Im Rahmen der durch den PISA-Schock ausgelösten Bildungsreformen war die Frage nach den Maßnahmen zur Transformation der Betreuungseinrichtungen im frühpädagogischen Sektor keine Überraschung und ein notwendiger Fortschritt. Mit den eingeleiteten Maßnahmen kam auch Bewegung in die Frage nach der Qualifizierung des frühpädagogischen Personals insbesondere der Qualifikationen der Erzieherinnen im frühkindlichen Bildungssektor. Der Aktionsrat Bildung, ein Expertengremium renommierter Bildungswissenschaftler, bemerkt zu diesem Thema:
„Der Ausbildungsstand dieses Segments des Bildungspersonals wurde in der Vergangenheit eher am Typus der Betreuungsinstitution orientiert. Diese Akzentuierung lässt sich heute nicht mehr halten“ (VBW, 2012, 9).
Diese Meinung trifft heutzutage auf eine breite Mehrheit und wirft weitere, nicht nur rein politische Fragen auf. Wie und wo kann diese Qualifizierung des pädagogischen Personals in der Pädagogik der frühen Kindheit stattfinden? In welchen Segmenten des Berufsbildes, insbesondere in der Ausbildung der Erzieherin ist es möglich, eine Professionalisierung zu beobachten und durchzuführen?
Es haben bereits einige Entwicklungen im frühpädagogischen Ausbildungssektor auf Fachschul- und auch Hochschulebene stattgefunden und diese „wecken das Bedürfnis nach stärkerer Vergleichbarkeit“ (Keil, 2011, 2).
So ergeben sich für die vorliegende Arbeit konkrete Fragestellungen. Zunächst gilt es zu klären, welche Konzepte zur Ausbildung von Erzieherinnen in der Pädagogik der frühen Kindheit zu finden sind. Weiterhin muss geklärt werden, worauf diese Bildungsgänge abzielen, d. h. wie sich ihre Rahmenbedingungen, Ziele und Inhalte darstellen. Abschließend ist es sinnvoll, diese Konzepte in einen direkten Vergleich zu setzen und vor dem Hintergrund des Professionsdiskurses zu bewerten.
Inhaltsverzeichnis der Ausbildungskonzepte
1. Einleitung
2. Definitionen
2.1. Profession
2.2. Professionalisierung
2.3. Kompetenzorientierung im Professionsdiskurs
2.4. Akademisierung
3. Das Berufsbild der Erzieherin
3.1. Historische Entwicklung
3.2. Aktuelle Entwicklung
4. Aktuelle Ausbildungssituation in Deutschland
4.1. Ausbildung der Erzieherinnen auf Fachschulebene
4.1.1. Rahmenbedingungen und Ausbildungsziele
4.1.2. Ausbildungsinhalte
4.1.3. Beispiel Lernfeld „Entwicklungs- und Bildungsprozesse unterstützen“
4.2. Ausbildung der Erzieherinnen auf Hochschulebene
4.2.1. Hintergründe
4.2.2. Rahmenbedingungen und Ausbildungsziele
4.2.3. Ausbildungsinhalte
4.2.4. Beispiel Studienbereich „Bildung und Didaktik im Kindesalter“
5. Konzeptvergleich der Ausbildungen
5.1. Inhaltlicher und struktureller Vergleich
5.2. Analyse und Bewertung anhand der genannten Definitionen von Profession und Professionalisierung
5.2.1. Analyse und Bewertung anhand der Elemente professionalisierten Erzieherinnenhandelns
5.2.2. Analyse und Bewertung anhand der Kompetenzorientierung
6. Fazit
7. Literatur
Zielsetzung & Themen der Untersuchung
Die vorliegende Arbeit untersucht die aktuelle Ausbildungssituation von Erzieherinnen in Deutschland durch einen direkten Vergleich zwischen fachschulischen und hochschulischen Qualifikationskonzepten. Ziel ist es, vor dem Hintergrund des Professionsdiskurses zu klären, inwiefern diese Bildungsgänge zur Professionalisierung des pädagogischen Personals beitragen und welche fachlichen sowie strukturellen Schwerpunkte sie dabei verfolgen.
- Vergleichende Analyse der Ausbildung auf Fachschul- und Hochschulebene
- Untersuchung des Professionalisierungspotenzials im Hinblick auf den Professionsstatus
- Analyse der Bedeutung von Akademisierung in der Pädagogik der frühen Kindheit
- Bewertung von Qualifikationsrahmen und Kompetenzmodellen (z.B. PiK-QR)
- Reflexion der Theorie-Praxis-Verzahnung in der Ausbildung
Auszug aus dem Buch
3.1. Historische Entwicklung
Die Wurzeln des Berufsbildes der Erzieherin liegen in dem erstmaligen Auftreten der Berufsbezeichnung Gouvernante. Im 17. Jahrhundert wurde es zunächst eine Mode, und, bedingt durch den Wandel im Bildungsansehen, dann eine Voraussetzung im europäischen Adel, die Kinder von gebildeten Frauen betreuen zu lassen. Diese Betreuung bezog sich nicht allein auf die Inobhutnahme, sondern auch auf die Ausbildung in Fremdsprachen, Kunst, Musik und Etikette.
Die Professionalisierung dieses Berufsstandes begann in der Zeit der Industrialisierung zu Beginn des 19. Jahrhunderts. Die veränderten wirtschaftlichen Verhältnisse verlangten nach einer Erwerbstätigkeit beider meist unterschichtiger Elternteile, und damit wurde die außerfamiliäre Betreuung und Erziehung der Kinder eine Notwendigkeit. Dieser Nachfrageanstieg an Betreuung von „Wartefrauen, Wärterinnen, Bewahrerinnen, Kindermägden, Kinderfrauen und Bonnen“ (Nagel, 2000) hatte zur Folge, dass der Bedarf durch die eher schlecht bis gar nicht pädagogisch ausgebildeten Frauen nicht mehr abgedeckt werden konnte. Obwohl zunächst keinerlei Erziehungsziele verfolgt wurden, änderte sich jedoch im Zuge des Gesellschaftswandels auch die Funktion der öffentlichen Kleinkinderziehung.
„Je mehr diese Einrichtungen dabei nicht mehr nur reine Verwahrung, sondern auch körperliche, geistige und seelische Vorbereitung auf Schule und Bedingungen der Arbeitswelt sowie eine Entfaltung der Persönlichkeit anstrebten, um so weniger reichten die Erfahrungen der betreuenden Frauen und die tradierten Erziehungsvorstellungen aus, um so mehr gewannen Fragen nach einer angemessenen Qualifizierung und Verberuflichung des Personals an Bedeutung“ (Nagel, 2000).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Arbeit begründet die Notwendigkeit der Professionalisierung des pädagogischen Personals aufgrund von Bildungsreformen und skizziert die methodische Vorgehensweise des Vergleichs.
2. Definitionen: Es werden die theoretischen Referenzbegriffe Profession, Professionalisierung und Akademisierung definiert und in den pädagogischen Kontext eingeordnet.
3. Das Berufsbild der Erzieherin: Dieses Kapitel zeichnet die historische Entwicklung von den Anfängen als Gouvernante bis zur staatlich anerkannten Erzieherin und die aktuellen gesellschaftlichen Herausforderungen nach.
4. Aktuelle Ausbildungssituation in Deutschland: Hier werden die fachschulischen und hochschulischen Ausbildungswege detailliert beschrieben, einschließlich Rahmenbedingungen, Inhalten und Praxisbezügen.
5. Konzeptvergleich der Ausbildungen: Ein direkter inhaltlicher Vergleich der Ausbildungsansätze erfolgt anhand definierter Kriterien und unter Einbeziehung des Professionsdiskurses.
6. Fazit: Die Arbeit schließt mit einer Bilanz der Ausbildungskonzepte und zeigt Perspektiven für die künftige Professionalisierung sowie die notwendige Durchlässigkeit im Bildungssystem auf.
7. Literatur: Verzeichnis der verwendeten Quellen und Materialien zur Untersuchung.
Schlüsselwörter
Erzieherin, Professionalisierung, Frühpädagogik, Akademisierung, Ausbildung, Fachschule, Hochschule, Kompetenzorientierung, Professionsdiskurs, pädagogische Qualifikation, Bildungssystem, Handlungskompetenz, Curriculum, Kindheitspädagogik, Theorie-Praxis-Bezug.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert die Professionalisierungsprozesse in der Ausbildung von Erzieherinnen in Deutschland, insbesondere durch den Vergleich fachschulischer und hochschulischer Qualifizierungswege.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Zentral sind der Professionsbegriff, die historische Entwicklung des Erzieherberufs, die aktuelle Ausbildungssituation sowie die Bedeutung der Akademisierung für die frühpädagogische Qualität.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die Konzepte der Fach- und Hochschulausbildung zu vergleichen und vor dem Hintergrund des Professionsdiskurses zu bewerten, um Schlussfolgerungen über deren Potenzial zur Professionalisierung zu ziehen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit nutzt eine komparative Analyse, bei der sowohl theoretische Definitionsmodelle als auch spezifische Kompetenzrahmen und Curricula gegenübergestellt werden.
Welche Inhalte dominieren den Hauptteil?
Im Hauptteil werden detailliert die Rahmenbedingungen, Ziele und Lerninhalte beider Ausbildungswege dargestellt und anschließend in einem direkten Konzeptvergleich gegenübergestellt.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?
Die Arbeit lässt sich maßgeblich durch Begriffe wie Professionalisierung, Erzieherinnenausbildung, Frühpädagogik und Akademisierung charakterisieren.
Wie unterscheidet sich die fachschulische Ausbildung von der hochschulischen in Bezug auf den Ansatz?
Die Fachschule verfolgt primär einen handlungsorientierten Ansatz zur Qualifizierung für die unmittelbare Praxis, während die Hochschule wissenschaftsorientiert arbeitet und wissenschaftliche Urteilsfähigkeit sowie Forschungskompetenz fokussiert.
Welche Rolle spielt der PiK-Qualifikationsrahmen in dieser Untersuchung?
Der PiK-QR dient als fachlicher Maßstab, um die Kompetenzorientierung der Ausbildungsgänge messbar zu machen und eine Vergleichbarkeit der verschiedenen Bildungswege zu ermöglichen.
Warum ist die Akademisierung laut Autor ein relevantes Thema?
Die Akademisierung wird als Instrument betrachtet, um das Sozialprestige und das Anforderungsprofil des Berufs an europäische Standards anzupassen und somit der Bedeutung frühkindlicher Bildungsprozesse gerecht zu werden.
Welches Fazit zieht die Arbeit hinsichtlich der Koexistenz beider Ausbildungswege?
Die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass beide Wege ihre Berechtigung haben und durch Kooperation sowie eine stärkere Theorie-Praxis-Verzahnung voneinander profitieren können, wobei die transpaerente Durchlässigkeit zwischen den Systemen entscheidend ist.
- Quote paper
- B. A. Eva Schröder (Author), 2013, Professionalisierung von Erziehern in der Pädagogik der frühen Kindheit, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/271379