Das Phänomen Jugendsprache ist ein viel diskutiertes Thema in der Sprachforschung also auch in der Gesellschaft. Bei dem Gebrauch des Wortes „Jugendsprache“ ist jedoch zu beachten, dass mit diesem Begriff keine Sprache mit eigener Grammatik, differenziertem Wortschatz und normativer Geltungen gemeint ist. Es sind vielmehr jugendliche Sprechweisen, welche ein „[…] Ausweich- und Überholmanöver […]“ ihrer zugrundeliegenden Standardsprache repräsentieren.
Die menschliche Sprache, die einer Sprechergemeinschaft als Verständigungsmittel dient und nach Hockett u.a. die Merkmale Produktivität, Arbitrarität sowie Semantizität inne hat , erweist sich in der jugendlichen Sprachproduktion als beson-ders innovativ. Es kommt dabei nicht selten zu einem Spiel mit der Arbitrarität und einer überraschenden Veränderung der Semantizität, sodass daraus zahlreiche Wör-terbücher wie „Endgeil - Das voll konkrete Lexikon der Jugendsprache“ von Hermann Ehmann hervorgebracht werden. Ausgehend von dieser kreativen Leistungsfä-higkeit der Jugendlichen, stellen wir folgende Hypothese auf:
„Jugendsprache ist lebhafter als die Standardsprache“.
Davon ausgehend soll herausgearbeitet werden, inwieweit der jugendliche Sprechstil lebhafter ist und woran sich dieses kennzeichnen lässt. Dafür wird zunächst der Begriff „Jugendsprache“ kurz erläutert sowie deren sprachliche Phänomene theoretisch dargelegt. Der Fokus liegt dabei auf die Entstehung eines Sonderwortschatzes und dem phraseologischen Sprechen. Um die Ausgangshypothese analysieren zu können, haben wir aktuelle Ausdrücke und Redewendungen mittels Fragebogen erhoben. In einem abschließenden Fazit werden die Ergebnisse der Analyse zusammengefasst und hinsichtlich unserer These kritisch reflektiert.
Inhaltsverzeichnis
1 EINLEITUNG
2 BEGRIFF JUGENDSPRACHE
3 SPRACHLICHE PHÄNOMENE
3.1 LEXIKALISCHE MERKMALE
3.2 „SPRÜCHEKULTUR“ – PHRASEOLOGISMEN IN DER „JUGENDSPRACHE“
4 ANALYSE
4.1 ERLÄUTERUNG DER MATERIALERHEBUNG
4.2 ANALYSE LEXIK
4.3 ANALYSE PHRASEME
5 FAZIT
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Hypothese, dass die Jugendsprache lebhafter als die Standardsprache ist, und analysiert hierfür die kreativen Prozesse der jugendlichen Sprachproduktion sowie deren phraseologische Ausdrucksweisen anhand aktueller Beispiele.
- Charakterisierung der Jugendsprache als Soziolekt
- Analyse lexikalischer Merkmale und Wortneubildungen
- Untersuchung der jugendlichen „Sprüchekultur“
- Empirische Auswertung durch eine Befragung in einer Schulklasse
- Diskussion der Expressivität und Identitätsfunktion von Jugendsprache
Auszug aus dem Buch
4.2 Analyse Lexik
Die Auswertung zeigt, dass in der Jugendsprache neue Lexeme phantasievoll und einfallsreich kreiert werden. Der Sonderwortschatz wird nicht nur durch die Entstehung neuer, sondern insbesondere auch durch die Abwandlung der herkömmlichen Bedeutung bereits bestehender Wörter ausgeweitet.
So unterzieht sich der jugendsprachliche Ausdruck geil einer semantischen Veränderung, da geil ursprünglich zur Bezeichnung des Pflanzenwuchses verwendet wurde. Umgangssprachlich hat geil meist eine sexuelle Bedeutung. In der Jugendsprache wird diese erweitert im Sinne von gut, gefällt mir oder großartig. Das gleiche gilt für das Wort Porno. Standardsprachlich ist es eine Ökonomisierung für Pornografie und meint die Darstellung der menschlichen Sexualität. In der Jugendsprache wird es häufig in demselben Kontext wie geil und als Adjektiv benutzt.
Bei der Verwendung der Provokationen Meister Proper, Spasti oder der Beleidung du Opfer ist der Kontext von zentraler Bedeutung. Meister Proper referiert hier nicht mehr auf den Allzweckreiniger, sondern ist ein sprachliches Bild und hat eine abwertende Funktion. Der Gebrauch von Spasti ist eine Ökonomisierung für Spasteniker und bedeutet in der jugendsprachlichen Verwendung nicht mehr ein krankhaft körperlicher Behinderter, sondern definiert jemanden als einen dummen Menschen. Die gleiche Funktion hat die Beleidigung du Opfer, wobei die ursprüngliche Semantik (z.B. wenn jemand einen Schaden erleidet) verloren geht. Bei den drei Lexemen handelt es sich um eine Bedeutungsverschiebung (semantische Variation).
Zusammenfassung der Kapitel
1 EINLEITUNG: Hinführung zum Thema Jugendsprache und Aufstellung der Hypothese zur Lebhaftigkeit des jugendlichen Sprechstils.
2 BEGRIFF JUGENDSPRACHE: Definition der Jugendsprache als gruppenspezifische Varietät und Abgrenzung zur homogenen Sprache.
3 SPRACHLICHE PHÄNOMENE: Theoretische Darlegung der Dynamik jugendsprachlicher Wortschatzbildung sowie phraseologischer Besonderheiten.
4 ANALYSE: Praktische Untersuchung und Auswertung der erhobenen Sprachdaten aus dem schulischen Umfeld.
5 FAZIT: Zusammenfassung der Ergebnisse und kritische Reflexion der These zur Lebhaftigkeit der Jugendsprache sowie der Herausforderungen bei der empirischen Erhebung.
Schlüsselwörter
Jugendsprache, Soziolekt, Lexik, Phraseologie, Neologismen, Sprachspiele, Kreativität, Semantik, Materialerhebung, Identität, Wortbildung, Sprachforschung, Expressivität, Varietät, Kommunikation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit dem sprachwissenschaftlichen Phänomen der Jugendsprache und ihrer Abgrenzung sowie ihren Unterschieden zur Standardsprache.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die Schwerpunkte liegen auf dem Sonderwortschatz (Lexik), der Entstehung von Neologismen und der sogenannten „Sprüchekultur“, also dem phraseologischen Sprechen unter Jugendlichen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Hauptziel ist es, die Hypothese zu belegen, dass Jugendsprache lebhafter als Standardsprache ist, und zu zeigen, woran sich diese Lebhaftigkeit festmachen lässt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Zur Datengewinnung wurde ein Fragebogen erstellt und in einer Klasse von 16-jährigen Schülerinnen und Schülern an einer Gesamtschule eingesetzt, um deren sprachliche Reaktionen auf standardisierte Situationen zu analysieren.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Einführung in die sprachlichen Phänomene und eine detaillierte Analyse der erhobenen Beispiele aus den Bereichen Lexik und Phraseme.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Jugendsprache, Kreativität, Semantik, Wortbildung und Phraseologie geprägt.
Wie unterscheidet sich der Begriff "Meister Proper" in der Jugendsprache von seiner ursprünglichen Bedeutung?
In der Jugendsprache wird der Name des Allzweckreinigers zu einem sprachlichen Bild umgedeutet, das eine abwertende Funktion einnimmt und eine Person als dumm oder unzulänglich charakterisiert.
Welche Rolle spielt das Präfix "ab-" bei der Entstehung jugendsprachlicher Wörter?
Es dient der kreativen Eindeutschung oder Umformung englischer Anglizismen (wie z.B. abdancen oder abturnen), um neue Lexeme mit spezifischer Bedeutung für den jugendlichen Kontext zu schaffen.
- Arbeit zitieren
- Kathleen Harm (Autor:in), 2013, Die Lebhaftigkeit der Jugendsprache, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/271186