Männer und Frauen sprechen gleich. Sicher ist dies nicht der Fall. Aber inwiefern existieren geschlechtsspezifische Unterschiede beim Sprechverhalten? Dieser Frage soll in der vorliegenden Arbeit auf wissenschaftlicher Basis nachgegangen werden. Einer theoretischen Erörterung mit zahlreichen konkreten Beispielen folgt dabei die Auswertung einer kurzen Befragung der Hauptseminarteilnehmer.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Forschungsbericht
3. Begriffsbestimmung und Schwierigkeit der Untersuchung
4. Geschlechtsspezifische Unterschiede beim Sprechverhalten
4.1. Existieren faktische Unterschiede oder sind Unterschiede nur in der Wahrnehmung als Konsequenz aus vorhandenen Geschlechtsstereotypen vorhanden?
4.2. In Untersuchungen beobachtete geschlechtsspezifische Unterschiede im Sprechverhalten
4.3. Mögliche Gründe für geschlechtsspezifisches Sprachverhalten
4.4. Auswertung der Studie „Geschlechtsspezifische Aspekte bei Selbsteinschätzung und Sprechverhalten von Lehramtsstudierenden“ und Vergleich mit darauf basierender Befragung der Seminarteilnehmer
5. Schlussbemerkung
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht die geschlechtsspezifischen Unterschiede im Sprach- und Gesprächsverhalten von Frauen und Männern. Das primäre Ziel ist es, feststellbare Differenzen zu identifizieren, deren Ursachen – ob biologisch, gesellschaftlich oder psychologisch bedingt – zu ergründen und die Notwendigkeit sowie Möglichkeiten des Umgangs mit diesen Unterschieden kritisch zu reflektieren.
- Wissenschaftliche Aufarbeitung des geschlechtsspezifischen Sprachverhaltens
- Analyse theoretischer Erklärungsmodelle zur Entstehung von Geschlechterdifferenzen in der Kommunikation
- Kritische Auseinandersetzung mit feministischen Sprachansätzen
- Empirischer Vergleich zwischen bestehenden Studien und eigener Befragung von Lehramtsstudierenden
- Diskussion über gesellschaftliche Diskriminierung und Sprachdomination
Auszug aus dem Buch
3. Begriffsbestimmung und Schwierigkeit der Untersuchung
Zunächst gilt es den Begriff der „geschlechtspezifischen kommunikativen Verhaltensweisen“ zu erläutern und einzugrenzen. Unter „kommunikativer Verhaltensweise“ versteht man das Verhalten der beteiligten Personen in Gesprächsituationen. Dabei kann in sprachliche und außersprachliche Faktoren des Gesprächsverhaltens unterschieden werden. Zu den sprachlichen Faktoren zählen die Wortwahl, nicht im streng lexikalischen Sinne, sondern was den Gebrauch von Wortregistern betrifft, die bestimmte Einstellungen (z.B. Höflichkeit oder Unsicherheit) wiedergeben. Auch die Betonung des Gesagten könnte man hier nennen, sofern mit ihr ein gewisses Verhalten signalisiert wird. Zu den außersprachlichen Faktoren gehören unter anderem das Auftreten und die Körpersprache der Sprechenden, sowie die eventuelle (Nicht-)Beachtung von Regeln und Konventionen bzw. das Anwenden von Gesprächsstrategien.
Das Attribut „geschlechtsspezifisch“ schließlich signalisiert, dass es sich um ein Merkmal handelt, welches jeweils nur einem der beiden Geschlechter eigentümlich ist, anhand dessen die Geschlechter also eindeutig unterschieden werden können. Da es in der Praxis strittig ist, ob überhaupt kommunikative Verhaltensweisen existieren, die ausschließlich von einem der beiden Geschlechter verwendet werden, spricht man auch von „geschlechtstypisch“, um ein Merkmal zu charakterisieren, das vermehrt nur bei einem der beiden Geschlechter auftritt.
Generell sollte darauf hingewiesen werden, dass es sich durchaus schwierig gestaltet, bei der Untersuchung von kommunikativen Verhaltensweisen festzustellen, ob es sich um geschlechtsspezifisches Verhalten handelt, da andere Einflussfaktoren, die das Sprechverhalten prägen, in Studien nur äußerst schwer isoliert werden können.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Thematik der geschlechtsspezifischen Sprachunterschiede ein und stellt die Kernfragen nach der Erklärbarkeit, Bewertung und möglichen Veränderung dieser Verhaltensweisen.
2. Forschungsbericht: Dieses Kapitel bietet einen historischen Abriss der Erforschung geschlechtsspezifischer Sprache und beleuchtet kritisch die Rolle der feministischen Linguistik sowie deren methodische Herausforderungen.
3. Begriffsbestimmung und Schwierigkeit der Untersuchung: Hier werden die zentralen Termini definiert und die methodische Komplexität dargelegt, geschlechtsspezifische von anderen Einflussfaktoren wie Beruf, Status oder Situation abzugrenzen.
4. Geschlechtsspezifische Unterschiede beim Sprechverhalten: Dieses Kapitel analysiert Hypothesen zur Entstehung dieser Unterschiede, untersucht empirische Beobachtungen und vergleicht eigene Umfrageergebnisse mit bestehenden Studien von Roland W. Wagner.
5. Schlussbemerkung: Die Schlussbetrachtung reflektiert den Umgang mit festgestellten Unterschieden und kommt zu dem Ergebnis, dass eine Bewertung von der individuellen Weltsicht abhängt und die individuelle Strategiewahl im Vordergrund steht.
Schlüsselwörter
Geschlechtsspezifische Sprache, Sprechverhalten, Kommunikation, feministische Linguistik, Geschlechtsstereotype, geschlechtstypisch, Sprachkompetenz, Selbsteinschätzung, Kommunikationsstörungen, Diskriminierung, Sozialisation, Theorie der zwei Kulturen, Gesprächsstrategien, Sprachdominanz, Geschlechterrolle.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, ob und wie sich das Sprechverhalten von Frauen und Männern unterscheidet und welche Faktoren zu diesen Differenzen führen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Themenfelder umfassen die Geschichte der Erforschung, die begriffliche Abgrenzung zwischen geschlechtsspezifischem und geschlechtstypischem Verhalten sowie die Analyse gesellschaftlicher und biologischer Einflüsse auf die Kommunikation.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die Ursachen für unterschiedliches Sprachverhalten zu verstehen, gängige Hypothesen zu hinterfragen und zu erörtern, ob eine Angleichung der Gesprächsstile erstrebenswert oder überhaupt umsetzbar ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin kombiniert eine Literaturanalyse bestehender sprachwissenschaftlicher Konzepte mit einer eigenen, quantitativen Befragung von Seminarteilnehmern, um die Thesen mit der Praxis abzugleichen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil befasst sich detailliert mit Hypothesen wie der "Sex-Dialect-Hypothese", der Analyse von Machtstrukturen in Gesprächen sowie der Auswertung von Umfragedaten zu Sprachkompetenz und Selbsteinschätzung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Kernbegriffe sind Geschlechtsspezifische Sprache, Geschlechtsstereotype, Kommunikationsstrategien und Sprachdominanz.
Warum wird der Begriff "geschlechtstypisch" dem Begriff "geschlechtsspezifisch" vorgezogen?
Die Arbeit begründet dies damit, dass der Begriff "spezifisch" eine eindeutige Unterscheidbarkeit impliziert, die in der Realität selten gegeben ist, während "geschlechtstypisch" das vermehrte Auftreten bei einem Geschlecht besser abbildet.
Wie bewertet die Arbeit die Forderungen nach einer "Entmaskulinisierung" der Sprache?
Die Autorin sieht derartige Forderungen, wie sie von Trömel-Plötz geäußert wurden, kritisch, da sie die individuelle Freiheit und die situative Angemessenheit der gewählten Gesprächsstrategie vernachlässigen.
- Quote paper
- Michael Vogler (Author), 2002, Geschlechtsspezifische kommunikative Verhaltensweisen, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/27044