Diese Bachelorarbeit beschäftigt sich primär mit elektronisch erbrachter Beteiligung der Bürgerschaft an kommunalen Entscheidungen über das Internet. Es wird davon ausgegangen, dass BürgerInnenbeteiligung an Qualität gewinnt, wenn Kommunen bedarfsgerechte Onlineinstrumente zur bürgerschaftlichen Beteiligung bereitstellen. Die Bedeutung der Thematik liegt zudem in der positiven Auswirkung von mehr politischer Partizipation auf Gesellschaft und Demokratiebelebung.
Es gliedert sich in drei Teile. Nach dem ersten einleitenden Kapitel wird bis zum vierten Kapitel eine theoretische Grundlage geschaffen. Ausgewählte theoretische Ansätze und Begriffsbestimmungen, die in enger Beziehung zur Thematik „E-Partizipation“ stehen, stellen eine Verbindung von elektronischer Partizipation mit dem Themenkomplex „lokale bürgerschaftliche Beteiligung“ her. Zur Schaffung der theoretischen Basis zählt ein Exkurs in die geschichtliche Entwicklung sowie in den Bereich rechtlicher und gesetzlicher Rahmenbedingungen. Des Weiteren werden die Beziehungsebenen zwischen den drei „Hauptakteuren“ Politik, Verwaltung und Bürgerschaft mithilfe des „Kräftedreiecks“ erläutert. In die ausführliche theoretische Basis des ersten Teils fließt auch der demokratietheoretische Grundgedanke ein. Teil eins endet mit dem Betrachten der Schnittstelle von sozialer Arbeit und BürgerInnenbeteiligung.
Danach erfolgt im zweiten Teil die Darstellung und Skizzierung eines praxisnahen Anwendungsbeispiels elektronischer Partizipation namens „LiquidFriesland“. Die Betrachtung der Funktionsweise mitsamt der zugehörigen Folgen, Chancen und Risiken sowie Stärken und Schwächen mündet in ein Resümee, worauf der dritte Teil dieser Studie aufbaut.
Darin wird zunächst die Beteiligungskonzeption der Stadt Görlitz vorgestellt. Daraufhin werden die Erkenntnisse aus Teil I und II mit der Einbindung von e-partizipativen Elementen in dieses Konzept angewendet. Das Fazit in Kapitel 7 rundet diese Untersuchung ab und beendet sie mit einem Nachwort in Kapitel 8.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1 Fragestellung und Zielstellung
1.2 Aufbau und Lesbarkeit
2. Theoretische Grundlagen und Ansätze
2.1 E-Partizipation
2.1.1 Begriffsbestimmungen
2.1.2 Anwendungsspektrum
2.1.3 Herausforderungen und Vorteile
2.2 Bürgerschaftliche Beteiligung
2.2.1 Begriffsbestimmungen
2.2.2 Geschichtlicher Hintergrund
2.2.3 Rechtlicher Hintergrund
2.3 Bürgerkommune
2.4 Rollenverhältnisse im „Trialog“
2.4.1 Bürgerschaft und Verwaltung
2.4.2 Politik und Verwaltung
2.5 Zusammenfassung
3. Demokratie lebt von Beteiligung
3.1 Demokratietheoretische Grundlage
3.1.1 Begriffsbestimmungen Demokratie
3.1.2 Partizipatorische Demokratietheorie
3.2 Politische und gesellschaftliche Partizipation
3.3 Partizipationsstufen und beeinflussende Faktoren
3.4 Zusammenfassung
4. Schnittstelle Soziale Arbeit und BürgerInnenbeteiligung
4.1 Handlungsfeld Gemeinwesenarbeit
4.2 Lebensweltorientierte Sozialarbeit
4.3 Sozial- und Jugendhilfeplanung
4.4 AdressatInnen
4.5 Rolle der SozialarbeiterInnen
4.6 Zusammenfassung
5. E-Partizipation am Anwendungsbeispiel „LiquidFriesland“
5.1 Das Verfahren „LiquidFriesland“
5.1.1 Rahmenbedingungen und Funktion
5.1.2 Prozessschritte des Beteiligungsmodells
5.2 Ergebnisse und Evaluation
5.3 Zusammenfassung
6. E-Partizipation und das Görlitzer Beteiligungskonzept
6.1 Darstellung Beteiligungskonzept der Stadt Görlitz
6.1.1 Grundlagen
6.1.2 Handlungsfelder
6.1.3 Kommunale Demokratie Görlitz
6.2 Einbindung von E-Partizipation in das Görlitzer Konzept
7. Fazit
8. Nachwort
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den Nutzen und die Herausforderungen elektronischer Partizipation (E-Partizipation) bei kommunalen Entscheidungsprozessen. Im Zentrum steht die Forschungsfrage, ob durch den Einsatz internetgestützter Beteiligungsformate eine Intensivierung der BürgerInnenbeteiligung auf kommunaler Ebene erreicht werden kann, um somit zur Demokratiebelebung beizutragen.
- Grundlagen der E-Partizipation und deren Abgrenzung zum E-Government.
- Analyse der Schnittstelle zwischen Sozialer Arbeit und BürgerInnenbeteiligung.
- Evaluation des Praxisbeispiels „LiquidFriesland“ als innovatives Online-Beteiligungsverfahren.
- Übertragbarkeit von E-Partizipationsansätzen auf das Beteiligungskonzept der Stadt Görlitz.
- Bedeutung der Kommunikation und Transparenz für nachhaltige Beteiligungsprozesse.
Auszug aus dem Buch
2.1.1 Begriffsbestimmungen
E-Partizipation bezeichnet die Wortzusammensetzung der beiden Begriffe „elektronisch“ und „Partizipation“. Die Stiftung Mitarbeit bringt die Definition von E-Partizipation in die Formel: „Internet + Beteiligung = E-Partizipation“ (vgl. Stiftung Mitarbeit 2007: 9). Im Allgemeinen werden unter diesem Begriff alle elektronischen Beteiligungsverfahren verstanden, deren Funktion es ist, durch IuK natürlichen und juristischen Personen bei öffentlichen Entscheidungen Teilhabe zu gewähren oder zumindest eine Möglichkeit zur Einflussnahme zu bieten. Diese Entscheidungs- und Willensbildungsprozesse können sich auf verschiedene Ebenen des politischen Systems beziehen: Bund, Land, Gemeinde. E-Partizipation als Konzeption zeichnet sich durch die Nutzbarmachung der Vorteile des technologischen Fortschrittes aus, womit primär die neuen Möglichkeiten des weitreichenden Mediums Internet gemeint sind (vgl. Kuhn 2006: 30). Wichtig ist an dieser Stelle der Hinweis, dass E-Partizipation nicht als eine grafische Benutzeroberfläche mit vordefinierten Werkzeugen verstanden werden darf, denn diese Elemente ermöglichen lediglich die Umsetzung von elektronischer Partizipation und werden (individuell) zweckentsprechend entwickelt und eingesetzt. Folglich gibt es DAS Instrument zur E-Partizipation nicht. Vielmehr kann elektronische Partizipation selbst als Instrument zur Ermöglichung von Teilhabe verstanden werden. Der Terminus steht demzufolge für eine neue internetgestützte Verfahrensweise, um durch die Nutzung des Web 2.0 den Partizipationsspielraum zu vergrößern.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Arbeit führt in die Thematik der elektronischen BürgerInnenbeteiligung ein und definiert die Fragestellung zur Qualitätssicherung kommunaler Entscheidungsprozesse.
2. Theoretische Grundlagen und Ansätze: Dieses Kapitel erläutert die Begriffe E-Partizipation, bürgerschaftliche Beteiligung und das Konzept der Bürgerkommune innerhalb des Kräftedreiecks von Politik, Verwaltung und Bürgerschaft.
3. Demokratie lebt von Beteiligung: Hier werden demokratietheoretische Ansätze vertieft und die Bedeutung der Mitwirkung für die politische sowie gesellschaftliche Teilhabe herausgearbeitet.
4. Schnittstelle Soziale Arbeit und BürgerInnenbeteiligung: Das Kapitel verknüpft die Professionalität Sozialer Arbeit mit den Zielen der Gemeinwesenarbeit und der Beteiligungskultur in Kommunen.
5. E-Partizipation am Anwendungsbeispiel „LiquidFriesland“: Eine detaillierte Analyse des Online-Antragsverfahrens „LiquidFriesland“, welches als Vorreiter für digitale Teilhabe fungiert.
6. E-Partizipation und das Görlitzer Beteiligungskonzept: Abschließend wird die Integration e-partizipativer Elemente in das städtische Konzept von Görlitz geprüft und Handlungsempfehlungen formuliert.
Schlüsselwörter
E-Partizipation, BürgerInnenbeteiligung, Kommunalpolitik, Soziale Arbeit, Bürgerkommune, Web 2.0, Demokratiebelebung, LiquidFriesland, Gemeinwesenarbeit, Bürgerhaushalt, Transparenz, Partizipation, Politikverdrossenheit, Online-Dialog, Verwaltungsmodernisierung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der vorliegenden Bachelorarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie elektronische Partizipationsinstrumente die bürgerschaftliche Beteiligung an kommunalen Entscheidungsprozessen unterstützen und qualitativ verbessern können.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die zentralen Felder umfassen die E-Partizipation, die klassische Bürgerbeteiligung, das Konzept der Bürgerkommune sowie die theoretischen Schnittstellen zur Sozialen Arbeit.
Welches primäre Ziel verfolgt die Autorin mit dieser Untersuchung?
Das Ziel ist es, den Nutzen elektronischer Verfahren aufzuzeigen und zu prüfen, wie diese Erkenntnisse in das Beteiligungskonzept der Stadt Görlitz integriert werden können.
Welche wissenschaftliche Methode wird in dieser Arbeit primär verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Aufarbeitung sowie einer Fallstudienanalyse des Projekts „LiquidFriesland“, deren Ergebnisse auf die Görlitzer Beteiligungsstruktur übertragen werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen, die Verknüpfung mit der Sozialen Arbeit, die Analyse des Praxisbeispiels „LiquidFriesland“ und die spezifische Konzeptevaluation für Görlitz.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind E-Partizipation, kommunale Selbstverwaltung, Gemeinwesenarbeit, Digitalisierung der Demokratie und BürgerInnenbeteiligung.
Welche Herausforderungen identifiziert die Arbeit für „LiquidFriesland“?
Besonders die komplexen technischen Zugangsvoraussetzungen und die fehlende echte Diskussionsdeliberation werden als kritische Punkte für die Nutzerfreundlichkeit und den politischen Austausch genannt.
Welchen Stellenwert nimmt die Soziale Arbeit im Beteiligungsprozess ein?
Die Soziale Arbeit agiert als Anlaufstelle und neutraler Vermittler, um durch den Ansatz der Gemeinwesenarbeit die Partizipation bedarfsgerecht und inklusiv zu gestalten.
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- Mareen Kirschen (Author), 2014, E-Partizipation. Internetgestützte bürgerschaftliche Beteiligung auf kommunaler Ebene, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/271777