Einleitung
„Wir sind im Augenblick, was Frauen in den Führungspositionen angeht, auf Höhe mit Indien, hinter Russland, hinter Brasilien, hinter China.“ Dieses Zitat der Bundesminis-terin für Arbeit und Soziales Ursula von der Leyen soll verdeutlichen, dass unterande-rem Deutschland ein weitreichendes Problem hat, bei der Gleichbehandlung von Frauen und Männern in Bezug auf Arbeit und in diesem speziellen Fall bei der Besetzung von Frauen in Führungspositionen.
Das Schlagwort, welches im Zuge der Debatte häufig schnell und als „Allzweckwaffe“ benutzt wird, ist die sogenannte Frauenquote. Um die vorherrschende Ungerechtigkeit bei der Entlohnung, sozialer und finanzieller Sicherheit zwischen Männern und Frauen, sowie die geschlechterdifferente berufliche Segregation zu beheben, reicht die einfache Forderung der Frauenquote nicht aus. Um diese Diskriminierung aufzuheben, ist es existentiell, sich nicht mit den Symptomen der Ungerechtigkeit zu beschäftigen, sondern ein besonderes Augenmerk auf die gesellschaftlichen Bedingungen (also die tatsächlichen Auslöser) zu legen.
Im Verlauf dieser Arbeit, werden nun einige Aspekte genannt, wie diese Ungerechtig-keiten zu Stande kommen. In erster Linie sollen hier die möglichen Auslöser innerhalb einer Gesellschaft herausgearbeitet werden, welche zu einem Ungleichgewicht in Bezug auf die Chancen für Frauen in Führungspositionen führen. Außerdem wird auf die vor-herrschenden Unterschiede hinsichtlich finanzieller und sozialer Sicherheiten zwischen Frauen und Männer eingegangen.
Zwei Aspekte, die einen gravierenden Einfluss auf den Weg hin zu einer beruflichen Gleichberechtigung zwischen Frauen und Männern beitragen, werden im folgenden Abschnitt 2 „Prekäre Arbeitsbedingungen und Qualifikation“ detaillierter beschrieben. Die prekären Arbeitsverhältnisse sollen im Zuge der Arbeit ein weiteres Ungleichge-wicht zwischen Frauen und Männern aufdecken. Dabei wird insbesondere aufgezeigt, wie dieses Ungleichgewicht zu Stande kommt und welche Folgen dies für Frauen haben kann. Darauf aufbauend wird ein Vergleich zwischen ostdeutschen und westdeutschen Bundesländern dargestellt, und aufgezeigt wo deren Unterschiede in Bezug auf Frauen in Führungspositionen liegen. Vorangestellt wird dem, ein theoretischer Vergleich der gängigen Familien- und Rollenverteilungen in der BRD und der ehemaligen DDR, die möglicherweise als Indikator für einen Ost-West Unterschied dienen können.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Prekäre Arbeitsverhältnisse
3 Familienmodell – Vergleich BRD und ehem. DDR
4 Das Drei-Phasen-Modell in Bezug auf Berufliche Qualifizierung
5 Die EU als Mehrebenensystem
6 Gendermainstreaming
7 Schlussteil
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die strukturellen Ungleichheiten zwischen Männern und Frauen im Hinblick auf prekäre Arbeitsverhältnisse und den Zugang zu Führungspositionen. Dabei wird analysiert, inwieweit historische Familienmodelle – insbesondere im Vergleich zwischen der ehemaligen DDR und der BRD – als Indikatoren für diese Unterschiede dienen können und wie die Europäische Union mittels des Prinzips "Gendermainstreaming" auf diese Herausforderungen innerhalb ihres Mehrebenensystems reagiert.
- Analyse prekärer Arbeitsverhältnisse und geschlechtsspezifischer Arbeitsmarktsegregation.
- Vergleich der Rollenbilder und Erwerbsbiografien zwischen Ost- und Westdeutschland.
- Anwendung des "Drei-Phasen-Modells" zur Erklärung von Karrierelücken.
- Diskussion der Europäischen Union als Mehrebenensystem bei der Gleichstellungspolitik.
- Kritische Bewertung des Konzepts "Gendermainstreaming" als politisches Instrument.
Auszug aus dem Buch
2 Prekäre Arbeitsverhältnisse
Die prekären Arbeitsverhältnisse sind in der Öffentlichkeit eher unter den Begriffen Minijob oder Teilzeitstelle bekannt. Die in Deutschland (noch) gängige Auffassung der Arbeitsteilung zwischen Männern und Frauen führen beziehungsweise führten dazu, dass hauptsächlich Frauen in den angesprochenen prekären Arbeitsverhältnissen wiederzufinden sind. Eine Verinnerlichung der Arbeitsteilung kann mitunter bis, und sogar vor, der Zeit der Antike zurückgeführt werden. Bereits hier wurden die Aufgaben der Frauen, hauptsächlich auf die Heimarbeit reduziert. Aufgaben waren das zubereiten von Nahrung oder auch die Kindesbetreuung.
Grundsätzlich wurden Frauen- rein biologisch gesehen - hauptsächlich der Domäne der Reproduktionsaufgaben zugeordnet. Reproduktionsaufgaben sind dementsprechend beispielsweise die Geburt und das Aufziehen von Kindern sowie die Erledigung von weiteren häuslichen Aufgaben. Häufig wurde und wird davon gesprochen, dass die Aufgabenverteilung von Männern und Frauen naturgegeben sei.
Vor der industriellen Revolution, statt maschineller Arbeit herrschte das Handwerk vor, wurden Frauen für kleinere flexible Arbeiten „eingesetzt“. Man nahm an, dass diese Aufgaben, auf Grund der geringen zeitlichen Beanspruchung, der „eigentliche“ Aufgabe der Frau nicht entgegensteht. Resultierend aus der Einführung von Maschinen und dem damit einhergehenden Verlust von manueller Arbeit, wurden die Frauen zunächst zurück in den Sektor der häuslichen Arbeit gedrängt.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die aktuelle Problematik der Unterrepräsentation von Frauen in Führungspositionen und stellt die zentralen Forschungsfragen der Arbeit vor.
2 Prekäre Arbeitsverhältnisse: Dieses Kapitel beschreibt die historischen und gesellschaftlichen Ursachen für die überproportionale Präsenz von Frauen in prekären Beschäftigungsverhältnissen.
3 Familienmodell – Vergleich BRD und ehem. DDR: Hier wird der Einfluss staatlicher Familienmodelle und Sozialpolitiken auf die Erwerbsbiografien von Frauen in Ost- und Westdeutschland gegenübergestellt.
4 Das Drei-Phasen-Modell in Bezug auf Berufliche Qualifizierung: Das Kapitel erläutert, wie Erwerbsunterbrechungen durch Reproduktionsarbeit den beruflichen Aufstieg von Frauen beeinflussen.
5 Die EU als Mehrebenensystem: Es wird die Struktur der Europäischen Union als Mehrebenensystem analysiert und deren Herausforderung bei der einheitlichen Umsetzung von Gleichstellungspolitik dargestellt.
6 Gendermainstreaming: Dieses Kapitel definiert und kritisiert Gendermainstreaming als politisches Instrument der EU zur Förderung der Geschlechtergleichstellung.
7 Schlussteil: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und diskutiert die Notwendigkeit sowie die Wirksamkeit politischer Interventionen wie der Frauenquote.
Schlüsselwörter
Gendermainstreaming, Frauenquote, prekäre Arbeitsverhältnisse, Führungspositionen, Arbeitsteilung, Mehrebenensystem, Erwerbstätigkeit, Familienmodell, DDR, BRD, Gleichstellung, Reproduktionsarbeit, Berufliche Qualifizierung, Sozialpolitik, Arbeitsmarktintegration.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die strukturellen Ungleichheiten zwischen den Geschlechtern auf dem Arbeitsmarkt, insbesondere den schwierigen Zugang von Frauen zu Führungspositionen in Deutschland.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Zentral sind die Auswirkungen prekärer Arbeit, der Vergleich der Erwerbsbiografien zwischen Ost- und Westdeutschland sowie die europäische Gleichstellungspolitik.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die gesellschaftlichen und politischen Ursachen für die Benachteiligung von Frauen in Führungspositionen aufzudecken und die Rolle der EU bei der Gleichstellung zu bewerten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine politikwissenschaftliche Analyse, die theoretische Modelle wie das Drei-Phasen-Modell und das Konzept des Mehrebenensystems heranzieht.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit der historischen Genese von Rollenbildern, dem Vergleich der deutschen Wohlfahrtssysteme und der Analyse des Gendermainstreaming als EU-Politik.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie Gendermainstreaming, prekäre Arbeitsverhältnisse, Erwerbsbiografie, Mehrebenensystem und Gleichstellungspolitik.
Warum unterscheidet die Arbeit zwischen Ost- und Westdeutschland?
Der Vergleich dient dazu, aufzuzeigen, wie unterschiedliche staatliche Rahmenbedingungen und Traditionslinien die Erwerbsbeteiligung von Frauen beeinflussen.
Welche kritische Schlussfolgerung zieht der Autor zum Gendermainstreaming?
Der Autor hinterfragt, ob das Prinzip des Gendermainstreaming tatsächlich Ungleichheiten beseitigt oder lediglich als Aushängeschild dient, um Eingriffe in die Sozialpolitik der Mitgliedstaaten zu vermeiden.
- Quote paper
- B.A. Ben Weiherer (Author), 2013, Prekäre Arbeitsverhältnisse, Führungspositionen und Gendermainstreaming, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/271861