Nun mehr 20 Jahre nach der deutschen Wiedervereinigung ist sowohl Jugend als auch Religion im Rahmen unzähliger Gesellschaftsentwicklungen einem starken Wandel unterworfen worden. Nachdem das politische System der DDR 1989/90 zusammenbrach, wurden die Kirche und die Bevölkerung nicht mehr von dem kirchenfeindlichen Staat unterjocht. Infolge dessen lag die Annahme nahe, dass sich ein Großteil der Ostdeutschen wieder zurückbesinnen würde, auf religiöse Fragen, den Glauben und die Kirche. Die derzeitigen Zahlen sprechen jedoch eine andere Sprache: Nach den Allbus Daten von 2008 gehören 77% der Männer und 71% der Frauen in den neuen Bundesländern keiner Konfession an. Insbesondere für die Religionssoziologie rückte dieser Forschungsgegenstand in den letzten Jahren verstärkt in den Vordergrund wissenschaftlicher und empirischer Untersuchungen. Säkularisierung und
Individualisierung sind hier zwei gegensätzliche Theoreme, mit denen die Entwicklungen skizziert und erklärt werden wollen...
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Begrifflichkeiten
2.1 Begriff Religion
2.2 Begriff Jugend
3. Theorien
3.1. Säkularisierungstheorie
3.2. Individualisierungstheorie
4. Die Entwicklungstendenzen der ostdeutschen Jugendlichen Religiosität – eine Bestandsaufnahme
4.1. traditionale Kirchlichkeit
4.2. individuelle christliche Religiosität
4.3. außerkirchliche Religiosität
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht den Wandel der Religiosität unter Jugendlichen in Ostdeutschland mehr als 20 Jahre nach der Wiedervereinigung, um zu ergründen, ob eine Revitalisierung christlicher Glaubensvorstellungen realistisch ist oder ob eine anhaltende Säkularisierung dominiert.
- Analyse theoretischer Erklärungsansätze wie Säkularisierung und Individualisierung.
- Untersuchung der religiösen Entwicklung in Ostdeutschland unter Berücksichtigung historischer Rahmenbedingungen der DDR.
- Evaluation empirischer Daten zu Kirchenaustritten, Gottesdienstbesuchen und persönlichem Glauben.
- Erörterung neuer Formen der Spiritualität und deren Relevanz für die nachwachsende Generation.
Auszug aus dem Buch
3.1. Säkularisierungstheorie
Innerhalb der Säkularisierungsthese wird von einem negativen Spannungsverhältnis zwischen Religion und Moderne ausgegangen, aus welchem ein sozialer Bedeutungsverlust der Kirche und Religion resultiert (Pollack, Müller 2011: 126). Gerade die empirische Überprüfbarkeit dieses Verlustes der Deutungsmacht von Religion, - wie beispielsweise steigende Kirchenaustritte, sinkende Mitgliederzahlen – dient den Säkularisierungsvertretern als Beleg für ihre Hypothesen. Wesentlich ist es zudem, diese Theorie als langfristigen, Generationen überdauernden Prozess anzusehen, der sich schleichend vollzieht, aus einer Abnahme religiöser Sozialisation erfolgend (Pickel 2011: 139).
Als zentrale Annahme dieser Theorie wird konstatiert, dass der Akteur sein Leben nach rationalen Prinzipien ausrichtet, und keiner Transzendenz oder höheren Macht mehr bedarf um alltägliche Probleme und Krisenlagen zu bewältigen. Außerdem gibt es eine Vielzahl weiterer Prozesse, die sich den modernisierenden Gesellschaften vollziehen, und die das Verhältnis zwischen Mensch und Religion auflösen: innerhalb der modernen Zivilregion bilden sich zunehmend weitere Subsysteme heraus, neben denen Religion nur als eines von ihnen steht, und außerdem ihren ursprünglichen Zugang zu diesen verloren hat. Die Industrialisierung führte dazu, die Arbeit als zentralen Faktor der Lebensführung des Einzelnen in den Vordergrund zu rücken. Religion, der Glaube und die Kirche werden hinten angestellt oder in den privaten Bereich abgeschoben.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Fragestellung ein, wie sich Religion und Jugend in Ostdeutschland nach der Wiedervereinigung verändert haben und welche Rolle Theorien zur Säkularisierung und Individualisierung dabei spielen.
2. Begrifflichkeiten: Hier werden die zentralen Begriffe „Religion“ (unterschieden in substantielle und funktionalistische Ansätze) und „Jugend“ als sozialer Entwicklungsabschnitt theoretisch definiert.
3. Theorien: Es erfolgt eine Gegenüberstellung der Säkularisierungstheorie, die einen Bedeutungsverlust von Religion postuliert, und der Individualisierungstheorie, die einen Formenwandel hin zu privateren Religiositäten beschreibt.
4. Die Entwicklungstendenzen der ostdeutschen Jugendlichen Religiosität – eine Bestandsaufnahme: Dieses Kapitel analysiert anhand empirischer Daten drei Dimensionen: die rückläufige traditionale Kirchlichkeit, die abnehmende individuelle christliche Religiosität und die begrenzte Bedeutung außerkirchlicher Religiosität bei ostdeutschen Jugendlichen.
5. Fazit: Die Arbeit schließt mit dem Ergebnis, dass Ostdeutschland weiterhin eine der am stärksten säkularisierten Regionen bleibt und die Kirche für die junge Generation an Relevanz verloren hat.
Schlüsselwörter
Jugend, Religion, Ostdeutschland, Säkularisierung, Individualisierung, Kirchenmitglieder, Konfessionslosigkeit, Religiosität, Glaube, Sozialisation, Kirchenpolitik, DDR, Spiritualität, Patchwork-Religiosität, Jugendweihe.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der religionssoziologischen Analyse der religiösen Situation von Jugendlichen in Ostdeutschland über 20 Jahre nach der deutschen Wiedervereinigung.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die Arbeit thematisiert den Wandel der Religiosität, die Bedeutung institutioneller Kirche versus individueller Spiritualität und die Einflüsse historischer sowie sozialer Rahmenbedingungen in den neuen Bundesländern.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es zu klären, ob ein möglicher Glaube an eine Revitalisierung christlicher Religion durch die junge Generation realistisch ist oder ob sich die Säkularisierung weiter fortsetzt.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Fundierung durch soziologische Theoreme (Säkularisierung und Individualisierung) sowie einer Analyse empirischer Daten, wie Allbus-Daten und der Shell Jugendstudie.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden die Begriffe definiert, theoretische Rahmenbedingungen erläutert und eine detaillierte Bestandsaufnahme der religiösen Trends unterteilt in traditionale, individuelle und außerkirchliche Religiosität vorgenommen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Die zentralen Schlagworte umfassen Säkularisierung, Individualisierung, Konfessionslosigkeit, ostdeutsche Jugend und kirchliche Sozialisation.
Warum wird die DDR-Vergangenheit in der Arbeit hervorgehoben?
Die DDR-Vergangenheit wird als entscheidender Faktor genannt, da die kirchenfeindliche Politik das Fundament für die heute weit verbreitete Konfessionslosigkeit und die Distanz zur Institution Kirche gelegt hat.
Welche Rolle spielt die sogenannte "Folgekonfessionslosigkeit"?
Dieser Begriff beschreibt, dass fehlende religiöse Sozialisation durch die Eltern dazu führt, dass die nachwachsende Generation den Bezug zur Religion verliert und dieser Zustand generationsübergreifend stabil bleibt.
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- Suzanne Seif (Author), 2011, Jugend und Religion, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/270872