diskussion der aufgestellten Thesen.
5 Resümee und Beantwortung der Forschungsfrage: Zusammenfassung der zentralen Erkenntnisse und abschließende Beantwortung der Forschungsfrage.
Schlüsselwörter
Staatsschuldenkrise, Europäische Union, Kollektive Identität, Bundestagsabgeordnete, Qualitative Inhaltsanalyse, Nationale Identität, Europa, Euro-Raum, Parlamentarische Entscheidungsprozesse, Identifikation, Politische Identität, Europäisierung, Euro-Krise, Griechenland-Rettung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Identitätsorientierung von Bundestagsabgeordneten im Kontext der europäischen Staatsschuldenkrise und den damit verbundenen Rettungsmaßnahmen für Griechenland.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die europäische und nationale Identität, der Einfluss von Integrationsprozessen auf parlamentarisches Handeln und die empirische Untersuchung von Identifikationsbezügen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das primäre Ziel ist zu klären, ob sich Abgeordnete eher als Europäer oder Deutsche identifizieren und wie sich diese Orientierungen während der Krise gewandelt haben.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird die qualitative Inhaltsanalyse nach Philipp Mayring angewandt, um Aussagen aus Plenarprotokollen systematisch zu kategorisieren und auszuwerten.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden das theoretische Konzept der Identität, das methodische Vorgehen sowie die Auswertung der Plenarprotokolle zur Überprüfung der Thesen behandelt.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Staatsschuldenkrise, Kollektive Identität, Qualitative Inhaltsanalyse und Europäische Integration charakterisiert.
Wie wurde die Auswahl der Plenarprotokolle begründet?
Es wurden zwei spezifische Plenarprotokolle (17/41 und 17/160) ausgewählt, da diese zentrale Abstimmungen zu Rettungspaketen für Griechenland im Untersuchungszeitraum 2010 bis 2012 repräsentieren.
Welches Ergebnis erzielt die Studie in Bezug auf die Identitätsorientierung?
Die Analyse deutet darauf hin, dass Bundestagsabgeordnete in den Debatten mehr europäische als nationale Identifikationsbezüge äußern, was auf eine Europäisierung im parlamentarischen Diskurs hindeutet.
- Quote paper
- Bachelor of Arts Patrick Schröder (Author), 2013, Kollektive Identitäten im Deutschen Bundestag, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/272077