Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit dem Ort Krankenpflege im Kloster und dessen planerischer Umsetzung am Beispiel des St. Galler Klosterplans.
Im Speziellen soll nicht nur der Hospital-, sondern auch der Novizenbereich des St. Galler Klosterplans zum einen näher beleuchtet und zum anderen in den Kontext des mittelalterlichen Hospitalbaus gebracht werden. Auf dem Plan sind erstmalig drei verschiedene Hospitalarten eingezeichnet: Östlich der Kirche befindet sich der Hospitalbereich der Mönche, im Westen das hospitale pauperum, welches für Arme und Pilger vorgesehen ist, und im Norden das Haus für Gäste, die „zu Pferde kamen“. In der vorliegenden Hausarbeit soll es um das eigentliche Infirmarium, also den Hospitalbereich für die Mönche gehen, welcher sich aus mehreren baulichen Einheiten zusammensetzt. Hierzu gehört auch der Bereich für die Novizen. Das Infirmarium bildete einen wesentlichen Bestandteil im mittelalterlichen Klosterbau. Bezogen auf den St. Galler Klosterplan, handelt es sich um eine Art Musterplan des Hospitalbereichs, wie man diesen sich in der damaligen Zeit idealerweise vorstellte. Kapitel 3 beschäftigt sich einführend mit diversen Gesichtspunkten des mittelalterlichen Hospitalbaus und dessen historischer Entwicklung im Allgemeinen. Das vierte Kapitel hingegen setzt sich mit dem Aufbau des Infirmariums des St. Galler Klosterplans im Speziellen auseinander. Weiterhin wird in den folgenden Unterpunkten auf den Aufbau des Novizenbereichs sowie auf die Doppelkirche, welche sowohl für die Kranken als auch für die Novizen vorgesehen war, eingegangen. Im Zuge der Arbeit soll auch die wichtige Frage, ob die Anordnung der Räume der beiden Bereiche auf dem Plan eine Sinnvolle ist – und inwieweit diese in ähnlicher Weise in anderen Klöstern umgesetzt wurde – geklärt werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Hospitalbau im Mittelalter
2.1 Der Hospitalbegriff im Mittelalter
2.2 Die historische Entwicklung des mittelalterlichen Hospitalbaus
2.3 Versorgung der Kranken in der mittelalterlichen Klostermedizin
3. Der Hospitalbereich des St. Galler Klosterplans
3.1 Aufbau des Hospitalbereichs
3.2.1 Haus des Arztes und der Schwerkranken
3.2.2 Aderlasshaus
3.2.3 Wasch-/Badehaus und Küche
3.2.4 Kräutergarten
3.3 Die Größe der eingezeichneten Räume
4. Der Novizenbereich des St. Galler Klosterplans
4.1 Aufbau des Novizenbereichs
5. Die Doppelkirche von Noviziat und Infirmerie
6. Zusammenfassung:
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den Kranken- und Novizenbereich des St. Galler Klosterplans im Kontext des mittelalterlichen Hospitalbaus. Ziel ist es, die bauliche Umsetzung und funktionale Anordnung dieser Bereiche zu analysieren und deren Einbettung in die klösterliche Ordnung nach der Regula Benedicti zu erläutern.
- Historische Entwicklung des mittelalterlichen Hospitalbaus.
- Analyse der Funktionsbereiche des Infirmariums (Arzthaus, Aderlass, Badehaus).
- Vergleich zwischen Hospital- und Novizenbereich in ihrer architektonischen Symmetrie.
- Bedeutung der Doppelkirche für die geistige Versorgung der Kranken und Novizen.
- Untersuchung der Bemessung und Ausstattung der Räume im St. Galler Plan.
Auszug aus dem Buch
3.1 Aufbau des Hospitalbereichs
Im Osten der Hauptkirche des St. Galler Klosterplans befindet sich in deren unmittelbarer Nähe der Hospital- (Infirmarium) und Novizenbereich (hoc claustro oblati pulsantibus adsociantur); (Abb. 3). Ersterer setzt sich aus mehreren Einheiten zusammen: Im Zentrum der Anlage befindet sich das eigentliche Hospital. Es trägt die Innschrift: „Den kranken Brüdern werde ebenso dieser Ort bereitet“ (Fratribus infirmis pariter locus iste paretur). Seine Räume sind um einen zentralen Hof (porticus) herum angeordnet, im Westen findet man eine Kamer (camera) sowie den Speisesaal (refectorium). Im Norden der Anlage ist die Behausung des „Magisters“ (domus magistri eorum), welche – wie der sich daneben befindende Raum für die Schwerkranken (locus valde infirmorum) – einzeln beheizbar ist, eingezeichnet. Es gibt verschiedene Übersetzungen und damit auch Funktionen des Magisters, wie beispielsweise: Krankenhausaufseher, Spitalmeister oder auch geistlicher Spitalvorsteher. Laut Seiler (2001) handelt es sich hierbei wohl um den Infirmar, also den administrativen Leiter des Hospitals.
Weiterhin sieht der Plan einen Schlafsaal (dormitorium) mit Latrinen und einem Wärmeraum (pisale) im östlichen Teil des Infirmariums vor. Das als domus medicorum bezeichnete Haus der Ärzte vereint mehrere Teile und weist auf verschiedene Ärzte, möglicherweise aber auch Schüler und Assistenten hin. Zu diesem gehören die mansio medici ipsius (die Bleibe des Chefarztes) und das cubiculum valde infirmorum, welches die Funktion einer Intensivstation inne hat und somit nur für Schwerkranke vorbehalten ist. Neben dem Kranken- und Ärztehaus befinden sich des Weiteren das Aderlasshaus (fleotomatis hic gustandum vel potionariis), das Bad, die Küche und die Kirche.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Vorstellung der Thematik der mittelalterlichen Krankenpflege und der zentralen Bedeutung des St. Galler Klosterplans als Musteranlage.
2. Hospitalbau im Mittelalter: Untersuchung der historischen Entwicklung von Hospitälern und der Bedeutung der Klostermedizin für die Versorgung Bedürftiger.
3. Der Hospitalbereich des St. Galler Klosterplans: Detaillierte Analyse des Infirmariums, seiner funktionalen Einheiten wie Arzthaus, Aderlasshaus und Küche sowie deren Bemessung.
4. Der Novizenbereich des St. Galler Klosterplans: Erläuterung der spiegelbildlichen Anordnung des Noviziats zum Hospitalbereich und dessen funktionaler Ausstattung.
5. Die Doppelkirche von Noviziat und Infirmerie: Beschreibung der zentralen geistigen Versorgungseinrichtung, die Novizen und Kranke miteinander verbindet.
6. Zusammenfassung:: Resümee über die strikte Orientierung des Klosterplans an der Regula Benedicti und die architektonische Sinnhaftigkeit der Anordnung.
Schlüsselwörter
St. Galler Klosterplan, Hospitalbau, Mittelalter, Infirmarium, Klostermedizin, Regula Benedicti, Noviziat, Doppelkirche, Architektur, klösterliche Versorgung, Krankenpflege, Symmetrie, Raumplanung, Magister, Mittelalterliche Geschichte.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der vorliegenden Arbeit im Kern?
Die Arbeit befasst sich mit der baulichen Planung und funktionalen Gestaltung des Kranken- und Novizenbereichs innerhalb des berühmten St. Galler Klosterplans.
Welche zentralen Themenbereiche werden behandelt?
Neben der allgemeinen historischen Entwicklung des mittelalterlichen Hospitalbaus liegt der Fokus auf der medizinischen Versorgung im Kloster und der spezifischen Nutzung einzelner Räume wie dem Aderlasshaus oder dem Kräutergarten.
Was ist die Forschungsfrage der Untersuchung?
Die Untersuchung geht der Frage nach, wie sinnvoll die Anordnung der Räume auf dem Plan ist, inwiefern sie sich an der Regula Benedicti orientiert und ob diese Strukturen auch in anderen historischen Klöstern so umgesetzt wurden.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit stützt sich auf eine detaillierte Quellenanalyse einschlägiger Literatur (wie Jetter, Seiler und der Regula Benedicti) sowie auf die vergleichende Untersuchung der Planzeichnungen des St. Galler Klosterplans.
Was wird im Hauptteil der Arbeit erläutert?
Der Hauptteil analysiert schrittweise den Aufbau des Infirmariums und des Noviziats, vergleicht deren Raumgrößen und beleuchtet die Rolle der Doppelkirche als geistiges Zentrum der beiden Bereiche.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit am besten charakterisieren?
Wesentliche Begriffe sind St. Galler Klosterplan, Infirmarium, Mittelalterliche Architektur, Klostermedizin und die Regula Benedicti.
Warum ist das "Armarium pigmentorum" ein wichtiger Raum im Plan?
Dieser Raum diente als klostereigene Apotheke und Laboratorium, in dem der Arzt und seine Helfer Medikamente eigenhändig zubereiteten.
Welche Rolle spielt die Symmetrie bei der Gestaltung von Noviziat und Hospital?
Die spiegelbildliche Anordnung zeigt die enge architektonische und funktionale Verknüpfung beider Bereiche, was unter anderem eine effiziente Nutzung der baulichen Infrastruktur (wie bei der Küche oder den Abtritten) ermöglichte.
- Arbeit zitieren
- Nele Frey (Autor:in), 2012, Der Kranken- und Novizenbereich im Klosterplan von St. Gallen. Hospitalbau im Mittelalter, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/270719